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Handyvertrag: Gegen fehlerhafte Schufa-Auskunft wehren

AreaMobile Redaktion 13.01.2018 - 18:00 | 3
Handyvertrag: Gegen fehlerhafte Schufa-Auskunft wehren

Wenn der angestrebte Handyvertrag vom Provider abgelehnt wird, kann dies an fehlerhaften Daten bei der Schufa liegen. Die Auskunftei bewertet Verbraucher mit einem Bonitäts-Score, dies jedoch nicht selten auf Basis falscher oder fehlender Informationen. Wie sich betroffene Verbraucher dagegen wehren können, erläutert die auf Datenschutz-Themen spezialisierte Journalistin Laura Goseman in einem Gastbeitrag für Areamobile.

Sobald Verbraucher einen neuen Handyvertrag abschließen wollen, betrachtet der entsprechende Anbieter zunächst die Schufa-Auskunft des Neukunden. Bietet diese nicht genügend finanzielle Sicherheit, kommt in der Regel kein Vertrag zustande. Problematisch hierbei ist jedoch, dass eine Stichprobe der Redakteure von handelsblatt.com im 2014 ergab, dass lediglich fünf von zehn angefragten Auskünften korrekt waren. Solche Fehler stellen keine Seltenheit dar und haben zudem für die Betroffenen weitreichende Konsequenzen. Wie ihr falsche Angaben tilgen könnt, erfahrt ihr in diesem Ratgeber.

Fehlerhafte Schufa-Daten - gar nicht so selten

Über 66 Millionen Menschen sind im Archiv der Schufa verzeichnet. Wie dabei die Bonitätsnote errechnet wird, bleibt jedoch weiterhin ein Geheimnis. Aufgrund dessen sind etwaige Fehler für den Verbraucher teilweise nicht nachvollziehbar. Die Folgen sind abgelehnte Kreditanträge sowie nicht zustande kommende Miet- oder Handyverträge. Laut Schufa liegen die Fehler häufig bei den Vertragspartnern, denn diese können selbst entscheiden, ob sie täglich, monatlich oder jährlich ihre Meldung an die Auskunftei abgeben. So kommt es beispielsweise häufig dazu, dass in der Bonitätsprüfung bereits getilgte Kredite weiterhin aufgeführt werden.

Ein ebenso übliches Phänomen ist das Fehlen von Daten. In solchen Fällen kann es sein, dass das Unternehmen möglicherweise mit einer anderen Auskunftei zusammenarbeitet oder die Daten nicht meldepflichtig sind, wie es bei Hypothekenkrediten der Fall ist. Aufgrund dessen ist die Zusammenstellung vollständiger und fehlerfreier Kreditdatensätze recht kompliziert und somit auch selten, obwohl gravierende Folgen damit einhergehen. Um die Datenqualität stetig zu verbessern, führen die Auskunfteien jedoch regelmäßige Analysen sowie automatisierte Plausibilitätschecks in Zusammenarbeit mit den Kunden durch.

Regelmäßige Überprüfung der Schufa-Daten ratsam

Nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) ist die Schufa dazu verpflichtet, einmal im Jahr eine kostenlose Datenübersicht auf Anfrage des Verbrauchers zur Verfügung zu stellen. Diese ist weitaus detaillierter als die kostenpflichtige Bonitätsauskunft. Gleichzeitig ist sie jedoch nicht zur Vorlage an Dritte, wie den Vermieter, Banken und andere Vertragspartner, gedacht. Denn neben den gespeicherten Daten sind darin auch die sogenannten Einzelscores aufgeführt, die für verschiedene Zielgruppen, Personenmerkmale und Branchen berechnet werden.

Durch eine regelmäßige Überprüfung dieser Daten können Fehler rechtzeitig behoben werden, bevor sie für einen Vertragsabschluss relevant werden. Dafür muss sich der Verbraucher schnellstmöglich per Telefon, E-Mail oder Brief an die Schufa wenden. Um eine rasche Bearbeitung zu gewährleisten, sollten zudem etwaige Dokumente, welche den kritisierten Sachverhalt belegen, direkt beigefügt werden.

Gesetzliche Grundlage des Schufa-Scorings

§ 28b BDSG definiert das Scoring als Erhebung oder Verwendung eines Wahrscheinlichkeitswerts für ein bestimmtes Verhalten von Verbrauchern. Somit kann über die Begründung, Durchführung oder Beendigung eines Vertragsverhältnisses entschieden werden, wie das durch die Bonitätsprüfung der Schufa der Fall ist. Jedoch traten erst im Jahr 2010 explizite Regelungen zum Scoring in Kraft.

So legt § 28a BDSG fest, dass die Übermittlung von personenbezogenen Daten auch ohne die Zustimmung des Betroffenen an Auskunfteien wie die Schufa erfolgen kann. Für das Durchführen eines Scorings müssen allerdings zunächst einige Voraussetzungen gegeben sein. So darf es sich ausschließlich um Daten handeln, welche nachweislich für die Wahrscheinlichkeits-Berechnung eines Kreditrisikos relevant sind. Bei dieser Berechnung muss es sich darüber hinaus um ein wissenschaftlich anerkanntes mathematisch-statistisches Verfahren handeln. Außerdem dürfen für die Berechnung nicht ausschließlich Adressdaten genutzt werden beziehungsweise muss der Betroffene bei einer Mitnutzung der Adressdaten zuvor informiert worden sein.

Tatsächlich werden im BDSG auch Auskunftsrechte des Betroffenen über die Entstehung des Scorings festgehalten, um diese nachvollziehen zu können. Leider ist dies, wie bereits erwähnt, nicht immer der Fall.

Grundsätzlich findet sich der Großteil der Regelungen des alten BDSG in ähnlicher Form auch in der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) wieder. Aufgrund dessen werden Unternehmen mit Inkrafttreten der DSGVO im Mai 2018 zunächst keine gravierenden Änderungen im Bereich des Scorings vornehmen müssen.

Weitere Informationen zur neuen EU-Datenschutzgrundverordnung findet ihr auf der Website von Datenschutz.org.

Laura Goseman, freie Jounalistin mit dem Themenschwerpunkt Datenschutz | (c) Laura Goseman
Laura Goseman, freie Jounalistin mit dem Themenschwerpunkt Datenschutz | (c) Laura Goseman

Dies ist ein Gastbeitrag von Laura Gosemann, die als freie Journalistin für den Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V. tätig ist. Ihr besonderer Fokus liegt auf datenschutzrechtlichen Themen.
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Kommentare
  1. 14.01.18 13:49 sehnix (Member)

    Warum existiert die Schufa eigentlich noch?? Ungetreuere Geschäftsführung als bei denen geht ja wohl nicht mehr!!

    Ich bsp. lebe in der Schweiz. Bestell(t)e ab und zu schonmal in Deutschland. Dummerweise auch bei solchen, die eine Schufa-Auskunft einholen um zu wissen, ob sie bei Vorkasse (!) das Geld bekommen...

    Die Schufa würde eigentlich, bei Fällen von "nicht in Deutschland lebenden" mit entsprechenden Vertragspartnern (in der CH: mit einem ebenfalls NICHTamtlichen Datenverwurschtler (wir haben in der Schweiz ein amtliches Schuldenregister die wissen was sie tun)) zusammen. THEORETISCH, denn die Schufa macht es sich auch gerne leicht:

    Anfrage über mich kam,
    Schufa antwortete: "nicht bekannt". (nicht "nicht verzeichnet", sondern "nicht bekannt").
    ...seitdem kann ich in D bei neuen Lieferanten nicht mehr bestellen.
    (Edit: anstatt zu sagen "das ist einer aus der Schweiz - wir können die Anfrage an unseren CH-Partner weiterleiten, kostet aber extra" oder sowas)

    Sowohl das Einsenden der hiesigen (sehr guten) Score bei Schufa als auch Lieferant half nichts: Schufa sagt, deutsche Unternehmen gehorchen...

    Zwischenzeitlich versucht ein Anwalt die Sache bei der Schufa zu klären (das mein Eintrag bei denen restlos gelöscht wird -> Schufa für im Ausland lebende (die nie in D. lebten) nicht zuständig!!).

    Saftladen. Einstampfen. Restlos. Macht ein amtliches Register mit klaren Regeln. Lasst die Unternehmen in eigene Kristallkugeln (Scores) blicken.

  2. 14.01.18 11:09 indiana1212 (Advanced Handy Master)

    Und dann ist ja da auch noch der FPP. Fraud Prevention Pool.

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Fraud_Prevention_and_Detection

    Da bedienen sich die Provider auch gerne daraus.

    Falsche Wohngegend mit viel Assis und wenig Bonität. Abgelehnt ????

  3. 13.01.18 18:35 M.a.K (Handy Master)

    Zum Glück habe ich mit diesem zwielichtigen Verein nichts am Hut, zumindest im negativen Sinn. Finde es aber trotzdem schon dreist den Menschen Geld für Informationen abzuknüpfen die über einen unfreiwillig gespeichert werden, denn die kostenlose Auskunft beinhaltet bei weitem nicht alle Informationen. Erst wenn das Geld fließt wird alles offengelegt und von den falschen Einträgen fang ich erst gar nicht an. Ließt man ja immer wieder von. Sehr intransparent das alles.

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