Die Anzeige des 6230 für Empfangsleistung stand im gesamten Testzeitraum durchgängig am oberen Ende der Skala und ließ sich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen. So gesehen scheint die Antennenanlage des Handys tatsächlich auch den Folderhandys mit externen Antennenlösungen in nichts nachzustehen. Ähnlich verhält es sich mit der Sprachqualität: die Rauschfilterung verrichtet ihren Dienst moderat aber souverän und Gespräche werden so ausgesprochen gut wiedergegeben.
Ähnlich verhält es sich bei der Leistung des Mikrofons und der Freisprecheinrichtung, die intensiven Gebrauch vom externen Aktivlautsprecher an der Seite des Geräts macht. Selten waren Angerufene so überrascht zu hören, dass sie die ganze Zeit auf einem Lautsprecher zu hören waren und niemand ein Telefon für das Gespräch ans Ohr halten musste. Einzige Einschränkung, die wir fanden, war das Übersteuerungsknistern bei hohen MP3-Lautstärken, das aber auch auf mangelhafte Tonqualität einiger beiliegender Demo-Videos zurückzuführen sein kann.
Dieser Punkt hat schon des öfteren High-Endgeräte an einer Empfehlung der Redaktion scheitern lassen - nicht so das 6230 ! Der Hersteller selbst gibt die Standby-Zeit mit 150-300 Stunden an, Gespräche sollen zwischen 3 und 5 Stunden aufrechterhalten werden können. Da das kleine Display und die leistungsfähige Empfangseinheit den 850mAh Li-Ionen Akku nur mäßig belasten, hält das Gerät im relativ anspruchsvollen Testbetrieb im Durchschnitt 3 Tage ohne Akkuladung aus. Das ist für normale Nutzung absolut verträglich und sorgt nicht für einen schlechten Beigeschmack.
Alles in allem haben wir selten ein so vollständig ausgestattetes Handy gesehen, das nebenher auch mit Tonqualität, Akkuausdauer und Design überzeugen kann. Alleine für die neu durchdachte Befestigung des Akkudeckels kann man Nokia beglückwünschen, bezüglich Bedienbarkeit und Antwortgeschwindigkeit der Software lässt das 6230 kein Haar in der Suppe.
Wer nun mit Recht auf ein T630 hinweist, das bei etwas kleinerer Dimensionierung sogar mit einem 60 Pixel höheren Display daherkommt, sollte sich fragen, ob ein paar Pixel tatsächlich auf einem möglichst funktionalen Endgerät so wichtig sind, dass sie die Wertung eines Spitzengeräts negativ beeinflussen: wer will, kann auf dem 6230 Textnachrichten auch mit kleiner Schriftgröße darstellen, so dass bis zu 8 Zeilen Text ins Display passen - das sollte für Kurzmitteilungen locker ausreichen.
Eine brillante Fotoqualität, vollständige Connectivity-Ausstattung inklusive IMPS und aktuellen Bluetooth1.2-Profilen, Aktivlautsprecher, erweiterbarer Speicher und ausgereifte Medienwiedergabe tun ihr übriges, um das 6230 in den Olymp der derzeit am Markt erhältlichen Endgeräte zu heben. Wir denken - wie übrigens auch unsere Konkurrenzredaktionen -, dass es selten ein Gerät so wie das 6230 verdient hat, die Spitzenposition seiner Preisklasse zu besetzen und verleihen ihm daher eine Empfehlung der Redaktion. Ob es diese Spitzenposition angesichts der kommenden Geräte wie Sony Ericssons K700 oder Siemens S65 lange halten kann, bleibt allerdings abzuwarten.
Stefan Adolf
Es wurden noch keine Kommentare abgegeben.