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Nokia 7700 Testbericht

Hands-On: Nokia 7700

Neue Perspektiven braucht die mobile Computing- und Multimediawelt: Nach zahllosen Unkenrufen, Nokia konzentriere sich viel zu stark auf den Low-End-Consumer Sektor werden die Finnen im Sommer 2004 ihr als reines Multimedia-Gerät konzipiertes 7700 auf den Markt bringen. Der Formfaktor ist für ein mobiles Endgerät revolutionär und die technische Ausstattung kann sich sehen lassen: bereits im Vorfeld wurde das im Oktober 2003 erstmals vorgestellte Gerät gleichsam mit Vorschusslorbeeren überhäuft wie auch mit Kritik am ungewöhnlichen Design beschossen.

Während viele Mobilfunk-Magazine und selbsternannte Experten den Finnen bereits die letzte Ehre erweisen, zeigt Nokia wieder einmal, dass noch mit ihnen zu rechnen ist. Zwar musste der Konzern vor wenigen Wochen zugeben, er habe die Wünsche seiner Kunden nicht richtig erkannt, doch mit dem 7700 stellt man sich wieder der Konkurrenz aus Fernost. Außer Nokia hat es bislang kaum ein anderer Hersteller gewagt, seinen Geräten ein derart eigentümliches Gesicht zu verpassen. Während die letzten Geräte aus Finnland unter Series 60 bzw. wie etwa der Communicator unter Series 80 liefen, kommt das 7700 nun als erstes Gerät weltweit mit der auf Symbian 7.0 aufgesetzten Series 90 Bedienungsplattform in die Läden.

Foto: Nokia| Neues Multimedia Phone 7700

 

Design & Verarbeitung

In Sachen Design lässt sich sicherlich nicht jedermann vom Nokia 7700 überzeugen. In der Bildersprache der Boulevardpresse als Graubrot-Handy deklassiert und von Verfechtern der klassischen silbernen Folder-Handys mit "abgestandenen-Bier-Farben" tituliert, ist das Multimedia-Gerät aber vermutlich jeder Kritik erhaben. Hält man das 7700 erstmal in der Hand, versteht man, warum sich Nokia für die unkonventionelle Formgebung entschieden hat: Videos lassen sich gut betrachten, Eingaben im Querformt hevorragend per Touchscreen vornehmen und Webseiten profitieren von der horizontalen VGA-Auflösung ungemein. Die Größe des Geräts lässt darüber hinaus auch Spiele-Fans nicht zu kurz kommen: der 5-Wege-Navkey ist ähnlich ergonomisch angebracht wie bei den Gamer-Handys Nokia 3300 und N-Gage.

Foto: AMB | 7700 Brot am Ohr ?

 

Schwarze Linien auf der Vorderseite verleihen dem 7700 einen sportlichen Touch, in der schwarzen Version sind die Farben entsprechend andersherum kontrastiert. Wenn man genau hinguckt, fällt einem auch auf, warum das Gerät auf einen ersten Blick etwas "komisch" anmutet: das Display wurde nicht exakt in der Mitte platziert, sondern näher an den rechten Rand gerückt, um den Zugriff auf die rechten Softkeys zu erleichtern. Auch wenn es auf den Produktfotos des Herstellers ziemlich groß aussieht, ist das 7700 äußerst handlich (134x80x22mm), mit 183 Gramm angenehm schwer und von der Formgebung auch für kleinere Hände gut zu greifen. Allerdings entfällt bei dieser Dimensionierung die Möglichkeit, das Handset in Hosen- oder Hemdtasche zu verstauen oder es um den Hals zu hängen.

Verarbeitungstechnisch fiel Nokia wieder auf das 7600-Level zurück: Die glatte Kunststoffoberfläche scheint sich der finnische Hersteller aus Restbeständen eines Spielzeugherstellers zusammengekauft zu haben, die Spaltmaße an den Gehäusebauteilen sind relativ auffällig und zeugen nicht gerade von qualitativ hochwertigen Fertigungsprozessen. Akkudeckel und Tasten sitzen zwar relativ fest an ihrem Platz, aber gerade die aus Gummi gefertigten Softkeys auf der rechten Seite bieten Kritikern Ansatzpunkte für herablassendes Lächeln.

Display & Tastatur

Das technische Highlight des 7700 ist ohne Frage der hochauflösende Touchscreen mit 640 x 320 Pixeln Auflösung und 65.536 darstellbaren Farben. Damt ist es das zur Zeit größte Display in einem Mobiltelefon der Finnen, und auch kein Konkurrent kann derzeit ähnliches bieten (von reinrassigen PDAs einmal abgesehen).

Auf Grund der enormen Größe verbraucht der Bildschirm dementsprechend viel Energie; sinnvoll ist es daher, den Bildschirmschoner auszuschalten und das Gerät schnellstmöglich in den Standby-Modus wechseln zu lassen, sobald es keine Verwendung mehr findet. Nokia hat auch diesen Punkt berücksichtigt und das 7700 mit einem Stromsparmodus ausgestattet. Dabei wird der Bildschirm verkleinert, sodass sich die Auflösung auf 640 x 65 Pixel reduziert.

Der Touchscreen dient neben dem Navkey als zentrales Eingabeelement: eine mechanische Tastatur sucht man vergeblich. Einhändig lässt sich das 7700 in keinster Weise bedienen - auch das Tippen von Telefonnummern mit einer Hand gelingt nur mit Hilfe akrobatischer Kunststücke. Eine Lösung wäre möglicherweise gewesen, eine kurze Tastenreihe am unteren freien Rand des Geräts zu implementieren - warten wir, was die Zukunft bringt.

Abgesehen davon ist der Bildschirm von einer enorm hohen Qualität. Der Touchscreen nimmt auch leichte Berührungen gut wahr, und dank souveräner Handschrifterkennung gehen Mitteilungen, Notizen und Kalendereinträge schnell von der Hand. Dabei darf man sich nicht von der Voransicht der Schreibfläche irritieren lassen: Die Linienverfolgung sieht äußerst krakelig aus - gerade Linien kann man auf dieser Ansicht fast nicht produzieren. Dennoch werden im wesentlichen alle Buchstaben von Series90 auf Anhieb erkannt.

Foto: 7700 Softkeys

Foto: AMB | 7700 obere Tastenreihe

Vom Display etwas abgesetzt findet man auf der linken Seite des Geräts neben dem Bildschirm den 5-Wege Navkey, der als Bauteil vom 7650 entlehnt wurde und sich leichtgängig und mit ordentlichen Druckpunkten bedienen lässt. Für Nutzer mit größeren Händen könnte seine "Randlage" etwas unhandlich sein - ein paar Millimeter näher am Display hätte er seine ideale Position gefunden.

Rechts des Displays liegen drei Knöpfe, welche kontextabhägnig für verschiedene Operationen genutzt werden können. Sie dienen sowohl zum Annehmen und Beenden eines Telefonats wie auch dem der Navigation zwischen den verschiedenen Menüebenen. Darunter befindet sich eine "Zurück"-Taste. Die "Beschriftung" der Elemente ist allerdings wieder einmal etwas gewöhnungsbedürftig - da hilft auch die beste Intuition nichts.

Die Tasten für Anrufannahme und Auflegen befinden sich am oberen linken Rand über dem Navkey und sind in der Frontalansicht nicht sichtbar - Vertipper sind daher nicht ausgeschlossen, so dass man manchmal Gefahr läuft, einen Anrufer ungewollt einfach wegzudrücken. Links neben den beiden Tasten befinden sich noch zwei weitere, die für die Direktnavigation ins Menü bzw. die Kontaktlisten zuständig sind. Zwischen Anrufannahme- und Auflegentaste wurde außerdem noch eine kleine Taste für die Sprachwahl- und Sprachsteuerung sowie Memofunktion untergebracht, die die fehlerfreie Navigation in hektischen Situationen weiterhin erschwert.

Um die Kritik einmal abzuschwächen: es gibt vermutlich kaum eine bessere Lösung als diejenige, die Nokia uns hier präsentiert, aber die Abstände zwischen den einzelnen Keys hätten beispielsweise größer ausfallen können, um das Risiko der Falscheingabe zu minimieren. Die hochgradige Integration der Tasten ist dafür gerade dem Formfaktor und Design des Geräts zuträglich.

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