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Test-Sieger Jabra: Sieben Bluetooth-In-Ear-Kopfhörer im Test

Ingo Pakalski | Golem.de 27.05.2018 - 09:00 | 0
Ingo Pakalski | Golem.de 27.05.2018 - 09:00 | 0
Test-Sieger Jabra: Sieben Bluetooth-In-Ear-Kopfhörer im Test

Wir kämpfen uns für euch durch den Dschungel von komplett kabellosen Bluetooth-Kopfhörern im Stöpsel-Format. Viele Modelle bemühen sich um Passgenauigkeit, Bedienkomfort und einen Bass, der Apples Airpods das Wasser reichen kann. Ein Gerät liefert in allen Disziplinen ab und zeigt Apple, wie man es noch besser macht.

Wir wollen immer noch mehr hören: Nach unserem ersten Vergleich von vier komplett kabellos arbeitenden Bluetooth-Ohrstöpseln gehen wir in die zweite Runde. Wir haben sieben weitere Bluetooth-In-Ears getestet. Dabei zeigt sich erneut, dass Hersteller bei komplett kabellosen Ohrhörern viel falsch machen können. Diesmal sehen wir aber auch, wie es richtig geht.

Wir haben uns für diesen Test Geräte von Sony, Jaybird, Jabra, B&O und Bragi ausgesucht. Dabei haben wir vor allem die Wünsche unserer Leser berücksichtigt und besonders vielversprechende Modelle ausgewählt. Alle bis auf Sonys WF1000-X und Jaybirds Run haben dedizierte Lautstärketasten.

Elite 65t und Elite Sport von Jabra werden ebenso wie Headphone von Bragi mit Druckknöpfen bedient. Beim Beoplay E8 von B&O und dem Dash Pro von Bragi erfolgt die Bedienung über Sensorbereiche. Davon erhoffen wir uns einen Komfortgewinn im Vergleich zu vielen Geräten aus dem ersten Vergleichstest, bei dem wir feststellten, wie lästig es ist, zum Ändern der Lautstärke jedes Mal zum Smartphone greifen zu müssen.

Und vor allem wollen wir sehen, ob die sieben neuen Testkandidaten bessere Gesamtpakete sind als die vier von uns bereits getesteten Geräte. Denn beim Test von Apples Airpods, Boses Soundsport Free, Ankers Zolo Liberty Plus und Googles Pixel Buds waren wir mit keinem der Kandidaten rundum zufrieden.

Spezielle Anforderungen an komplett kabellose Geräte

Komplett kabellose Ohrstöpsel müssen einige Ansprüche erfüllen: Sie sollen nicht drücken, ein gutes Klangbild haben, bequem zu regulieren sein und lange am Stück genutzt werden können. In unserem ersten Test hatten nicht nur alle Geräte gelegentliche, kurze Ausfälle auf der linken Seite, es hatte auch jedes von ihnen mindestens eine entscheidende Schwäche. Den Airpods fehlt eine Lautstärkeregelgung am Gerät und die ohnehin nicht gerade lange Laufzeit verkürzt sich, wenn sie an einem Nicht-Apple-Gerät genutzt wird. Außerdem arbeitet die Ohrerkennung nicht immer wie erwartet und steht auch nur im Zusammenspiel mit Apple-Geräten zur Verfügung. Die Pixel Buds haben keinen guten Klang, halten nicht im Ohr und lassen sich schlecht bedienen. Boses Stöpsel haben Lautstärketasten, die viel zu schwergängig sind und das Ladeetui hat zu wenig Reserven. Die Anker-Stöpsel haben eine zu kurze Laufzeit und auch hier fehlen Regler zur Änderung der Lautstärke.

Neben den wichtigsten Grundfunktionen haben wir uns bei den Geräten im neuen Test auch noch Besonderheiten angesehen. Sonys WF1000-X haben eine Technik zur Geräuschreduzierung. Dem Run der Logitech-Tochter Jaybird fehlen dedizierte Lautstärketasten, aber mit einem Kniff will der Hersteller diesen Nachteil mittels Software umgehen. Die Elite 65t und Elite Sport von Jabra sind auf den zweiten Blick im Detail sehr unterschiedlich, das Elite 65t kann als einziger uns bekannter Stöpsel parallel mit zwei Geräten verwendet werden. Das Headphone hat keinen Akku im Ladeetui und ist auch das einzige Gerät im Test, für das es keine App für Anpassungen gibt. Die Beoplay E8 haben eine sehr besondere Sensorsteuerung und die Dash Pro können auch unabhängig vom Smartphone genutzt werden, weil sie mit einem eigenen Betriebssystem laufen. Zudem können sie auch mittels Kopfschütteln bedient werden.

Die grundlegende Bedienung ist bei den meisten Geräten identisch. Es gibt einen Multifunktionsknopf, mit dem sich laufende Musik pausieren oder fortsetzen lässt. Wenn ein Anruf eingeht, kann dieser mit einem Knopfdruck angenommen werden. Zudem lässt sich mit einem längeren Druck oder einem Doppeltippen bei fast allen Probanden der jeweilige digitale Assistent auf dem Smartphone aktivieren. Wenn die Stöpsel keine Tasten haben, wird das alles über einen Sensorbereich gemacht.

Mehrere Testteilnehmer haben eine sogenannte Transparenzfunktion. Damit sollen Nutzer die Umgebungsgeräusche besser hören, wenn sie die Stöpsel im Ohr haben. Die Umgebungsgeräusche werden über das Mikrofon eingespielt. Überzeugt hat sie uns bei keinem Gerät. Auch traten vermehrt Probleme mit Schritthall auf, aber dazu später mehr.

Bezüglich des Klangtests wurden alle sieben Testteilnehmer mit dem soliden Bassfundament der Airpods von Apple verglichen, die in unserem ersten Test zusammen mit Boses Soundsport Free den intensivsten Bass hatten. Alle Stöpsel im Test werden in das Ohr hineingedreht, um einen sicheren Halt zu erreichen.

Versatz von Bild und Ton bei Videos

Bei der Nutzung von Bluetooth-Kopfhörern kann es beim Schauen von Videos zu einem zeitlichen Versatz zwischen Bild und Ton kommen. Das Gesagte ist dann den Lippenbewegungen etwa eine Sekunde hinterher. Das Anschauen von Filmen und Serien macht so kein Vergnügen. Ob es dazu kommt, hängt davon ab, ob das Zuspielgerät das Bluetooth-Protokoll Audio Video Distribution Transport Protocol (AVDTP) in der Version 1.3 vollständig unterstützt. Mit diesem Protokoll können Kopfhörer und ähnliche Geräte Anweisungen zur Videowiedergabe an das Bluetooth-Gerät senden, damit der Ton synchron abgespielt wird.

Leider geben die meisten Smartphone-Hersteller nicht an, ob sie AVDTP in der Version 1.3 abdecken. Wer sich also für ein Bluetooth-Headset entscheidet, hat es nicht gerade leicht, vorher herauszubekommen, ob das eigene Smartphone das Protokoll unterstützt. Das Problem betrifft vor allem Android-Geräte, denn Apple unterstützt das nötige Protokoll in den iPhone- und iPad-Modellen. Wir haben alle im Test vertretenen Probanden mit einem iPhone 5S und einem iPhone 8 Plus ausprobiert und alle Bluetooth-Geräte spielten Videos mit synchronem Bild und Ton ab. Bei Android-Geräten ist nicht einmal Bluetooth 5.0 ein Garant gegen den Versatz.

Im Folgenden schauen wir uns zunächst die beiden Geräte ohne dedizierte Lautstärkeregelung am Gerät genauer an, danach diejenigen mit Lautstärketasten am Gerät und zum Schluss die beiden Modelle mit Sensorsteuerung. Wir starten mit den Sony-Stöpseln, die eine wirksame Abschottung vor Umgebungsgeräuschen versprechen.

Sonys WF-1000X nutzt Technik zur Geräuschminimierung

Die WF-1000X von Sony sind die einzigen kabellosen Ohrhörer im Test mit einer Technik, die aktiv Umgebungsgeräusche minimieren soll. Ziel ist es, dass Nutzer störende Außengeräusche ausblenden und sich auf die Audioausgabe konzentrieren können. Das Gerät unterstützt außerdem als einziges NFC für eine bequemere Bluetooth-Kopplung und kehrt die Master-Slave-Aufteilung um. Während bei allen übrigen Testmustern die rechte Seite als Master dient, ist es beim Sony-Modell die linke.Diese Besonderheiten sind aber kein Kaufargument, wie wir im Test festgestellt haben. Die Funktion zur Geräuschminimierung haben wir in der S-Bahn ausprobiert und waren enttäuscht. Umgebungsgeräusche waren mit aktivierter Funktion genauso stark wahrnehmbar wie ohne. Hier haben wir uns deutlich mehr versprochen. Die Master-Slave-Umkehrung machte bezüglich der Stabilität der Bluetooth-Verbindung keinen Unterschied. Es kam nicht vor, dass einer der beiden Stöpsel kurzzeitig die Verbindung verlor. Die Bluetooth-Kopplung wird mittels NFC vereinfacht. Das normale Koppeln ist aber nicht so umständlich, dass der Weg über NFC einen gewaltigen Vorteil bringt - zumal der Nutzer üblicherweise nur ein oder zwei Mal die Ohrhörer mit einem anderen Gerät koppelt.

Bluetooth In-Ears im Test | (c) Martin Wolf/Golem.de
Die Sony WF1000-X mit Akku-Etui

Auch bei den Grundfunktionen enttäuschen Sonys WF-1000X teilweise. Gut sind die beiliegenden Aufsätze in verschiedenen Größen. Mit farblichen Markierungen macht es Sony dem Kunden so einfach wie kein anderer Konkurrent, die zusammenpassenden Aufsätze zu finden. Das wünschen wir uns von allen Herstellern.

Die Stöpsel werden ins Ohr hineingedreht und sitzen sicher, ohne zu drücken. Sobald wir eine Mütze aufsetzen, sind sie allerdings unbenutzbar: Weil sie vergleichsweise weit aus dem Ohr ragen, drückt eine Mütze sie so stark ins Ohr, dass es schmerzt. An jeder Seite gibt es einen Knopf; links kann die Geräuschminimierung umgeschaltet werden, rechts ist der typische Multifunktionsknopf. Beide Tasten sind gut erfühlbar und leichtgängig. Uns fehlen aber Tasten zur Lautstärkeregelung. Unpraktisch ist, dass Telefonate nur auf einem Ohr zu hören sind: dem linken. Auch mit dem Klang sind wir nicht zufrieden, und das liegt am Schritthall, der bei jedem Aufsatz auftritt. Beim Laufen hallt jeder einzelne Schritt im Ohr nach, und das macht das an sich voluminöse Klangbild zunichte. Im Bassbereich reicht Sony zudem längst nicht an den Tiefbass der Airpods heran.

Zum Gerät gibt es eine spezielle App, mit der die Geräuschminderung konfiguriert werden kann - allerdings ist sie, wie oben beschrieben, ohnehin wirkungslos. Zudem gibt es einige Equalizer-Voreinstellungen; der Ladestand der Stöpselakkus wird in der App grob angegeben, eine Prozentangabe fehlt. Die App ermöglicht keine Ortung der Stöpsel, falls sie mal verlegt wurden. So können die Stöpsel nicht auf einer Karte gezeigt werden und auch das Abspielen eines Signaltons in Bluetooth-Reichweite ist nicht möglich - hier heißt es also: selber suchen. Alle Ansagen des Sony-Geräts selbst werden in englischer Sprache ausgegeben.

Bluetooth In-Ears im Test | (c) Martin Wolf/Golem.de
Nichts für Marathonläufer: Die Sony WF1000-X
Bluetooth In-Ears im Test | (c) Martin Wolf/Golem.de
Die jeweiligen Aufsätze sind farblich markiert

Sony-Stöpsel mit sehr kurzer Akkulaufzeit

Bei der Akkulaufzeit gehören die Sony-Stöpsel zu den schlechtesten dieses Tests. Nach 2,5 Stunden können wir keine Musik mehr hören - das gilt bei abgeschalteter Geräuschminimierung. Wenn diese aktiv ist, verringert sich die Akkulaufzeit auf etwas mehr als 2 Stunden. Und wenn wir dann nur 5 Minuten Ladezeit spendieren, ist der Akku schon nach einer halben Stunde wieder leer. Das mitgelieferte Ladeetui hat nur Reserven für zwei Nachladungen, das ist in Anbetracht der geringen Laufzeit der Stöpsel zu wenig.

Das Ladeetui ist uns zu groß und sperrig. Es ist gerade noch hosentaschentauglich, dürfte aber gerne kompakter sein. Das Öffnen, Entnehmen und Ablegen der Stöpsel gelingt gut; es ist allerdings etwas ungewohnt, dass die Stöpsel extra eingerastet werden müssen, weil die Akkus sonst nicht geladen werden.

Zwischenfazit zu Sonys WF 1000X

Wer die WF-1000X von Sony wegen der Geräuschreduzierung kaufen will, kann sich das Geld sparen. Wir können keinen Unterschied mit und ohne aktivierte Geräuschreduzierung ausmachen. Leider sind die Stöpsel auch bei der Laufzeit die Enttäuschung dieses Tests. Zwei weitgehend positive Aspekte gibt es aber auch: Wer sie nicht unbedingt mit einer Mütze nutzen möchte, findet immerhin eine angenehme Passform, die allerdings nicht ganz an das angenehme Tragegefühl der Elite 65t heranreicht. Und wären nicht die Probleme mit dem Schritthall, wären wir auch mit dem Klang der Sony-Stöpsel durchaus zufrieden, zumal alle Probanden daran scheitern, das Tiefbasspektrum der Airpods zu erreichen.

Kommen wir jetzt zu den Run von Jaybird, die mittels Software das Fehlen von Lautstärketasten kompensieren sollen.

Jaybirds Run soll fehlende Lautstärketasten mit Software ausgleichen

Die Run der Logitech-Tochter Jaybird haben wie Sonys WF 1000X nur jeweils eine Taste an jedem Ohrstöpsel. Mittels Software will der Hersteller das Fehlen dedizierter Lautstärketasten ausgleichen.

Bluetooth In-Ears im Test | (c) Martin Wolf/Golem.de
Jaybird Run

Den Bluetooth-Ohrhörern liegen fünf Aufsätze bei: Neben drei Größen in runder Bauform gibt es auch zwei ovale. Aufsätze und Ohrpassstücke lassen sich vorbildlich leicht wechseln. Bei den Aufsätzen fehlen leider Markierungen, so dass die Zuweisung der Aufsatzpaare nicht gerade einfach ist, wenn sie sich nicht mehr in den mitgelieferten Tütchen befinden. Zudem gibt es vier verschieden große Ohrpassstücke, um die Stöpsel noch sicherer im Ohr zu halten.

Die Aufsätze sorgen für einen sicheren Halt, liegen aber nicht ganz schmerzfrei im Ohr. Nach einigen Stunden sind wir froh, sie loszuwerden. Eine Mütze drückt die Stöpsel noch etwas tiefer ins Ohr, so dass sich die Schmerzen verstärken. Außerdem sorgt der Kontakt der Stöpsel mit der Mütze für Raschelgeräusche, sobald sich der Kopf nur minimal bewegt. Damit sind die Stöpsel unter einer Mütze nicht nutzbar.

Anders als bei den Sony-Stöpseln finden wir hier auch Aufsätze, die keinen Schritthall verursachen. Das geht dann zu Lasten der Bassleistung. Im Vergleich zur Konkurrenz klingen die Run etwas zurückhaltender und bieten ein weniger voluminöses Klangbild. Der Mitten- und Höhenbereich vermischt sich zu stark. Nicht schön: Anrufer sind nur im rechten Stöpsel zu hören.

Gesteuert werden die Run mit einer Drucktaste an jedem der Stöpsel. Leider sind die Tasten zu schwergängig, so dass es im Ohr schmerzt, wenn sie gedrückt werden. Ein Druck auf den linken Stöpsel aktiviert den jeweiligen Assistenten, auf der rechten Seite befindet sich der Multifunktionsknopf zur Musik- und Anrufsteuerung. Wird doppelt auf den rechten Stöpsel gedrückt, wird ein Lied vorgesprungen.

Themen: Bluetooth
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