Als der US-Hersteller Motorola bereits Anfang des Jahres neues HighEnd-Folderhandy V600 vorstellte, war die Mubilfunk-Gemeinde in Deutschland fasziniert. In den Augen vieler war dieses Gerät eines der schönsten Mobiltelefone überhaupt, und auch technisch konnte es seinerzeit die Blicke der Fachwelt auf sich ziehen. Während der Siegeszug des kleineren V525 noch in vollem Gange war, brachte Motorola das V600 auf den deutschen Markt und feierte nicht nur hierzulande einen großen Erfolg.
Doch langsam verblasste das Bild des einst so hoch gelobten Telefons - bei einigen galt es bereits als veraltet, die integrierte VGA-Kamera war für ein Multimedia-Handy nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Aufgrund der Käufer, die alleine schon vom Design des V600 überzeugt waren, entschloss sich der Hersteller, das alte Konzept wieder auferstehen zu lassen und eine Neuauflage des Telefons zu produzieren: das Motorola V620, das der US-Konzern bereits im Juli der Öffentlichkeit ankündigte. Während man seinerzeit über die technischen Daten höchstens spekulieren konnte, beeindruckte es abermals mit elegantem Design.
Das Motorola V620 misst 88x47x24 mm und wiegt 125 Gramm. In Sachen Form entspricht das Gerät exakt seinem Vorgänger, nur in der Farbwahl hat sich einiges geändert. Während das V600 noch durch seinen silbernen Look die Aufmerksamkeit auf sich zog, erstrahlt der Nachfolger komplett in Schwarz - hier matt, dort glänzend.
War das V525, eine indirekte Vorstufe des V620, noch eher auf eine junge und flippige Käuferschaft ausgerichtet - und kontrastierte das Blau des Gehäuses noch farblich das meistens ebenfalls aufgeklebte Vodafone-Logo -, so hat Motorola das V600 wie auch das V620 auf gesetztere aber stilbewusste Nutzer zugeschnitten und wird Hilfe von Chromapplikationen und glänzendem schwarzen Kunststoff die Herzen der High-Society erobern. Die schwarze, von einem verchromten Rahmen eingeschlossene Grundplatte der Oberseite war beim V600 war noch leicht verspiegelt und hatte schon bei wenig Lichteinfall unangenehm reflektiert. Das neue Modell ist ebenfalls so aufgebaut, das Gehäuse hingegen ist vollständig von einem matten Schwarz überzogen und wirkt dadurch abermals eleganter, teurer ... und einfach besser - und nicht zuletzt auch CLK- und Harley-Fahrer werden im V620 ein Telefon nach ihrem Geschmack finden.
Wenn es auch ein wenig absurd klingt, so ist eines der absoluten Highlights an diesem Gerät doch der Akkudeckel, welcher mit Hilfe einer kleinen verchromten, auf der Rückseite des V620 angebrachten Taste geöffnet wird. Im Gegensatz zu manch anderem Motorola-Deckel, die auch die fingerfertigsten Redakteure an den Rand der Verzweiflung getrieben haben, reicht beim V620 ein leichter Druck auf den entsprechenden Knopf und der Deckel lässt sich kinderleicht und ohne Krafteinsatz abnehmen. Wie schon bei V600 sind auch beim Nachfolger die Schaniere, welche das Oberteil mit dem Gehäuseboden verbinden, ebenfalls verchromt, was allerdings nicht nur Vorteile mit sich bringt. Denn schnell kann es passieren, dass Ecken und Kanten, die so verarbeitet sind, zerkratzen oder die Lackierung abplatzt.
Die integrierte Kamera befindet sich links oben auf der Vorderseite, daneben liegt ein kleiner Spiegel für Selbstportraits. Für einige Käufer ist diese Applikation vielleicht wichtig, dem Design ist dies nicht unbedingt zuträglich: Asymetrie ist nach heutigem Zeitgeist ein Killer der Ästehtik. Auf den ersten Blick macht die Oberfläche den Eindruck, als könne sie schnell zerkratzen, weshalb man von einem Transport in der Hosentasche vielleicht eher absehen sollte. Bei genauerer Betrachtung stellt man aber fest, dass die Lackierung durchaus widerstandsfähig ist und auch kleine Schläge unbeschadet wegsteckt. Sollte es dennoch zu einem Kratzer kommen, verliert das V620 schnell an Charme, denn bei reflektiertem Licht sind jegliche Schäden sehr leicht zu erkennen.
Das Display hat wie schon beim V600 eine Auflösung von 176x220 Pixel, was für ein Gerät dieser Größe völlig ausreichend ist. Neu dagegen ist die höhere Farbtiefe von 18 Bit (262.144 Farben), die Bilder noch farbenfroher macht und das neue Betriebssystem noch professioneller aussehen lässt. Das monochrome LCD-Außendisplay hat eine Auflösung von lediglich 96x32 Pixeln und wird von einem blauen Hintergrundlicht bestrahlt. Es ist ausreichend hell, um auch bei starker Sonneneinstrahlung abgelesen werden zu können und steht hier dem Hauptdisplay in nichts nach.
Auch die Anordnung der Tasten ist gleich geblieben. Das zentrale Steuerelement bildet ein 5-Wege-Navkey mit integriertem runden Bestätigungsbutton. Ihn säumen seitlich Rufannahme- und Auflegentaste in für Nokia-Kenner "spiegelverkehrter" Lage, zwei Softkeys und die Motorola-typische Menütaste für Kontext- und Hauptmenü.
Das Tastenfeld der Zifferntasten ist übersichtlich aufgebaut und bietet genug Platz, so dass auch Nutzer mit größeren Händen kaum Probleme bei der Bedienung haben werden. Abstände der Tasten zueinander sind kaum vorhanden, dafür sind sie vertikal mit schmalen Chromschienen gegeneinander abgesetzt.
Im Gegensatz zum V600 hat Motorola das Feedback-Verhalten der Tasten nochmals verbessert, was sich ganz besonders beim Schreiben von Kurznachrichten als hilfreich erweist. Für Spielerei gibts keinen Platz beim V620; man findet sich intuitiv auf dem Tastenfeld zurecht und wird im Dunkeln von einer kontrastreichen weißen Tastaturbeleuchtung bei der Navigation unterstützt. Die Druckpunkte sind allesamt deutlich und sehr sanft ausgefallen, unterscheiden sich aber minimal voneinander: die 9 fühlte sich bei unserem Testgerät etwas anders an als die 1. Auch der Navkey reagiert etwas anders, als man von den Bildern vermuten würde: seine Druckpunkte sind hart, präzise und knackig, die Bedienwege und der Kraftaufwand für die Betätigung einer Aktion minimal.
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