Die Sprachqualität stärkt die Kategorisierung des 6220 als Alltags-Handy: sowohl auf Sende- als auch auf Empfangsseite werden Gespräche nicht durch dumpfe Rauschfilterung und Stimmenverfremdung gestört. Der Rauschfilter könnte stellenweise wie so oft bei Nokia sogar eher ein wenig härter zupacken und Hintergrundgeräusche herausrechnen - in seltenen Situationen üerwiegen hohe Frequenzen, die man dann als überspitzte S-Laute wahrnimmt, Klirren und Übersteuern kann ebenfalls bei wirklich lauten Hintergrundgeräuschen auftreten. Anders verhält es sich mit der Freisprecheinrichtung: diese ist für spontane Telefonkonferenzen in ruhigen Räumen noch einsetzbar, als Ersatz für ein Headset im Auto aber völlig untauglich: der kleine Lautsprecher ist bereits ab mittleren Lautstärken maßlos überfordert. Auch das Mikrofon ist nicht empfindlich und selektiv genug, um Sprache aus einer gewissen Entfernung qualitativ hochwertig an den Empfänger zu übermitteln.
Integrierte Antennen bereiten den meisten Geräten erfahrungsgemäß Schwierigkeiten beim Empfang: trotz seiner Ähnlichkeit zum Nokia 6820 ist das 6220 hier nicht ganz so stark - jedenfalls lässt uns die Software dies glauben: in den meisten Fällen wurden zwar alle Empfangsbalken gezeigt, doch reagierte die Anzeige empfindlicher auf bekannte Bereiche mit niedrigerer Netzabdeckung als bei dem Schwestermodell.
Der 780mAh Li-Ionen Akku ist relativ ausdauernd: Nokia gibt eine Standbyzeit von 300 Stunden und eine Gesamtsprechzeit von etwa 4 Stunden an. Das ist rein an den Daten gemessen sicherlich nicht rekordverdächtig, doch bei dauernder Benutzung des Geräts zeigt es sich, dass die Werte aus der Praxis stammen können: selbst wenn man neben der energiestärksten Anwendung Sprachtelefonie noch häufiger Kamera und Radio benutzt, hält das 6220 gut und gerne drei bis vier Tage durch, ohne ans Netz angeschlossen werden zu müssen.
Das 6220 tritt in die Fußstapfen seines Vorgängers 6610 und bleibt nur wenig hinter der Ausstattung seines großen Bruders 6820 zurück. Dennoch bleiben einige Schwachpunkte übrig: Ein 4096-Farben-Hauptdisplay ist nicht mehr ganz zeitgemäß, eine CIF-Kamera vielleicht nicht wirklich relevant für die Zielgruppe, aber dennoch veraltet.
Wirklich überzeugen kann das 6220 mit Design und Alltags-Usability. Es fasst sich gut an, sieht wirklich gut aus und ist darüberhinaus handlich und leicht. Gerade einfache Business-User werden sich über das dezent-sportliche und elegante Design freuen und die im Grunde einfache Bedienbarkeit zu schätzen wissen - sofern sie auf ein Bluetooth-Headset oder sonstiges BT-Zubehör verzichten können; ein Kabelheadset liegt ja bereits mit in der Schachtel.
(Martin Matthias / Stefan Adolf)
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