Das wichtigste Merkmal des Sagem MyV-55 ist die integrierte Digitalkamera sowie die dazugehörige vorinstallierte Software. Damit schließt es an den Erfolg des X-6 an, das letztes Jahr noch vor dem mittlerweile zum Klassiker avancierten T610 Bestwerte im Bereich Imaging erzielen konnte. Gemessen an heutigen Maßstäben sind die Kamerafunktionen zwar alles andere als revolutionär, aber durchaus funktional. So bietet die Kamera einen 4-fach Digitalzoom, der in zwei Stufen justiert werden kann. Über einen Druck auf die rechte Seite des Navkeys kann das Bild für den Portrait-Modus um 90° gedreht werden, ein Druck nach links aktiviert den Nachtmodus. Versucht man, im Tageslichtmodus Bilder unter schlechten Helligkeitsbedingungen zu machen, beispielsweise unter einer eher dunklen Tischlampe, zeigt das Bild außerordentlich deutlich schwarze vertikale Streifen, der Nachtmodus beseitigt diesen Effekt auf Kosten der Vorschaugeschwindigkeit, die ohnehin ziemlich langsam ist.
Die Qualität der Bildvorschau ist ziemlich dunkel und kontrastarm, das Ergebnis leider ziemlich verwaschen und farbverfälscht. Höherpreisige Geräte liefern deutlich bessere Bilder.
Wer das MyV-55 fürs mobile Messaging nutzen möchte, kommt auf seine Kosten, als Digitalkameraersatz eignen sich eher Geräte mit höherer Auflösung und Farbbrillanz wie Sharps TM100 und GX30 oder Sony Ericssons K700i. Wirklich vermisst haben wir eine Videoaufnahmefunktion, die sich mittlerweile in das Standardreportoire von Imaging-Geräten geschlichen hat und auch der Speicher ist mit 3MB nicht gerade großzügig bemessen, reicht aber etwa für 100 Bilder in VGA-Auflösung, 300kB wurden exklusiv für den MMS-Empfang reserviert.
Auch wenn die plumpe Vodafone-Bedienung es nicht vermuten lässt: die Kontaktverwaltung des MyV-55 bietet eine Menge Komfort und viele sinnvolle Felder für jeden Kontakt. So können einem Eintrag die Felder Vorname, Nachname, zwei EMail-Adressen, ein URL, eine ausführliche postalische Adresse (Straße, PLZ, Ort, Land, Region), ein Firmenname, ein Kommentar und drei Telefonnummern aus den Kategorien Ohne, Büro, Fax, Handy, Privat zugewiesen werden. Jedem Eintrag kann außerdem eine Melodie und ein Bild hinzugefügt werden, so dass man einen Anrufer bereits während des Klingelns identifizieren kann. Kontakte werden völlig dynamisch im Speicher des Telefons abgelegt, so dass eine endgültige Aussage über die Kapazität des Adressbuchs nicht getroffen werden kann. Neben der gelungenen Kontaktverwaltung bietet das Vodafone-Menü des MyV-55 auch viele Optionen, um Kontakte zwischen SIM zum Telefon hin- und herzuschieben, ein vCard-Export ist ebenfalls für jeden Kontakt vorgesehen.
Die sonstige PIM-Funktionalität ist ebenfalls bemerkenswert ausführlich. Das V-55 verfügt über einen Kalender, mit dem sich Termine und Aufgaben verwalten lassen. Die Oberfläche des Kalenders ist zwar eher zweckmäßig als ergonomisch und überzeugt auch nicht mit augenfreundlichen Farben, dafür gibts wie bei den meisten aktuellen Konkurrenzmodellen eine Tages-, Wochen- und Monatsansicht. Die Wochenansicht weiß mit Timeslots zu überzeugen, leider sind alle Termine in monotonem Schwarz gehalten, obwohl sie sich vom Typ unterscheiden können: Verabredungen, Besprechungen, Geburtstage, Ereignisse, Urlaubstermine und Reisen lassen sich so komfortabel verwalten. Der Terminplaner ist darüber hinaus so intelligent, bei bestimmten Termintypen auch Wiederholungen zuzulassen. Geburtstagstermine werden automatisch jährlich wiederholt, Besprechungen und Ereignisse lassen sich täglich, nur an Werktagen, wöchentlich, zweiwöchentlich, monatlich und jährlich wiederholen und jedem Termintyp kann ein individueller Klingelton für die Erinnerung zugewiesen werden. Mehr kann man von einem Terminplaner eigentlich nicht erwarten, das MyV-55 bietet aber sogar für den vereinheitlichten Datenaustausch den Export ins Outlook-kompatible v-Calendar-Format an.
Damit macht sich das kleine Lifestyle-Gerät bereits Business-tauglich und bietet außerdem auch das, was andere haben: Wecker, Rechner und Währungsrechner, Countdown und Aufgabenliste findet man im "Anwendungen"-Menü, Sprachmemos wurden im Organizer versteckt und eine Stoppuhr sucht man leider vergebens.
Fürs Messaging bietet das MyV-55 einen SMS- und MMS-Editor an, kann aber auch mit EMS umgehen. Der MMS-Editor ist sehr komfortabel, erlaubt die Erstellung von bis zu 100kB großen Multimediamitteilungen und lässt den Nutzer neben Sprachmemos auch Bilder und Texte einfügen. Wer ähnlich wie bei Sony Ericssons Quickshare nur schnell ein Bild versenden möchte, kann einfach eine MMS-Postkarte erstellen, einen Betreff eingeben und auf Senden drücken. Im erwachsenen MMS-Editor hat man beim Einfügen eines Bildes außerdem die Möglichkeit, das Bild ggf. vorher auf eine für Handys angemessene Größe zurechtzuskalieren, mehrere Dias (Sagems Wort für Folien) definierbarer Länge hinzuzufügen und in einer Vorschau sein Werk zu bestaunen. Einen Email-Client vermisst man beim V-55 leider, wer nur einen schnellen Blick auf sein Postfach werfen will, kann aber dank vorkonfiguriertem VodafoneLive!-Dienst auf seine Inbox zugreifen – auch wenn das nicht ganz billig ist.
Die Klingeltöne des MyV-55 haben die Meinung der Redaktion gespalten: Die Auswahl wird viele Sagem-Nutzer an das Reportoire des X-6 erinnern, von Hahnenkrähen und Froschquaken über Formel1-Motorgeräusche und Nebelhörner bis zum plappernden Baby ist an Real-Ringtones alles dabei, was man sich normalerweise vielleicht kostenpflichtig herunterladen würde, echte Midi-Ringtones gibt es nur wenige. Die Realtones klingen leider ziemlich blechern und verrauscht, die Midi-Töne kommen dafür klar und bei Bedarf ausgesprochen laut aus dem kleinen Lautsprecher, der auch als Hörmuschel dient.
Die Connectivity des MyV-55 ist ebenfalls dem Vodafone-Dienst angemessen mittelprächig. Mit GPRS und WAP2.0-Browser ist man im live!-Portal unterwegs, HSCSD oder EDGE hätten wir bei einem Mittelklasse-Gerät ohnehin nicht erwartet. Mit einem auf der rechten Gehäuseseite angebrachten Infrarot-Auge lassen sich Daten zwischen dem V-55 und anderen Telefonen oder PCs austauschen, idealerweise nutzt man zur Datensynchronisation die mitgelieferte Wellphone-Software und den Bildübertragungsdienst MPAS. Die Verbindung und Übertragung von Bildern zwischen dem V-55 und einem Sony Ericsson K700i klappte völlig problemlos, da sieht man auch gerne über die fehlende Bluetooth-Connectivity hinweg – kabellose Headsets und schnelles Pairing mit Freisprechanlagen oder Imaging-Zubehör sind damit allerdings ein Fremdwort für das Handy.
Dass Sagem ein Herz für Spieler hat, wird einem bereits beim Anblick des herstellereigenen Portals planetsagem.com bewusst. Als logische Konsequenz liefert der französische Hersteller beim V-55 zwei Top-Games mit: gamelofts Vertikal-Shooter Siberian Strike und ein zuckersüßes und vor allem grafisch ansprechendes Jump-N-Run mit Bubble-Bobble-Philosophie: Gulo's Tale. Beide Games genügen gehobenen Ansprüchen, bieten hohe Motivation und einen nicht zu verachtenden Suchtfaktor – der erste Weg zur einschlägige Webseiten oder ins live!-Portal für den Download neuer Spiele dürfte daher für frischgebackene V-55-Besitzer nach dem Kauf etwas weiterer Ferne liegen als bei manch anderem Handy.
Es muss einfach gesagt werden: die Zeiten von 256-Farbdisplays sind mittlerweile vorüber, Vodafone dürfte gerne auch mehr Farben als rot, weiß, schwarz und türkis für seine Menüs verwenden, tut es aber nicht. Dabei sehen die Original-Sagem-Menüs richtig hübsch aus und können sich grundsätzlich auch mit denen von Coolness-Herstellern wie Sony Ericsson messen (vgl. MyX-6 Test, 2003). Wers nicht anders kennt, wird sich aber auch mit dem Vodafone-Menü zufriedenstellen lassen: die Icons sind nach zwar unserer Meinung alles andere als nett anzusehen, verraten aber viel über die dahinterliegende Funktionalität – und darauf kommt's ja letztlich an. Das bekannte 5-Wege-Menü, dank entsprechendem Navkey exzellent bedienbar, besteht aus folgenden 9 Menüpunkten:
Load-A-Game (Spiele und VF live!-Portal für Downloads), Vodafone live! (öffnet Startseite des Betreiber-Portals), Anwendungen (Wecker, Rechner, etc.), Mitteilungen, Kamera, Mein Telefon (Bildergalerie, Aufnahmen, Speicherverwaltung), Organizer, Telefonbuch, Einstellungen
Einige Funktionen erreicht man nur über Shortcuts, das Call-Log für eingehende und abgewiesene Anrufe ist nur über einen Druck auf die Rufannahme-Taste aus dem Hauptmenü erreichbar. In der uns vorliegenden Version gab es ein weiteres Manko: das Handy schaltet nach ca. 30 Sekunden in den sogenannten Ruhemodus, der sich nicht wie in der Bedienung vorgesehenen Weise deaktivieren ließ. Völlig unkonventionell ist die Aufhebung dieses Modus: man muss die Abweisen-Taste drücken, um das Handy wieder aus seinem Schlaf zu erwecken, in dem es auf einem leicht hintergrundbeleuchteten Display die Uhrzeit anzeigt. Das Feature der individualisierbaren animierten Bildschirmschoner geht durch den Ruhemodus gänzlich verloren, es ist daher sehr wahrscheinlich, dass dieser Zustand in der aktuellen Verkaufsversion behoben wurde, bzw. durch ein entsprechendes Firmware-Update behebbar ist.
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