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Lineage OS: Das bessere Android im Test

Inhaltsverzeichnis
Lineage OS: Das bessere Android im Test

Ein Custom-ROM bietet viele Vorzüge gegenüber Googles Android-Betriebssystem im Rohzustand, darunter zahlreiche nützliche Features. Im Test stellen wir Lineage OS 14.1 und Android 7.1.1 Nougat gegenüber und zeigen auf, wodurch sich die Systeme unterscheiden.

Android ist nicht gleich Android: Das von Google entwickelte Betriebssystem für Smartphones und Tablets wird von vielen großen Herstellern wie Samsung, Sony oder LG optisch überarbeitet und mit neuen, speziell auf die eigenen Geräte zugeschnittenen Funktionen versehen. Andere Unternehmen wie Amazon schnappen sich hingegen den Quellcode und wandeln Android in einem sogenannten "Fork" nahezu vollständig ab und betten es in ein eigenständiges App-Ökosystem. Doch genauso können sich auch Hobbyentwickler am Android Open Source Project bedienen und daraus ihr eigenes System basteln.

Ein solches Custom-ROM ist das aus CyanogenMod hervorgegangene Lineage OS, das zwar seinem Google-Vorbild auf den ersten Blick sehr ähnlich sieht, aber einige nützliche Zusatzfunktionen mitbringt. In unserem Test beleuchten wir die Unterschiede zwischen dem auf Android 7.1.1 Nougat basierenden Lineage OS 14.1 auf einem Moto X (2014) und dem Vanilla Android 7.1.1 Nougat auf dem Nexus 6.

Benutzeroberfläche, Apps & Features

Die Benutzeroberfläche

Lineage OS setzt wie Googles Android 7.1.1 Nougat auf das minimalistische Material Design mit flachen Fenstern und App-Symbolen sowie den geometrischen On-Screen-Buttons am unteren Bildschirmrand. Der auch den Nexus-Smartphones vorenthaltene Pixel-Launcher von Google ist standardmäßig nicht im Custom-ROM eingepflegt, kann aber durch die Installation eines Google-App-Pakets nachgerüstet werden. Auch Google Now ist in der Rohform nicht enthalten, stattdessen baut Lineage OS auf dem sogenannten Trebuchet-Launcher auf. Der lässt sich umfassender personalisieren als die beiden Google-Launcher und brachte zumindest in früheren CyanogenMod-Versionen sogar einen eigenen Theme-Store mit. In der aktuellen Lineage-OS-Ausgabe ist die Themeengine aufgrund technischer Hürden durch die Nougat-Version nicht enthalten, das Feature soll aber mit einem - noch nicht terminierten - Update nachgeliefert werden.

Lineage OS | (c) Areamobile
Lineage OS | (c) Areamobile
Lineage OS | (c) Areamobile

Der Homescreen von Lineage OS | (c) Areamobile

Es sind mehr Anpassungen möglich | (c) Areamobile

Die Rastergröße z.B. kann angepasst werden | (c) Areamobile

 

Wo Google nur die Platzierung von Widgets oder das Einrichten eines anderen Hintergrundbilds auf dem Homescreen gestattet, da liefert Lineage OS deutlich mehr Möglichkeiten, die Erscheinung des Systems nach den eigenen Vorstellungen anzupassen. Wer die Google-Suchleiste nicht mag, der kann sie wie auch die Symbol-Beschriftungen ausblenden, zudem lässt sich die Größe für das Icon-Raster ändern und das Mitscrollen des Hintergrundbilds ein- oder ausschalten. Im App-Drawer darf gewählt werden, ob der Hintergrund hell oder dunkel erscheint und ob horizontal oder vertikal gescrollt werden soll. Ein Homescreen-Feature aus Android 7.1.1 Nougat bietet das Custom-ROM allerdings (noch) nicht, bei Gedrückthalten eines Icons taucht kein Shortcut-Menü für den schnellen Start einer bestimmten Funktion auf.

Lineage OS | (c) Areamobile
Lineage OS | (c) Areamobile
Lineage OS | (c) Areamobile

Die Benachrichtigungsleiste entspricht der von Android | (c) Areamobile

Die Anzeige in der Statusleiste kann angepasst werden | (c) Areamobile

Die On-Screen-Buttons lassen sich austauschen | (c) Areamobile

 

Die Benachrichtigungsleiste zeigt die Schnellzugriffe mit Anlegen des elften Icons wie bei Vanilla Android auf zwei Seiten an und entspricht optisch auch sonst seinem Google-Vorbild. Praktisch: Bei Lineage OS lässt sich festlegen, dass die Leiste beim Herunterziehen weiter links oder rechts mit einer einzigen Bewegung vollständig ausgeklappt wird - bei Android müssen dazu zwei Finger genutzt werden. Äußerst nützlich ist auch die Möglichkeit, die Bildschirmhelligkeit durch Wischen über die Statusleiste am oberen Bildschirmrand stufenlos zu verstellen oder durch doppeltes Antippen den Bildschirm des Geräts auszuschalten. Auch die Anzeige der Leiste darf ein wenig abgewandelt werden, die Akkustandsanzeige lässt sich als Kreis anzeigen, die Uhrzeit kann links, rechts oder zentriert dargestellt werden.

Linkshänder und Nutzer eines Smartphones mit großem Display dürfen in Lineage OS die On-Screen-Tasten in der Navigationsleiste unten vertauschen, die Knöpfe mit zusätzlichen Aktionen belegen und definieren, was bei doppeltem oder längerem Antippen der Home-Taste geschehen soll. Auch dem Sperrbildschirm kann der persönliche Stempel aufgedrückt werden, hier lassen sich die Apps für die drei Schnellstart-Buttons am unteren Bildschirmrand austauschen.

Lineage OS | (c) Areamobile
Lineage OS | (c) Areamobile

Auch die Lockscreen-Schnellzugriffe dürfen geändert werden | (c) Areamobile

Lineage OS bringt auch den Splitscreen-Modus mit | (c) Areamobile

 

In der Multitasking-Ansicht finden sich in Lineage OS alle Features aus Android 7.1.1 Nougat wieder. Dazu zählt eine Schaltfläche, mit der alle geöffneten Anwendungen mit einem Mal geschlossen werden können. Der schnelle Wechsel hin zur zuletzt aufgerufenen App geschieht durch doppeltes Antippen des Multitasking-Buttons, längeres Drücken aktiviert den Splitscreen-Modus. Alternativ kann eines der angezeigten Fenster in den oberen Bildschirmbereich geschoben und skaliert werden.

Die vorinstallierten Apps

Google liefert Android mit einem umfangreichen App-Paket aus. Neben Standard-Apps für das Telefonieren, SMS- und E-Mail-Schreiben sowie zum Fotografieren beinhaltet das die Anwendungen Maps, Play Musik, Hangouts, News & Fotos, Google Fit und viele weitere, die nicht unbedingt jeder Nutzer auch wirklich braucht. Leider können die Google-Apps unter Android nicht vom Smartphone- oder Tablet-Speicher gelöscht werden, weder einzeln, noch alle auf einmal. Lineage OS kommt im rohen Zustand ganz ohne die Programme von Google aus, sie müssen wie das Betriebssystem selbst über das Custom-Recovery hinzu geflasht werden. Verzichtet man auf die Google-Apps, erhalten Lineage-Nutzer trotzdem ein App-Repertoire, mit dem sich das Smartphone sofort als solches nutzen lässt.

Das Custom-ROM greift dazu größtenteils auf den Open-Source-Fundus von Google zurück, die Telefon-, SMS-, Kalender-Apps und viele weitere Programme basieren auf dem Quellcode des Android-Herstellers. Allerdings sind das nicht immer die aktuellen Versionen, die Google selbst über den Play Store vertreibt, zudem ist mitunter ihr Funktionsumfang beschnitten. Die virtuelle Tastatur bietet beispielsweise keine Unterstützung für Wischgesten. Mit der Kamera-Anwendung und dem auf Chromium aufsetzenden Gello-Browser liefert Lineage allerdings auch eigene Programme, die ihren Vorbildern in jeder Hinsicht überlegen sind: Die Kamera bietet mit ihrem übersichtlichen Seitenmenü schnellen Zugriff auf die wichtigsten Einstellungen, der Browser ist rasend schnell und liefert mit der Rand-Navigation, den ausführlichen Datenschutz- und Sicherheitseinstellungen und sogar einem eigenen Energiesparmodus Features, die man nicht mehr missen möchte.

Lineage OS | (c) Areamobile
Lineage OS | (c) Areamobile
Lineage OS | (c) Areamobile

Die Kamera-App hat ein übersichtliches Seitenmenü | (c) Areamobile

Der Gello-Browser erlaubt zahlreiche Anpassungen | (c) Areamobile

Der Google Play Store ist standardmäßig nicht dabei, F-Droid ist eine Alternative | (c) Areamobile

 

Mit an Bord von Lineage OS ist auch ein Dateimanager mit eher überschaubarem Funktionsumfang, eine schlanke Musik-App mit den nötigsten Einstellungen sowie ein durchaus brauchbarer Equalizer, der sich so ähnlich aber auch auf dem Nexus 6 mit Android 7.1.1 Nougat findet. Die im Custom-ROM vorinstallierten Standard-Anwendungen können wie beim Google-Betriebssystem nicht gelöscht werden, allerdings sind darin auch deutlich weniger Apps gebündelt. Auf viele essenzielle Programme müssen Nutzer von Lineage OS ohne zusätzliche Installation der Google-Apps aber verzichten, es gibt weder YouTube, noch Google Drive, noch Produktivitäts-Apps wie Docs, Präsentationen oder Tabellen. Noch viel ärger: Der Play Store fehlt, Programme müssen also aus anderen Quellen mit viel kleinerer App-Auswahl bezogen werden.

Weitere exklusive Features von Lineage OS

Viele Entwickler wollen mit ihrem Custom-ROM nicht nur ein schlankeres und performanteres Android-Abbild bieten, sondern sich von der Google-Version auch durch besondere Funktionen abheben. So auch Lineage OS, das unter der Haube mehr bietet als nur neue Möglichkeiten der Oberflächenpolitur. Als besonders dienlich stellen sich die Systemprofile des Betriebssystems heraus, über die sich das Smartphone durch einen bestimmten Auslöser ganz automatisch in einen bestimmten Zustand versetzen lässt. Ein Beispiel: Wählt sich das Smartphone in einen gespeicherten WLAN-Hotspot ein, schaltet es die standardmäßig eingerichtete Displaysperre ab - praktisch für Zuhause oder das Büro.

Lineage OS | (c) Areamobile
Lineage OS | (c) Areamobile
Lineage OS | (c) Areamobile

Die Systemprofile sind nützlich | (c) Areamobile

Je nach Auslöser ... | (c) Areamobile

... können bestimmte Aktionen ausgeführt werden | (c) Areamobile

 

Anders als bei Googles Smart Lock stützt sich das Verhalten nicht auf Positionsdaten, wodurch es sich besser für Räumlichkeiten ohne oder mit nur sehr schlechtem GPS-Empfang eignet. Andererseits muss dazu zwingend die Verbindung zu einem WLAN-Router aufgebaut sein. Zudem müssen Nutzer noch eine weitere Regel bestimmen, damit die Displaysperre bei der Trennung der Verbindung auch wieder automatisch hergestellt wird. Weitere Auslöser eines Systemprofils können neben WLAN- auch Bluetooth-Verbindungen oder der Kontakt mit einem NFC-Tag sein. Lineage OS gibt dem Nutzer hier viele interessante Möglichkeiten, seinem Smartphone eigene Verhaltensregeln beizubringen.

Ebenfalls praktisch in Lineage OS ist der Datensparmodus, mit dem auf einen Schlag allen installierten Apps Versand und Empfang von Hintergrunddaten über das Mobilfunknetz verboten wird - Ausnahmen wie Messenger können natürlich selbst festgelegt werden. Anders als beim rohen Android von Google darf zudem auch der WLAN-Datenverkehr einzelner Apps abgeschaltet werden. Wer sein Smartphone hin und wieder als Tethering-Hotspot für ein Tablet oder ein anderes Gerät nutzt, der darf außerdem eine automatische Zeitabschaltung einrichten, nach bis zu zehn Minuten wird die immerhin sehr energiehungrige Funktion dann einfach deaktiviert.

Lineage OS | (c) Areamobile
Lineage OS | (c) Areamobile
Lineage OS | (c) Areamobile

Auf dem Moto X sind auch Gesten aus dem Stock-ROM dabei | (c) Areamobile

Der Datensparmodus verhindert die Hintergrund-Daten aller Apps | (c) Areamobile

LiveDisplay passt die Display-Anzeige an die Tageszeit an | (c) Areamobile

 

Mit LiveDisplay bietet Lineage OS eine besondere Bildschirmautomatik. Je nach Tageszeit justiert das Gerät selbstständig die Farbtemperatur der Anzeige: bei Tag ist sie etwas kühler, bei Nacht werden Blautöne reduziert. Durch den "Automatischen Außen-Modus" werden bei starker Sonnenstrahlung Helligkeit und Sättigung erhöht. Darüber hinaus erlaubt Lineage OS die Kalibrierung des Bildschirms nach RGB-Farben - anders als das Google-Android oder diverse Herstelleraufsätze.

Übrigens: Lineage OS bringt für einige Smartphones auch Features mit, die es so eigentlich nur in der Stock-ROM vom Gerätehersteller gibt. Beim Moto X (2014) sind das unter anderem die Hacken-Geste zum Schnellstart der Taschenlampe, das Ausführen der Kamera-App durch Drehung des Handgelenks oder die Möglichkeit, das Inaktivitätsdisplay durch Winken über den Bildschirm einzuschalten. Auf einem Nexus 6P mit Lineage OS gibt es diese Besonderheiten nicht.

Autor: Tobias Czullay
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