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Huawei Mate 10 Pro: Auf der Suche nach der Künstlichen Intelligenz

Stefan Schomberg 28.10.2017 - 12:15 | 0
Huawei Mate 10 Pro: Auf der Suche nach der Künstlichen Intelligenz

Am Mate 10 Pro lobt Huawei vor allem die NPU: Das ist ein Extra-Chip für Aufgaben der Künstlichen Intelligenz. Das soll das Smartphone auf ein ganz neues Performance-Level heben – aber woran merkt man das? Eine Spurensuche.

Herzstück des neuen Huawei Mate 10 Pro ist der neue Prozessor Kirin 970. Er beinhaltet neben einer CPU (Central Processing Unit) und einer GPU (Graphic Processing Unit) auch eine NPU (Neural Processing Unit). Die NPU soll ihre Stärken in Bereichen wie Bild- und Gesichtserkennung, Sprachverarbeitung, Live-Übersetzung und Lowpower-AR ausspielen. Ist das wirklich das, was wir uns unter Künstlicher Intelligenz vorstellen?

Künstliche Intelligenz ist ein Teilgebiet der Informatik, das sich mit der Automatisierung intelligenten Verhaltens befasst. Allgemein wird unter Künstlicher Intelligenz der Versuch verstanden, menschenähnliche Intelligenz in Form eines Computers zu schaffen, die eigenständig Probleme lösen kann und lernfähig ist.

Werbung für den Kirin 970 auf der IFA 2017 | (c) Areamobile
Werbung für den Kirin 970 auf der IFA 2017

Davon ist das Mate 10 Pro allerdings weit entfernt.

Im Alltag: CPU und GPU statt NPU?

Im normalen Alltagseinsatz ds Smartphone kommt es vor allem auf die Leistung von CPU und GPU an. Grundsätzlich arbeitet der Kirin-970-SoC (System on a Chip) im Normalbetrieb mit vier Cortex-A73-Kernen mit bis zu 2,4 GHz und vier Cortex-A53-Kernen mit bis zu 1,8 GHz für einfachere Aufgaben. Bei der GPU setzt Huawei auf die neue Mali G72 mit 12 Kernen, die 20 Prozent schneller als die Vorgänger-GPU Mali G71MP8 und 50 Prozent energieeffizienter sein soll.

Riesige Leistungssprünge gibt es hier insgesamt nicht. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der Kirin 970 in herkömmlichen Leistungs-Benchmarks den aktuellen Qualcomm-Chip Snapdragon 835 kaum überbieten kann. Aber immerhin ist diese Leistung mess- und sichtbar. Sie lässt sich in Benchmarks überprüfen, und in aufwändigen Spielen sieht man sie anhand der flüssigen Darstellung auch bei höchster Grafikeinstellung.

Richard Yu kündigt den Kirin 970 mit dedizierter NPU an | (c) Areamobile
Richard Yu kündigt den Kirin 970 mit dedizierter NPU an

Bei der sogenannten Künstlichen Intelligenz des Mate 10 Pro sieht das anders aus. Nach Angaben von Huawei ist die NPU im Vergleich zu herkömmlichen Prozessor 50-fach energieeffizienter und die Leistung um das bis zu 25-fach höher. Angeblich erkennt der Kirin 970 dank der NPU 2.000 Bilder in einer Minute, während eine CPU auf 97 Bilder in einer Minute kommt und auch mehr Strom benötigt. Nur nachprüfen lässt sich das nicht, denn Benchmarks dafür gibt es frei verfügbar nicht. Also kann man nur danach gehen, was man als Nutzer sieht. Und das ist nicht viel.

Die KI wird nur in der Bildergalerie sichtbar

In der Bildergalerie sortiert das Huawei Mate 10 Pro etwa Fotos automatisch nach Bildinhalten - hier unterscheidet die NPU erfolgreich nach Inhalten wie Personen, Landschaften, Nahrungsmitteln und Texten. Das klappt so wie das Taggen von Inhalten - nur eben automatisch. Das ist schon klasse. Aber sonst? Die Kamera, so sagt Huawei, erkennt Motive auch selbständig. Dadurch könne sie besser die optimalen Einstellungen für Weißabgleich, Helligkeit und vieles mehr setzen. Angeblich wurde die Kamera des Mate 10 Pro mit 100 Millionen Bildern für diese Aufgabe "trainiert". Die Ergebnisse in unserem Test fallen schon sehr gut aus, obwohl Huawei die Kamera-Software noch nicht als final ansieht. Aber ist das nun Künstliche Intelligenz? Die richtigen Einstellungen herauszusuchen, leistet doch auch jede andere Kamera-Software der vergangenen Jahre - ohne KI.

Huawei Mate 10 Pro | (c) Areamobile
Bei der Kamera kommt viel KI zum Einsatz

Schon für den Vorgänger Mate 9 setzt Huawei auf Künstliche Intelligenz, um das Phablet auch nach jahrelanger Nutzung noch so schnell wie am ersten Tag zu halten. Etwa dadurch, dass häufig genutzte Apps geschickt im Hintergrund offen gehalten werden, um bei Bedarf schneller parat zu sein. Das könnte aber vermutlich auch ein mehr oder weniger komplexer Algorithmus leisten. Ein Unterschied zur viel gerühmten KI ist also nicht zu erkennen.

Gleiches gilt für die angeblich per KI verbesserte Sprachqualität des Mate 10 Pro. Die ist halt gut - Punkt. Was da genau im Gerät abläuft, sieht man als Nutzer nicht.

Fazit

Das Mate 10 Pro im Test mag schlauer als andere Smartphones ohne NPU sein. Nutzer können die höhere Performance jedoch höchstens erahnen, nicht konkret sehen - außer bei Nutzung der Bildergalerie. Dort kann man sich immerhin vorstellen, dass das Smartphone "verstehen" muss, was zu sehen ist, um es entsprechend zuzuordnen. Oder ist das doch nur ganz normale Software?

Genau hier liegt das Problem: Die Übergänge von ausgeklügelter Software zu dem, was Huawei künstlicher Intelligenz nennt, sind fließend und daher für den Laien nicht wahrnehmbar. Der versteht dank Hollywood unter Künstlicher Intelligenz wohl eher einen menschenähnlichen Roboter mit Ich-Bewusstsein wie in den Filmen "AI - Künstliche Intelligenz" oder "I Robot".

Das kann aber unsere Technologie heute offensichtlich längst nicht leisten. Nach allgemeinem Verständnis werden die meisten Nutzer zum jetzigen Zeitpunkt wohl vermutlich KI eher mit einem Sprachassistenten wie Google Now in Verbindung bringen als mit Mechanismen im Hintergrund, die ein Smartphone optimieren. Einfach, weil der greifbarer ist und menschlicher wirkt. Zumindest, bis man so einen Dienst zu nutzen versucht.

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