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Google Daydream: VR-Brille Daydream View im Test

Google Daydream: VR-Brille Daydream View im Test

Die neue VR-Plattform Google Daydream und die dazu passende Brille Daydream View ist endlich da! Aber was ist das überhaupt, was kann es und lohnt es sich? Wir haben es ausprobiert.

Heute geht Google Daydream endlich an den Start. Dabei handelt es sich um eine neue Virtual-Reality-Plattform von Google, die auf der Entwicklermesse Google I/O 2016 angekündigt wurde. Damit gibt der Suchmaschienenriese und Android-Entwickler Google sowohl Soft-, als auch Hardware-Spezifikationen für VR vor und schafft so eine einheitliche Basis für kommende VR-Projekte, die das Nutzererlebnis vereinheitlichen und verbessern soll. Dazu gehört auch eine Freigabe von neuen Smartphones mit der Bezeichnung Daydream-ready und für die Hersteller bestimmte Anforderungen wie präzise Neun-Achsen-Bewegungssensoren, Bluetooth LE und ein USB-Typ-C-Anschluss, die sie erfüllen müssen. Im Gegensatz zu Googles erstem VR-Versuch mit Google Cardboard ist Daydream zukünftig auch direkt in Android 7.1 Nougat integriert und an das Material-Design des mobilen Betriebssystems angepasst. Zum Start von Daydream hat Google eine eigene VR-Brille namens Daydream View auf den Markt gebracht, in die ein passendes Smartphone eingesetzt wird.

Google Daydream View | (c) Areamobile

Google Daydream View | (c) Areamobile

Daydream View - das Referenzmodell von Google

Die Daydream View kostet 69 Euro und ist eine Weiterentwicklung des einfachen und auf das Wesentliche reduzierten Google Cardboard, das im Prinzip nur aus Linsen, einem Aufnahmefach für ein Smartphone und Pappkarton als Werkstoff bestand. Auch die neue Daydream-Brille ist technisch recht simpel, zusätzlich zu dem Smartphone-Fach und den Linsen gibt es dazu allerdings einen NFC-Chip in der Klappe, mit der das Smartphone in die Brille geklemmt wird, und einen Controller. Der NFC-Chip dürfte später dafür sorgen, dass das Smartphone in den Android VR Mode geschaltet wird, der unter anderem zur Reduzierung von Latenzen Exklusivzugriff auf die Prozessorkerne für beste Leistung garantiert. Derzeit wird beim Einlegen eines passenden Smartphones, womit zum Testzeitpunkt ausschließlich Google Pixel und Pixel XL gemeint sind, der NFC-Chip auch dazu genutzt, den Nutzer darauf aufmerksam zu machen, dass er als ersten Schritt die Google-VR-Services und die Daydream-App installieren muss. Dazu wird man direkt in den Play Store geleitet. Später sollte das mit der Integration in Android wegfallen.

Google Daydream View | (c) Areamobile

Controller der Daydream View | (c) Areamobile

Der Controller eröffnet neue Möglichkeiten

Der längliche Controller, der mit seinen knapp 10,5 Zentimetern Länge und 3,5 Zentimetern Breite sowie der runden Unterseite angenehm in der Hand liegt, bietet zwei kleine und einen großen Knopf sowie eine Lautstärkewippe und einen USB-Anschluss des Typs C. Der große Knopf ist außerdem gleichzeitig ein Trackpad und erkennt auch Streichbewegungen. Zudem enthält der Controller Sensoren, mit denen er erkennt, in welche Richtung er gehalten wird. Damit entfällt also die frickelige Steuerung in der VR, die man von der Samsung Gear VR mittels des seitlich an der Brille angebrachten Touchpads kennt. Stattdessen hält man den Controller der Daydream View, der zu Transportzwecken in die Brille gesteckt werden kann, in der VR wie eine Art Laserpointer und kann so auch Spiele spielen.

Google Daydream View | (c) Areamobile

Auf den ersten Blick beeindruckend | (c) Areamobile

Daydream View in der Praxis

Die Brille selbst punktet dabei mit ihrem guten Sitz und dem weichen Material, wodurch sie recht angenehm zu tragen ist. Google setzt nämlich nicht wie Drittanbieter auf Kunststoff mit Polsterung an den Rändern, mit denen die Brille auf dem Gesicht des Trägers aufliegt. Stattdessen hat sich der Hersteller für ein leichtes und weiches Stoffmaterial entschieden. Das sieht nicht nur schick aus, sondern fühlt sich auch sehr natürlich an - schließlich besteht Kleidung auch aus Stoff und nicht aus festem Plastik. Die Passgenauigkeit lässt sich recht einfach mittels eines fest angebrachten, breiten Gummibandes auf den persönlichen Geschmack und die Kopfform anpassen. Der Verschluss der Frontklappe, die das Smartphone hält, wird ebenfalls simpel und praktisch mittels einer Gummibandschlaufe gehalten. Das Gesamtgewicht inklusive Google Pixel XL geht mit etwa 380 Gramm in Ordnung.

Leider gibt es ein Problem mit der Daydream View, die andere Vorzüge schnell wieder vergessen macht: Der Abstand der Linsen zum Auge lässt sich im Gegensatz zur Samsung Gear VR nicht einstellen. Dadurch sehen nur Personen ohne Sehfehler Inhalte wirklich scharf - oder zumindest so scharf, wie es derzeit mit 2K-Auflösung überhaupt möglich ist. Brillenträger können Überlegungen, ob sie sich die Brille zulegen wollen oder nicht, gleich zu Grabe tragen, eine Brille passt nicht unter die Daydream View. Zusätzlich kommt es auch darauf an, wie man die Brille auf dem Kopf platziert. Schon wenige Millimeter Abweichung führen dazu, dass es zumindest partielle Unschärfe gibt. Im Test fuhren wir am besten damit, dass wir die Brille tendenziell eher etwas zu hoch über der Nase platzierten. Dadurch war die Schärfe am besten, allerdings fiel auch mehr Licht von unter den Augenhöhlen ein, was die Immersion stört und zu Spiegelungen auf den Linsen führt. Ganz verhindern kann man das aber offenbar auch mit "richtigem" Sitz nicht.

Google Daydream View | (c) Areamobile

Nutzungshinweise für Daydream View | (c) Areamobile

Hauptproblem Bildschärfe

Davon abgesehen muss man sich ohnehin wie gehabt mit unzureichender Darstellungsschärfe abfinden. Wir haben es bei anderen VR-Brillen gesagt und müssen es leider auch hier wiederholen: 2K reicht nicht, erst recht nicht mit einer Pentile-Matrix wie beim AMOLED-Display des Google Pixel XL. Das muss man einfach wissen und damit leben können. Wer das kann, wird mit teilweise beeindruckenden Szenerien belohnt, etwa von Google Streetview und einigen vorinstallierten Sehenswürdigkeiten wie dem Taj Mahal, der Space Needle oder dem One World Trade Center. Noch ist das Repertoire an VR-Inhalten allerdings eher begrenzt. Da wäre etwa Youtube VR als App, mit deren Hilfe man sich entweder normale 2D-Videos wie in einem kleinen Kinosaal "vorn" auf der Leinwand anschauen kann oder natürlich auch richtige 3D-Videos, bei denen man dann mitten im Geschehen ist und sich umsehen kann. Oder Spiele. Eines - Wonder Glade - war von Beginn an vorinstalliert und entspricht eher einer Sammlung an kleinen Minispielchen, bei denen man Minigolf spielen oder mit einem virtuellen Wasserschlauch Feuer löschen muss. Ein netter Spaß für Zwischendurch, der an die Minispielchen der Nintendo Wii erinnert.

Google Daydream View | (c) Areamobile

Motion Sickness ist auch Google bekannt | (c) Areamobile

Motion Sickness als Spaßkiller

Andere Spiele lassen sich installieren, wobei bei dem bislang kleinen Angebot bereits einige kostenpflichtige Exemplare mit Preisen bis 5,99 Euro dabei sind. Übrigens: Ohne die Angabe eines Zahlungsmittels kann man Daydream gar nicht erst ausprobieren. Natürlich gibt es trotzdem auch kostenlose Spiele. Wir haben testweise VR Kart Sprint heruntergeladen und ausprobiert. Dabei ging es uns vor allem um eines: Herauszufinden, wie gut Google das Problem mit Motion Sickness, also aufkommender Übelkeit, gelöst hat. Kurz gesagt: Wer anfällig für dieses Problem ist, der sollte gleich die Finger davon lassen. Schon nach kurzer Zeit berichtete eine Person von aufkommender Übelkeit, eine andere Testperson, die damit normalerweise keine großen Probleme hat, hielt zwar deutlich länger durch, berichtete dann aber auch von einem schummerigen Gefühl, was zum Abbruch des Games nach etwa einer Minute führte.

Weitere Dinge, die uns im Test aufgefallen sind: Bei den Pixel-Phones ist der Lautsprecher unten - im Querformat hört man Ton dann also nur von einer Seite. Außerdem werden die Pixel-Phones sehr heiß und der Stromverbrauch steigt rasant an. Länger als einige wenige Stunden dürften damit nicht möglich sein.

Fazit

Die Daydream View überzeugt uns nicht. Zwar ist sie angenehm zu tragen und wirkt ausreichend hochwertig, allerdings krankt sie unter den gleichen drei Problemen, wie zuvor auch schon andere VR-Versuche: Zu geringe Display-Auflösung, Verzerrungen und Unschärfen wegen der Linsen gerade an den Rändern und - je nach App - Motionsickness. Einen dauerhaften, langfristigeren Einsatz, etwa um einen ganzen Film zu schauen, können wir uns damit einfach nicht vorstellen. Um hingegen einfach mal in das "neue" Medium VR hinein zu schnuppern eignet sich die Daydream View hingegen hervorragend und bisweilen sind die Erlebnisse dank des "mittendrin-statt-nur-dabei"-Gefühls durchaus beeindruckend. Sehr gut gefallen hat uns in diesem Zusammenhang der kleine Controller, der vieles Vereinfacht und die Möglichkeiten in der VR erweitert. Ansonsten muss man wohl noch einige Jahre warten, bis entsprechende Technik vorhanden ist, die dann hoffentlich nicht mehr mit so vielen Nachteilen gekoppelt ist.

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Kommentare
  1. 15.11.16 10:30 Stefan Schomberg (Leitender Testredakteur)

    Das kommt wohl auf die Brille an - kleine Brillen können wohl drunter passen, etwas größere nicht.

    mfg

  2. 14.11.16 06:29 Premiumbernd (Newcomer)
    Komisch

    In anderen Tests habe ich gelesen, das man ohne Probleme eine Brille unter der Daydream tragen kann.

  3. 11.11.16 15:36 Stefan Schomberg (Leitender Testredakteur)

    Nein, das hält bombenfest, das fällt nicht einfach so raus, auch nicht beim anstoßen.

    mfg

  4. 10.11.16 18:57 Jokill (Advanced Member)

    Moment, das Handy wird nur durch das geschlossene Gummiband und dem Anpressdruck gehalten und steht aber an den Kanten über? Kann das somit nicht seitlich rausfallen? Bspw wenn sich mit aufgesetzter Brille stoßen oder hinfallen sollte?

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