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App-gefahrene Saugroboter im Test: Xiaomi Mi Robot Vacuum vs. Ecovacs Deebot R95 MKII

Stefan Schomberg 29.10.2017 - 09:00 | 0
Inhaltsverzeichnis
App-gefahrene Saugroboter im Test: Xiaomi Mi Robot Vacuum vs. Ecovacs Deebot R95 MKII

Smartphones, Autos, das Zuhause - alles wird intelligenter. Selbst Staubsauger: Sie lassen sich inzwischen bequem über eine Smartphone-App bedienen, reinigen selbststeuernd die Böden und kartographieren dabei die Umgebung. Im Vergleichstest treten zwei Saugroboter gegeneinander an: Xiaomi Mi Robot Vacuum versus Ecovacs Deebot R95 MKII.

Der Ecovacs Deebot R95 im Test war ein Flop. Dabei hatte der Bot so vielversprechende Ansätze. Aber was nützen gute Gene, wenn die Erziehung versagt? Oder in Technik-Sprech: Was nutzt gute Hardware, wenn die Software wieder alles zunichte macht? Das hat der Hersteller wohl auch selbst eingesehen und kräftig am Code geschraubt.

Herausgekommen ist der R95 MKII, die zweite Version des Saugroboters. Sie sieht genauso aus wie der Vorgänger, schließlich ist die Hardware unverändert übernommen worden. Alte Geräte können sogar per Software-Update auf den neuesten Stand gebracht werden, inzwischen ist dieser Upgrade-Vorgang kostenlos, setzt dafür aber eine Kabelverbindung voraus.

Ecovacs Robotics Deebot R95 | (c) Areamobile
Ecovacs Robotics Deebot R95 MKII mit verbesserter Software im Vergleich mit ...
Xiaomi Saugroboter | (c) Areamobile
... dem Xiaomi Mi Robot Vacuum

Grund genug, den Saugroboter von Ecovacs erneut im Test auszuprobieren. Die Angabe technischer Daten sparen wir uns an dieser Stelle - die sind schwer zu verifizieren, und es geht darum, was der Roboter kann und nicht, was auf den Datenblättern steht. Für den Vergleich haben wir den immer mal wieder um 250 Euro und damit nicht mal halb so teuren Xiaomi Mi Robot Vacuum herangezogen.

Lieferumfang, Design, Aufbau

Der Lieferumfang bei beiden Bots ist ähnlich, das Aussehen auch. Allerdings setzt Ecovacs bei seinem Modell auf grauen, glänzenden Kunststoff und bunte blaue und rote Tastenbeleuchtung, die nachts einen ganzen Raum illuminieren. Xiaomi zieht hingegen schlichtes Weiß und eher unauffälliges, schlichtes Design vor. Bunte Anzeigen gibt es hier auch, die sind aber zurückhaltend platziert. Etwas hochwertiger und robuster wirkt dann doch der R95, groß ist der Unterschied aber nicht.

Ecovacs verwendet beim R95 zwei lange Seitenbürsten, die Schmutz vor die Hauptbürste schieben sollen. Der Xiaomi verwendet nur eine auf der linken Seite, die zudem auch noch deutlich kürzer als beim Konkurrenten ist.

Ecovacs Robotics Deebot R95 | (c) Areamobile
Ecovacs Robotics Deebot R95
Xiaomi Saugroboter | (c) Areamobile
Xiaomi Saugroboter

Ein weiterer Unterschied findet sich bei der Dockingstation: Der Xiaomi Mi Robot Vacuum fährt davor, der R95 muss leicht darauf fahren - das ist immer dann ein Problem, wenn man den Roboter manuell auf die Station stellen möchte, denn da verdecken fast immer die langen Seitenbürsten die nach unten gerichteten Kontakte. Halb so schlimm, wichtig ist das Endergebnis. Und das fällt bei den beiden Robotern durchaus unterschiedlich aus.

Navigation wie eine Waschmaschine - immer im Kreis

Beide Saugroboter bewegen sich ziemlich unterschiedlich: Der Xiaomi-Sauger fährt erst einmal die Wand von einzelnen Räumen ab und scannt dabei die Umgebung. Die Karte wird dabei jedes mal aufs Neue erstellt, sie wird nicht einmal angelegt und dann dauerhaft im Speicher hinterlegt. Das hat den Vorteil, dass er sich auch in einer veränderten Umgebung - etwa in einem anderen Stockwerk des Hauses - zurechtfindet, aber auch den Nachteil, dass beispielsweise virtuelle Begrenzungen ihn nicht stoppen - weil es sie schlichtweg nicht gibt.

Dafür klappt das mit der Navigation im Raum hervorragend. Durch die Kombination aus Rand-Abtasten und Laser weiß auch der "billige" Xiaomi-Bot schon nach kurzer Zeit ganz genau, wie der Raum, in dem er sich gerade befindet, aussieht. In kleinen Räumen zieht er nach dem "Einrahmen" der Fläche anschließend exakte, leicht überlappende Bahnen. Größere Räume teilt er sich selbst auf und wechselt sich dann zwischen Außenlinie-Schrubben und Bahnenziehen ab, wobei er gern auch mal die Räume unverhofft wechselt und nicht immer einer nachvollziehbaren Logik zu folgen scheint. Dennoch saugt er zuverlässig überall. Auch der R95 spring manchmal von Raum zu Raum, lässt aber normalerweise auch nichts aus.

Ecovacs Robotics Deebot R95 | (c) Areamobile
Der Laserturm scheint dem R95 wichtiger
Xiaomi Saugroboter | (c) Areamobile
Beim Xiaomi Saugroboter ermöglicht der Laser keine neuen Möglichkeiten| (c) Areamobile

Der Ecovacs-Saugroboter geht ganz anders vor: Er orientiert sich anfangs in seinem Startraum und erstellt in kürzester Zeit eine grobe Karte, die beim ersten Durchgang weiter verfeinert wird. Er verlässt sich dabei ausschließlich auf den rotierenden Laserturm im hinteren Bereich des Korpus und fährt anschließend nicht zuerst die Ränder ab, sondern versucht sofort, Bahnen zu fahren. Dabei folgt er leider nicht immer logischen Mustern, sondern meist schafft er es, etwa Gänge nicht in langen Längsbahnen abzufahren, sondern in kurzen Querbahnen. Das dauert natürlich wegen der zahllosen Drehungen wesentlich länger, verbraucht mehr Akku und ist somit insgesamt ziemlich ineffektiv, auch wenn die reine Genauigkeit in Bezug auf die gefahrenen Bahnen mit leichter Überlappung ebenfalls makellos ist. Genau dieses Verhalten hatten wir aber auch beim ersten R95 bemängelt - unverständlich, warum Ecovacs das nicht angepasst hat.

Auch an anderer Stelle kann der teurere R95 MKII nicht mit dem günstigeren Xiaomi-Gerät mithalten. Er fährt sich öfter fest und kommt teilweise nicht einmal auf Teppiche mit harten, nicht einmal zwingend hohen Kanten hoch - besonders, wenn er mit beiden Haupträdern gleichzeitig an die Kante fährt. Schräg klappt das fast immer, nur leider versteht der R95 das nicht. Er wechselt dann zwar den Ort, an dem er eine erneute Anfahrt versucht, ändert aber den Winkel nicht. Dann kommt es immer wieder vor, dass er nach dem x-ten Versuch mit einem fröhlichen "Reinigung abgeschlossen" einfach umdreht und zur Ladestation zurückfährt - auch wenn 80 Prozent des zu reinigenden Bereiches nicht gesaugt wurden.

Auch an anderen Stellen, an denen der Xiaomi Mi Robot Vacuum keinerlei Probleme hatte, fuhr sich der R95 fest und krakeelte dann "Antriebsrad hängt" durch die Bude. Das nervt vor allem, weil anschließend manchmal sogar ein einfacher Druck auf die Power-Taste reicht, den Sauger zur Wiederaufnahme seiner Tätigkeit zu animieren - ohne den Roboter zu drehen, vorzuschieben, umzustellen oder sonst irgendeine Hilfe! Da fragt man sich schon, warum er das nicht allein hinbekommen hat. Offenbar brauchte der Kleine nur etwas Aufmerksamkeit.

Ecovacs Robotics Deebot R95 | (c) Areamobile
Haltebügel beim R95
Xiaomi Saugroboter | (c) Areamobile
Xiaomi Saugroboter

Aber für solche Kapriolen habe ich eine Katze - die ist dabei wenigstens noch süß. Und leiser. Denn während der eigentliche Saugvorgang wie eingangs beschrieben nicht übermäßig laut ist, ist vor allem der fiese Piepton, mit dem der Sauger seine Arbeit nach einem "Hänger" wieder aufnimmt, geradezu Trommelfell-zerreißend. Er kann wie auch die anderen akustischen Signale nur ausgestellt, nicht aber in der Lautstärke angepasst werden - unbegreiflich. Das klappt zwar beim Xiaomi auch nicht anders, aber hier sind sowohl die Ton-, als auch die Sprachsignale wesentlich angenehmer, wenn auch nur auf Englisch oder Chinesisch.

Immerhin fährt der R95 von Ecovacs in der zweiten Version nun auch relativ enge Stellen zuverlässig an und durch sie hindurch, das war ja zuvor eine absolute Lachnummer - zumal der Hersteller um dieses Problem ganz genau wusste und im Handbuch einfach darauf hinwies, dass Lücken - etwa zwischen zwei Möbelstücken - kleiner als ein Meter einfach vermieden werden müssten.

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