Der Verpackungskarton steht im Zeichen der deutschen Hoffnung auf steigende Marktanteile im Mobilfunkbereich: laubfroschgrün. Während die finnischen Nokia-Verpackungen die Sehnerven durchdrehen lassen und mit kitschigen Bildchen die jüngeren unter uns zu reizen versuchen, ist Siemens inspired by communication. Pragmatik und Ästhetik motivieren den Kauf eines deutschen Gerätes. Das perfekte Handy zum Selberschenken. Leider ist der Lieferumfang auch nur eben zweckmäßig: Handy, Akku (Li-Ion-Akku: 650mAh), Ladegerät und ausführliche Bedienungsanleitung.
Das Design ist vielversprechend, denn das Nokia-Publikum ist anspruchsvoll. Für die Zielgruppe wurde auch die Menüsteuerung sehr stark dem finnischen Vorbild angepasst. Siemens überrascht mit einem kompakten formschönen Handy, das funktional und unverwüstlich scheint. Die Wasserprobe hat es bestanden: keine Angst mehr vor Spritzwasser! Die Verschalung vorn und hinten dichtet das Gerät ab und gibt dem Akku festen Sitz. Kein Grund gleich damit Baden zu gehen, denn für Abwechslung sorgen die austauschbaren Schalen. Beim Wechsel des mitgelieferten silber-grau-blauen Gehäuses ist Fingerspitzengefühl gefordert, Nägel der Marke "Hammerhart" und "Extralang" sind unverzichtbar. Weiterhin empfehlenswert ist die Zuhilfenahme eines Schraubenziehers, von dem in der Bedienungsanleitung explizit abgeraten wird.
Die Einfassung der Tastatur ist optimal gelöst: geringe Spaltmaße verhindern das Verschmutzen. Beim Austausch der Schalen ist darauf zu achten, dass man das innere Display- Glas nicht mit fettigen Pommesfingern oder krümeligen Kekshänden anfasst. Das äußere Display-Glas verhindert nach dem Zusammenführen der Schalen eine nachträgliche Reinigung und wirkt wie ein Vergrößerungsglas auf Krümel & Co.
Mit der Größe von 109 x 46 x 23 mm passt es wohl in jede Handtasche und in den 97 g steckt eine ganze Menge Telefon- und Spielspaß. Die Tastatur ist übersichtlich, strapazierfähig und keine fiese Fusselfalle. Die Tastensperre wird im Gegensatz zu den Nokia-Handys mit nur einer Taste aktiviert bzw. deaktiviert: das erspart die flinken Fingerspielchen! Auch der Ton lässt sich mittels Shortcut ausstellen. Die blaue Displayfarbe assoziiert Innovation und intelligentes Design und zeigt der farbigen Konkurrenz die kalte Schulter. Der Screensaver zaubert entweder eine Analoguhr ins Display oder ein Bild, das man per SMS oder WAP empfangen und sichern kann.
Zur Ausstattung gehören GPRS, WAP und Email via SMS. Auf letztere Funktion sollte man lieber verzichten, da hier die gute Laune in Frustrationswölkchen aufgeht. Wer Lust auf längere Nachrichten hat, sollte lieber eine Brieftaube losschicken: die Wahrscheinlichkeit, dass diese den Empfänger erreicht ist wesentlich größer. Eine Email kann laut Anleitung via SMS versendet werden, allerdings nur, wenn dieser Service von dem Dienstanbieter überhaupt unterstützt wird und man über einen Benutzernamen und ein Passwort verfügt.
Für alle Experimentierfreudigen: Die misslungene Zustellung der abgeschickten Meldung wird per SMS bestätigt und ist kostenpflichtig. Also lasst lieber die Finger von dem Email-Versand, es funktioniert sowieso nicht.
Dem User des Siemens M50 eröffnet sich mit Java die Möglichkeit zahlreiche Spiele und Anwendungen für das Mobiltelefon zu nutzen. Diese Anwendungen werden aus dem Internet geladen und auf dem Handy installiert. Nach der Installation kann die Anwendung sofort gestartet werden. Theoretisch soll es sogar möglich sein, eigene Spiele in Java zu programmieren. Die Dokumentation dieser innovativen Funktion ist jedoch mangelhaft und Siemens lässt den Kunden mit seinen Fragen allein. Wer sich also beim Spiele programmieren lieber auf echte Profis verlassen möchte kann sich Games & More via WAP aufs Handy laden. Im Internet gibt es ausführliche Infos für alle Spiele-Freaks. zu finden.
Nach Einschalten des Handys wird man mit dem Grafikstil "Rennwagen" konfrontiert. Der Eingabe des PINs folgt eine Formel-Eins-Ampel, die nach wildem Blinken auf die Grün-Stellung springt. Doch wer glaubt, jetzt gleich lostelefonieren zu können, der irrt: Der Siemens-Rennwagen hat hier einen echten Fehlstart abgelegt, denn der Zugriff auf das Telefonbuch erfordert lange Wartezeit und starke Nerven. Mit der langweiligen Animation einer Rennstrecke und dem Hinweis "Bitte warten" versucht Siemens den User zu besänftigen - netter Versuch! Beim Ausschalten des Handys wird die Zielflagge geschwenkt und ein Siemens-Wagen fährt durchs Ziel. Zum Glück, endlich ist der Stress vorbei und der Kasten ist aus.
Wie der Hersteller verspricht, hat man durch die Auswahl des Grafikstils die Möglichkeit dem Telefon einen persönlichen Charakter zu verleihen. Eher fraglich, wenn man sich zwischen zwei (!) Animationen entscheiden muss. Bei der Qual der Wahl habe ich mich für die (weibliche?) Cocktail-Variante "Windsurfer" entschieden. Hier wird man bei Ladezeiten durch ein sich leerendes Longdrink-Glas beruhigt. Beim Däumchen drehen fragt man sich dann, wieso es sich wie von Geisterhand wieder füllt, ohne dass ich Zugriff auf meine Einträge im Telefonbuch bekomme. Da hat wohl einer der Siemens-Entwickler zu tief ins Glas geschaut. Beim Ausschalten düst dann ein Windsurfer übers Display, zum Glück ohne Wartezeit, ach käme er doch nie wieder - und tschüss!
Hier nun eine kleine Auswahl der Menüpunkte: Die einzelnen Menüpunkte sind sinnvoll und logisch gegliedert. Rufnummern, Termine und Spiele lassen sich intuitiv und schnell aufrufen.
Standby- & Gesprächszeit:
Wie bei jedem anderen Gerät korrespondieren die Betriebszeiten des Akkus mit den Einsatzbedingungen. Die Herstellerdaten von 260 Stunden Standby und sechs Stunden Sprechzeit sind realistisch und entsprechen den Anwendererfahrungen. Bei guter Pflege des Akkus kann man sich auf diese Leistung auch längerfristig verlassen.
Empfang & Sprachqualität:
Der Empfang ist natürlich von der Netzabdeckung des Dienstanbieters abhängig. Siemens liefert aber mit seiner Hardware beste Voraussetzungen für gute Sprachqualität und verlässliche EMS (Enhanced Messaging Service: Bilder, Töne, Animationen). In geschlossenen Räumen ist es möglich, dass ein zunächst starkes Signal plötzlich schwächer wird und zu einem Verbindungsabbruch führt (der Standort wurde bei diesem Test nicht verändert). Eventuell handelt es sich um eine Hardware-Schwäche der integrierten Antenne
Hilfe:
Die deutsche Gründlichkeit baut auf Sicherheit. Das Hilfe-Menü beinhaltet ein kleines internes Benutzerhandbuch, dass dem Handy Neuling sehr übersichtlich Fragen zur Bedienung beantwortet. Ob die Zielgruppe des Siemens M50 eine solche Hilfe tatsächlich nutzen wird, ist fraglich.
Mein Menü:
Hinter diesem Menüpunkt versteckt sich der Organizer: Termine, Wecker, Internet und Notizen.
Audio:
Hier kann man die Lautstärke des individuellen Klingeltons einstellen. Die Auswahl der Klingeltöne, die Siemens vorgibt, ist eine geschmackvolle Mischung aus konservativem Telefongeläut und extravaganten Gebimmel, da ist ganz bestimmt für jeden etwas dabei.
Einstellungen:
Unter diesem Menüpunkt finden sich Benutzergruppen, Benutzerprofile, Datenaustausch, Netz, Sicherheit, Uhr und Grafik.
Surf & Fun:
Siemens liefert drei Spiele-Anwendungen: "Flowboarding", "Moorhuhn" und " Stack Attack". Wer die langen Ladezeiten überstanden hat, wird mit einer Menge Spielspaß belohnt. Und wem die Offline-Anwendungen nicht mehr genügen, kann auch online Spiele laden. Allerdings muss der Vergnügungssüchtige hier für das Warten auch noch blechen und kriegt am Ende des Rechnungsmonats die Quittung des Dienstanbieters.
Ruflisten:
Hier baut Siemens auf Altbewährtes: unbeantwortete Anrufe erscheinen auf der Rufliste, Rufannahme mit jeder Taste, Anklopfen, Makeln, Konferenz und Abweisen eines störenden Anrufers
Nachrichten:
Dank T9 ist Simsen schon lange kein Problem mehr. Die Pflaster auf den Daumen gehören der Vergangenheit an. Etwas gewöhnungsbedürftig ist aber die Tastenbelegung der Sonderzeichen. Während einige Tasten mit nur sechs Symbolen belegt sind, kann man auf anderen zwischen bis zu vierzehn Zeichen wählen.
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