Darauf hat die Mobil funkwelt gewartet: kaum ein Dreivierteljahr nachdem Vodafone mit dem Sharp GX30 Pionierarbeit leistete und Deutschland das erste vollwertige Handy mit Megapixelkamera spendierte, kommt noch vor Weihnachten – allerdings reichlich knapp - das Sharp V902SH in die Shops und schreibt damit ein weiteres Mal deutsche Mobilfunkgeschichte. Zwar hat auch der Hauptkonkurrent T-Mobile derzeit ein Gerät im Angebot, das mit einer Zwei-Megapixel-Cam aufwartet (), das V902SH funkt aber im Gegensatz zu ihm auch auf den schnellen UMTS-Frequenzen. Wir haben von Vodafone eines der ersten Testgeräte mit finaler Software-Version bekommen und sind stolz, Ihnen erste Ergebnisse des Multifunktionswunders in folgendem Hands-On-Test präsentieren zu können.
Neben herausstechenden Funktionen wusste Sharp schon immer, mit äußeren Werten zu überzeugen. Zwar wirkt das Design des V902SH nicht mit so ansprechendend wie einige Meisterwerke von Sony Ericsson und auch bei weitem nicht so experimentell wie manche Nokia-Geräte, ist aber ausgesprochen funktional, durchaus formschön und trotz der ausladenen Maße und dem relativ hohen Gewicht (109x51x27mm, 149g) gerade noch handlich. Als Formfaktor wählte Sharp ein Folderdesign mit drehbarem Display, ähnlich Samsungs P400, Siemens oder Nokias 6260. Mit nach außen gedrehtem und zugeklapptem Displayteil erinnert das Gerät wie Sony Ericssons S700i sehr stark an eine einfache Digitalkamera. Die Optik für Kameraaufnahmen wurde hinter einer Plastikscheibe untergebracht, so dass weder Staub noch mechanische Einflüsse dem Linsensystem etwas anhaben können. Die Verarbeitung wirkt auf den ersten Blick meisterhaft, im Detail offenbaren sich kleinere Tücken.
Zwar lässt sich der Klapp- und Drehmechanismus hervorragend bedienen und arretiert sanft in den Ausgangspositionen, aber einige Tasten, insbesondere Navkey und Kamera-Softkeys lassen etwas von der erwarteten Professionalität vermissen, die wir beispielsweise noch beim Vorgänger GX20 fanden. Dass es sich um ein exklusiv von Vodafone vermarktetes Gerät handelt, erkennt man sofort am Akkudeckel des Geräts: hier prangt in dünnem Kunststoff eingraviert ein dominantes Logo des Netzbetreibers. Alle Anschlüsse und Ports werden von gummierten Abdeckungen geschützt, so dass Staub und Fusseln kaum eine Chance haben, ins Innere des Geräts zu dringen. Sogar an eine Öse haben die Konstrukteure gedacht: sie befindet sich auf dem Vorsprung an der Oberseite des Geräts, der einen Teil der UMTS-Antenne beherbergt.
Das Display des V902SH ist mit seinen 262.144 Farben und 320x240 Pixeln Auflösung äußerst scharf, lässt aber subjektiv gegenüber der Referenzim Multimediabereich S700i Farbbrillanz vermissen. Dem Durchschnittskunden wird das vermutlich nicht auffallen, in der Praxis wirken Fotos bei Sony Ericssons Konkurrenzmodell auf dem Display aber noch farbenfroher. Dafür ist die Displaykomponente von überdurchschnittlicher Qualität, sehr gleichmäßig hintergrundbeleuchtet und lässt keine Pixelkanten erkennen. Texte werden mit einem Kantenglättungsverfahren weichgezeichnet, so dass der Bedienkomfort des Handys ähnlich gut ausfällt wie der eines , dessen Oberfläche sich vom V902SH aber in einigen Punkten unterscheidet. Lächerlich klein, dafür aber umso heller beleuchtet ist das monochrome Außendisplay direkt neben der Kameralinse. Es stellt Uhrzeit, Netz- und Ladezustand auf gerade einmal 60x10 Pixeln Auflösung dar und wirkt trotz seiner geringen Größe sehr funktional.
Die Tastatur ist relativ betrachtet einer der Schwachpunkte des Geräts. Die Fakten: das Menüsystem wird über einen Fünf-Wege-Navkey gesteuert, ihn umrahmen zwei Softkeys für Bestätigungen und die beiden obligatorischen Telefonietasten. Während die Druckpunkte der Softkeys noch vernünftig sind, wirkt gerade die Bestätigungstaste des Navkeys ziemlich wackelig und undeutlich, die vier Bedienrichtungen lassen ein wenig an Präzision vermissen und geben ein deutliches Knarzen bei schnellen Menüwechseln von sich. Die Zifferntastatur geht in ihrem Aufbau immerhin keine Kompromisse ein und wurde gleichsam dem Vorgängermodell GX30 geradlinig rechteckig mit reichlich vertikalem Platz zwischen den Tasten aufgebaut. Die Druckpunkte sind nicht preisverdächtig, aber auch nicht unsicher: Texte lassen sich trotz der naturgemäßen „Kopflastigkeit“ des großen Folders relativ zügig eingeben. Am Kopf des Tastenfeldes findet der Nutzer drei Tasten, eine für Schnellzugriffe, eine für die Zurücknavigation und das Löschen von Zeichen und eine für den direkten Weg in die Mediengalerie. Und gerade, wenn man sie einmal gebrauchen könnte, fehlt sie: anders als Motorolas E1000 verzichtet das Shart V902SH auf eine eigene Betreibertaste, die den Nutzer direkt ins UMTS-Portal führen könnte – hierfür wurde der rechte Softkey vorgesehen.
Die Tastaturbeleuchtung ließ in der Redaktion passend zur Weihnachtszeit Nostalgie aufkommen: sie ist dunkel und ungleichmäßig und schimmert in trüber Bernsteinfarbe durch die Tastaturmatte. Wahre Foto-Fans wird das aber wenig stören, denn zumindest die Kamera lässt sich auch ohne die Haupttastatur bedienen.
Hierfür wurden an der "logischen" Oberseite des Handys im Kameramodus zwei Tasten für Auslöser und Menüführung vorgesehen sowie eine knautschige Tastenwippe für Fokus und Zoomfunktion, die dem Nutzer fast überhaupt kein Feedback über den Erfolg ihrer Betätigung vermittelt. Die Auslöse- und Optionstasten sind ziemlich klein geraten und versprühen nicht gerade das Kamera-Feeling eines S700i, zumal sich das integrierte Blitzlicht in zugeklapptem Zustand nicht einfach über eine entsprechende Taste hinzuschalten lässt, sondern erst umständlich im Menü aktiviert werden muss.
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