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MyWallet: So funktioniert das mobile Bezahlen bei der Telekom

In vielen Ländern können Verbraucher bereits mit dem Handy bezahlen. In Deutschland ist das mobile Bezahlen noch unterentwickelt. Wir erklären am Beispiel von MyWallet der Telekom, was Mobile Payment überhaupt ist und wie es funktioniert.

MyWallet der Telekom - mobiles Bezahen per NFC | (c) Anbieter

Smartphone statt Geldbörse: MyWallet - mobiles Bezahen per NFC | (c) Telekom

Was bedeutet Mobile Payment?

Mobile Payment ist kein Begriff? Keine Sorge, damit gehört man in Deutschland keiner Minderheit an, im Gegenteil. Hier wird immer noch am liebsten mit Bargeld gezahlt, je nach Statistik zu 60 bis 80 Prozent. Eventuell noch mit der EC-Karte, die Kreditkarte wird hier tendenziell eher für Auslandsaufenthalte oder Bezahlvorgänge im Internet verwendet. Das ist sogar halbwegs begründbar - nicht nur, weil "der typische Deutsche" besonders bei seinem Geld besonders konservativ agiert. Sondern auch darum, weil hierzulande zu fast jedem Konto zwar eine Giro-Karte ausgegeben wird, aber nicht zwingend eine Kreditkarte. In den meisten anderen Ländern wie etwa England ist das nicht so - hier gibt es eine Kreditkarte zum Konto, aber keine EC-Karte.

Letztendlich bedeutet Mobile Payment nichts anderes, als mit dem Smartphone zu zahlen, ohne seine eigentliche Geldbörse mit den Bankkarten dabei haben zu müssen - praktischer, aber laut Anbieter genau so sicher. Das Angebot der großen deutschen Netzbetreiber geht aber noch darüber hinaus: Bereits jetzt kann man auch Kundenkarten zum Sammeln von Treuepunkten einspeichern, langfristig wird man auch Kino- oder Bahntickets und vieles mehr im Mobiltelefon digital immer dabei haben - so die Planungen.

Verbreitung von Mobile Payment

In anderen Bereichen der Welt ist mobiles Bezahlen inzwischen völlig normal. Afrika ist hier führend, 52 Prozent aller weltweiten mobilen Transaktionen 2014 wurden auf diesem Kontinent getätigt. Dabei werden dort keine Smartphones und aufwändige technische Lösungen verwendet, sondern einfache SMS-basierte Vorgehensweisen. Der Grund für die hohe Verbreitung ist einfach: Es fehlt an der nötigen Banken-Struktur, dennoch ist der Bedarf nach Transaktionsmöglichkeiten da, und einfache und billige Featurephones sind hier stark verbreitet. In Asien findet mobiles Bezahlen in der Form, wie sie inzwischen auch nach Deutschland kommt, wesentlich mehr Verbreitung. Federführend sind hier Länder wie Japan und Südkorea, inzwischen auch Indien und auch China mit einem Milliardenmarkt. Hier wird M-Payment neben dem Geldtransfer auch zum Einkaufen genutzt. In den USA findet diese Zahlungsart durch Apple Pay und Google Pay, die dort bereits seit längerem genutzt werden können, auch immer mehr Verbreitung, sie liegt deutlich höher als in Deutschland.

In Europa ist England bei kontaktlosem Bezahlen führend: Hier gibt es bei etwa 62 Millionen Einwohnern knapp 50 Millionen VISA-Karten (2014) mit eingebautem NFC-Chip (Near Field Communikation, Datenübermittlung auf kurze Distanz). Dieser Funkstandard ist weltweit am weitesten verbreitetet, wenn es um das berührungslose Zahlen geht. 410.000 Kassen-Terminals stehen in UK für Mobile Payment bereit, in London wurden gerade das U-Bahnnetz auf M-Payment erweitert. Auch Frankreich und Polen sind in Europa stark vertreten: Hier sind es 20,3 Millionen Visa-Karten mit NFC-Chip und 405.000 Terminals im westlichen Nachbarland, bei unseren Nachbarn im Osten waren es 2014 immerhin 14,5 Millionen Karten bei 345.000 Terminals. Auch bei der Menge der vorhandenen Master- und Maestro-Karten und verfügbarer Zahl-Terminals liegt der Großteil Europas vor Deutschland. In Tschechien etwa zahlen 52 Prozent aller entsprechenden Kunden kontaktlos, in Polen 33 Prozent und in Ungarn und der Slovakei 18 und 17 Prozent. In Polen bietet die Telekom bereits MyWallet an und erlaubt dort beispielsweise ÖPNV-Nutzern oder Fans des Fußballvereins Legia Warschau, entsprechende Tickets einzuspeichern. 45 Prozent der Shops in Polen erlauben M-Payment.

MyWallet der Telekom - mobiles Bezahen per NFC | (c) Anbieter

MyWallet - mobiles Bezahen per NFC | (c) Telekom

In Deutschland ist das mobile Bezahlen weit weniger verbreitet, aber auch auf dem Vormarsch. Hier gibt es mit 29 Millionen aktiv genutzten Smartphones in 2014 eine theoretisch große Anzahl an geeigneten Geräten, etwa 2 Millionen davon bei der Telekom. Doch neben Kunden, die sich für den Gedanken, mit dem Handy zu zahlen nicht erwärmen können, gibt es auch Zweifel im Handel, ob sich Mobile Payment überhaupt durchsetzt und es entsteht ein Henne-Ei-Problem: Ohne Kunden wollen Händler nicht auf entsprechende Terminals aufrüsten, ohne Läden, in denen Kunden mobil bezahlen können, wollen sie M-Payment nicht nutzen. Doch auch hier geht es vorwärts. Konnte man 2014 nur in etwa 5 Prozent der deutschen Läden mit dem Smartphone bezahlen, sind es inzwischen 10 Prozent. Gerade in Berlin, das im Zuge einer speziellen Kampagne zur NFC-City erklärt wurde, erlaubt angeblich dank einer Kooperation von Telekom, Vodafone, Telefonica und sechs Handelsunternehmen (Penny, Rewe, Obi, Temma, Oh Angie, Kaisers) besonders gut mobiles Zahlen. Gerade sind weitere Unternehmen wie Aldi-Nord, Douglas und die Star-Tankstellen hinzu gekommen, demnächst sollen weitere Partner folgen.

Außerdem waren im letzten Jahr noch 40 Prozent der Händler M-Payment gegenüber negativ eingestellt, inzwischen sind es Umfragen zufolge nur noch 6 Prozent. Bis 2018 gehen Visa und Mastercard davon aus, dass alle Läden auf die berührungslose Bezahlung eingestellt sind und so eine flächendeckende Verbreitung sicher gestellt ist. Das klingt sehr ambitioniert, aber in den vergangenen Wochen kommen immer mehr große Partner wie etwa Aldi Nord, Lidl oder Kaufhof hinzu. Das beschleunigt die Verbreitung von M-Payment ungemein, da Kunden erkennen, dass sie mit dieser Methode in häufig genutzten Geschäften bequem einkaufen können. Gerade die jüngere Generation im Alter zwischen 15 und 45 Jahren ist dem Handyzahl-Gedanken gegenüber aufgeschlossen, etwa 75 Prozent davon haben bereits ein theoretisch geeignetes Smartphone, jeder siebte kann sich davon vorstellen, es für Mobile Payment zu nutzen.

Was ist MyWallet?

MyWallet ist die Mobile-Payment-Lösung der Telekom. Die MyWallet-App ist kostenlos, die Card-Check-App, mit der man mehr Informationen zu seinen Zahlungsvorgängen bekommt, ebenfalls. Die Sicherheit, so verspricht die Telekom, ist bei der MyWallet-App genauso hoch als wenn man mit der Kreditkarte selbst zahlen würde. Dazu ist das Verfahren von Mastercard zertifiziert. Zudem gelten für den Gebrauch Nutzungsbestimmungen nach deutschem Recht. Kosten gibt es kaum, die Telekom betont, dass das Angebot im Vergleich zu den Wettbewerbern sehr gut für den Kunden ausfällt. Es gibt lediglich eine Grundgebühr von 9,95 Euro im Jahr, die sogar entfällt, sobald man mehr als 600 Euro über die App umsetzt.

MyWallet der Telekom - mobiles Bezahen per NFC | (c) Anbieter

MyWallet ist sicher - verspricht die Telekom | (c) Telekom

Was brauche ich für MyWallet?

Um mit der Telekom mobil bezahlen zu können, braucht man drei Dinge: die MyWallet-Mastercard, ein NFC-fähiges Android-Smartphone der Telekom und eine spezielle NFC-SIM-Karte der Telekom. Bei der MyWallet-Card handelt es sich um ein spezielles kostenloses Konto und eine Prepaid-Kreditkarte von Mastercard. Zusätzlich zu der Möglichkeit, deren Daten in MyWallet abzuspeichern und damit digital zahlen zu können, kann man natürlich auch auf herkömmlichem Weg mit der Plastikkarte bezahlen. Sie wird weltweit überall dort akzeptiert, wo man mit Master- oder Maestro-Karte zahlen kann. Da es sich grundsätzlich um eine Prepaid-Karte handelt, muss das Konto mit Geld "aufgeladen" werden. Es kann dann ohne Zusatzkosten zum Bezahlen mit dem Handy genutzt werden. Alternativ kann per App das neue Konto auch als Durchgangskonto (Pass through) eingerichtet werden, dabei werden Beträge ohne vorherige Aufladung per Lastschriftverfahren bis zu einer Höhe von monatlich 500 Euro eingezogen. Diese Grenze richtet die Telekom als Absicherung ein, schließlich haben Kunden die Möglichkeit, Lastschrifteinzüge bis zu sechs Wochen später zurückzuziehen - die Telekom ist dann aber bereits in Vorleistung gegangen und hat das Geld quasi vorgestreckt.

Das Smartphone muss NFC-fähig sein, da mit dieser Technik die benötigten Daten auf kürzeste Entfernung (wenige Zentimeter) überträgt, was ein Abfangen erschwert oder nahezu unmöglich macht. MyWallet gibt es derzeit nur für das weltweit verbreitetste mobile Betriebssystem Android. Apple erlaubt aktuell keinen Zugriff auf den NFC-Chip der neuen iPhones durch Dritt-Apps und fällt daher derzeit für die Telekom aus - das dürfte sich auch nicht so schnell ändern, schließlich will Apple seinen eigenen M-Payment-Dienst Apple Pay auch früher oder später nach Deutschland bringen, in England wird er etwa gerade getestet. So hält man sich auch gleich die Konkurrenz vom Leib. Für andere Betriebssysteme wie Blackberry OS oder Windows gebe es derzeit keine ausreichende Nachfrage, so die Telekom - das dürfte auch eine Frage der Verbreitung dieser Systeme sein.

Android und NFC reichen aber zur Nutzung von MyWallet nicht automatisch aus. Grundsätzlich muss ein entsprechendes Smartphone eine bestimmte Android-Version haben (die Rede war von Android 5.0, allerdings sieht Google für Google Pay Android 4.4 als Voraussetzung), doch auch das ist noch nicht alles. Denn das aktuellste Google-Smartphone, das Nexus 6, funktioniert mit MyWallet beispielsweise nicht. Stattdessen wird meist auch ein Smartphone gebraucht, das die Telekom verkauft hat. Denn da der deutsche Netzbetreiber nur diese Geräte und ihre Firmwares auf die Kompatibilität mit dem mobilen Bezahlsystem hin überprüft, sieht man andere Smartphones nur als Bonus - sie können kompatibel sein, müssen es aber nicht. Aktuell gibt es rund 40 Geräte, die die Telekom für MyWallet freigegeben hat. Man könne davon ausgehen, dass alle ab Mitte 2014 gekauften Smartphones mit NFC zu MyWallet kompatibel seien, hieß es kürzlich auf einem Telekom-Event in Berlin.

Der letzte benötigte Gegenstand ist eine spezielle Telekom-SIM. Sie verfügt über mehr Speicher mit einem "abgeteilten" und gesicherten Bereich, der mit dem NFC-Chip und der App kommunizieren kann und auf dem die Bankkarten sicher abgebildet sind. Die Telekom verspricht, dass die Sicherheit absolut gegeben ist, diese SIMs sind von Mastercard, also dem Anbieter, mit dem die Telekom hier zusammenarbeitet, zertifiziert. Mastercard selbst hält diese Vorgehensweise mit der speziellen SIM also für wenigstens so sicher wie die Zahlung mit einer normalen Mastercard-Kreditkarte aus Kunststoff.

Wie funktioniert MyWallet?

Die MyWallet-App lässt sich kostenlos aus dem Play Store herunterladen, anschließend muss man sich auf der Homepage von MyWallet registrieren und die MyWallet-Mastercard beantragen sowie - falls man schon ein möglichst junges Telekom-Smartphone mit NFC, aber ohne entsprechende SIM-Karte besitzt - die Telekom kontaktieren, um eine passende NFC-SIM zugeschickt zu bekommen. Die kommt dann mit etwas Glück einige Tage später zusammen mit der Kreditkarte zuhause an, die man ja wie bereits erwähnt zusätzlich zur digitalen MyWallet-Mastercard erhält. Die digitale Version soll angeblich bereits 24 Stunden später verfügbar sein - sofern die anderen Voraussetzungen erfüllt sind, kann man dann also theoretisch schon recht schnell mit dem Bezahlen per Smartphone loslegen.

Zuvor kann man noch Kundenkarten einspeisen - das geht entweder recht einfach, sofern die Telekom mit den entsprechenden Dienstleistern wie etwa ADAC, Gerry Weber oder OBI zusammenarbeitet, dann werden diese Karten auch optisch an ihr physisches Original angepasst. Ansonsten kann man Karten nur per Scan oder Eingabe von Kundennummer digitalisieren, sie sehen dann einheitlich aus. Je nach Arbeitsbereitschaft des Kassenpersonals kann es dabei dann theoretisch auch zu Problemen kommen, bei den Karten mit Kooperation sollte das Personal entsprechend geschult sein. Später wird man auch Schlüsselkarten (geht derzeit nur Telekom-intern) oder Bahntickets und vieles mehr digital in MyWallet ablegen können. Bereits jetzt findet man hier aber auch Coupons und Angebote der hinterlegten Händler, in der App kann sich die Menge und Art der Werbung anpassen.

MyWallet der Telekom - mobiles Bezahen per NFC | (c) areamobile

Ein Smartphone, ein Bezahl-Terminal - fertig ist MyWallet. Zumindest fast. | (c) AM

Normalerweise braucht man zum Bezahlen die MyWallet-App, die zum Öffnen jedes mal per vierstelliger PIN entsperrt werden muss. Wem dieser Sicherheitsmechanismus zu umständlich ist, der kann auch einfach in der App die MyWallet-Mastercard als Express-Card einrichten, dann entfällt die PIN-Eingabe und die App muss auch nicht jedes mal extra aufgerufen werden. Unter diesen Umständen kann sogar mit dem Handy gezahlt werden, wenn das Smartphone ausgeschaltet ist. Allerdings schreibt Mastercard in Europa einen weiteren Sicherheitsmechanismus vor: Ab einer Summe von 25 Euro muss erneut ein PIN eingegeben werden. Das ist einerseits lobenswert, andererseits muss man sich trotz der versuchten Vereinfachung immer noch eine PIN merken. Ein Fingerabdruck wie bei Samsung Pay wird derzeit noch nicht akzeptiert, auch wenn dieses Mittel zur Authentifizierung für später angedacht ist. Dieser zweite PIN wird im abgeschalteten Zustand des Smartphones übrigens auf dem Terminal eingegeben - das Gerät muss also auch bei Käufen größer 25 Euro nicht eingeschaltet sein.

Für den eigentlichen Bezahlvorgang sagt man dem Kassierer dann an, dass man per NFC bezahlen möchte - das klappt bei MyWallet theoretisch überall dort, wo Mastercard oder Maestro-Karten akzeptiert werden - und wo das Terminal des Händlers NFC und nicht nur das Durchziehen der Karte per Magnetstreifen beherrscht. Hier scheint Samsung Pay vorn zu liegen, dabei soll man auch an solchen Terminals zahlen können, weil das Smartphone dann die Kartendaten per Magnetfeld auf kurze Distanz übertragen kann. Im Normalfall legt man dann das Smartphone auf den NFC-Empfänger des Terminals - theoretisch geht das auch über eine kurze Distanz von einigen Zentimetern, im Alltag wird man dann aber wohl eher das Smartphone kurz dort ablegen. Wirklich Berührungslos bleibt Mobile Payment also voraussichtlich nur in der Theorie - zumindest bei diesem System mit NFC, das inzwischen weltweit verbreitet ist. Mit sogenannten Beacons (bei Apple mit iBeacons oder bei Paypal) muss man theoretisch nicht einmal mehr das Smartphone aus der Tasche ziehen, da die Übertragungsdistanz größer ist. Als Sicherheit dient dann bei Paypal ein Foto vom Käufer, dass der Verkäufer auf seinem Display sieht. So kann er den Auftraggeber identifizieren.

MyWallet der Telekom - mobiles Bezahen per NFC | (c) areamobile

Dank MyWallet der Telekom und...

MyWallet der Telekom - mobiles Bezahen per NFC | (c) areamobile

... Card Check die Ausgaben immer im Blick | (c) AM

 

Eine Datenverbindung des Smartphones ist beim Bezahlen per NFC nicht nötig, dafür sorgt das Terminal. Das ist gerade in großen Gebäuden sinnvoll - wer einmal bei Netto mit der passenden App und dem Post-Pay Bezahlsystem per Lastschrifteinzug und zu nennendem vierstelligen Code zu zahlen versucht hat, weiß, wovon die Rede ist. Die MyWallet-App zeigt später die letzten 10 Transaktionen an, detailliertere Informationen gibt es in der Card-Check-App. Einer der Vorteile von Mobile Payment ist übrigens die Tasache, dass das Smartphone nicht so schnell kaputt geht. Eine Bankkarte ist dünn und bricht schneller als man denkt, außerdem muss sie meist in Automaten oder Lesegeräte eingesteckt werden und kann theoretisch stecken bleiben. Das Smartphone muss man nur auflegen, statt es irgendwo einzustecken. Außerdem ist das Smartphone heute immer und überall dabei.

Nachteile von MyWallet

Derzeit braucht man noch ein Zusatzkonto und eine zusätzliche Mastercard, ein eigenes Konto oder andere Kreditkarten lassen sich dafür noch nicht nutzen. Das kompliziert die Sache wieder unnötig, angeblich liegt das an den Banken, die sich noch gegen einfachere Mechanismen sperren. Apple hat das in den USA offenbar besser hinbekommen, Google und Samsung auch. Die Telekom arbeitet nach eigenen Angaben weiter an einer kundenfreundlicheren Lösung. Ein weiteres Problem: Die MyWallet-Mastercard ist eine Prepaid-Kreditkarte, die erst mit Geld gefüllt werden will. Das bedeutet, dass man eigentlich Geld auf dem neuen Konto „parken" muss, ohne zu wissen, wann man es brauchen wird. Andererseits sind Einkäufe mit der Pass-through-Option auf monatlich 500 Euro begrenzt - das mag derzeit sogar noch ausreichen, da die durchschnittlich mobil gezahlten Beträge in Deutschland bei etwa 10 Euro liegen. Allerdings ist das dann auch kein vollwertiger Ersatz für physische Zahlungsmittel - doch genau das will mobiles Zahlen spätestens 2018 sein.

Außerdem erscheint MyWallet doch wieder nur wie eine Insellösung, schließlich muss man für die Nutzung Telekom-Kunde sein. Eine Insellösung will man aber nicht sein. Natürlich werden zukünftig nicht Vodafone-Kunden die Telekom-App nutzen können, allerdings soll eine Zusammenarbeit zwischen Telekom, Vodafone und Telefonica sicherstellen, dass - auch wenn jeder der drei Hersteller eigene Apps nutzen muss - die komplette Technik bei allen Betreibern gleich sein wird. Außerdem sei Kundenabwerbung kein Grund für die Einführung von MyWallet, sondern man wolle lediglich zusätzlichen Nutzen für seine eigenen Kunden schaffen, so die Telekom. Aber auch, wenn die Technik hinter allem identisch ist, wird ein Kunde, der den Netzbetreiber wechseln will, immer noch viel zu sehr gegängelt. Derzeit funktioniert MyWallet ja nicht einmal, wenn man sich ein Topgerät im Einzelhandel kauft - da haben die Netzbetreiber noch einiges an Arbeit vor sich.

MyWallet der Telekom - mobiles Bezahen per NFC | (c) Anbieter

Zum Bezahlen nur das Smartphone hinhalten | (c) Telekom

Fazit

Bezahlen mit dem Handy - in Science-Fiction-Filmen klappt das schon lange. In anderen Ländern der Welt auch, selbst und gerade in technisch und finanziell wesentlich schlechter gestellten Regionen unserer Erde. Das mag sicherlich auch einfach an der konservativen Einstellung der Deutschen liegen, aber damit kann nicht alles erklärt werden. Gerade wenn sich deutsche Kunden so schlecht von technischen Neuerungen überzeugen lassen, hätte man eine in allen Belangen einfache M-Payment-Methode starten müssen - wenn das an den Banken scheitert, dann hätte man die halt weiter bearbeiten müssen, Apple schafft es doch auch. So ist es schwer vorstellbar, dass der "typische Deutsche" zu einer erzwungenen zusätzlichen Kreditkarte mit zusätzlichem Konto greifen wird und dann trotz allem noch eine Obergrenze beim Bezahlen hat - selbst wenn er inzwischen ein Smartphone besitzt. Weitere Einschränkungen wie die strikte Bindung an die Telekom erschweren die Verbreitung weiter. Bleibt zu hoffen, dass MyWallet insgesamt wenigstens wirklich so sicher ist wie die Betreiber behaupten.

Wer damit generell kein Problem hat und ohnehin Telekom-Kunde ist, der darf sich schon heute auf die (sicherlich ausbaufähige) Zukunft freuen. Zumindest, sofern er Läden findet, in denen er mit seinem Smartphone auch wirklich bezahlen kann. Aber da ist es wieder, das Henne-Ei-Problem: Wenn es solche Vorreiter nicht gibt, kann sich ein in der Theorie durchaus praktischer Trend gar nicht erst verbreiten. Die Idee hinter Mobile Payment ist auf jeden Fall spannend und nur ein weiterer Schritt in Richtung digitales Leben - Filme und Fotos sind längst überwiegend als Bits und Bytes auf unseren Smartphones, mobile Landkarten auch. Warum dann nicht auch unser Geld?

Mobiles Bezahlen

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Kommentare
  1. 27.09.15 13:09 FoVITIS (Member)
    EC-Karte ?

    Zu jedemm Konto wird eine EC-Karte ausgegeben?

    Wird schwierig.. die EC-Karte gibt es seit 2007 nicht mehr !
    http://abload.de/img/ec-karte1losgk.png
    http://www.girocard.eu

    Generell ist die Aussage FALSCH. Es gibt Girokonten welche keine Debitkarte oder Kreditkarte dabei haben. Dann gibt es welche die nur eine Prepaidkarte haben.

    Die Mehrheit hat natürlich eine Girocard.

    Es gibt aber auch Banken welche nicht Mitglied im Girocard Verbund sind, diese geben dann andere Karten aus... z.B. VISA oder MasterCard Debitkarten statt Kreditkarten. Vorteil der VISA und MasterCard Debitkarten ist das sie auch das Kontaktlose Bezahlen mittels PayPass/PayWave unterstützen, genauso wie die Kreditkarten Versionen.

    Es gibt mehrere Probleme hierzulande...

    1. Hohe Gebühren... Bei Kreditkarte fallen oft 1-2% an, welche Händler zusätzlich zu den Gebühren Ihres Terminal-Anbieters (oft so 2-12cent Netto je Transaktion) zahlen müssen.

    Bei girocard nur 0,23% + 5cent (max 0,2% ab 9.12) zusätztlich.

    Kreditkarte ab 9.12 0,3% ... super würde man meinen.. aber FALSCH.


    Denn das betrifft nur Private Kreditkarten.. Corporate Kreditkarten also Firmen-Karten sind nicht betroffen...

    Leider Wickeln die Zahlungsanbieter die Kartenzahlungen GEMISCHT ab... also MasterCard Debit und Kreditkarte werden in einem Topf geworfen... so das Händler wenn ein Kunde mit MAsterCard oder VISA Debit nicht 0,2% zahlt... sondern... nein auch keine 0,3% ... sondern die Mischung aus 0,2 (MasterCard/VISA Debit)+0,3 (Kreditkarten)+2% (Business Kreditkarten).

    Am ende also doch wieder ein vielfaches mehr an Gebühren gegenüber der girocard ... darum weigern sich viele Händler und Dienstleister !


    Das (pseudo) Mobiles Bezahlen zudem besonders Teuer ist sieht man ja an mPASS .... dort will man für die Aufklebbare Prepaidkarte von Händlern 1,9% zzgl. 22cent ... wer da z.b. ne Packung Schokoriegel für 1,50 verkauft hat kaum noch was davon wenn der Kunde dann mit PayPass zahlt....

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