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IP-Zertifizierung von Smartphones: Die Schutzklassen und ihre Bedeutung

Was bedeuten die IP-Zertifizierungen eines Smartphones für den Schutz gegen Staub, Dreck und Wasser? Was hat es mit der Militärnorm MIL-STD-810 auf sich? Und wie unterscheiden sich "wasserdicht" von "wasserfest"? Die Antworten auf diese Fragen liefern wir in diesem Artikel.

Samsung Galaxy S4 Outdoor-Test | (c) Areamobile

Nicht jedes Smartphone übersteht einen kurzen Tauchgang | (c) Areamobile

Beim Mountainbiken in unwegsamem Gelände, Paddeln auf Flüssen und Seen, bei Reisen in sehr kalte Regionen, bei der Arbeit auf der Baustelle oder ganz einfach in der Badewanne - manchmal muss das Smartphone mehr aushalten können. Angaben der Gerätehersteller wie "wasserdicht", "wasserfest" oder "spritzwassergeschützt" sind ungebau. Als "wasserdicht" gilt ein Smartphone wie das Samsung Galaxy S7 oder das Sony Xperia Z5, das auch bei kurzem Untertauchen Wasser draußen hält. Ein "wasserfestes" Smartphone ist hingegen nur gegen Spritzwasser sowie Feuchtigkeit geschützt und kann somit im Regen genutzt werden. Ins Wasser eintauchen sollte man das Geräte allerdings nicht.

Klarheit über die Belastbarkeit von Smartphones geben die IP-Schutzarten. Doch deren Bedeutung kennt kaum jemand aus dem Kopf. Wir fassen daher kurz zusammen, was Kürzel auf der Smartphone-Verpackung wie IP68 oder MIL-STD-810 aussagen.

Das bedeuten die unterschiedlichen IP-Schutzarten

Die für Smartphones definierten IP-Schutzarten sind an den US-amerikanischen Militärstandard angelehnt und beruhen auf der Norm DIN EN 60592 / IEC 60592. Eine solche Schutzklasse beginnt immer mit den Buchstaben "IP", denen zwei Kennziffern ohne Leerzeichen angefügt werden. Dabei deklariert die erste Ziffer den Schutzgrad gegen Fremdkörper, die zweite Ziffer den Schutzgrad gegen Feuchtigkeit bzw. Wasser. Ein Beispiel: Bei der Schutzart IP67 zeigt die erste Ziffer an, dass das Gerät gegen das Eindringen von Fremdkörpern geschützt ist, "6" bedeutet übersetzt "staubdicht". Die zweite Ziffer gibt an, wie stark der Schutz gegen Wasser ist. Die "7" steht in dem Beispiel für einen Schutz gegen das Eintreten von Wasser beim Untertauchen des Smartphones für die Dauer von 30 Minuten und einer Wassertiefe von einem Meter.

Schutz gegen Fremdkörper (erste Kennziffer)

Kennziffer
Definition
0
Kein Schutz
1
Schutz gegen feste Fremdkörper (Durchmesser ab 50 mm)
2
Schutz gegen feste Fremdkörper (Durchmesser ab 12,5 mm)
3
Schutz gegen feste Fremdkörper (Durchmesser ab 2,5 mm)
4
Schutz gegen feste Fremdkörper (Durchmesser ab 1,0 mm)
5
staubgeschützt
6
staubdicht

Teilweise gibt es auch Zertifizierungsangaben mit einem "X" als Platzhalter für eine Ziffer, zum Beispiel IPX1. In diesem Fall sagt das "X" aus, dass der Hersteller entsprechende Tests an dem Gerät nicht durchgeführt hat oder den Schutzgrad nicht angeben möchte. Hier sollte am besten davon ausgegangen werden, dass in dem Bereich wenig bis kein Schutz geboten wird.

Schutz gegen Wasser (zweite Kennziffer)

Kennziffer
Definition
0
kein Schutz
1
Schutz gegen senkrecht fallendes Tropfwasser
2
Schutz gegen fallendes Tropfwasser bei Gehäuseneigung bis 15°
3
Schutz gegen fallendes Sprühwasser bis 60° gegen die Senkrechte
4
Schutz gegen allseitiges Spritzwasser
5
Schutz gegen Strahlwasser (Düse) aus beliebigem Winkel
6
Schutz gegen starkes Strahlwasser
7
Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen
(30 Minuten bei einer Wassertiefe von 1 Meter)
8
Schutz gegen dauerndes Untertauchen
(Wassertiefe wird vom Hersteller bestimmt)
9
Schutz gegen Wasser bei Hochdruck-/Dampfstrahlreinigung

Militärnorm MIL-STD-810: Besonders sicher oder Marketing-

Vergleichsweise selten sind Smartphones mit der amerikanischen technischen Militärnorm MIL-STD-810 zertifiziert. Sie spezifiziert die Umwelttestbedingungen für militärische Ausrüstung. Für die Tests werden die Geräte zum Teil unter extremen Bedingungen geprüft, beispielsweise bei sehr niedrigem Luftdruck in großer Höhe, an Orten mit Explosionsgefahr oder bei gefrierendem Regen.

Sony Xperia Z5, Xperia Z5 Compact und Xperia Z5 Premium im Vergleich | (c) Areamobile

Sony-Smartphones: Schutz vor eindringendem Wasser und Staub

Sony Xperia Z5 Xperia Z3 Plus Xperia Z3 Xperia Z2 im Vergleich | (c) Areamobile

Die Xperia-Z-Serie ist nach IP57 oder IP58 geschützt. | (c) Areamobile

 

Die Norm schreibt jedoch nicht vor, dass die Ausrüstungsgegenstände alle angesetzten Extremtests überstehen müssen, was besonders für Geräte gilt, die für den zivilen Gebrauch gedacht sind. Der Vertrag zwischen Fabrikant und dem Hersteller, der den Auftrag zur Produktion vergeben hat, legt fest, welche Härtetests tatsächlich durchgeführt werden. Das Kuriose: Die Unternehmen dürfen ihre Smartphones schon dann mit dem Militärstandard bewerben, wenn die Geräte nur einen der vorgegebenen Tests bestehen. Verlass ist auf diese Angabe also nicht.

Keine Norm gibt es zur Bestimmung der Stoßfestigkeit eines Smartphones. Hierzu sind die Angaben der Hersteller beliebig. Besser einschätzen kann der Kunde die Robustheit des Smartphones nur, wenn der Hersteller genauere Angaben zu den absolvierten Testverfahren sowie zu den verwendeten Materialien für das Gehäuse macht. Das macht, außer einige Hersteller von Outdoor-Smartphones, allerdings so gut wie niemand.

Vor der Wahl des Smartphones abwägen

Vor der Wahl eines robusteren Smartphones muss man also abwägen, welche Schutzart die passende ist. Dass ein Smartphone mit IP-Zertifizierung gleich ein Outdoor-Smartphone ist, sollte man jedoch nicht glauben. So bietet beispielsweise das Samsung Galaxy S7 zwar Schutz vor dem Eindringen von Wasser und Staub, einen Sturz aus großer Höhe übersteht das Gehäuse aus Glas und Metall aber nicht ohne Blessuren.

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