Eines kann man Sagem bestimmt nicht vorwerfen, nämlich nicht auf die Wünsche ihrer Kunden zu hören. Die Handybauer des französischen Multikonzerns nehmen es sich augenscheinlich zu Herzen, wenn Nutzer, Presse und Händler Wünsche äußern oder Kritik üben; das Sagem MyX-8 ist ein Paradebeispiel für das Einfühlungsvermögen, das die Ingenieure an den Tag legen und ist das Produkt eines langen Reifezyklus, den die Modelle aus Sagems Handysparte in den letzten Jahren durchschritten haben. Ob es sich lediglich um winterliches Fallobst handelt oder ob das MyX-8 zum Sündenfall gereicht, lesen Sie in folgendem ausführlichen Hands-On Test, den wir von der PreCebit in Hamburg mitbringen.
Es gibt rote Riesen, schwarze Löcher und weiße Zwerge. Das MyX-8 ist astronomisch betrachtet ein Missverständnis, ein weißer Riese. Die Größe des Geräts fällt zumindest beim ersten haptischen Eindruck etwas überholt auf, kann sich aber gerade noch in Dicke, Breite und Höhe mit einem etwas in die Tage gekommenen 6600 von Nokia messen – dafür wirkt es deutlich schwerer (Maße: 115x47x21mm, Gewicht: 121g). Das Design des myX-8 hat es allerdings im wahrsten Sinne des Wortes in sich und stammt aus der Feder von niemand geringerem als dem japanischen Designstudio ora-ito. Ist das jetzt ein Vorteil ? Die Materialwahl von unterer Schalung und Akkudeckel erinnert qualitativ und optisch etwas an Sony Ericssons Designstück K700i und wirkt sehr wertig, auch wenn sie sich trotz Optik alles andere als metallisch anfühlt. Der Rest des Geräts besteht aus hochwertigen, glänzenden weißen Kunststoff.
Die Qualität der Verarbeitung lässt sich in das obere Mittelfeld einordnen und kann mit High-End-Produkten von Siemens oder Sony Ericsson mithalten. Wackler, Knarzgeräusche oder deutliche Patzer an Gehäusespalten konnten wir bei unserem ersten Eindruck nicht wahrnehmen (die deutlichen Spalte zwischen Gehäuseober- und Unterseite am unteren Rand verstehen wir als Designelement). Die Rückseite ziert linksseitig ein breites Plateau mit eingraviertem Schriftzug des Herstellers, eine Seite ist mit der Gravur des verantwortlichen Designstudios verziert.
Das Display des MyX-8 brilliert mit 262.144 Farben bei 240x320 Pixeln Auflösung, wirkt aber augenscheinlich weniger farbenfroh und kontrastreich wie das des S700i und ist von der Wiedergabequalität am ehestem mit Motorolas aktuellem UMTS-Gerät vergleichbar. Sagem setzt beim Display auf eine Komponente aus eigenem Hause, deren primärer Vorteil die Unabhängigkeit vom Sichtwinkel ist: sie lässt sich prinzipiell aus jeder Sichtposition gut ablesen. Leider wurde die Komponente recht weit unter der Displayabdeckung verbaut, so dass teilweise das Gehäuse einen Rand des Screens verdecken kann; in der Praxis sollte das aber kaum ins Gewicht fallen.
Die Tastatur ist einer der Schwachpunkte am myX-8. Zwar hat Sagem es verstanden, einen von Sony Ericsson propagierten Formfaktor mit 4 Softkeys und Joystick nachzuahmen und hat das ganze auch optisch recht ansprechend umgesetzt, doch gestaltet sich die Bedienung von Joystick und Softkeys eher mäßig. Das zentrale Navigationsinstrument fällt ziemlich klein aus und arbeitet nicht sonderlich präzise, auch die Telefonie- und Softkeys sind sehr klein geraten und fühlen sich etwas wackelig an. Die Zifferntastatur ist hinsichtlich ihrer Druckpunkte und der Präzision etwas exakter, dafür sind die Tasten sehr schmal ausgefallen und nur vertikal deutlich voneinander abgesetzt.
Fürs Protokoll sollte man anmerken, dass das myX-8 deswegen sicherlich nicht „unbedienbar“ ist; Sagem bzw. das beauftragte Designstudio sollte aber deutlich mehr Aufwand in die Fertigung dieser Komponente stecken, wenn man mit Größen in diesem Bereich wie Sony Ericsson oder (nicht in allen Fällen) Nokia mithalten will.
Die Tastaturbeleuchtung schimmert bläulich durch die ausgesparten Tastenbeschriftungen und wirkt nicht sonderlich hell, bei Tageslicht lässt die Beleuchtung die Beschriftung mangels Kontrast sogar verschwimmen. Auf der linken Seite des Geräts findet man eine Tastenwippe minimaler Baugröße, die neben dem Scrolling in Listenmenüs auch als Auslöser für die integrierte Kamera dienen kann, wenn man das Handy beim Fotografieren quer nutzt.
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