Schon auf der diesjährigen in Hannover stattfindenden IT- und Telekommunikationsmesse CeBIT stellte Siemens Mobile 2004 ein Nachfolgemodell seiner Business- und High-Endreihe vor, die mit dem SL45 begann und bislang bei SX1 und S55 endete. Das Tribandhandy Siemens S65 wird als Flaggschiff der neuen 65er-Reihe präsentiert und soll ähnlich große Verkaufserfolge wie seine Vorgänger erzielen. Zudem soll es dank seiner umfangreichen Ausstattung der Konkurrenz von Nokia, Sony Ericsson und Sharp bei den Megapixel-Kamerahandys das Wasser abgraben.
Das Siemens S65 kommt wie immer in einer eher unscheinbaren quadratischen Pappschachtel mit Abbildungen des Mobiltelefons auf der Vorderseite und den beiden Seitenklappen zum Kunden. Während das Gerät selbst auf der oberen Ebene des Interieurs thront, findet man im unteren Bereich den Akku, ein Ladekabel und eine ReducedSize MMC mit 32MB Speicher. Mit von der Partie ist ein ausführliches Handbuch über 152 Seiten, jeweils 76 davon in Englisch bzw. Deutsch. Für ein attraktives Businessgerät finden wir diesen Lieferumfang noch etwas mager: Headset, Tasche, Lanyard oder gar ein Datenkabel für den allgemeinen Datenaustausch wären nette Beigaben gewesen – bis Hersteller darauf kommen, den Kunden auch mit Inklusiv-Zubehör glücklich zu machen, wird aber wohl noch etwas Zeit vergehen.
Das Barrenhandy S65 ist mit seinen Maßen von 109x48x18 mm und einem Gewicht von 98 g vergleichsweise schlank und recht handlich ausgefallen. Sein silberschwarzes Gehäuse und das dem sonstigen Design hervorragend angepasste große Farbdisplay unterstreichen den hochwertigen Gesamteindruck, der sich an Klassikern wie T610/630, SX1, ST60 und Nokias 6230 orientiert. Wie für Barrenhandys mittlerweile üblich, stört natürlich auch keine externe Antenne den positiven Gesamteindruck des Geräts. Wer sich mit einem T610 in der Tasche wohlfühlte, wird es auch mit einem Siemens S65 nicht anders halten: das Design ist ein Hingucker gleichermaßen für Meetingräume als auch für Restaurants und verbirgt nicht den Wunsch nach Exklusivität des Nutzers.
Auch die Verarbeitung des S65 kann sich sehen lassen: alles wirkt sauber gearbeitet, die Materialien hochwertig. Alleine beim Akkudeckel darf man die Luft anhalten: dieser weist in geschlossenem Zustand einen gewaltigen Spalt zum Gehäuse auf – obwohl beide Geräte gänzlich verschieden sind, erkennen wir hier eine interessante Ähnlichkeit zum SX1, dessen (physikalisches) Innenleben dank des großen Spaltes am Akkudeckel schnell einstaubte. Immerhin sitzt der Deckel des S65 fest am Gehäuse und wackelt um keinen Millimeter.
Die Applikationen, die die Frontseite des S65 zieren, sehen zwar nach Edelmetall aus, entpuppen sich aber als einfache Kunststoffimitate und wirken dennoch sehr stabil und hochwertig. Ebenfalls gut gedacht – besser gesagt, gut versteckt – ist der Einschub für die RS-MMC am Boden des Geräts. Dieser ist äußerst klein und mit einer präzise schließenden Staubschutzklappe versehen, erst nach dem dritten Hin- und Herwenden des Geräts wird man auf den Slot aufmerksam. Besser wäre es aber sicherlich gewesen, ähnlich wie bei Sony Ericssons K700i den gesamten Gehäuseboden mit einer Klappe zu versehen – so liegt auch beim S65 der Slim-Lumberg-Anschluss für Spannungsversorgung und Datenkabel exponiert und zieht Staub und Schmutz quasi magnetisch an. top
Das LCD-TFT Farbdisplay ist durch seine auffällige Größe sicherlich ein Highlight des Geräts und bietet zur Darstellung der zahlreichen Features des Geräts ausreichend Platz. Auch nach heutigen Maßstäben ist das S65 mit einer Auflösung von 132x176 Pixel und 65.536 Farben besser aufgestellt als die meisten seiner Konkurrenten: Nokia hatte dem 6230 bei ähnlicher Gehäusedimensionierung und Ausstattung nur ein 128x128 Pixel großes Display verpasst, das Display des Sony Ericsson K700i ist mit 176x220 Pixeln allerdings deutlich besser. Nach nur kurzer Zeit des Testens findet man ein weiteres Problem des Siemens-Displays: die durchsichtige Kunststoffabdeckung erschien uns extrem kratzanfällig und zeigte bereits nach wenigen Tagen erste Gebrauchsspuren – eine oder besser noch eine Tasche fürs Handy sind beim S65 ein absolutes Muss, wenn man auch nach einem Jahr intensiver Benutzung noch etwas auf dem Display erkennen will. Da das S65 in seiner Dimensionierung vielen anderen Geräten des deutschen Herstellers ähnelt, sollte die Auswahl an Tragekonzepten recht umfangreich sein.
Der Joystick des S65 ist dank kurzer Wege, exzellenter Verarbeitung und einem kleinen Gummiaufsatz für die Rutschfestigkeit sehr gut bedienbar, nur mit etwas feuchten Händen ist er nicht besonders griffsicher. Er ist weit weniger wackelig als der des T610/T630 und hinterlässt auch nach längerem Aufenthalt in den Tiefen der Menüstruktur keine Spuren am Daumen wie der des SX1. Rechts und links des Joysticks findet man zwei durchsichtige, mit Kunststoffnoppen besetzte Softkeys, die die kontextbasierte Navigation im Menü ermöglichen, wie immer bei Siemens sorgt die Auflegen-Taste in der Menüstruktur für die Zurück-Navigation, so dass die Softkeys andere Aufgaben übernehmen können.
Nicht jedes neue Gerät von Siemens verfügt wie das S65 über den kleinen Button direkt unter dem Joystick: dieser führt in der Gundeinstellung direkt ins voreingestellte Internetportal, kann aber beliebig konfiguriert werden. Eine sanft reagierende und ebenfalls gut verarbeitete Tastenwippe fürs Scrolling und die Lautstärkeregelung hat Siemens ebenfalls nicht vergessen; sie befindet sich aber ungewöhnlicherweise auf der rechten Seite des Geräts, so dass man sie als Rechtshänder nur mit dem Daumen bedienen kann.
Die Zifferntasten haben in ihrer Form entfernte Ähnlichkeit mit denen von Sony Ericssons T630 und K700i. Bei Siemens ist hier die Bedienbarkeit nicht 100% überzeugend: die Druckpunkte der Tasten unterscheiden sich etwas voneinander und erlauben nicht immer präzises Tippen. Da die Tasten vergleichsweise schmal ausfallen und sie aufgrund ihrer Anordnung vertikal nicht gegeneinander abgesetzt sind, können Vertipper bei der alltäglichen Bedienung nicht ausgeschlossen werden. Da die Beschriftung am Boden der transparenten Tasten aufgebracht wurde, sind sie selten ganz exakt abzulesen wie man auch auf unseren Fotos sehr schön erkennen kann. Dafür gibt's nichts an der Tastaturbeleuchtung zu meckern: Siemens entschied sich beim S65 für eine "Gesamtbeleuchtung" des Tastenfelds, die alle Tastenbeschriftungen gleichmäßig hell ausleuchtet. top
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