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iPhone 7 Plus, Galaxy S8, Xperia XZ Premium: Smartphone-Kameras im Test - Nachtaufnahmen und RAW-Bilder

iPhone 7 Plus, Galaxy S8, Xperia XZ Premium: Smartphone-Kameras im Test - Nachtaufnahmen und RAW-Bilder

Im ersten Teil unseres großen Vergleichstests haben wir uns angeschaut, wie sich die Kameras von Galaxy S8, LG G6, HTC U11, Sony Xperia XZ Premium, Huawei P10 und iPhone 7 Plus bei Tageslicht schlagen. Für den zweiten Teil entführen wir die Smartphones in die Berliner Nacht und versuchen uns an der RAW-Entwicklung.

Gute Fotos bei Tageslicht sind für die aktuellen Flaggschiff-Smartphones von Samsung, LG, HTC, Huawei, Sony und Apple kein Problem. Die Paradedisziplin - und darin wollen natürlich alle Hersteller glänzen - ist die Nachtaufnahme, wie sie auch professionellere Kameras immer vor eine Herausforderung stellt. Anders als bei herkömmlichen Fotoapparaten, mit denen sich ihre Nutzer häufig auch etwas eindringlicher auseinandersetzen und sich für eine Aufnahme womöglich mehr Zeit nehmen, muss das Bild aus dem Smartphone möglichst ohne viel Aufwand und auf Knopfdruck im Kasten sein. Keine leichte Aufgabe für die Unternehmen - aber wie sich zeigt keine unlösbare.

Denn natürlich begegnen sie den Kundenwünschen mit besserer Technik, die die Aufnahme von mehr Licht möglich macht. Dazu zählen zum einen größere Blendenöffnungen. Das Galaxy S8 und das HTC U11 haben mit f/1.7 die größten Blenden unter den sechs Kandidaten, LG G6 und iPhone 7 Plus folgen mit f/1.8, dahinter das Sony Xperia XZ Premium mit f/2.0 und das Huawei P10 mit f/2.2. Zum anderen erwirkt der Einsatz eines optischen Bildstabilisators, dass der Fotograf länger belichten kann, ohne dass das Foto verwackelt. Nur das Sony Xperia XZ Premium bietet hier keine solche physische Stabilisierung, sondern lediglich eine Software-Lösung. Und auch bei den Dual-Kamera-Smartphones im Test ist der Bewegungsausgleich nur bei den jeweiligen Hauptkameras verfügbar, beim iPhone 7 Plus also nicht für das Tele-Objektiv, beim LG G6 nicht für die Weitwinkellinse und beim Huawei P10 nicht für Schwarzweißfotos.


iPhone 7 Plus
Huawei P10
LG G6
Galaxy S8
Xperia XZ Premium
HTC U11
Sensor
12 MP (4:3)
20 + 12 MP (4:3)
13 + 13 MP (4:3), 1,12 µm Pixel
12 MP (4:3), 1,4 µm Pixel
19 MP (4:3), 1,22 µm Pixel
12 MP (4:3), 1,4 µm Pixel
Objektiv
f/1.8, 28 mm + f/2.8, 56 mm
f/2.2, 27 mm (x 2)
f/1.8, 28 mm + f/2.4, 120-Grad-WW
f/1.7, 26 mm
f/2.0, 25 mm
f/1.7, 26 mm
OIS
ja (nicht Teleobjektiv)
ja (nicht S/W-Sensor)
ja (nicht WW-Objektiv)
ja
nein
ja
Fokus
Dual Pixel PDAF
PDAF, Kontrast- & Tiefenmessung, Laserfokus
PDAF
Dual Pixel PDAF
PDAF, Kontrast, Laserfokus
Dual Pixel PDAF
Speicher
32 GB, 128 GB oder 256 GB
64 GB + microSD
32 GB + microSD
64 GB + microSD
64 GB + microSD
64 GB + microSD
Features
2x optischer Zoom, Auto-HDR
S/W-Sensor, Profi-Modus, RAW
Weitwinkel-Objektiv, Auto-HDR, Profi-Modus, RAW
Auto-HDR, Profi-Modus, RAW
RGB-Sensor, haptischer Auslöser, Profi-Modus, Super-Slo-Mo-Video
Auto-HDR, Profi-Modus, RAW

Ein dritter Faktor spielt für die Lichtaufnahme ebenfalls eine Rolle, nämlich die Größe des Bildsensors und seine Auflösung. Bei großem Sensor und niedrigerer Auflösung sind auch die Pixel zur Lichtaufnahme größer, es muss folglich nicht so lang belichtet werden. Nur gibt es da ein Problem: Apple und Huawei machen keine Angaben zu Sensor- und Pixelgrößen, was den Vergleich mit den anderen Kandidaten in dieser Hinsicht schwierig macht. Unter den vier Geräten mit entsprechendem Vermerk im Datenblatt bieten Samsung und HTC jeweils die größten Pixel.

So zeichnet sich scheinbar anhand der technischen Daten ein Bild vom Ausgang des Vergleichs: Samsungs Galaxy S8 und das HTC U11 liefern die größten Blendenöffnungen, haben eine vergleichsweise niedrige 12-Megapixel-Auflösung, den größten Bildsensor und im Resultat die größten Pixel. Die Smartphones könnten sich demnach bei gleichen Einstellungen eine kürzere Belichtungszeit erlauben, um ein ähnliches Ergebnis zu erzielen wie die anderen Geräte. Nur ist die Sache nicht ganz so einfach, denn die Automatik ist bei jedem Hersteller anders gestrickt und setzt andere Einstellungen. Die HTC-Software schraubt beispielsweise gerne den ISO-Wert etwas höher, bleibt bei der Belichtungszeit aber auf dem Niveau des Galaxy S8 - die Fotos sind demnach heller, rauschen aber auch etwas mehr.

iPhone 7 Plus Testaufnahme | (c) Areamobile
iPhone 7 Plus Testaufnahme
Samsung Galaxy S8 Testaufnahme | (c) Areamobile
Samsung Galaxy S8 Testaufnahme
HTC U11 Testaufnahme | (c) Areamobile
HTC U11 Testaufnahme
LG G6 Testaufnahme | (c) Areamobile
LG G6 Testaufnahme
Huawei P10 Testaufnahme | (c) Areamobile
Huawei P10 Testaufnahme
Sony Xperia XZ Premium Testaufnahme | (c) Areamobile
Sony Xperia XZ Premium Testaufnahme
100-Prozent-Ausschnitt | (c) Areamobile
100-Prozent-Ausschnitt

Überrascht hat uns im Vergleich das Sony Xperia XZ Premium, das immerhin eine recht kleine Blende ins Feld führt. Auf ein Stativ geklemmt - wie alle hier vorliegenden Fotos entstanden sind - legt das Smartphone bei Nacht bisweilen sehr beeindruckende Ergebnisse vor. Die Belichtungsautomatik arbeitet besser als bei den Mitstreitern und weiß Über- und Unterbelichtungen gut zu vermeiden. Dank des RGB-Sensors ist der bei Kunstlicht für gewöhnlich eher ins Orange abgleitende Weißabgleich zudem angenehm ausgeglichen. Wo Samsung & Co. bei mehrfarbigen Lichtquellen und Gegenständen stark nachlassen und diese sehr blass wirken können, fällt es dem Xperia XZ Premium offenbar leicht, einzelne Akzente angemessen hervorzuheben. Auch geben sich die Aufnahmen reich an Details, wenngleich wie bei Tageslichtfotos einige Bereiche matschiger erscheinen als andere.

iPhone 7 Plus Testaufnahme | (c) Areamobile
iPhone 7 Plus Testaufnahme
Samsung Galaxy S8 Testaufnahme | (c) Areamobile
Samsung Galaxy S8 Testaufnahme
HTC U11 Testaufnahme | (c) Areamobile
HTC U11 Testaufnahme
LG G6 Testaufnahme | (c) Areamobile
LG G6 Testaufnahme
Huawei P10 Testaufnahme | (c) Areamobile
Huawei P10 Testaufnahme
Sony Xperia XZ Premium Testaufnahme | (c) Areamobile
Sony Xperia XZ Premium Testaufnahme

Auf das ganze Bild gesehen ist vor allem das LG G6 schärfer, gefolgt vom HTC U11, das jedoch zum Blooming tendiert. Das Galaxy S8 zieht Konturen stark nach, lässt das Bild durch einen dick aufgetragenen Weichzeichner in der Originalansicht aber schon fast wie ein Gemälde wirken. Immerhin sitzt die Belichtung meistens, zudem hat das Samsung-Smartphone wie jenes von HTC dank Dual-Pixel-Sensor kein Problem damit, das Motiv auch bei wenig Licht blitzschnell zu fokussieren. Das iPhone 7 Plus, das ebenfalls mit einem Fokussensor daherkommt, ist ebenfalls rasant dabei, allerdings hellt das Apple-Smartphone das Bild wie eh und je nicht ausreichend auf - Nachtaufnahmen geraten immer zu dunkel. Huawei schlägt mit dem P10 einen ähnlichen Weg ein, erlaubt aber auch mal höhere ISO-Werte, die Bildrauschen mit sich ziehen.

iPhone 7 Plus Testaufnahme | (c) Areamobile
iPhone 7 Plus Testaufnahme
Samsung Galaxy S8 Testaufnahme | (c) Areamobile
Samsung Galaxy S8 Testaufnahme
HTC U11 Testaufnahme | (c) Areamobile
HTC U11 Testaufnahme
LG G6 Testaufnahme | (c) Areamobile
LG G6 Testaufnahme
Huawei P10 Testaufnahme | (c) Areamobile
Huawei P10 Testaufnahme
Sony Xperia XZ Premium Testaufnahme | (c) Areamobile
Sony Xperia XZ Premium Testaufnahme

RAW-Entwicklung zeigt, wie viel die Software nachhilft

Dank der aktuellen Camera2-API haben Smartphones mit dem Google-Betriebssystem den vermeintlichen Vorteil gegenüber dem iPhone, dass sie Fotos im RAW-Format aufnehmen können. Ein solches digitales Negativ wird anders als ein JPEG nicht von der Software des Smartphones nachbearbeitet, sondern muss vom Nutzer selbst entwickelt werden. RAW-Fotos sind demnach noch nicht durch mehrere Filter, Schärfe- und Weichzeichner gelaufen und dürfen verlustfrei mit einem passend erscheinenden Weißabgleich belegt werden. Als einziger Android-Hersteller in diesem Test gestattet Sony nicht direkt das Speichern eines Rohbilds, hier muss eine andere Kamera-App herhalten. Auch beim iPhone 7 Plus kann durch eine Drittanbieter-App nachgeholfen werden.

Für den Kameratest bei Nacht haben wir nun auch einige RAW-Aufnahmen angefertigt und am Beispiel des HTC U11 nachträglich per Hand über Adobes Camera-Raw-Modul entwickelt. Das HTC-Smartphone haben wir deshalb gewählt, weil uns die Fotos grundsätzlich gut gefallen und auch im JPEG-Format nicht zu stark nachbearbeitet erscheinen, wir aber das von der Software aufgetragene Blooming nicht sehr ansehnlich finden. Kurz: Wir wollen ein gutes Foto noch besser machen. Und werden eines Besseren belehrt: Das RAW-Negativ ist unterbelichtet, rauscht stark und ist übersät von Farbfehlern. Letztere lassen sich insbesondere rund um Lichtquellen beobachten und dürften dem Multiframe-Processing geschuldet sein, also dem hier offenbar noch nicht ganz zu Ende geführten Zusammenfügen dreier zeitgleich geschossener Bilder.

HTC U11 RAW | (c) Areamobile
Unbearbeitetes RAW in JPEG konvertiert (HTC U11)
HTC U11 RAW | (c) Areamobile
Bearbeitetes RAW via Camera Raw (HTC U11)
HTC U11 RAW | (c) Areamobile
JPEG-Original (HTC U11)

Zudem stellt uns die Entwicklung des Negativs mit Camera Raw vor mehrere Probleme: Durch das nötige Aufhellen des Bildes nimmt auch das Rauschen sichtbar zu, die Rauschreduzierung mindert aber auch die Details und erzeugt eben jenen nicht gewollten - und sogar noch stärker ausgeprägten - Blooming-Effekt, den wir eigentlich vermeiden wollten. Viel gewonnen haben wir durch die Aufnahme eines RAW-Fotos also nicht, außer vielleicht der Erkenntnis, dass die Hersteller-Software mittlerweile so effizient arbeitet, dass sie aus einem einst unansehnlichen ein so überdurchschnittliches Bild entwickeln kann. Anders verhält es sich mit der RAW-Bearbeitung von Aufnahmen, die bei Tageslicht entstanden sind: Hier am Beispiel des Galaxy S8 zeigt sich, dass sich sehr wohl einige Anpassungen vornehmen lassen, die dem Foto zu einem besseren verhelfen können, als sie der Hersteller selbst als JPEG anbietet.

Samsung Galaxy S8 RAW | (c) Areamobile
Unbearbeitetes RAW in JPEG konvertiert (Galaxy S8)
Samsung Galaxy S8 RAW | (c) Areamobile
Bearbeitetes RAW via Camera Raw (Galaxy S8)
Samsung Galaxy S8 RAW | (c) Areamobile
JPEG-Original (Galaxy S8)

Fazit

Der Vergleich zeigt, dass die technischen Eckdaten nur wenig darüber aussagen, welches Smartphone die besten Fotos bei Dunkelheit macht. Das Xperia XZ Premium von Sony hat uns in dieser Hinsicht positiv überrascht, bei Belichtung und Weißabgleich liegt das Smartphone vor der Konkurrenz. Auch der Detailgrad ist hoch, wird auf das ganze Bild gesehen jedoch vom LG G6 überboten. Galaxy S8 und HTC U11 liegen im Mittelfeld, das Samsung-Smartphone leistet sich eine vergleichsweise unscharfe Abbildung, während das U11 etwas übereifrig belichtet und Lichter bisweilen ausbrennen lässt. Das iPhone 7 Plus liegt noch hinter dem Huawei P10, Apple liefert auch mit seiner aktuellen Kamera keine überzeugenden Nachtaufnahmen.

Autor: Tobias Czullay
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Kommentare
  1. 14.06.17 10:20 foetor (Expert Handy Profi)

    @SpQwN
    Genau das machen halt aber die Wenigsten. Ich gehe mal davon aus, dass 95% das Handy rausholen und ein Bild machen. Glaube genau so viele wüssten auch nicht einmal was HDR ist wenn es nicht bei vielen Geräten automatisch eingestellt wäre.

  2. 13.06.17 08:13 Sp@wN (Newcomer)

    es sollten eifach alle Handys auf manuel sein und identisch eingestellt sein, so wie man auch die grossen Kameras testet.

  3. 12.06.17 21:13 Handyverwurster (Advanced Member)
    Handyfotos bei Nacht...

    ...sollten m.E. aber nicht mit Stativ gemacht werden. Dann haben die Hamdys nämlich "Zeit", und stellen einen niedrigen ISO-Wert ein. Und das ist entscheidend für das Bildrauschen!

    Ein solcher Test ist tatsächlich schwierig durchzuführen, und allein, dass es überhaupt einen gibt, ist sehr löblich. Aber ich würde ihn besser ohne Stativ machen, denn das machen 99,9% aller Handyknipser auch so.

  4. 12.06.17 17:33 foetor (Expert Handy Profi)

    @cookieman
    Naja besser als nix wie hier ;-)

  5. 12.06.17 15:11 cookieman (Professional Handy Master)

    @Foetor
    ob hier die Referenz eine SLR Kamera die richtige Wahl wäre.... sei einmal dahin gestellt.

    Mit etwas Geschick kann man aus jeder Smartphonekamera bessere Bilder herausholen. Die Frage ist wie hoch man seinen Anspruch an die Fotografie schraubt.

  6. 12.06.17 10:01 Sp@wN (Newcomer)
    Sieger

    1. HTC U11
    2. LG G6
    Krass das Sony mit Stativ nicht schlecht HTC scho besser aber Hut ab , man sollte den Heiligenschein vergleichen...
    ps: ich fotografiere nur mit Sony Systemkameras 6500&6000&NEX7 und wollte echt das XZ Premium kaufen wurde aber von HTC belehrt ;-)

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