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Interview: Huawei gibt einen Blick auf die Zukunft der Smartphones

Moderne Smartphones können längst mehr als Computer vor einigen Jahren. Doch das Ende der Fahnenstange ist längst nicht erreicht. Im Interview mit Areamobile gibt Arne Herkelmann vom chinesischen Hersteller Huawei einen Ausblick darauf, was wir in Zukunft erwarten dürfen.

Arne Herkelmann von Huawei | (c) Huawei

Arne Herkelmann von Huawei | (c) Huawei

AM: Nutzer setzen auf Bequemlichkeit. Smartphones sollen immer mehr können und immer einfacher bedienbar sein. Welche Funktionen gibt es heute für ein vereinfachtes Handling und welche Voraussetzungen muss die Technologie mitbringen, um Smartphones auch künftig leichter bedienbar zu machen?
Arne Herkelmann: Nutzer verlangen heute vor allem Schnelligkeit und immer mehr Funktionen. Dabei soll die Nutzeroberfläche möglichst intuitiv und für jeden verständlich sein. Deshalb haben wir der Touch-Steuerung mit unserer Technologie namens Knuckle Sense , die wir mit dem Huawei P8 eingeführt haben, eine zusätzliche Ebene hinzugefügt. Das Smartphone erkennt, ob man es mit dem Fingerknöchel oder der Fingerkuppe bedient. Tippt man doppelt mit dem Knöchel auf das Display, erstellt man zum Beispiel einen Screenshot. Um dies umzusetzen, muss die Hard- und Software einige Voraussetzungen erfüllen. So muss die Hardware „feinfühlig" genug sein, um den Unterschied zu erkennen. Die Software wiederum muss ideal eingestellt werden und auch die Grauzonen abdecken.

AM: Neben der Touch-Funktion führen manche Hersteller wieder den Stylus ein. Wie ist der Trend zu bewerten? Rückschritt oder Fortschritt in Sachen Bedienung?
Arne Herkelmann: Die Stylus-Eingabe war eigentlich nie wirklich ganz verschwunden, sie hat sich aber in den letzten Jahren in einer eher kleinen Nische - hauptsächlich im Geschäftskundenbereich - abgespielt. Mit dem Einzug von kapazitiven Displays und Multitouch wurden die damals üblichen Stifte in den meisten Bereichen abgelöst. Die Benutzeroberflächen der Geräte folgten dem Trend und wurden auf Fingereingabe optimiert. Es gab kaum noch einen Mehrwert für einen Stylus. Die Verbesserung des kapazitiven Stylus mit zusätzlicher Unterstützung von tausenden Druckpunkten über Bluetooth zusammen mit wachsenden Displaygrößen im Smartphone-Bereich und immer günstigeren Tablets schafft jetzt die Basis für eine Renaissance der Stift-Eingabe. Ein moderner Stylus kann fast ein natürliches Schreibgefühl wie auf Papier vermitteln und die großen Displays sorgen dafür, dass Nutzer auch mehr als nur einzelne Buchstaben wie zu Zeiten des Palm schreiben können. Das einfachste im Gehen, in der Bahn oder auf der Couch wird aber doch die Eingabe mit den Fingern bleiben, die wir versuchen, so einfach und effektiv wie möglich zu gestalten. Finger sind eben immer zur Hand.

AM: Wird sich die Touch-Technologie noch weiterentwickeln oder sind wir mit Multitouch bereits am Ende der Entwicklung angekommen? Ist Force Touch ein sinnvoller Fortschritt? Wie sieht es mit Sprachsteuerung aus?
Arne Herkelmann: Die Weiterentwicklung im Touch-Bereich hat lange stagniert. Es ist gut, dass sich jetzt z.B. mit der Knuckle-Sense-Steuerung wieder etwas tut. Auch die Sprachsteuerung wird langsam erwachsen und bietet immer mehr Möglichkeiten. Google Now ist ein gutes Beispiel, was mit Sprachsteuerung heute alles möglich ist - allerdings ist hier eine gute Datenverbindung notwendig. Beim Huawei P8 haben wir zusätzlich eine leistungsfähige Offline- Sprachsteuerung mit einfachen und praktischen Funktionen wie dem Telefon-Finder realisiert. In Zukunft wird die Sprachsteuerung mit Sicherheit viele weitere Bereiche erobern. Sie hat aber auch Grenzen - und zwar nicht (nur) von der technologischen Seite: Wie oft hat man schon jemanden in der U-Bahn „OK Google" sagen hören? Nicht alles, was ich meinem Telefon mitteile, möchte ich auch meiner Umgebung mitteilen.

Es geht nicht nur um Megapixel

AM: Anders als die Sprachsteuerung liegen Selfies voll im Trend. Bleibt das so und wie werden sich Frontkameras entwickeln?
Arne Herkelmann: Selbstportraits werden immer wichtiger in Verbindung mit sozialen Netzwerken. Besonders im asiatischen Markt sind Selfies sehr beliebt, wir haben deshalb schon früh damit angefangen, unsere Frontkameras auszubauen. Dabei gilt es nicht, die Megapixel-Zahl der Kamera allein zu erhöhen, sondern die dazugehörige Software und das Zusammenspiel mit der Hardware zu verbessern. Der Bildsensor ist ein zentrales Element für schöne Fotos. Fast entscheidender sind aber die Entwicklungen im Bereich der Software und des Signalprozessors, der dann aus den Informationen das Bild erstellt, z.B. das Rauschen im Bild senkt und die Qualität verbessert. Schon seit dem Huawei P6 haben wir Hard- und Software kontinuierlich mit führenden Partnern aus dem Digitalkamera-Bereich weiterentwickelt, so dass wir zwei Handy-Generationen später im Huawei P8 eine sehr leistungsfähige Kombination aus Hardware und Software haben. Die Weiterentwicklung des Sensors sowie des Signalprozessors werden Bereiche sein, mit denen man Fotos auch in Zukunft noch weiter verbessern wird.

AM: Heutzutage sind Smartphones mit einer Menge von Extras ausgestattet. Welche Rolle spielt der Fun-Faktor bei Smartphones?
Arne Herkelmann: Viele dieser Fun-Funktionen ziehen einen „Wow"-Effekt nach sich. Die Light-Painting-Funktionen, die das Huawei P8 mitbringt, sind ein gutes Beispiel dafür. Mit dem Smartphone lassen sich Lichtmalereien anfertigen, die sonst den Fotografen mit großen Spiegelreflexkameras vorbehalten sind. Das klingt vielleicht nach Spielerei, hat aber einen einfachen Hintergrund: Bei guten Lichtverhältnissen gute Bilder zu knipsen ist nicht besonders schwer. Aber wie oft finden wir in unserem Alltagsleben schon ideale Lichtverhältnisse vor? Deshalb haben wir mit Low Light und Light Painting Funktionen integriert, die in jeder Umgebung schöne Bilder möglich machen, und das ohne große Voreinstellungen. Gleichzeitig wird der Nutzer dazu animiert, selbst auszuprobieren und seiner Kreativität freien Lauf zu lassen.

Kamera-Features | (c) Huawei

Light Painting macht Spaß | (c) Huawei

Kamera-Features | (c) Huawei

Low-Light-Aufnahme | (c) Huawei

 

AM: Neben Funktionen und Handling ist auch das Design entscheidend. Unibody-Telefone aus Metall sind momentan im Highend-Bereich stark gefragt. Wie bringt man Design und Funktion unter einen Hut? Ist „immer dünner" ein relevantes Ziel bei Smartphones?
Arne Herkelmann: Design ist das erste Verkaufsargument. Kunden wählen vor allem nach der Optik aus und hier vermittelt Metall eine hohe Wertigkeit und Langlebigkeit. Von der technologischen Seite her stellt Metall allerdings auch Herausforderungen an den Hersteller: Man denke an das bekannte Death-Grip-Problem, welches den Empfang des Telefons regelrecht lahmlegen kann. Deshalb ist bei der Entwicklung neuer Telefone mit Metall Body besonders auf die Platzierung der Antenne zu achten. Auch das Wärmeempfinden unterscheidet sich von Kunststoffgehäusen: Metallgeräte fühlen sich von Natur aus für das menschliche Empfinden wärmer an. Einerseits muss die Wärmeentwicklung durch hochwertige Prozessoren an der Quelle verringert und die Wärmeableitung andererseits verbessert werden. Farbe, Form und Material sind wichtig, aber es kommt auf das richtige Zusammenspiel an: Beim Design müssen unsere Teams immer Kompromisse zwischen Usability und Optik beziehungsweise Bedienbarkeit und Design machen. Ein zu dünnes Telefon mag optisch attraktiv sein, liegt aber unangenehm in der Hand.

AM: In Japan zum Beispiel feiert das Klapp-Handy sein Comeback. Ist der Formfaktor in Deutschland noch angesagt? Wie sieht es mit Slidern mit QWERTZ-Tastatur aus, die vor einigen Jahren noch en vogue waren?
Arne Herkelmann: Ich persönlich war auch ein großer Fan von Hardware-Tastaturen, als Touchscreens noch 2,4 Zoll groß waren. Das Huawei U8300 zum Beispiel war super. Zu der Zeit waren sowohl die kleinen Displays als auch die darauf laufenden Software-Tastaturen keine wirkliche Alternative für Vielschreiber. Die Technik hat sich aber stark weiterentwickelt: Textkorrekturen werden immer besser und Displays immer größer. Es gibt mittlerweile Software-Keyboards, mit denen ich fehlerfrei schreiben kann, ohne überhaupt auf das Display zu schauen, geschweige denn eine Tastatur einzublenden. Dazu kommt natürlich, dass die Formfaktoren auch Nachteile in Bezug auf die Langlebigkeit haben: Tastaturen, Slider oder Scharniere sind Mechanik und daher anfälliger. Die Hardware braucht Platz, wiegt mehr und erfordert - wenn man es richtig machen will - hohen Entwicklungs- und Materialaufwand, damit keine Qualitätsprobleme bei der Nutzung auftreten. Die Nachteile, auch für den Kunden, überwiegen die Vorteile, was sicher schade für die Fans solcher Geräte ist.

Wenig Besserung beim Akku

AM: Großer Schwachpunkt vieler Smartphones ist der Akku. An der grundsätzlichen Technologie hat sich hier in den vergangenen Jahren beim Endkunden wenig getan, obwohl spannende Dinge entwickelt werden. Wie geht es in diesem Punkt in den kommenden Jahren voran?
Arne Herkelmann: Ein Akku in einem Smartphone muss hohen Belastungen standhalten und die Technik muss absolut ausgereift und alltagstauglich sein. Wir beobachten die verschiedenen Entwicklungen in den Akku-Technologien sehr genau. Da sich wenig Besserung in naher Zukunft abzeichnet, wird es immer wichtiger, die Technologien zu verbessern, die den Akku leeren. Hier sind wir mittlerweile seit mehreren Jahren führend dabei und haben bis herunter auf Chipset- und Modem-Ebene patentierte Verbesserungen eingeführt, die es unseren Kunden ermöglichen, mehr mit ihrem Smartphone bei längerer Akkulaufzeit zu machen. So entwickeln wir mit HiSilicon unsere eigenen Chipsets. Dies ermöglicht uns, die Prozessorleistung für unsere Geräte zu optimieren und das Akkuproblem sozusagen an der Wurzel zu packen.

AM: Wie weit ist die Entwicklung von 5G? Wird die Technologie überhaupt gebraucht und wird sie sich durchsetzen?
Arne Herkelmann: 5G wird sich durchsetzen, wahrscheinlich sogar schneller als 4G und 3G davor. Menschen werden mobiler, Anwendungen intensiver. Schon heute nutzen viele Jugendliche das Internet mehr auf dem Smartphone als auf dem heimischen Computer. Virtual Reality steht in den Startlöchern und wird neben den Spiele-Welten, die wir auf der Gamescom gesehen haben, auch ganz praktische Anwendungen finden, wie beispielsweise das Erkennen von Straßenschildern. Die Datenflut, die hier entstehen wird, ist aus heutiger Sicht kaum vorstellbar. Seit 2007 wächst das Datenvolumen im deutschen Mobilfunk exponentiell und das Wachstum wird sich weiter beschleunigen. 3G- und mittlerweile auch 4G-Netze füllen sich, während der Datenverbrauch pro Kopf weiter steigt. Ein leistungsfähigeres Netz ist unumgänglich, um die Anwendungen der nahen Zukunft aber auch die heutigen Anwendungen in der Masse zu nutzen. Als Teil eines globalen ITK-Ökosystems arbeiten wir schon heute mit zahlreichen Partnern wie Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen an der Realisierung von 5G. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die ersten Early Adopter mit einem 5G-Smartphone auf einer Berghütte in den Alpen live Fußball streamen werden, aber wir sind in dieser Sicht gut aufgestellt.

Autor: Steffen Herget
Themen: Akku, LTE, Smartphone
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Kommentare
  1. 29.08.15 22:27 IchBinNichtAreamobile.de (Advanced Handy Master)

    @Gandalf:"Ich möchte da ja niemandem etwas unterstellen, jedoch erhöht sich die Kaufrate ja doch deutlich, bedingt dadurch, dass Akkus nicht mehr sehr langlebig sind. [...]"
    >>Ja, deshalb werden sie fest verbaut ... so könnte man argumentieren, weil eigentlich halten die Akkus verdammt lange. So nach 3-4 Jahren lohnt sich das wechseln auf jeden Fall.

    "[...] Zudem kann man so immer mal wieder ein paar mAh draufpacken (Beispiel 3000mAh auf 3300mAh) und die Kunden sagen, das ist es mir wert umzusteigen."
    >>Nur das die Entwicklung an einer ganz anderen Stelle stattfindet. Einen Vorsatz kann ich nicht erkennen insbesondere, weil einige Produkte dadurch erst richtig marktreif würden (Elektroautos zB).

  2. 29.08.15 21:43 TheHunter (Gast)

    Gab doch schon viele Ansätze, aber da scheint es wohl überall nen Haken zu geben.

  3. 29.08.15 21:43 Gandalf (Expert Handy Profi)

    @IBNAM

    Das kann man sehen, wie man möchte. :-p

    Ich möchte da ja niemandem etwas unterstellen, jedoch erhöht sich die Kaufrate ja doch deutlich, bedingt dadurch, dass Akkus nicht mehr sehr langlebig sind.
    Zudem kann man so immer mal wieder ein paar mAh draufpacken (Beispiel 3000mAh auf 3300mAh) und die Kunden sagen, das ist es mir wert umzusteigen.

    Ist aber rein theoretisch und im Sinne des Kapitalismus gedacht.

  4. 29.08.15 20:28 IchBinNichtAreamobile.de (Advanced Handy Master)

    @TheHunter: Oder, und das ist eine ganz verrückte Theorie, dass es nicht so einfach ist, die Energiedichte zu erhöhen bei gleichzeitiger Fähigkeit der Wiederaufladbarkeit und Sicherheit im massentauglichen Einsatz.

  5. 29.08.15 19:17 TheHunter (Gast)

    Wohl eher, dass nicht genug geforscht wird.

  6. 29.08.15 18:35 IchBinNichtAreamobile.de (Advanced Handy Master)

    @Gandalf:"Die Frage, die sich mir stellt, ist, WARUM zeichnet sich in naher Zukunft wenig Besserung ab?
    Ich bin der Meinung, man könnte, wenn man denn wollte, wenn man denn müsste. ;-)"
    >>Es liest sich ein bisschen so als würdest du meinen, dass dort etwas zurückgehalten wird. Versteh ich dich da richtig?

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