Ähnlich wie Siemens Konkurrenzprodukt M65 bietet das Nokia 5140 erstaunlich viele Features, die man in einem so platzierten Gerät zunächst nicht erwartet hätte. An erster Stelle ist hier die auf der Rückseite integrierte VGA-Kamera zu nennen, die zwar mangels Farbumfang des Displays eine grafisch kaum tolerierbare Vorschau bei lahmen 6-12 Frames/s bietet, nach der Übertragung der Bilder zu einem Gerät mit besseren Display oder zu einem PC mit ausgereiften Ergebnissen überzeugt.
Gerade bei Außenaufnahmen spielt die Kamera ihre Stärken aus – für die Ansicht von MMS oder Fotos ist das 5140 jedoch denkbar ungeeignet. Neben dem für Nokia obligatorischen Nachtmodus, der sich gerade im Halbdunkel bezahlt macht und nachts bis auf ein paar blaue Pixelfehler kein anderes Schwarz zeigt als der Standardmodus, können mit dem 5140 auch Videos mit einer Maximallänge von 15 Sekunden aufgenommen und versendet werden. Der interne Speicherausbau von 4MB ist zwar gegenüber dem Vorgänger dramatisch erhöht worden, für ausgedehnte Foto-Sessions im Freien aber vielleicht etwas klein geraten.
Im Bereich Messaging gibt es im Vergleich zu anderen Nokia Series40-Geräten keinerlei Unterschiede: Kurzmitteilungen inklusive Picture-SMS, ein spartanischer MMS-Editor, ein nicht im Standardsystem verankerter Email-Client ohne Attachment-Unterstützung und eine Chatfunktion.
Jeder Besitzer eines anderen, auch älteren, Nokia-Handys wird sich sofort heimisch fühlen; wer die Oberfläche noch nicht kennt, dem sei gesagt, dass ein kleines Display nicht zwangsweise die Bedienbarkeit einschränkt: in Kurzmitteilungen lässt sich die Schriftgröße auf einen kleineren Grad skalieren, so dass immer noch 7 Zeilen Text ins Display passen.
Auch wenn der Email-Client mit subtilen Icons verbessert wurde, schuldet Nokia dem mittlerweile betagten MMS-Editor eine Frischzellenkur: zwar ist eine Vorschau einer erstellten Mitteilung möglich, eine Art WYSIWYG-Editing, bei welchem man die Folie in der Endansicht editiert, fehlt dem 5140 nach wie vor.
Ebenfalls etwas hausbacken, aber gewohnt effizient ist die Kontaktverwaltung des 5140: es wird im Adressbuch immer eine Gesamtliste aller Kontakte gezeigt; Einträge, die ausschließlich auf der SIM zu finden sind, werden entsprechend markiert. Jedem Kontakt im Telefonspeicher lassen sich beliebig viele Nummern hinzufügen und eine Nummer als Standard-Nummer definieren; folgende Nummerntypen stellt Nokia zur Verfügung: Allgemein, Mobil, Privat, Arbeit und Fax.
Darüber hinaus kann jeder Kontakt ebenfalls beliebig viele Details folgender Klassen enthalten: E-Mail, Web-Adresse, Postadresse (wird nur als Notizfeld zur Verfügung gestellt), Benutzerkennung, Notiz und Push-To-Talk-Adresse. Jeder Eintrag im Adressbuch kann einer der Gruppen Familie, VIPs, Freunde, Arbeit oder Andere zugeordnet werden und mit einem Sprachwahlkommando und einem Bild versehen werden, das das 5140 bei einem Anruf in angemessener Größe in der rechten unteren Ecke des Displays zeigt. Auch der Erreichbarkeitsdienst IMPS ist wie bereits seit den ersten neuen Series40-Geräten 6820 und 6220 mit integriert und würde dem Nutzer den aktuellen Status eines anderen Nutzers anzeigen (erreichbar, beschäftigt,...), wenn ein deutscher Netzbetreiber dies zuließe – bisher ist das noch Zukunftsmusik. Insgesamt finden bis zu 500 Kontakte Platz im Telefonbuch, das sind 200 mehr als im Vorgänger 5100.
Auch die PIM-Funktionen sind Series40-Standard: Timeslot-basierte Wochenansicht, etwas hausbackene Monatsansicht – immerhin passt ein Monat auf eine Bildschirmseite – und eine aufgabenorientierte Tagesansicht sorgen für das persönliche Zeitmanagement eines Nutzers. Über eine ebenfalls IMPS-basierte Synchronisationsfunktion lassen sich Kontakte und Kalenderdaten mit einem Server oder dem PC synchronisiseren, vorausgesetzt, eine entsprechende Software verrichtet ihr Werk an der Gegenstelle.
Klingeltöne werden beim 5140 mit 16 Stimmen wiedergegeben, gegenüber den Vorgängermodellen wurde aber die Klangqualität mit einem kleinen Lautsprecher auf der Oberseite des Geräts hinreichend verbessert. Die werksseitige Klingeltonauswahl ist wieder Nokia-typisch und beinhaltet die meisten "Klassiker" wie Espionage, den Nokia Tune und Beach, daneben findet man auch einige Real-Ringtones vorinstalliert wie einen Hahnenschrei und Wolfsgeheul – die Zielgruppe wird es dem Hersteller danken.
MP3-Klingeltöne wären natürlich wegen des klein bemessenen Speichers völlig fehl am Platze und wurden daher auch nicht vorgesehen, dafür wurde ein UKW-Radio integriert, das allerdings wie immer bei Nokia nur mit angeschlossenem Kabel-Headset funktioniert. Dann lässt sich die Radio-Wiedergabe aber auch auf den Aktivlautsprecher umschalten und bei angenehmer Lautstärke und Soundqualität dem Radioprogramm lauschen.
Nach der Pflicht kommt die Kür, und die fällt beim 5140 äußerst umfangreich aus: das auffallendste neue Ausstattungsmerkmal des Outdoor-Phones ist die Push-To-Talk-Funktion, mit der es sich telefonieren lässt wie mit einem Walkie-Talkie. Mangels Unterstützung durch die Netzbetreiber konnten wir diese Funktion nicht testen, auch Ottonormalnutzer wird frühestens gegen Ende 2004 von PTT over Cellular (PoC) Gebrauch machen können.
Dafür findet man diese Funktion an allen Ecken und Enden des Menüs wieder: ein eigener Menüpunkt wurde PTT ohnehin gewidmet und das Adressbuch wurde um PTT-Einträge ergänzt, ein eigener Knopf zur Aktivierung des Instant-Gruppengesprächs wurde auf der linken Gehäuseseite verbaut. Wenn kein PTT-Dienst aktiviert ist, bleibt dieser Knopf allerdings ohne Funktion.
Dem Menü nach wird Push-To-Talk folgendermaßen bedient: zunächst fügt man der PTT-Gruppenliste eine bestimmte geschlossene Nutzergruppe hinzu. Dies kann entweder manuell geschehen (über Eingabe eines Gruppennamens und einer Netz-Adresse, über die die Gruppe erreichbar ist) oder über die Suche in einem bei den Netzbetreibern geführten Verzeichnis. Anschließend wird mit einem Druck auf die Push-To-Talk-Taste eine initiale Verbindung zu der Gruppe aufgebaut. Drückt man ein weiteres Mal die Taste, erhält man die Gesprächserlaubnis und die Sprache wird an alle angemeldeten Empfänger der Gruppe übertragen. Während ein Teilnehmer spricht, kann kein anderes Gruppenmitglied eine Gesprächserlaubnis erhalten – so gesehen funktioniert PTT wie der gewöhnliche Sprechfunk, wie er beispielsweise bei Militär und Polizei verwendet wird.
Auch wenn das mickrige Display wenig Freude aufkommen lässt, kann man mit dem 5140 im mobilen Internet surfen. Dafür wurde dem Outdoor-Gerät ein GPRS-Modul der Klasse 10 verbaut, was schnelle Datenübertragung mit ISDN-Geschwindigkeit ermöglicht und auch die Basis für den VoIP-Dienst PTT bildet. Ein WAP2.0-fähiger Browser, der im Gegensatz zu manch koreanischem Konkurrenten auch farbige Inhalte vernünftig darstellt, rundet das Angebot ab.
Neben Push-To-Talk und WAP-Browser bietet das 5140 aber vor allem viele Features, die sich in Wald und Feld als nützlich erweisen könnten. Ein digitales Thermometer fand man bereits im Vorgängermodell 5210, ein vergleichbarer aber eher wenig zuverlässiger Lautstärkemesser war schon beim 5100 im Programm. Wirklich revolutionär hingegen ist der integrierte Digitalkompass, der über einen kleinen Luftblasenmechanismus im oberen rechten Eck des Geräts Platz gefunden hat. Dieser zeigt einem ähnlich einem echten magnetischen Kompass die Richtung an, das ganze funktioniert äußerst dynamisch und verhältnismäßig zuverlässig.
Wer schonmal im dunklen Treppenhaus ein Schlüsselloch gesucht hat, wird sich ganz besonders über am oberen Rand des Geräts integrierte Taschenlampe freuen, die ähnlich wie beim 1100 und 3200 über einen langen Druck auf die #-Taste aktiviert wird und deren Lichtkegel ausreichend hell etwa 1,5m weit strahlt. Auch nicht zu verachten ist das zahlreiche Zubehör, das für das 5140 erhältlich ist. Neben dem im Lieferumfang enthaltenen Trageriemen hat Nokia ein kleines Gadget beigelegt, über dessen Sinn man sich freilich streiten kann: die im Karabinerdesign gehaltene Klammer enthält eine Lupe und eine Pfeife.
Optional kann der Nutzer einen GPS-Empfänger erstehen, der die komplette Unterschale des Geräts ersetzt und dem Nutzer über das globale Positionierungssystem seine exakte Position errechnet. Da das 5140 nicht über eine Freisprechfunktion verfügt, schafft Nokia mit einer Freisprechbox Abhilfe: dieses optionale Zubehör lässt sich an Rucksack oder Gürtel anhängen und nimmt das 5140 mit Hilfe eines POP-Steckplatzes auf.Ein großer Knopf an der Außenseite der Box sorgt für die problemlose PTT-Bedienbarkeit, ein großer Lautsprecher für vernünftige Klangqualität.
Wenn jetzt Push-To-Talk noch vernünftig funktionieren würde, und der GSM-Kanal abhörsicher wäre, würden wir das 5140 mit einer olivgrünen Schale ausstatten und der Bundeswehr als Standard-Handy vorschlagen; besser als die veralteten SEM-25 Funkgeräte würde das auf jeden Fall funktionieren.
Für Ausdauer-Sportler hat der mit seinen Pulsuhren und Brustgurten bekanntgewordene Sportzubehör-Hersteller Polar bereits mehrere Uhren geplant, die sich mit dem 5140 synchronisieren lassen, um so Laufergebnisse in Bezug auf Puls- und Blutdruck-Werte im Handy festhalten zu können.
Wer endlich seinen inneren Schweinehund überwinden will und einen persönlichen digitalen Fitnesstrainer braucht, wird vom 5140 mit zwei vorinstallierten Applikationen beglückt: Ein integrierter Fitnesstrainer berechnet je nach Länge der Trainingseinheit, Gerätewahl (Gewichte, Maschinen, Kombination) und Trainingsziel (Kraft, Ausdauer, Fitness) einen ausgewogenen Trainingsplan, der auch recht vernünftig aussieht – sofern man etwas mit den Begriffen Curls, Crunches und Squats anfangen kann.
Auch hier hilft Nokia mit Zubehör den angehenden Läufern noch etwas nach: Der speziell für das 5140 entwickelte Fitness-Monitor wird am Gürtel befestigt und zählt die Schritte und die Schrittgeschwindigkeit des Nutzers. Anschließend lässt sich aus den gesammelten Daten Kalorienverbrauch und Energieaufwand berechnen und so individuelle Traininsziele überprüfen. Das meiste angekündigte Spezialzubehör zum Nokia 5140 soll noch im dritten Quartal bei Zubehörhändlern und Handy-Shops sowie im Nokia Online-Shop verfügbar sein.
Wer den Schritt zum Studio noch nicht wagen will oder einfach nur faul auf dem Sofa herumhängen mag, bekommt von Nokia das Spiel Adventure Race vorinstalliert. Hier geht es darum, sich mit einem Team in 4 Outdoor-Disziplinen gegen Computergegner und die eigene Bestzeit durchzusetzen: Laufen, Kajakfahren, Mountain Biking und Orientierungslauf.
Während man beim Biking noch mit leichten rechts-links Bewegungen des Navkeys den Radler in Schwung bringt, muss man sich beim Kajakfahren mit präzisen Ruderbewegung aus der Gefahrenzone von Stromschnellen und Steinen bringen. Die schwierigste Disziplin ist jedoch der Orientierungslauf: hier wird dem Spieler eine Landschaft gezeigt und er muss auf einer Karte herausfinden, wo diese Landschaft aufgenommen wurde – dank der Minimalauflösung des 5140 und des ziemlich happigen Zeitfaktors eine wirklich herausfordernde Aufgabe.
Wem die beiden vorinstallierten Applikationen nicht ausreichen, kann sich dank der Standard-Java-VM, MIDP2.0 weitere Spiele von einschlägigen Anbietern aus dem Netz laden.
An der Menüführung des 5140 hat sich gegenüber anderen Series40-Geräten im wesentlichen nichts verändert, die Symbole wurden jedoch von Nokia ein weiteres Mal dem Motto des Geräts angepasst, was zur Folge hat, dass man nun fast überhaupt nicht mehr intuitiv auf die Funktionen zugreifen kann – die Symbole der Menüeinträge sind alles andere als selbsterklärend. Zudem wirkt das Menü recht farblos, auch wenn der finnische Hersteller alles daran gesetzt hat, sportliche Hintergründe und Stile ins System zu integrieren. Das Display ist auch bei hohen Kontrasten kaum in der Lage, leuchtende Farben darzustellen – der Farbumfang von 4096 tut offenbar sein übriges.
Mit dem wackeligen und unpräzisen NavKey scrollt sichs nur nach einiger Übung mehr oder weniger souverän durch die Gitterstruktur. Weniger übersichtlich, dafür vermutlich sinnvoller beim 5140 ist die Listenansicht, die jeweils einen Menüpunkt auf dem Display zeigt und so die Vertipp-Wahrscheinlichkeit reduziert. Wechseln lässt sich die Ansicht wie gehabt unter Einstellungen -> Display.
Die Shortcuts sollten den meisten Nokia Series40-Nutzern ebenfalls bekannt vorkommen: die Sprachwahl lässt sich durch einen langen Druck auf die seitliche VolumeDown-Taste aktivieren, den vier Seiten des NavKeys wurden ebenfalls Kommandos zugeordnet; Ein Druck nach unten bringt den Nutzer ins Adressbuch, ein Druck nach links startet eine neue SMS. Drückt man aus dem Startmenü heraus den Navkey nach oben, startet die Kamera und ein Druck nach rechts öffnet das omnipräsente Push-To-Talk-Menü. Gleiches erreicht man wie bereits erwähnt durch einen Druck auf die dedizierte PTT-Taste am rechten Rand des Geräts.
Die Menüpunkte im einzelnen:
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