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Smarte Lautsprecher: An Amazon und Google kommt noch keiner vorbei

Ingo Pakalski | Golem.de 24.12.2017 - 09:00 | 0
Inhaltsverzeichnis
Smarte Lautsprecher: An Amazon und Google kommt noch keiner vorbei

Bei smarten Lautsprechern hat sich 2017 ein Duell zwischen Amazon und Google entwickelt. Beide haben einiges aufgeboten, um mit ihren digitalen Assistenten Alexa und Google Assistant Käufer anzuziehen. Und bald kommt noch Apple mit dem Homepod als Konkurrent dazu.

"Das weiß ich leider nicht." Solche oder ähnliche Sätze hören Nutzer von Amazons Alexa oder dem Google Assistant noch immer viel zu häufig. Obwohl sich beide Systeme in diesem Jahr deutlich verbessert haben, sind sie noch weit davon entfernt, perfekte digitale Assistenten zu sein, die umfassend auf Sprachbefehle reagieren und Nutzern alle Fragen beantworten können. Auf dem richtigen Weg sind sie aber: Seit Beginn 2017 sind viele Verbesserungen und jede Menge neue Geräte mit Sprachsteuerung vorgestellt worden, die ganz unterschiedliche Möglichkeiten bieten. Fürs nächste Jahr sind nicht nur bereits viele weitere Geräte mehrerer Hersteller angekündigt, es wird auch eine große Änderung auf dem Markt geben, wenn Apple und die Deutsche Telekom als Teilnehmer hinzukommen.

Über ein halbes Jahr hatte Amazon den deutschen Markt noch für sich alleine und nutzte die Zeit, um seine Echo-Lautsprecher zu etablieren und seinen Sprachassistenten Alexa zu verbessern. Mit dem Verkaufsstart des Google-Home-Lautsprecher im August änderte sich die Lage grundlegend: Kunden hierzulande konnten erstmals bei smarten Lautsprechern zwischen zwei digitalen Assistenten wählen: Alexa oder Google Assistant. Der Funktionsumfang beider Assistenten ist recht ähnlich und die beiden Konkurrenten beäugen sich sehr genau.

Google Assistant ist schlauer

Die starke Konkurrenzsituation zwischen Amazon und Google hat auch die Entwicklung weiter beschleunigt: Oft dauert es nicht lange, bis eine neue Funktion etwa von Google Assistant in Amazons Alexa eingebaut wird - und umgekehrt. Beide Assistenten sind Cloud-Dienste und die betreffenden Lautsprecher verwenden diese - ohne die Cloud-Anbindung ist mit den Geräten nicht viel anzufangen.

Alexa und Google Assistant unterscheiden sich nur in Details voneinander, die grundsätzlichen Einsatzmöglichkeiten sind ähnlich. Allerdings haben sie jeweils bei anderen Funktionen ihre Stärken. Lautsprecher, die mit ihnen ausgestattet sind, können genutzt werden, um Musik aus dem Internet zu hören und Smart-Home-Komponenten auf Zuruf zu steuern. Zudem sind Timer und Alarme möglich und es lassen sich Einkaufs- und Aufgabenlisten auf Zuruf mit neuen Einträgen füllen. Beide sollen Antworten auf alle möglichen Fragen liefern. Dabei ist der Google Assistant durch den Zugriff auf die Google-Suche tendenziell etwas schlauer als Alexa.

Alexa klingt besser

Alexa liegt dafür in einer anderen wichtigen Disziplin vorne: Sie klingt besser. Seit vor etwas mehr als einem Jahr die ersten smarten Lautsprecher auf den deutschen Markt kamen, hat Amazon nicht nur neue Funktionen veröffentlicht. So kamen Anrufe sowie Benachrichtigungen zwischen Besitzern von Echo-Lautsprechern, Erinnerungen und die Multiroom-Musiknutzung für Echo-Geräte dazu. Außerdem können Anwender Routinen erstellen, um mehrere Aufgaben in einem Rutsch mit einem selbst definierten Sprachbefehl auszuführen.

Vor allem wurde aber die Aussprache der Alexa-Stimme deutlich verbessert. Aussprachefehler werden immer seltener, die Betonung stimmt fast immer, und Alexa hört sich richtig menschlich an. Sogar das Aufsagen von Gedichten klappt, und es macht Freude, dem zu lauschen. Damit ist Amazon einen ganzen Schritt weitergekommen, Anwender an smarte Lautsprecher zu gewöhnen. Davon ist Google in Deutschland noch weit entfernt.

Google hat noch viel aufzuholen

Seitdem Google mit dem Home seinen ersten smarten Lautsprecher mit Google Assistant in Deutschland verkauft, hat sich die Qualität der Aussprache des Assistenten nur minimal verbessert. Der Google Assistant klingt derzeit so wie Alexa am Anfang: Immer wieder gibt es Fehler bei der Aussprache und falsche Betonungen stören, mitunter ist das Gesprochene kaum zu verstehen. Viele englische Musiktitel oder Künstler werden fälschlicherweise deutsch angesagt.

Google Home Max | (c) Google
Google Home Max | (c) Google

Auch bei der Stimmenauswahl hat Amazon ein besseres Händchen bewiesen. Die deutsche Alexa-Stimme klingt angenehmer und natürlicher als die von Google Assistant. Es ist nicht davon auszugehen, dass Google seine deutsche Assistant-Stimme in absehbarer Zeit austauschen wird, so dass der Google-Dienst selbst bei besserer Aussprache dauerhaft weniger gut klingen wird als die Konkurrenz von Amazon. Außerdem ist Google geschwätziger.

Schalten wir bei einem Alexa-Gerät das Mikrofon stumm, gibt es einen kurzen Signalton. Der Google Assistant teilt hingegen mit: "Das Mikrofon wird ausgeschaltet" und beim Aktivieren ertönt statt eines einfachen Signaltons: "Das Mikrofon wird eingeschaltet". Auch bei der Steuerung von Smart-Home-Geräten ist uns Assistant zu geschwätzig. Alexa reagiert immer nur mit einem einfachen "Ok", während der Assistant ansagt, welche Lampe ein- oder ausgeschaltet wurde; der gesprochene Befehl wird quasi noch mal komplett wiederholt. Das finden wir zu viel des Guten und hoffen, dass Google das noch ändern wird.

Skills sind für Alexa Fluch und Segen

Auch beim Funktionsumfang liegt Google bisher noch hinten. Beim Google Assistant wird er mit sogenannten Actions erweitert, die erst im Oktober in Deutschland freigeschaltet wurden. Seitdem hat es Google nicht einmal geschafft, eine Übersichtsseite mit den verfügbaren Actions zu veröffentlichen. Hier ist der weitere Fortschritt sehr schleppend: Seit der Freischaltung ist es bei den acht Actions geblieben. Damit eine davon verwendet werden kann, muss diese mit der korrekten Bezeichnung aufgerufen werden - das Bedienungsprinzip ist also wie bei Amazons Alexa-Skills.

Bei Alexa heißen die Apps, die neue Funktionen hinzufügen, Skills - und sie sind deutlich umfangreicher. Schon zum Marktstart gab es bei den Echo-Geräten Skills und mittlerweile können Nutzer aus Tausenden auswählen, etwa den Anbieter für die Wetteransage ändern, alternative Einkaufslisten-Plattformen nutzen, sich den nächsten Termin für die Müllabholung ansagen lassen oder das ein oder andere Quiz spielen.Die vielen Skills sind zugleich Segen und Fluch der Plattform. Noch hat Amazon nicht herausgefunden, wie sichergestellt werden kann, dass die Skills den Nutzern auch tatsächlich im Gedächtnis bleiben. Denn das ist notwendig, um ein Skill zu starten, muss sein Name angesagt werden. Bei bekannten Marken ist das kein großes Problem, aber es gehört schon einiges dazu, sich die Namen von über 20 oder 30 Skills zu merken.

Amazon ist sich dessen bewusst und will es irgendwann hinbekommen, dass Alexa das passende Skill zur Anfrage selbst auswählt. Wann diese Möglichkeiten bereitstehen werden, ist aber noch vollkommen offen.

Kluft zwischen USA und Deutschland

Beide digitalen Assistenten leiden derzeit darunter, dass neue Funktionen oftmals zunächst nur US-Kunden zur Verfügung stehen und erst mit erheblicher Verspätung nach Deutschland kommen. Eine praktische Funktion ist etwa die Schritt-für-Schritt-Anleitung beim Kochen für den Google Assistant, auf die deutsche Nutzer seit einem halben Jahr warten. Alexa kennt diese Funktion in der Art bislang gar nicht.

Fire-TV-Geräte über den Echo-Lautsprecher zu steuern ist in Deutschland ebenfalls noch nicht möglich, US-Kunden profitieren davon seit dem Sommer. Besitzer eines Google-Assistant-Lautsprechers können immerhin auf einem Chromecast Inhalte von Netflix komplett mit der Stimme bedienen. Hier mangelt es derzeit daran, dass viele andere Anbieter nicht direkt unterstützt werden.

Neuerdings können Kunden ihren smarten Echo-Lautsprecher endlich als Radiowecker nutzen - aber nur in den USA. Der Google Assistant kann überhaupt noch nicht als Radiowecker verwendet werden. Beide Systeme können zwar einen Weckton abspielen, aber die simple Wiedergabe von Musik zu einem festen Zeitpunkt ist nicht möglich. Hier zeigt sich, wie sehr die Systeme noch am Anfang stehen.

Amazon Echo Test | (c) Martin Wolf/ Golem.de
Amazon Echo | (c) Golem.de

Der Google Assistant und Alexa können verschiedene Nutzer an der Stimme erkennen - allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied. Google-Kunden können das auch in Deutschland nutzen, für Alexa gibt es das nur für US-Kunden. Wann Alexa hier auch in Deutschland mit Google Assistant gleichzieht, ist mal wieder nicht bekannt. Weder Amazon noch Google bieten derzeit eine Möglichkeit, für die Stimme von Alexa oder Google Assistant eine eigene Lautstärke zu definieren. Wer etwa laut Musik hört, wird dann angeschrien, wenn er seinen Lautsprecher etwas fragt. Sowohl Amazon als auch Google ermöglichen es auch anderen Herstellern, ihre digitalen Assistenten auf ihren Geräten zu nutzen - und das macht Google besser.

Alexa kämpft mit Plattform-Einschränkungen

Seit die ersten Alexa-Lautsprecher anderer Hersteller verfügbar sind, zeigen sich ärgerliche Einschränkungen an Amazons Plattform. Viele nützliche Funktionen bleiben derzeit den Echo-Lautsprechern vorbehalten. Besonders schmerzlich vermissen wir die praktische Anruffunktion und die Multiroom-Musiknutzung. Eine weitere auf Alexa-Geräten anderer Hersteller fehlende Funktion betrifft die Integration alternativer Musik-Streamingdienste. Die Nutzung von Amazon Music ist mit Alexa möglich, die von Spotify hingegen nicht unbedingt. Denn die Spotify-Integration ist keinesfalls Bestandteil von Alexa, das ist für Käufer der Geräte aber kaum ersichtlich. Um die Spotify-Nutzung muss sich der jeweilige Hersteller selbst kümmern. Im Fall des One-Lautsprechers hat Sonos das bereits erledigt, Ultimate Ears will eine Spotify-Integration für seine Lautsprecher anbieten, muss dazu aber erst noch die passenden Verhandlungen führen.

Amazon verspricht Besserung - aber wann?

Langfristig will Amazon auf allen Alexa-Geräten den gleichen Funktionsumfang anbieten. Wie lange es aber noch dauern wird, bis dieses Ziel erreicht ist, ist unklar. Hier zeigt Google Amazon, wie es besser geht: Wer sich einen Google-Assistant-Lautsprecher kauft, muss sich nicht darum kümmern, von welchem Hersteller er ist. Alle Geräte haben den gleichen Funktionsumfang und auch die Multiroom-Funktionen stehen für alle eingebundenen Lautsprecher selbstverständlich zur Verfügung. Gleiches gilt für die Spotify-Integration, um die sich der jeweilige Hersteller nicht extra kümmern muss.

Wir sind gespannt, wie viel mit smarten Lautsprechern in einem Jahr möglich sein wird. Es wird deutlich, dass sowohl Amazon als auch Google hier noch am Anfang stehen. Wenn das Tempo bei der Entwicklung so bleibt, sind für das kommende Jahr viele Verbesserungen zu erwarten. Vielleicht wird etwa die sinnvolle Verzahnung mehrerer smarter Lautsprecher in einem Haushalt weiter vorangetrieben.

Amazon und Google haben noch viel zu tun

Wünschenswert wäre es auch, wenn beliebig viele Befehle in einem Zuruf zusammengefasst werden könnten. Bisher muss der smarte Lautsprecher für jede einzelne Befehlssequenz aktiviert werden. Bei der Unterstützung anderer Musikstreamingdienste sind weder Amazon noch Google vorbildlich: Es werden nur wenige relevante Dienste unterstützt - vor allem der eigene. Darin unterscheiden sich Amazon und Google kein Stück. Amazon bietet ergänzend zum eigenen Dienst nur Spotify Premium an. Google schneidet hier mit der Integration von Deezer Premium und der Gratisversion von Spotify minimal besser ab.

Für Nutzer könnte hilfreich sein, dass der Wettbewerbsdruck im nächsten Jahr weiter steigen dürfte, wenn sowohl Apple als auch die Telekom mit eigenen Systemen an den Start gehen.

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