Werde Teil der Community - Registriere dich jetzt kostenlos! | Login
Anzeige
 
 

Android: Alternativen zu den Google-Diensten

Inhaltsverzeichnis
Android: Alternativen zu den Google-Diensten

Ein Android-Smartphone ohne Google-Software zu betreiben, heißt nicht nur, sich nach anderen Apps aus anderen Quellen als dem Play Store umzuschauen. Auch auf die nützlichen Standort-, Cloud- und Kalender-Dienste des Unternehmens muss dann verzichtet werden. Wir stellen Alternativen zu den Google-Diensten vor.

Open Streetmap statt Google Maps, Etar statt Google Kalender, F-Droid statt Google Play - es gibt hervorragende Alternativen zu den Google-Apps. Doch ist es damit allein nicht getan, wenn das Android-Smartphone ohne Google laufen soll. Denn für den Nutzer mehr oder weniger unsichtbar vertraut das Betriebssystem auf diverse Dienste, die im Hintergrund laufen und sich um die Bestimmung des Standorts, die Synchronisierung des Kalenders oder die Weiterleitung von Push-Nachrichten kümmern. Sie sind kein fester Bestandteil von Android und damit auch nicht in einem Custom-ROM enthalten. Doch gibt es für diese Dienste im Android-Kosmos Alternativen, die zwar unter etwas mehr Aufwand auf dem Gerät aufgespielt werden müssen, dann aber jenen von Google kaum in etwas nach stehen.

Wir verlassen uns bei den folgenden App-Vorschlägen ausschließlich auf Open-Source-Software, die unter anderem bei F-Droid oder über Github kostenlos heruntergeladen werden kann.

Standortdienste

Die Bestimmung des Standorts ist eine elementare Funktion eines jeden Smartphones. Ohne die entsprechenden Dienste wird die Position allerdings nur per GPS-Satellit ermittelt - und das ist nicht nur langsam und verschlingt viel Energie, in geschlossenen Räumen scheitert das Tracking oftmals auch am fehlenden Signal. Besser ist es da, wenn zur Ortung WLAN-Hotspots und Funkmasten herangezogen werden, wie es Googles Dienste standardmäßig tun. Um die Standorterfassung auf dem Google-freien Smartphone nachzurüsten, müssen nun alternative Dienste genutzt werden.

Dafür bietet sich UnifiedNLP (no GAPPS) aus dem F-Droid-Repository an. Diese "Middleware" verwaltet die Backends, die wir ebenfalls aus F-Droid beziehen können und die die eigentlichen Positionsdaten liefern oder mitschreiben. Toll daran ist, dass wir uns mit der Installation eines solchen Backends entscheiden können, woher wir die Daten beziehen bzw. wo wir unsere Positionsdaten speichern.

Es gibt mehrere Möglichkeiten: Die Listen von Mozilla und Apple sind schon mit vielen Standortdaten gefüllt, wodurch das eigene Tracking besonders schnell abläuft. Doch lassen sich auch Backends für die WLAN- und Netzerfassung einrichten, die lediglich auf lokal gespeicherte Daten setzen - das Smartphone sammelt "im Vorbeigehen" fleißig die Informationen zu Hotspots und Funkmasten, legt sie aber auf dem internen Speicher des Geräts ab. Das braucht allerdings beim ersten Besuch eines Ortes etwas mehr Zeit. Es empfiehlt sich, mehrere dieser Ortungs-Backends zu installieren.

Google Dienste | (c) Screenshot AM
UnifiedNLP benötigt den Zugriff auf den Standort | (c) Screenshot AM
Google Dienste | (c) Screenshot AM
UnifiedNLP wird als Standort-Dienst in den Einstellungen angezeigt | (c) Screenshot AM
Google Dienste | (c) Screenshot AM
Mit den richtigen Backends funktioniert die Ortung schnell | (c) Screenshot AM

Nach der Installation von UnifiedNLP findet sich das Programm im App-Drawer, ist aber auch als Standortdienst in den entsprechenden Einstellungen des Smartphones zu finden. Über die App müssen einmalig die installierten Backends (z.B. LocalGsmNlpBackend, LocalWifiNlpBackend oder MozillaNlpBackend) für die Nutzung ausgewählt und gegebenfalls noch konfiguriert werden, danach funktioniert die Standorterfassung vollautomatisch. Allerdings kommt es bei einigen Custom-ROMs auf Nougat-Basis, u.a. bei Lineage OS, unter Umständen zu einem Problem: UnifiedNLP wird nicht als System-App festgelegt und ist damit nutzlos.

Google Dienste | (c) Screenshot AM
Bei F-Droid gibt es einige Backends im Angebot | (c) Screenshot AM
Google Dienste | (c) Screenshot AM
Sie müssen in UnifiedNLP aktiviert und ggf. konfiguriert werden | (c) Screenshot AM
Google Dienste | (c) Screenshot AM
Mozillas Standort-Backend | (c) Screenshot AM

Nun gibt es aber einen recht einfachen Umweg, um UnifiedNLP trotzdem zum Laufen zu bekommen. Dazu laden wir aus dem Github-Repository des Entwicklers die Datei NetworkLocation.apk auf den Smartphone-Speicher und booten das Gerät im Recovery-Modus. Über den Dateimanager von TWRP beispielsweise muss die APK-Datei ganz einfach in den Stammordner system/priv-apps kopiert werden (dazu vorher unter Mount / System den Haken setzen). Entpackt oder ausgeführt werden muss sie danach nicht und auch die vorige oder nachfolgende Installation der UnifiedNLP-App ist nicht nötig - sie ist nach dem Neustart einfach da. Über das Android-Betriebssystem werden nach dem Kopiervorgang die Backend-Pakete aus F-Droid geladen und installiert, nach einem Geräteneustart können sie in Unified NLP eingebunden werden.

Kalender und Kontakte

Die Kalender- und Adressbuch-Apps von Google sind wie das Betriebssystem selbst Open-Source - zumindest in einigen sehr alten Bestandteilen. In Custom-ROMs sind die Apps vorinstalliert und laden förmlich dazu ein, mit einem Google-Account genutzt zu werden. Kein Wunder, schließlich lassen sich Kalendereinträge und Kontakte sehr komfortabel in einem solchen Konto speichern und mit dem Smartphone synchronisieren. Wer diese privaten Daten nicht auf den Google-Servern wissen will, der kann sie natürlich einfach lokal speichern und dabei trotzdem die Open-Source-Apps von Google verwenden - allerdings liegen sie dann eben nur auf einem Gerät. Oder aber es wird ein anderer Dienst genutzt, mit dem Kalender- und Kontaktdaten mit dem Smartphone und anderen Geräten synchronisiert werden.

Google Dienste | (c) Screenshot AM
Login bei DAVDroid mit den Anmeldedaten des Internethosters | (c) Screenshot AM
Google Dienste | (c) Screenshot AM
Das angelegte Profil erhält einen Namen | (c) Screenshot AM
Google Dienste | (c) Screenshot AM
Die Datenbanken für Kalender und Kontakte | (c) Screenshot AM

Dazu brauchen wir einen Client auf dem Smartphone, einen Internetanbieter - dem wir genügend Vertrauen entgegenbringen, um bei ihm die Kalendereinträge und Kontaktdaten zu speichern - sowie die Kalender- und Kontakte-Apps auf dem Smartphone selbst. Als Client dient unter anderem das Programm DAVdroid, das bei F-Droid kostenlos angeboten wird und sich um die Vermittlung der auf dem Internetserver gespeicherten Kalender- und Kontaktdaten mit den Apps auf dem Smartphone kümmert. DAVdroid bietet Unterstützung für zahlreiche Hoster, darunter auch bekanntere wie Apple, GMX und Yahoo oder auch für Owncloud und Nextcloud - hier müssen sich Nutzer für einen Anbieter entscheiden und ein Konto anlegen.

Google Dienste | (c) Screenshot AM
Im Menüpunkt der Kalender-App (hier Etar) "Anzuzeigende Kalender" ... | (c) Screenshot AM
Google Dienste | (c) Screenshot AM
... wird der DAVDroid-Kalender ausgewählt | (c) Screenshot AM
Google Dienste | (c) Screenshot AM
Die Termine sind dann in der Kalender-App sichtbar | (c) Screenshot AM

Nach der Installation und dem ersten Start von DAVdroid auf dem Smartphone muss ein neues Profil angelegt werden, das die entsprechenden CalDAV- (Kalender) und CarDAV-Daten (Kontakte) enthält. Dazu werden die entsprechenden Login-Daten (ggf. auch eine URL) des Hosters eingegeben, bei möglichen Abweichungen gibt der DAVDroid-Entwickler auf seiner Webseite die nötigen Zugangsdaten an. Mehr muss in DAVdroid selbst nicht mehr getan werden, die App kümmert sich nun selbstständig um die Synchronisierung. Schließlich wird in den Adressbuch- und Kalender-Apps auf dem Smartphone bei "Konto hinzufügen", bzw. bei zu "Anzuzeigende Kalender" DAVdroid ausgewählt.

Google Dienste | (c) Screenshot AM
Bei den Kontakten ist es ähnlich: "Konto hinzufügen", ... | (c) Screenshot AM
Google Dienste | (c) Screenshot AM
... "DAVdroid-Adressbuch" auswählen ... | (c) Screenshot AM
Google Dienste | (c) Screenshot AM
... und Kontakte einsehen | (c) Screenshot AM
Autor: Tobias Czullay
Kommentar schreiben

Die Kommentarfunktion ist hier leider nur für angemeldete Benutzer freigegeben.

Du bist nicht dabei?
Werde Teil der Community
Registriere Dich jetzt kostenlos! | Login
Sichere Dir Deinen Usernamen, damit Deine Beiträge und Bewertungen nicht verloren gehen.
 
Kommentare
  1. 29.07.17 22:41 Arminator (Advanced Handy Profi)

    Schönes Wallpaper, wo gibts das?

antworten
Anzeige
Aktuelle Geräte im Test
Anzeige