Für einen recht günstigen Preis bekommt man eine Telefon, dass die besten Eigenschaften von Multimedia-Spielzeug und Smartphone in einem Gerät vereint und somit nicht nur gehobene Business-Ansprüche zufriedenstellt, sondern auch noch unglaublich viel Spaß macht. Den vielen kritischen Stimmen, die sich über die Größe des 7650 beklagen, sei gesagt, dass das die meisten anderen aktuellen Kamera-Handys zwar kleiner sind, man bei ihnen aber auch eine deutlich geringere Funktionalität, exotische proprietäre Formate und ähnliche Einschränkungen in Kauf nehmen muss. Für alle diejenigen, die sich von den Maßen des 7650 nicht einschüchtern lassen und die mit den geschilderten Mängeln leben können, ist das 7650 jedenfalls meiner Meinung nach rundum empfehlenswert!
Die Box erinnert vom Aufbau an die Verpackungen der Luxus-Handys wie z.B. dem 8850 oder 8910: nach dem Öffnen des Deckels kann man durch ein kleines Fenster einen ersten Blick auf das Handy werfen, das eigentliche Auspacken geschieht jedoch von der Seite. Der Kunststoff-Einsatz, in dem Handy und Zubehörteile aufbewahrt werden ist zwar nicht so hübsch „zweistöckig“ wie bei den edlen 8000er-Modellen aufgebaut, dafür hat Nokia ein nettes Detail vom 9210 übernommen: die Anleitungen und die Software-CD befinden sich in einem separaten Schuber, der somit für zusätzliche Ordnung sorgt.
Der Standard-Lieferumfang besteht aus dem 7650, dem Akku BLB-2, dem Ladegerät ACP-12E, der Bedienungsanleitung, einer Kurzanleitung, einer Software-CD und den Service-Unterlagen.
Das zweiteilige Konzept, bei dem Displayeinheit und Tastatur zusammenschiebbar sind, ist zwar für Nokia neu, aber dennoch abgekupfert. Schon im Jahre ´98 stellte Siemens mit dem SL10 ein Handy mit einem fast identischen Mechanismus vor.
Die Tastatur und vor allem die Oberschale tragen jedoch Nokia-typische Stilelemente wie z.B. die parabelförmige Displayeinfassung, so dass das Telefon auch ohne Labels eindeutig dem finnischen Hersteller zugeordnet werden könnte.
Die Abmessungen des geschlossenen 7650 betragen 114mm x 56mm x 26mm (HxBxT) und entsprechen damit näherungsweise den Abmessungen einer Zigarettenschachtel im 100er-Format. Aufgeschoben ist das 7650 satte 158mm lang, was in etwa der Länge des 9210 entspricht.
Die üppigen Maße in Verbindung mit dem Gewicht von 154g zeigen, dass das 7650 nicht gerade ein zierliches Gerät, sondern ein ziemliches "Pummelchen" ist - in Anbetracht des Funktionsumfangs und der Eigenschaft als "Beinahe-Smartphone" ist die Größe aber durchaus angemessen.
Die Verarbeitung könnte - wie so oft bei Nokia - besser sein: Licht scheint durch Teile der Oberschale, der Akkudeckel wackelt, seitlicher Druck auf das Gehäuse führt zu einer deutlichen akustischen Rückmeldung in Form von Knack- und Knarzgeräuschen. Andere User berichteten zusätzlich von Staub unter dem Displayglas oder gar vom kompletten Versagen des Schiebemechanismus - da ich meine Telefone aber sehr pfleglich behandele und jeden Abend dreimal auf Holz klopfe, sind derartige Probleme bei mir noch nicht aufgetreten.
Zuallererst ein großes Lob an Nokia: beim 7650 wurde nicht mit überwiegend hauseigenen Formaten hantiert, nein, hier wurde auf offene Standards gesetzt.
Durch die Tatsache, dass das 7650 mit seinem Betriebssystem Symbian OS und seiner Java-Fähigkeit viel Spielraum für eigene Installationen lässt und dazu diverse Bild- und Soundformate „verdauen“ kann, sind dem Spaß nur Grenzen durch den mageren Speicher gesetzt. Dazu aber später mehr.
Dank Symbian OS konnten diverse nützliche Funktionen des 9210 Communicators, der das gleiche Betriebssystem nutzt, auch im 7650 Verwendung finden. Zusätzlich zu der erhältlichen Nokia-Software gibt es im Netz unzählige weitere Applikationen im .SIS-Format, unter denen für nahezu jeden Geschmack etwas zu finden sein sollte.
Gleiches gilt natürlich auch für die diversen Midlets, die Dank J2ME ebenfalls auf dem 7650 installiert werden können.
Das "jungfräuliche" 7650 bietet bereits folgende Funktionen: integrierte Digitalkamera, umfangreiches Adressbuch, aufwändiger Kalender, SMS, MMS, E-Mail-Client, WAP-Browser, GPRS, polyphone Klingeltöne (max. 24-stimmig), Situationsprofile, Bluetooth, Infrarotschnittstelle, Taschen- und Währungsrechner, Voice Dialing, Voice Recorder, Toneditor, Uhr mit Wecker, integrierte Freisprecheinrichtung mit Abstandssensor, die Spiele Snake EX und MixPix (auf der CD zusätzlich Bounce, Card Deck und TriplePop) u.v.m - weitere Software kann, wie schon erwähnt, nach eigenem Belieben installiert werden.
Der dynamische Speicher, den sich alle nachträglich installierten Anwendungen mit dem Adressbuch, den Mitteilungen, den gespeicherten Fotos etc. teilen müssen, beträgt 3,6MB. Dies klingt auf den ersten Blick gar nicht schlecht, erweist sich aber im täglichen Gebrauch als sehr knapp bemessen. Bei durchschnittlich gefülltem Adressbuch und Mitteilungsspeicher, ca. 20 gespeicherten Bildern, ein paar Sounds und vier, fünf durchschnittlich großen
Zusatzapplikationen wird es so langsam knapp. Wie schön wäre es gewesen, wenn Nokia dem 7650 wie dem 9210 eine MultiMediaCard als Wechselspeicher spendiert hätte - man hätte sich nicht vor der Installation von speicherintensiven Programmen wie z.B. einer Video-Software überlegen müssen, welche anderen Applikationen dann weichen müssen. Usern, die im Hinblick auf den Speicher keine Kompromisse eingehen wollen, bleibt also nur die Anschaffung des in diesen Tagen auf dem Markt erscheinenden 3650.
Auf einige der wichtigsten Features will ich gesondert eingehen:
Für viele mag die integrierte Digitalkamera der hauptsächliche Kaufgrund sein, für mich stellte sie eine nette Nebensächlichkeit dar, da ich auch schon die Kamera aus dem Lieferumfang des 9210 nicht sonderlich häufig genutzt habe. Meine daraus resultierende Meinung, dass eine integrierte Kamera eher unnütz ist, muss ich größtenteils revidieren. Es ist nett und durchaus nützlich, im 7650 immer eine Kamera zur Hand zu haben und es sind schon viele witzige und spontane Aufnahmen damit entstanden.
Es können Bilder in VGA-Auflösung (640x480 Pixel) mit einer Farbtiefe von 24 Bit (gut 16 Millionen Farben) geschossen werden, wobei das Display als Sucher dient. Neben dem Standard-Modus ist ein Porträt-Modus (mit kleineren Bildern) und ein Nachtmodus möglich - bei letztgenanntem ist die Belichtung höher, die Auflösung jedoch geringer. Zusätzlich zu den drei Modi kann eine generelle Einstellung der Fotoqualität in drei Stufen (Gering, Normal, Hoch) vorgenommen werden.
Auch auf der höchsten Qualitätsstufe ist die Bildqualität jedoch nicht sonderlich berauschend, da die Bilder recht unscharf, leicht blaustichig und durch den lästigen Fischaugen-Effekt des Objektivs besonders an den Rändern verschwommen und verzerrt sind.
Auch wenn eine Handy-Kamera natürlich nicht an eine vollwertige DigiCam heranreichen kann, haben andere Hersteller dennoch gezeigt, dass auch auf diesem Gebiet eine bessere Leistung möglich ist. Wenn man sich bewusst ist, dass die Cam lediglich für Schnappschüsse oder Hintergrundbilder für das Display zu gebrauchen ist, wird sich die Enttäuschung in Grenzen halten.
Neben SMS kann man mit dem 7650 auch MMS und E-Mails verschicken. Der MMS-Versand will bei mir im E-Plus-Netz seltsamerweise nicht klappen, auch wenn sämtliche Einstellungen laut Hotline korrekt sind. Da aber nicht viele weitere MMS-fähige Geräte in meinem Bekanntenkreis anzutreffen sind, nutze ich das Feature nicht - ganz im Gegensatz zum E-Mail-Client.
Das Mailprogramm ist ähnlich aufgebaut, wie das des Communicators: bei der Verbindung mit der Mailbox werden die Kopfzeilen der E-Mails abgerufen, um Speicherplatz zu sparen, ausgewählte Nachrichten können dann komplett heruntergeladen werden. Optional können auch alle oder alle neuen Mails abgerufen werden. Bilder der Kamera oder aufgenommene Sounds können nicht nur als MMS, sondern auch per E-Mail verschickt werden.
Neben klassischen einstimmigen Nokia-Tönen im Format .RNG sind bereits einige polyphone Töne als MIDIs vorinstalliert. Vom schlichten Telefonklingeln über Chopins "Fantasie Impromptu" bis hin zu Trance- oder Samba-Rhythmen sollte für jeden Musikgeschmack ein passender Ton vorhanden sein. Wenn die installierten Sounds nicht gefallen oder ausreichen, lassen sich weitere per WAP, Infrarot oder Bluetooth "nachladen", wobei diverse Formate unterstützt werden. Es können z.B. .WAV-Dateien oder auch eigene Aufnahmen des Voice Recorders (Format: .AMR) als Klingeltöne benutzt und einzelnen Anrufern oder Anrufergruppen zugeordnet werden.
Auch der Kalender besitzt handfeste Smartphone-Qualitäten. Es existieren Tages-, Wochen- und Monatsansichten, wobei man eine dieser Ansichten als Standard beim Aufrufen des Kalenders festlegen kann. Der Tag des Wochenbeginns ist ebenfalls frei definierbar.
Als Terminarten können "Besprechung", "Notiz" und "Geburtstag/Jahrestag" mit Betreff, Beginn, Ende, Alarmzeit etc. eingetragen werden, wobei eine eventuelle Wiederholung der Erinnerung und sogar die Synchronisationsart festgelegt werden kann. Auch wenn der Kalender nicht ganz Commi-Qualitäten besitzt, so ist er doch besser und aufwändiger als bei den allermeisten anderen Handys.
Während die neueren Modelle mit Farbdisplay die konventionelle Nokia-Menüführung (nur eben in Farbe) aufweisen, hat Nokia beim 7650 eine völlig neue Menüstruktur verwendet, genauer gesagt mehrere Menükonzepte in einem Gerät vereint.
Die oberste Menüebene besteht aus Icons, von denen jeweils neun gleichzeitg auf dem Display angezeigt werden und die durch Anklicken mit dem Joystick aufgerufen werden können - das Sony Ericsson T68i verwendet eine fast identische Darstellung. Bei den Icons kann zwischen Hauptmenüpunkten im eigentlichen Sinne und Ordnern unterschieden werden, die wiederum verschiedene Menüpunkte in der Anordnung in neun Icons beinhalten.
Innerhalb der einzelnen Menüs existieren zwei weitere Formen des Aufbaus: zum einen eine klassische Listenform (z.T. mit grafischen Symbolen versehen) und zum anderen einer Kreuzung aus den klassischen Ericsson- und den Nokia-Menüs, in der nicht nur vertikal gescrollt, sondern auch horizontal durch symbolisierte "Karteikarten" geblättert werden kann. Die Menü-Icons können in eine andere Reihenfolge gebracht werden, Funktionen aus einem Ordner in die oberste Ebene (und umgekehrt) oder in einen anderen Ordner verschoben werden und es können auch eigene neue Ordner angelegt werden. So kann der User die Menüstruktur seinen persönlichen Vorlieben anpassen, was ein eindeutiges Lob verdient hat - je personalisierbarer, desto besser!
Schon beim ersten Blick auf die Tastaturanordnung des geschlossenen Geräts fällt eine separate Taste als Novum ins Auge: es ist die Menü-Taste, die somit die klassische Funktion des linken Softkeys übernimmt. Auch der rechte Softkey ist nicht mehr gewöhnlich belegt - das Telefonbuch wird durch einen Druck auf den Joystick aufgerufen. Der Vorteil des Ganzen ist der, dass man die Softkey-Belegungen nun selbst definieren bzw. aus einer Liste auswählen kann.
Durch das Vorhandensein des 5-Wege-Joysticks gestaltet sich die Navigation durch das Menü ebenfalls etwas anders als bei den regulären Modellen. Die Auswahl eines Menüpunkts kann nun durch einfachen Druck auf den Joystick erfolgen, weswegen dem linken Softkey eine Optionsliste zugeordnet wurde. Die klassische Bestätigungsfunktion steht nach wie vor an oberster Stelle, weiterhin befinden sich in der Liste aber auch Optionen zum Verschieben des Ordners, zum schließen der Funktion/des Ordners, etc. Der rechte Softkey übernimmt wie gewohnt den Schritt zurück, über die rote Hörertaste kann man - wie immer - aus dem jeweiligen Menü direkt zum Standby-Screen zurückspringen. Hierbei gilt es zu beachten, dass eine Anwendung nur dann beendet wird, wenn man explizit "Schließen" auswählt! Bei Verwendung der roten Hörertaste gelangt man zwar zum Standby-Screen, aber das Programm läuft im Hintergrund weiter. Dies mag lästig erscheinen, wenn man feststellt, dass viele Programme im Hintergrund den aktiv benötigten Speicher wachsen lassen; nützlich ist es hingegen, wenn man z.B. in einer SMS oder einem Spiel genau dort weitermachen kann, wo man aufgehört hat. Beim Zuschieben der Klappe wird dieses Konzept ebenfalls verfolgt: das Telefon springt nicht in den Standby-Modus zurück, sondern bleibt an der vorherigen Stelle im Menü. Nützlich: bei einen langen Druck auf die Menü-Taste im Standby-Modus öffnet sich eine Liste der aktiven Programme als PopUp.
Auf eventuelle Probleme bei der Benutzung der Tastatur bin ich ja weiter oben schon eingegangen - wenn man nicht gerade einen Text eingeben oder eine Nummer wählen muss, lässt sich das 7650 aber auch komplett mit geschlossener Klappe bedienen.
Auch wenn sich diese Vielfalt der unterschiedlichen Menüstrukturen zunächst verwirrend und kompliziert anhören mag, ist das 7650 tatsächlich leicht und intuitiv bedienbar.
Das 7650 ist werksmäßig für den Datentransfer per Infrarot oder Bluetooth vorgesehen. Eine Anschlussmöglichkeit für ein Datenkabel ist im Innern vorhanden, allerdings muss dafür das Gehäuse geöffnet werden - wenn man seine Garantie behalten möchte, eignet sich das 7650 also nicht für die Kommunikation per Kabel.
Die Infrarotschnittstelle verrichtet zuverlässig ihren Dienst und bereitet auch bei der Übertragung größerer Datenpakete keine Probleme. Bluetooth-Übertragungen von Bildern oder Kontakten mit einem anderen 7650 oder einem Ericsson T68 haben ebenfalls reibungslos funktioniert. Schade hingegen ist nur, dass das 7650 kein Audio-Profil unterstützt und somit nicht in Verbindung mit einem BT-Headset eingesetzt werden kann (siehe Bluetooth-Special).
Applikationen können neben IrDA und BT auf per WAP auf das 7650 geladen werden.
Die Empfangsleistung des 7650 ist dank der großflächigen integrierten Antenne recht gut, auch wenn sie nach meinem Empfinden nicht ganz an die hervorragenden Eigenschaften des 6310(i) heranreicht. Auch in nicht optimal versorgten Bereichen hält das 7650 jedoch tapfer die Verbindung zum Netz und hat sich bisher keine groben Patzer geleistet.
Die Sprachqualität hingegen könnte besser sein: die Stimme des Gesprächspartners tönt leicht verrauscht, begleitet von dem charakteristischen GSM-Gezirpe und vor allem viel zu leise aus dem Lautsprecher. Leider schafft die oben schon beschriebene integrierte Freisprecheinrichtung in lauten Umgebungen keine Abhilfe, so dass man sich für derartige Situationen ein zusätzliches Headset zulegen sollte.
Die Herstellerangaben für Standby- und Gesprächszeit betragen max. 150 Std. / max. 4 Std., leider sind diese Angaben beim 7650 aber noch utopischer als bei anderen Modellen. Wenn man viel mit dem Handy herumspielt (und man spielt viel mit ihm herum!), muss es jeden Abend ans Netz, wenn man es mäßig benutzt, dürfte der Akku zwei, maximal drei Tage halten. Die Anschaffung eines zweiten Akkus oder möglicherweise sogar eines Power-Akkus von einem Fremdhersteller kann also durchaus sinnvoll sein.
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