Testüberblick Microsoft Surface Windows RT
| Zeitwertung Im Detail |
Wertung am 21.05.2013 |
77% (gut) |
| Community- wertung |
2 Meinungen |
100% Empfehlungen |
93% (herausragend) |
Auf dem Surface für Windows RT hat Microsoft erstmals sein Desktop-Betriebssystem Windows mit der mobilen ARM-Technik verheiratet. Wie gut dieses Experiment gelungen ist, könnt ihr in unserem Test-Bericht zum Surface für Windows RT nachlesen.
Microsoft sieht das Surface für Windows RT als Ersatz für einen Computer oder ein Laptop und unterstreicht den Anspruch darauf mit dem fast vollständigen Verzicht auf Zubehör. Das Basismodell für 479 Euro hat neben dem Tablet und einer Kurzanleitung lediglich ein Ladegerät im Lieferumfang. Selbst ein Kabel, wie man es von Tablets mit Android und Apple-Betriebssystem gewohnt ist, liegt nicht bei. Das Touch Cover kostet im Paket mit dem Surface-Tablet 100 Euro zusätzlich, für das Type Cover legt man 130 Euro extra hin.
Das Surface RT im Test ist sehr hochwertig verarbeitet und verfügt mit seinem kantigen Aussehen über eine deutlich von der Konkurrenz abgesetzte Designsprache. Das Gehäuse mit einer VaporMag genannten Magnesiumlegierung fühlt sich sehr hochwertig an, ebenso die Touchscreen-Oberfläche, die komplett aus einer Scheibe Glas besteht. Das Gefühl, langlebige und robuste Technik in der Hand zu halten, setzt sich beim Standfuß fort, der zwar sehr dünn ist, sich aber trotzdem nur im Millimeterbereich verbiegen lässt.
Microsoft Surface: Das Touch Cover kostet (in Schwarz) im Bundle mit dem Surface 100 Euro extra, die farbigen Versionen gibt es nur als Zubehör für 120 Euro | (c) Areamobile
Auch der Ein-Aus-Schalter und die Tastenwippe wirken solide und der magnetische Anschluss hielt in unserem Test die Tastatur fast ebenso fest am Surface wie ein Schließmechanismus. Es gibt nur Kleinigkeiten, über die man im Test des Surface RT meckern kann: So sammeln sich trotz der matten Oberfläche schnell fettig glänzende Fingerabdrücke auf der Rückseite und Spaltmaße sind dort teilweise deutlich sichtbar. Darüber hinaus ist der Ein-Aus-Schalter nur schwer ertastbar und hat bei dem Surface für Windows RT, das uns zum Test zur Verfügung gestellt wurde, einen sehr schwammigen Druckpunkt.
Das Surface ist durch seinen 10,6 Zoll großen Touchscreen im Format 16:9 sehr breit und kämpft mit 9,3 Millimeter Tiefe sowie 680 Gramm in der gleichen Gewichtsklasse wie das iPad 4 von Apple. Es mit einer Hand zu halten, ist mühsam, dafür hat man das Gefühl, grundsolide Qualität in der Hand zu halten. Das sehr breite Format macht es aber auch schwierig, mit den Daumen zu schreiben, während man das Surface in der Hand hält.
Das Display des Surface RT im Test ist in Innenräumen und an wolkigen Tagen auch draußen hervorragend. Es bietet eine hohe Helligkeit, ordentliche Kontraste, vor allem im Schwarz-Bereich, und weite Betrachtungswinkel. Bei sehr schräger Ansicht gehen zwar etwas Helligkeit und Kontrast verloren, das Surface RT zeigte bei uns im Test aber keine Farbveränderungen. Die Farben wirken natürlich und die Auflösung von 1.366x768 Pixel ist ausreichend. Nur wenn man sehr nahe an das Surface herangeht, sind die einzelnen Bildpunkte mit dem bloßen Auge erkennbar. Die Auflösungsgrenze machte sich in unserem Test vor allem beim Split-Screen bemerkbar. Textlastiges auf der schmalen Seite ist dann ohne manuelle Vergrößerung nicht mehr lesbar. Wie alle anderen Tablets spiegelt aber auch das Display des Surface für Windows RT.
Das Surface für Windows RT ist eines der ersten Tablets mit Microsoft-Betriebssystem, das einen Prozessor auf Basis des ARM-Designs hat. Bisher unterstützte das System nur die Technik von Intel. Der Tegra-3-Chipsatz von Nvidia mit Quad-Core-Prozessor und 2 Gigabyte RAM zeigt sich der Software im Alltag mehr als gewachsen. Insbesondere die Kachel-Oberfläche des Surface flutschte geradezu bei uns im Test: Fingergesten werden sofort umgesetzt und Apps öffnen oder schließen sich auf Knopfdruck. Lediglich im Desktop-Modus reagierten Ordner oder Programme manchmal nur mit Verzögerung, was aber anscheinend eher an einer mangelnden Anpassung des Systems liegt als an der Hardware.
Surface für Windows 8 RT: Im kleinen Split Screen ist die Schrift ohne Zoom unlesbar | (c) Areamobile
Mit harten Fakten zur Leistungsfähigkeit des Quad-Core-Chipsatzes können wir diesmal jedoch nicht dienen, denn einen Benchmark für Windows RT gibt es noch nicht, ebenso wenig herausfordernde Spiele, an denen sich die Leistungsgrenzen abzeichnen könnten. Außerdem fehlt in der RT-Version von Windows 8 der Leistungsindex. Ein kleiner Hinweis auf die gute Zusammenarbeit zwischen Chipsatz und Windows 8 könnte der Browser-Benchmark Sunspider geben. Hier liegt das Surface mit nur etwa 1.000 Millisekunden sehr weit vorne.
Surface für Windows 8 RT: Der Internet Explorer ist mit rund 1.000 Millisekunden im Sunspider-Benchmark sehr schnell. | (c) Areamobile
Die technische Ausstattung des Microsoft Surface für Windows RT ist auf der Höhe der Zeit, lässt aber dennoch einige Wünsche offen. Highlight des Tablets ist ohne Zweifel der normalgroße USB-3.0-Anschluss, an den sich Tastaturen, Mäuse oder USB-Sticks anschließen lassen. Über den HDMI-Ausgang kann das Tablet an einen Monitor oder einen Fernseher angeschlossen werden. Die Audio-Übertragung wird darüber auch unterstützt. Beim Spiegeln der Tablet-Inhalte ist die maximale Auflösung für den externen Bildschirm allerdings auf 1.280x720 Pixel beschränkt und die Apps verweigern ihre Arbeit mit dem Hinweis, dass sie zu niedrig sei. Wird der Tablet-Bildschirm abgeschaltet, bekommt der externe Monitor die maximal mögliche Auflösung von 1.920x1.080 Pixel und das Surface verrichtet wieder klaglos seinen Dienst.
Surface für Windows 8 RT: Nutzt man nur den externen Monitor gibt es keine Probleme | (c) Areamobile
Dazu gibt es Wlan n inklusive DLNA und Unterstützung für das 5-Gigahertz-Band, Bluetooth 4.0 sowie einen Steckplatz für microSD-, microSDHC und microSDXC-Karten, der jedoch maximal 64 Gigabyte unterstützt. Auf andere Extras wie GPS, HSPA oder LTE muss der Käufer jedoch verzichten. Dazu kommt, das der interne Speicher zumindest beim 32-Gigabyte-Modell des Surface RT schnell knapp werden kann. Denn alleine das Betriebssystem, das Office-Paket und die Systemwiederherstellung belegen rund 13 Gigabyte des zur Verfügung stehenden Platzes.
Microsoft hat dem Surface für Windows RT außerdem zwei Kameras spendiert, die jedoch vorrangig für Videoaufnahmen gedacht sind. Es gibt nur eine rudimentäre Bedienung wie die Auswahl des Bildformats, eine 3-Sekunden-Timer-Funktion und der Video-Modus. Ein Autofokus fehlt und Fotos sind unscharf, sobald das Motiv über eine Armlänge entfernt ist. Dazu kommen flaue Farben und ein deutlich sichtbares Luminanz-Rauschen. Schon bei Tageslicht sind viele farblich abgesetzte Störpixel auf den Bildern erkennbar. Die maximale Bildgröße beträgt gerade einmal 1.280x720 Pixel.
Die Qualität der eingebauten Mikrofone gefiel uns dagegen im Test sehr gut. Sie übertrugen bei Internet-Telefonaten die Gespräche klar und verständlich, ohne dabei aber dumpf zu wirken. Auch die Lautsprecher hinterließen bei uns im Test einen hochwertigen Eindruck. Druckvolle Bässe kann man von ihnen zwar nicht erwarten, aber sie boten ein klares Klangbild und ein breites Frequenzspektrum, ohne dabei zu übersteuern. Nur die Lautstärke ließ zu wünschen übrig. Sobald es etwas lauter wird, können sie sich nur schwer gegen den Hintergrund-Lärm durchsetzen. Ein weiterer Pluspunkt des Surface für Windows RT ist sein Akku. Er hielt im Test bei intensiver Benutzung des Browsers und angeschaltetem Wlan und einem auf komfortable zwei Drittel des Maximums gedimmten Bildschirm etwa fünf bis sechs Stunden durch. Bei weiter heruntergefahrener Beleuchtung des Displays wäre vielleicht noch eine Stunde länger drin. Die Reserven sind vorhanden.
So gut sich die Hardware des Surface für Windows RT in unserem Test schlug, so wenig beeindruckte die Software Windows 8 RT. Zwar ist die Kacheloberfläche schön bunt und einfach mit dem Finger zu bedienen, doch wenn man nicht nur Kacheln drücken möchte, wird es schnell unübersichtlich und kompliziert. Zudem nervt Windows 8 mit einer Reihe von Kinderkrankheiten, die wir bereits in einem früheren Artikel ausführlicher beleuchtet haben. Schwere Schnitzer leistet sich das neue Betriebssystem von Microsoft zwar nicht, doch die Summe der kleinen Unzulänglichkeiten nervt irgendwann gewaltig. Bei der sogenannten User Experience bieten Android-Tablets und das iPad von Apple dem Nutzer deutlich mehr Komfort.
Hinzu kommt, dass sich das Surface für Windows RT zumindest derzeit nicht wie von Microsoft beworben als Laptop-Ersatz einsetzen lässt. Es sei denn, man ist mit ein bisschen Surfen, E-Mails verwalten und dem Erstellen von Word-Dokumenten, Excel-Tabellen oder Powerpoint-Präsentationen zufrieden. Denn professionelle Software, die für vorherige Versionen von Windows geschrieben wurde, ist auf dem Surface-Tablet nicht installierbar. Hier bleibt einem nur das Angebot aus dem Windows Store, das derzeit aber noch sehr klein ist.
Für den Konsum von Medien hat Microsoft deutlich aufgerüstet. In Windows 8 findet man neben dem Windows Store für Apps auch eine schlicht Musik genannte Download-Plattform für Songs und Alben und Video, den Store für Filme und Fernsehserien. Alle zeigen auch die auf dem Tablet gespeicherten Multimedia-Inhalte an - allerdings nur, wenn der Nutzer sie vorher in den richtigen Ordnern ablegt.
Der Internet-Browser Internet Explorer 10 ist auf dem Surface für Windows RT eine Mischung aus ausgewachsener Desktop-Software und einer abgespeckten Tablet-Version. Generell werden Internetseiten wie auf dem PC angezeigt, auch JavaScript bereitet keine Probleme. Sogar Flash ist eingebaut, allerdings nur eine abgespeckte Version für mobile Geräte. So ist es ein Glücksspiel, ob ein online veröffentlichtes Video abgespielt wird oder nicht. In unserem Test funktionierte etwa Youtube problemlos, Vimeo dagegen gar nicht. Es gibt jedoch eine schöne Funktion, die den Mangel an Apps zumindest teilweise erträglich macht: Internet-Adressen können als Tile direkt auf den Starbildschirm gepinnt werden. So sind Facebook, Twitter oder andere Lieblingsseiten nur einen Fingerdruck entfernt.
Microsoft bewirbt und verkauft das Surface für Windows RT mit einem Schutzdeckel für das Display, der gleichzeitig als Tastatur und Ein- / Ausschalter für das Tablet dient. Das sogenannte Touch Cover ist eine feste Platte mit einer filzähnlichen Oberfläche, die magnetisch am Surface befestigt wird. Die fusselige Platte ist ein kleines Wunderwerk der Technik. Man muss die Tasten zwar fester als gewöhnlich bei einer Tastatur drücken, weil sie nicht beweglich sind, doch die Erkennungsrate ist schon mit ein wenig Übung überraschend hoch. Nur wenn man sehr schnell tippt, werden einzelne Buchstaben verschluckt. Das Touch Cover unterstützt außerdem Multitouch, wie es etwa für die Eingabe von Großbuchstaben nötig ist.
Neben einer Tastatur gibt es auf dem Touch Cover auch ein Trackpad mit zwei Extra-Tasten, das sehr empfindlich reagiert. Klappt man die Tastatur auf die Rückseite, wird die Tastenerkennung automatisch abgeschaltet, klappt man sie auf das Display, geht das Tablet in den Standby. Wegen der unbeweglichen Tasten ist bei der Benutzung aber unbedingt eine feste Unterlage erforderlich, um den nötigen Druck aufbringen zu können. Alternativ bietet Microsoft für das Surface auch eine Tastatur mit beweglichen Tasten, die dem Nutzer eine traditionelleres Schreibgefühl geben soll.
Technik hui, Software pfui. So ließe sich das Surface für Windows RT grob charakterisieren. Das Tablet gefällt mit hochwertiger Verarbeitung und - mit Ausnahme der Kameras - guter Technik. Das Touch Cover kann sogar als genial bezeichnet werden. Allerdings ist das Betriebssystem Windows 8 RT trotz einiger cleverer Ideen nicht zu Ende gedacht und deshalb kompliziert zu bedienen. Außerdem hat Microsoft die Software soweit abgespeckt, dass man sehr schnell an seine Grenzen stößt und manchmal sogar schneller als einem lieb ist. Wer ein Tablet sucht, das er vorrangig für E-Mails, Internet, Multimedia und Spiele verwenden will, ohne sich großartig damit auseinandersetzen zu müssen, der sollte zur Zeit besser zum iPad 2, iPad 4 oder einem Android-Tablet mit 10-Zoll-Display wie dem Nexus 10 greifen. Wer jedoch auch unterwegs viel mit Texten, Zahlenkolonnen und Präsentationen arbeitet, sollte das Surface für Windows RT als Alternative in Erwägung ziehen. Denn insbesondere in Kombination mit dem Touch Cover oder dem Type Cover ist das Arbeiten damit sehr komfortabel.
Rene Melzer,
Gesamteindruck 95%
Empfehlung ja
Bewertet am 02.03.2013
| Bewertung Microsoft Surface Windows RT | |
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Gesamtdurchschnitt
berechnet aus Bewertungen von Areamobile Lesern.
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Du bist nicht dabei?Das Surface gibt es in Deutschland auch nur Online im MS-Store meines Wissens nach.
Ja das stimmt, ich hab schon Geräte von Acer, ASUS und Samsung gesehen. Aber das Surface hab ich auch noch nirgends im Verkauf gesehen.
Wo bei es zum Testen ja fast egal ist ob RT oder "normal".
Ich habe auch 5 Minuten Gesucht bis ich das Samsung Aktiv Tablet als X86 enttarnt habe :)
Im MM (Rostock) lagen zumindest welche von Asus mit Windows RT aus zum Testen ;).
@Adbul:
Ja, da hast du wohl recht. Das ist auch der Grund, weshalb sich bisher Nexus-Geräte so schlecht verkauft haben, glaube ich.









Und genau das war der Kritikpunkt von Abdul, wenn ich das richtig verstanden habe, oder?