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Amazon Echo im ersten Test: Das kann Alexa jetzt schon

Amazon Echo im ersten Test: Das kann Alexa jetzt schon

In den USA gibt es Amazon Echo schon seit anderthalb Jahren, in Deutschland ist der Sprachassistent erst seit einigen Tagen und nur für Auserwählte zu haben. Amazon spricht klar von einer Beta-Version, die durch die ersten Tester kontinuierlich verbessert werden soll. Im ersten Test ist es darum kaum verwunderlich, dass der schicke Zylinder noch nicht vollständig überzeugt.

Der Mensch denkt, die Maschine lenkt. Bislang setzte das aber Eingaben durch den Menschen voraus, die meist manueller Art waren: Touchscreens, Maus und Tastatur - ohne Anfassen klappte das anfangs gar nicht, inzwischen funktioniert das aber immer besser auch ohne Berührung. Etwa durch Sprachbefehle. Darauf setzen Sprachassistenten wie Siri in iPhone und iPad oder Google Now bei Android-Geräten - und jetzt auch Amazon Echo. Wenn Sprachkommunikation ordentlich funktioniert, ist das nämlich ein viel natürlicherer Weg, mit einem Computer zu kommunizieren.

Der kleine Amazon-Zylinder, der aus Lautsprecher, sieben Mikrofonen, zwei Hardware-Tasten und einem LED-Ring besteht, soll aber nicht nur einfache Sprachkommandos verstehen, sondern richtige Interaktion erlauben. Und er soll angeschlossene Geräte wie Lampen oder Thermostate den Befehlen entsprechend steuern können. Dazu ist das Gerät per WLAN mit dem Internet und entsprechenden Gerätschaften verbunden und lauscht ständig auf sein Auslösewort "Alexa", das auf Wunsch auch in "Amazon" oder "Echo" geändert werden kann. Alexa passt für mich aber irgendwie am besten, schließlich klingt die Stimme, mit der Amazon Echo Feedback gibt, weiblich.

Amazon Echo | (c) Areamobile

Viel Lieferumfang gibt es bei Amazon Echo nicht | (c) Areamobile

Was kann Amazon Echo?

Alexa kann dank Wikipedia-Zugriff Fragen nach berühmten Persönlichkeiten beantworten, Witze erzählen und Informationen zum Wetter oder zur Verkehrssituation auf meinem Arbeitsweg mitteilen. Auch Musik lässt sich auf Kommando abspielen, hierfür ist Amazon Music die erste Wahl von Alexa. Hinzu kommen Informationen zu meinen Lieblings-Sportmannschaften und Zusammenfassungen aus dem Tagesgeschehen, die derzeit von Anbietern wie Bild, Spiegel Online oder N-TV kommen. Und Echo kann mich wecken, einen Timer stellen, eine To-Do-Liste für mich führen oder auf Kommando bei Amazon einkaufen.

Klingt nach viel, ist es aber letztendlich nicht. Das können andere Sprachassistenten auch und die gibt es kostenlos in jedem Smartphone. Um die Funktionsvielfalt zu erweitern setzt Amazon daher auf sogenannte Skills. Dabei handelt es sich im Prinzip um Drittanbieter-Apps, mit denen ich dann etwa nach Rezepten bei Chefkoch fragen, mir Gedichte zu bestimmten Themengebieten vorlesen oder die schnellste Bahnverbindung in eine andere Stadt raussuchen lassen kann.

Revolution für Smart Home

Die für mich spannendste Funktion ist aber die Steuerung meines Smart Home per Sprache. Bislang brauchte ich zum Auslösen bestimmter Szenen, mit denen etwa die Leinwand heruntergefahren, Beamer, Receiver und Bluray-Player angeschaltet und das Licht gedimmt wird, immer eine Fernbedienung. Dabei konnte es sich tatsächlich um eine Multifunktionsfernbedienung oder das Smartphone handeln, letztendlich musste ich aber die Steuerung rauskramen und die entsprechenden Knöpfe drücken. Das ist grundsätzlich ja auch kein Problem - bis die Steuerung nicht auffindbar ist und das Handy im Schlafzimmer liegt, während ich im Wohnzimmer einen Film schauen will. Da wäre es doch toll, sein Smart Home per Sprache zu steuern - und genau das verspricht Amazon Echo auch.

Testen konnte ich das bislang nicht, denn der Anbieter meines Smart-Home-Hubs muss Alexa erst mal die Kommunikation mit meinem Zuhause beibringen, eben über einen Skill. Das soll in etwa vier Wochen der Fall sein. Bislang gibt es aber schon Einbindungen für etwa Phillips Hue, Nest und ähnliches - ich mag es aber nicht, mich auf bestimmte Hersteller festlegen zu müssen. Bis zum fertigen Skill für mein Smart Home kann ich mich ja dann noch etwas mit den Grundfunktionen von Amazon Echo herumärgern.

Amazon Echo | (c) Areamobile

Immer an der kurzen Leine: Alexa muss ständig unter Strom stehen | (c) Areamobile

Entschuldigungen statt Aktionen

Warum herumärgern? Weil Amazon Echo auf Deutsch noch eine lupenreine Beta-Version ist. Das hat Amazon auch ganz klar so kommuniziert. Allerdings war Google Maps auch jahrelang im Beta-Status gefangen und funktionierte damit ganz prächtig. Bei Amazon Echo ist das anders. Hier will Amazon durch die Nutzererfahrung der ersten Glücklichen, die nach ihrer Registrierung ein Amazon Echo oder die kleinere Version Amazon Dot bekommen haben, das Produkt wirklich erst zur Marktreife bringen. Und wenn ich von "zur Marktreife bringen" spreche ist klar, dass es die jetzt offensichtlich noch nicht hat. Woran liegt das?

Fangen wir mit etwas positivem an. Die reine Spracherkennung funktioniert schon jetzt sehr zufriedenstellend. Nun spreche ich bis auf einige Ruhrpott-Einschläge zum Glück auch recht verständliches Hochdeutsch und mache es Alexa damit nicht übermäßig schwer. Solange ich mich in nur einigen Metern Abstand zu Echo befinde und ausreichend laut spreche, muss ich noch nicht einmal langsamer sprechen, sondern kann mich normal artikulieren. Gefühlt liegt die Spracherkennungsquote dann bei locker über 90 Prozent, eher bei 95 Prozent. Leider gilt auch hier das, was auch bei anderen Sprachassistenten noch ein Problem ist: Alexa versteht zwar, weiß aber damit (noch) wenig anzufangen.

Das sieht man schön in der Amazon-Alexa-App, ohne die Amazon Echo nicht funktioniert. Denn neben zahlreichen Einstellmöglichkeiten findet man hier auch eine Auflistung dessen, was Alexa verstanden hat. Hier sollen die Beta-Tester - und Käufer - dann angeben, ob Echo das getan hat, was der Nutzer verlangt hat. Dort sieht man dann etwa, dass Alexa durchaus korrekt "Wer ist Steve McQueen?" verstanden hat, allerdings mit "Das gehört zu den Dingen, die ich nicht weiß" antwortet. Fragt man hingegen "Wer war Steve McQueen?" erhält man einen erläuternden Satz aus Wikipedia und somit eine treffende Antwort. Doch welcher Mensch will an solche Muster bei Fragestellungen gebunden sein?

Amazon Echo | (c) Areamobile

Ohne App geht nix! | (c) Areamobile

Auch an anderer Stelle hakt es. Fragt man etwa, was der Mond ist, erhält man als Antwort, dass es sich dabei um eine Oper von Carl Orff handelt - nicht falsch, aber sicherlich in 95 Prozent der Fälle nicht die gesuchte Antwort. Sowieso hört man Phrasen wie "Ich kann deine Frage leider nicht beantworten" oder ähnliches viel zu häufig, oftmals gibt es auch nur eine kurze Tonfolge und der LED-Ring, der das Zuhören signalisiert, geht einfach aus. Oder der Ring leuchtet zwar blau, aber Alexa ignoriert die Anrede einfach und schaltet dann ab. Etwa, wenn man "Tschö mit Ö" sagt. Zugegeben - das ist jetzt auch nicht gerade eine typische Anrede, auf die Alexa unbedingt reagieren müsste. Aber auf "Deine Mudda!" antwortet die feine Dame schließlich auch mit der Behauptung, dass meine Mutter der Grund für Deine-Mudda-Witze wäre - ohne sie überhaupt zu kennen wohlgemerkt! Spaß beiseite: Hier hat Amazon noch einiges an Arbeit vor sich.

Amazon Echo | (c) Areamobile

Einstellungen in der Alexa-App | (c) Areamobile

Voll aus dem Zusammenhang gerissen

Das gilt auch für Kontext-Fragen. Fragt man etwa, wer Chuck Norris ist, so erhält man eine passende Wikipedia-Antwort. Fragt man dann weiter, wie alt er ist, versteht Alexa die Frage zwar akustisch, aber nicht inhaltlich, weil sie keinen Bezug zur vorherigen Frage herstellen kann. Fragt man hingegen, wie alt Chuck Norris ist, kommt wieder die passende Antwort. Generell gilt: Alexa versteht einfach inhaltlich noch viel zu wenig, weil Amazon ihr noch zu wenig Variationen von Fragemöglichkeiten beigebracht hat. Deutlich wird das nicht nur an dem oben genannten Beispiel mit Steve McQueen, sondern vor allem auch bei den Skills.

Ich muss als Nutzer wissen, welche Skills ich in der Smartphone-App aktiviert habe, sonst kann ich nicht darauf zugreifen. Frage ich etwa "Alexa, was ist das Rezept des Tages?" so kann Alexa damit nichts anfangen - trotz aktiviertem Chefkoch-Skill. Sage ich hingegen im vorgeschriebenen Wortlaut "Frag Chefkoch nach dem Rezept des Tages", so erhalte ich eine passende und ausführliche Antwort samt weiteren Interaktionsmöglichkeiten wie dem Vorlesen der Zutatenliste. Im Alltag ist das aber unpraktisch. Für die Zukunft wünsche ich mir hier vielmehr, dass Amazon Echo automatisch erkennt, was für eine Art von Frage ich stelle und dafür von sich aus auf ein passendes Skill zugreift. Bei Fragen zu Essen bräuchte man dann eine Auswahl von verfügbaren passenden Skills, von denen man dann seinen Lieblings-Skill auswählt. Das klappt bei der täglichen Zusammenfassung wichtiger Nachrichten schließlich auch.

Feind hört mit?

Ein wichtiges Thema bei einem Sprachassistenten, der wie Amazon Echo Sprache in die Cloud schickt um sie dort zu analysieren, ist natürlich der Datenschutz. Was passiert mit meinen Spracheingaben? Werden sie gespeichert? Wie lange? Kann ich sie löschen? Hört Alexa wirklich nur zu, wenn ich sie direkt anspreche? Das sind alles berechtigte Fragen, auf die ich eigentlich auch gern eine Antwort hätte, allerdings kann ich die Richtigkeit dieser Antwort ohnehin nicht überprüfen. Insofern muss ich mich zwingend damit abfinden, dass die Informationen, die ich in der Kommunikation mit Amazon Echo über mich preisgebe, dazu dienen, mich immer besser kennenzulernen, um mir anschließend zielgerichtet Werbung oder Artikel über Amazon verkaufen zu können. Das ist allerdings bei der Konkurrenz von Google, Microsoft oder Apple nicht viel anders - da bleibt nur zu hoffen, dass die Daten bei solchen Anbietern wenigstens ordentlich vor unberechtigtem Zugriff gesichert sind. Was mich persönlich viel mehr gestört hat, da es auch den direkten Umgang mit Echo behindert hat, ist eine ganz andere Art mangelnden Datenschutzes.

Amazon Echo | (c) Areamobile

Die Mikrofotaste verbietet Alexa das Zuhören | (c) Areamobile

Alexa turtelt mit jedem

Jeder, wirklich jeder kann Amazon Echo bedienen. Denn Alexa hört nicht nur auf meine ganz besondere Stimme, sondern auf jede. In der App hinterlege ich aber auf Wunsch meinen Google-Kalender, einen Spotify-Zugang, für die Verkehrshinweise die Adresse meines Arbeitsplatzes und in Zukunft sicherlich noch einiges mehr. Das wird dann in meinem Konto gespeichert. Wenn sich nun ein Besucher einen Spaß erlauben will, kann er problemlos harmlose Dinge wie das voll-spammen meiner To-Do-Listen tun und er kann auf meinen Kalender zugreifen. Wenn Alexa dann auch noch mit meinem Smart Home verbunden ist, dann kann jemand sogar theoretisch vor der Wohnungstür stehend Alexa anweisen, das elektronische Schloss zu öffnen - na prost Mahlzeit!

Aber auch innerhalb der Familie wird Datenschutz bei Amazon Echo derzeit klein geschrieben. Verwenden mehrere Personen im Haushalt Echo, so können die bei Amazon als Mitglieder des Haushaltes festgelegt werden und sie bekommen eigene Konten. Diese Konten lassen sich aber durch einen einfachen, ungesicherten Sprachbefehl wechseln und schon hat das Kind womöglich Zugang zu jugendgefährdender Musik - das geht gar nicht. Gleichzeitig darf aber etwa der Ehepartner nicht auf Spotify zugreifen, weil nur ich als Hauptnutzer einen Spotify-Account verknüpft habe - was soll das denn? Hier muss Amazon dringend Hand anlegen!

Im übrigen hat das Einbinden einer zweiten Person nicht ordentlich funktioniert. Diese zweite Person ersetzte nämlich ohne unser Zutun mich als Hauptnutzer, woraufhin ich nicht mehr auf Spotify zugreifen konnte - trotz meines aktivierten Kontos. Nach dem Löschversuch des zweiten Kontos blieb allerdings das Konto samt Kalender-Verknüpfung erhalten. Nächste Baustelle.

Sprechen Sie "Deutsh"?

Das gilt auch für die Aussprache von Alexa. Ja, man kann sie insgesamt gut verstehen, aber sie ist meilenweit von der fließenden Melodie der englischsprachigen Alexa entfernt. Da gibt es falsche Aussprache (aus IS für den "sogenannten Islamischen Staat") wird ein kurz ausgesprochenes "is", Betonungen liegen ziemlich daneben und der transportierte Inhalt geht verloren. So ist es teilweise einfach anstrengend, längeren Lesungen zuzuhören. Das sind natürlich verständliche Anfangsfehler, die hoffentlich auch schnell behoben werden. Bis jetzt ist das qualitativ aber nicht ausreichend. Fragt man Alexa etwa grammatikalisch abstrus, aber vom Gedichte-Skill so verlangt "Frag irgendeinen Dichter über Liebe", so leiert Alexa ein passendes Gedicht des britischen Dichters Lord Byron so herunter, dass jeglicher transportierter Inhalt unterwegs verloren geht, auch wenn man die Worte versteht. Das klingt dann eben genau so, als ob jemand noch nicht lange Deutsch spricht - was ja bei Alexa auch stimmt.

Amazon Echo | (c) Areamobile

Der blaue Ring zeigt an, dass Alexa zuhört | (c) Areamobile

Vorläufiges Fazit

Um eines klar zu stellen: Dies ist kein abschließender Test, es ist eine Bestandsaufnahme. Eine Bestandsaufnahme zu einem frühen Stadium, in dem es klar ist, dass bei Amazon Echo noch nicht alles rund laufen kann. Und das tut es entsprechend auch nicht. Zum jetzigen Zeitpunkt ist Amazon Echo vor allem einmal eines: eine teure Spielerei. Aber das kann sich ändern, ich bin da recht zuversichtlich. Denn die eigentliche Spracherkennung funktioniert schon ziemlich gut, selbst, wenn Alexa gerade Musik abspielt. Jetzt muss der guten Dame nur noch mehr Verständnis für Zusammenhänge und die tatsächlichen Wünsche der Fragesteller beigebracht werden und sie muss sich geschliffener artikulieren. Dann könnte Amazon Echo wirklich im Alltag hilfreich sein. Ich freue mich auch schon, mein Smart Home damit zu steuern. Mehr Skills braucht es dafür insgesamt natürlich auch, aber auch das dürfte klappen. Schließlich besitzt Amazon eine große Anziehungskraft für andere Unternehmen, die sich in Amazon Echo wiederfinden wollen.

Datenschutz ist natürlich ein Thema, das man nicht so ohne weiteres schönreden kann. Wenn niemand genau weiß, was mit seinen Fragen und Ansprachen an Alexa so passiert, dann ist das beunruhigend. Da hilft dann entweder nur Vertrauen darin, dass der Hersteller tatsächlich verantwortungsvoll damit umgeht - oder Resignation. Ach ja: Was die Musikqualitäten angeht fällt der Lautsprecher des Amazon Echo eher in die Sparte "reicht zum nebenbei Musik oder Radio hören". Für echten Musikgenuss ist das aber wie meistens bei dieser Gerätegröße nichts.

Themen: Gadget, Amazon Echo
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