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Mit Smartphone und Brille in die Virtuelle Realität: Die VR-Pakete von Samsung, LG und Alcatel im Vergleich

Nach Google mit dem Cardboard sind inzwischen auch Samsung, LG und Alcatel dem Vorbild des Android-Entwicklers gefolgt und bieten VR-Brillen an, damit Nutzer zusammen mit ihrem Smartphone tiefer als sonst in virtuelle Realitäten eintauchen können. Samsung Galaxy S7 mit Gear VR, LG G5 mit VR 360 und Alcatel Idol 4S, das nur mit VR-Brille ausgeliefert wird - wir vergleichen Umfang und Kosten der VR-Pakete.

Samsung Gear VR | (c) Oculus

Samsung Gear VR | (c) Oculus

Samsung Gear VR

Als erster der großen Hersteller sprang Samsung mit Gear VR auf den VR-Zug auf. Die erste Entwickler-Version kam Ende 2014 auf den Markt, die Consumer Edition (zum Test) ließ dann aber auch noch ein gutes Jahr auf sich warten. Das zusammen mit Oculus, dem Hersteller der Rift, entwickelte Modell ist aufgebaut wie Googles Bausatzbrille Cardboard aus Pappe, besteht aber aus Kunststoff und bietet einen Riemen zum Umschnallen um den Kopf. Wichtiger als das ist aber die Integration von zusätzlichen Sensoren, die die "Tastorgane" des eingesteckten Smartphones unterstützen. Dadurch verringert Samsung unter anderem das Risiko der sogenannten "Motion Sickness", sofern die Apps sauber programmiert sind. Für die bessere Nutzung befinden sich auf der rechten Seite der Gear VR ein Touchpad und Steuerknöpfe. Die Gear VR ist derzeit mit Galaxy Note 5, Galaxy S6 (auch S6 Edge bzw. S6 Edge Plus) und Galaxy S7 bzw. Galaxy S7 Edge kompatibel.

Samsung Gear VR Unboxing | (c) Areamobile

Samsung Gear VR | (c) Areamobile

Alcatel VR

Der zum chinesischen TCL-Konzern gehörende Hersteller Alcatel liefert seine neuen Smartphone-Modelle Idol 4 und Idol 4S mit VR-Brille aus, die Kopfaufsätze sind also im Preis mit inbegriffen. Alcatel macht die VR-Brille sogar zum Teil des Lieferkartons - das ist schon eine witzige Idee. Die Brille selbst ist hingegen eine Mischung aus Google Cardboard und Samsung Gear VR. Optisch erinnert sie an letztere, sie besteht also auch aus Kunststoff und macht einen wesentlich technischeren Eindruck als das Cardboard. Über eine zusätzliche Inertial Measurement Unit (IMU) wie das Samsung-Produkt verfügt die Alcatel-Brille aber nicht, sie verlässt sich auf die Daten aus dem eingelegten Smartphone. Auch hier sind biconvexe Linsen eingesetzt.

Alcatel Idol 4S Unboxing | (c) Areamobile

Alcatel VR, die mit dem Idol 4S ausgeliefert wird | (c) Areamobile

LG 360 VR

Auf dem Mobile World Congress 2016 überraschte LG mit dem teilmodularen Smartphone LG G5. Unter dem Zubehör für das Smartphone befindet sich unter anderem eine VR-Brille: die LG 360 VR (zum Test). Diese Brille wird per USB-Kabel mit dem Smartphone verbunden, das so die benötigten Berechnungen erledigt. Die Darstellung der Inhalte erfolgt entsprechend über zweiin die Brille eingebaute Displays, für jedes Auge eines. Durch diese Funktionsweise ist die LG 360 VR wesentlich leichter und kleiner als die Konkurrenzprodukte.

LG G5 Friends LG CAM Plus und LG 360 VR Unboxing | (c) Areamobile

LG 360 VR | (c) Areamobile

Welches VR-Brille ist am besten?

Google in 2014 herausgebrachte Cardboard war eher ein Machbarkeitsbeweis: Sie gab Entwicklern eine günstige Möglichkeit an die Hand, VR auszuprobieren und mit dem frei verfügbaren SDK Apps zu programmieren. Entsprechend ist die verwendete Technik sehr einfach, der Nutzungskomfort eher gering. Dafür ist der Preis konkurrenzlos niedrig. Cardboard gibt es schon für wenige Euros, die zahlreichen Nachahmerprodukte mit sehr ähnlicher Technik bleiben meist auch im niedrigen zweistelligen Euro-Bereich. Für Endnutzer ist Google Cardboard aber eher etwas, um einen ersten Eindruck von VR zu bekommen. Langfristig sollte man sich nach anderen Produkten umschauen.

Google Cardboard VR-Brille | (c) Google

Google Cardboard VR-Brille | (c) Google

Samsungs Gear VR ist hier schon etwas anderes, dank der integrierten Sensoren reagiert die Samsung-Brille sehr direkt auf Kopfbewegungen und erlaubt dadurch eine hohe Immersion. Zusätzlich wird dadurch anfälligen Nutzern nicht so schnell schlecht - ein wichtiger Punkt für langanhaltenden Spaß an VR. Technisch ist die Gear VR daher die fortschrittlichste der verglichenen Brillen. Doch es gibt auch Nachteile. Alle für die Gear VR gedachten Smartphones und Phablets sind mit einem Super-AMOLED-Display ausgestattet. Diese Technik setzt normalerweise (in allen kompatiblen Geräten) auf eine sogenannte Pentile-Matrix, die weniger Subpixel darstellt als die RGB-Matrix, die normalerweise in LCDs zum Einsatz kommt.

Durch die Pentile-Matrix sieht der Nutzer immer eine Art Gitter-Raster und die tatsächlich für den Alltag hohe Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixel (2K) wird zusätzlich als etwas unscharf wahrgenommen. Hinzu kommt, dass die für jedes Auge geteilt zur Verfügung stehende Auflösung von dann nur noch 1.280 x 1.440 Pixel ohnehin schon zu niedrig ist, so dass wegen des sehr kurzen Abstands zwischen Auge und Screen und der vergrößernd wirkenden Linsen auch ohne Pentile-Matrix einzelne Pixel zu erkennen sind, obwohl die eigentliche Darstellung scharf ist.

Samsung Gear VR Hands-on auf der IFA 2014 | (c) Areamobile

Samsung Gear VR auf der IFA 2014 | (c) Areamobile

Zum Scharfstellen verfügt die Gear VR übrigens über ein externes Stellrad, das den Abstand der Linsen zum Display regelt und so eine Anpassung der Sichtigkeit erlaubt. Das erstreckt sich auf beide Augen gleichzeitig. Da allerdings unter der Gear VR noch die eigene Brille getragen werden kann, die unterschiedliche Sichtigkeit der Augen ohnehin ausgleichen sollte, ist das kein Negativpunkt. Der Preis ist mit 99 Euro deutlich höher als bei Cardboard und ähnlichen Geräten, wegen der wesentlich höheren Alltagstauglichkeit scheint er aber gerechtfertigt.

Die Alcatel-Brille passt jeweils nur genau für das Smartphone, mit dem sie ausgeliefert wird. Die Sehschärfe kann nicht angepasst werden, dennoch kam es in unseren Tests nicht zu Problemen bei der Darstellungsschärfe - abgesehen von der schon bei der Samsung-Brille negativ aufgefallen Pentile-Matrix. Die Darstellung leidet wie bei Samsung entsprechend auch hier unter einem Gitter-Raster und der generell zu niedrigen Auflösung. Der Nachteil der Alcatell-Brille ist die fehlende Sensorenphalanx. Dadurch werden Bewegungen spürbar langsamer als bei Samsung umgesetzt - das stört nicht nur (in geringem Ausmaß) die Immersion, sondern fördert auch Motion Sickness, die gravierendste Nebenwirkung von VR.

Alcatel Idol 4 Hands-on | (c) Areamobile

Alcatel Idol 4 mit VR-Brille | (c) Areamobile

Brillenträger haben hier weniger Platz als bei Samsung, das kann je nach Brille schnell unangenehm werden. Wegen des hohen Gewichts bei eingelegtem Smartphone dürften die meisten Menschen aber sowohl Samsung Gear VR, als auch die Alcatel-VR-Brille recht schnell als unbequem empfinden. Ein Einzelpreis lässt sich bei den Idol-Brillen nicht beziffern, da sie nur als Gesamtpaket ausgeliefert werden. Er dürfte aber nicht über 40 Euro liegen.

Die LG VR 360 sticht nicht nur optisch aus der Masse hervor, sie erinnert eher an an den Visor von Geordi La Forge aus der Enterprise Next Generation. Sie verfügt über anklappbare Brillenbügel und wiegt nur einen Bruchteil der anderen beiden Brillen von Samsung und Alcatel. Das macht sie grundsätzlich komfortabler, andererseits müssen Brillenträger auf ihre Sehilfe verzichten, da unter der LG 360 VR kein Platz dafür ist. Auch die erste Einrichtung erweist sich als sehr umständlich, da die verstellbaren Linsen im Inneren liegen - also heißt es mehrfach Absetzen, Einstellen, Ausprobieren. Dafür ist das für jedes Auge einzeln möglich. Ein viel größeres Problem: Schon bei minimaler Weitsichtigkeit lässt sich so kein scharfes Bild mehr erreichen. Und auch sonst ist die Darstellung alles andere als optimal.

LG G5 Friends LG CAM Plus und LG 360 VR Unboxing | (c) Areamobile

LG G5 LG 360 VR | (c) Areamobile

Denn die je 1,88 Zoll großen Displays der Brille lösen jeweils nur 960 x 720 Pixel auf, das führt wegen der Vergrößerung durch die Linsen zwangsläufig zu recht pixliger Darstellung. Aber das ist noch nicht alles. Wegen der viel kleineren Ausmaße dringt immer wieder viel zu viel störendes Licht von außen ein, das sich dann teilweise noch grün wegen der Beschichtung der Linsen spiegelt. Wenn man dann noch den für die gebotene Leistung beinahe unverschämt hohen Preis von 279 Euro in der UVP des Herstellers berücksichtigt, fällt die LG-Brille sofort komplett durch.

Der Zugang in die Virtuelle Realität über Apps

Die Hersteller bieten ihren Kunden eigene Zugänge in die VR per App, die normalerweise automatisch starten, sobald man die Brillen aufsetzt. Sofern die entsprechenden Apps nicht vorinstalliert sind, weist die Hardware aber entsprechend beim Aufsetzen der jeweiligen Brille darauf hin und gibt Anleitung, was zu tun ist. Anschließend findet man sich je nach Anwendung in einem riesigen Kinosal oder gar in einer Mond-Szenerie wieder, in der man Videos "vorne" auf der Leinwand betrachten oder zwischendurch die Szenerie rings um sich genießen kann. Oder man wählt in einem scheinbar unendlich großen Raum vor gigantischen Monitorwänden Spiele und sonstige Apps aus. Grundsätzlich laufen auf den Brillen alle Apps, die für Google Cardboard entworfen wurden, Spiele müssen speziell angepasst ein. Hinzu kommen Apps der Hersteller, mit denen sie die Möglichkeiten von VR aufzeigen wollen. Inzwischen gibt es eine ganze Menge an entsprechenden Anwendungen, von denen aber viele immer noch sichtbar im Versuchsstadium sind. Dafür kann man inzwischen aber auch seinen eigenen VR-Inhalt entwerfen, die Hersteller bieten dafür mittlerweile 360-Grad-Kameras an.

Name
Besonderheit
Preis
Google Cardboard
Zum Zusammenbauen aus Pappe, funktioniert nur mit eingestecktem Smartphone
20 Euro UVP + Smartphone ab 4,7-Zoll. Gesamtpreis etwa ab 450 Euro
Samsung Gear VR
Brille aus Kunststoff und mit eigenen Sensoren, funktioniert nur mit Galaxy Note 5, Galaxy S6/S6 Edge/S6 Edge Plus und Galaxy S7/S7 Edge
99 Euro UVP, wird oft bei Vertrag dazugegeben, Gesamtpreis ab etwa 510 Euro
Alcatel VR
Brille aus Kunststoff, Brille dient gleichzeitig als Lieferkarton, passt nur mit mitgeliefertem Smartphone
Kein Einzelpreis, UVP ab 329 Euro (mit Idol 4) und 469 Euro (mit Idol 4S)
LG 360 VR
Eigenständiges Gerät mit 2 Displays, kleiner und handlicher als Konkurrenz, funktioniert über USB nur mit LG G5
279 Euro UVP + LG G5, Gesamtpreis ab etwa 770 Euro

Fazit

VR ist ein spannendes Thema. Daher gut, dass langsam auch die großen Hersteller auf den Trend anspringen. Denn nur so kann ein ausreichender Stamm an Interessenten geschaffen werden, was dann früher oder später zu Weiterentwicklungen führt. Die Frage ist allerdings, wie sinnvoll es ist, solche unausgereiften Produkte auf den Markt zu werfen. Denn der Full-HD- und 4K-verwöhnte Nutzer will keine unscharfe Darstellung, auch wenn er sich dafür in einer kompletten virtuellen Welt einfinden kann. Zumindest nicht für längere Expeditionen in die dritte Dimension - diese Interessenten sollten für eine scharfe Darstellung noch mindestens auf 4K, bei VR-Brillen vielleicht sogar auf 8K warten. Für kurze Eindrücke von der schönen neuen Welt reichen die anderen Exemplare - außer der LG-Brille, die in unseren Augen technisch und preislich mit Pauken und Trompeten durchfällt. Die beste Wahl in unserem Vergleich ist darum die Samsung Gear VR: Sie bietet die beste Immersion, kostet dafür aber auch am meisten. Denn man darf nicht vergessen, dass zu den 99 Euro noch ein Smartphone für um die 430 Euro oder noch deutlich mehr dazukommt. Bei Alcatel bekommt man das mobile VR-Erlebnis schon zum Paketpreis von 469 Euro.

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