Der koreanische Handyhersteller LG Electronics liefert das U8138 in einem geschmackvollen kleinen weißen Karton, dessen Vorderseite ein großes Foto des soeben erworbenen Folderhandys ziert. Der Lieferumfang des fünften UMTS-Handys des koreanischen Herstellers ist für ein Multimedia-Gerät recht beachtlich: wir fanden eine CD-ROM mit Zusatzsoftware, eine Bedienungsanleitung, eine Trageschlaufe, ein USB-Datenkabel sowie ein formschönes Stereo-Headset in der Schachtel.
Vergleicht man das LG U8138 mit den ersten UMTS-Folderhandys, die den europäischen Markt erreichten, z.B. Sony Ericssons Z1010, Samsungs SGH-Z105 oder NECs e606, überzeugt das Gerät in erster Linie mit sportlich geschwungener Linienführung und geschrumpften Maßen. Im Vergleich zu gängigen Lifestyle-Foldern des GSM-Marktes ist das Handy mit einem Gewicht von 126g und 96x49x23mm Außenmaß in zusammengeklapptem Zustand über 30 Gramm schwerer und auch etwas unhandlicher als die Handys der zweiten Generation. Immerhin verteilt sich das Gewicht gleichmäßig auf Ober- und Unterklappe, sodass man selten Gefahr läuft, dass einem das Handy beim SMS-Tippen aus der Hand fällt.
Als etwas störend empfanden wir die etwa 2cm aus dem Gehäuse herausragende Antenne, die zwar keinen Zweifel über das Herkunftsland des U8138 aufkommen lässt, aber nicht so recht ins optische Gesamtbild passen will. Das Design entspricht der gängigen Vorstellung eines typisch koreanischen Folders und orientiert sich an einigen frühe Samsung-Foldern wie dem S500 oder dem V200 bzw. an asiatischen Multimedia-Foldern des Jahres 2003. Mit anderen Worten: im Vergleich zu gängigen Folderphones – auch aus dem UMTS-Bereich - wirkt das U8138 eher hausbacken und wenig innovativ. Positive Gegenbeispiele sind Samsungs SGH-Z110 oder Sony Ericssons Z800i.
Der Abstand des mit Billiggeräten auf den Markt drängenden LG-Konzerns zum Hauptkonkurrenten Samsung wird vor allem bei der Verarbeitung deutlich. Das U8138 knarzt an allen Ecken und Enden und selbst bei leichter Druckausübung auf Gehäusebauteile, Folder- und Akkudeckel. Dabei fallen die Spaltmaße weitestgehend gleichmäßig und schmal aus, der Verbindung der einzelnen Gehäusebauteile merkt man aber deutlich ihren Ursprung aus der Massenfertigung an. Dennoch fällt die Verarbeitung so robust aus, dass die Gehäusekomponenten sich auf Druck kaum verformen – lediglich die obere Folderklappe wirkt etwas wackelig. Die Verarbeitung des Foldermechanismus entspricht ganz generell nicht gerade den Anforderungen, die man heute an leichtgängige und haptisch hochwertige Handys stellen darf: die im Scharnier integrierte Feder hilft kaum beim Auf- und Zuklappen des Geräts.
Auf der Außenseite des Geräts findet man unter den obligatorischen hologrammartig reflektierenden Hersteller- und Betreiberlogos einen ins Gehäuse versetzten Aktivlautsprecher und über dem Außendisplay eine weiße LED-Leuchte für Fotoaufnahmen bei schwachem Umgebungslicht. Der Staubschutz von Kamera und Gehäuseöffnungen ist mittelmäßig: Der Drehmechanismus der Kamera lässt sich nicht weit genug drehen, als dass die Kameralinse effektiv vor Staub geschützt wäre. Ebenfalls anfällig für Fusseln und Schmutz sind die Ports für USB-Anschluss und Stromzufuhr, die man mittig am unteren Teil des Gehäuses findet – lediglich der Anschluss für das Kabelheadset wurde mit einer Staubschutzklappe versehen.
Beim Akkudeckel fanden wir eine einzigartige Schließmechanik, die mit einem doppelten Sicherheitsmechanismus daherkommt: Schiebt man zwei Releasestifte zur Seite, löst sich der Akkudeckel aus seiner Halterung, lässt sich anschließend nur ein paar Millimeter zurückschieben und anschließend nach oben vom Gehäuse abziehen. An der Verarbeitung des USIM-Karteneinschubs gibt es ebenfalls nichts zu meckern. Ein kleiner Infrarot-Port für den optischen Austausch von Daten befindet sich ein wenig versetzt unterhalb des Kamera-Buttons leicht zugänglich auf der linken Gehäuseseite und eine Öse auf der Rückseite des Gehäuses hilft bei der Befestigung von Lanyards am Gerät. Ein kleines negatives Detail fiel uns erst nach längerer Bedienpraxis auf: das Hauptdisplay steht ein wenig aus der Fassung heraus; fährt man über die Displayränder, spürt man deutlich den Übergang zwischen Fassung und Display. Dieses kleine Detail kann gerade für männliche Nutzer mit einer etwas liberaleren Einstellung zur Körperpflege etwas schmerzhaft ausfallen, da in den Spalt zwischen den Bauteilen ein Barhaar durchschnittlicher Größe exakt hineinpasst und er sich damit zum schmerzhaften Feind jedes (auch angehenden) Kotelettenträgers macht.
Dass der LG-Konzern im Komponentenbau noch größeren Nachholbedarf hat, bezeugt das im U8138 verbaute Hauptdisplay, das gut einen halben Millimeter aus der Gehäusefassung heraussteht und bei einer Auflösung von 176x220 Pixeln lediglich 65.536 Farben darstellt – für ein Multimedia-Handy ist das nicht mehr zufriedenstellend. Eine sehr helle und gleichmäßige Ausleuchtung und die gute Ablebarkeit unter starkem Außenlicht machen das Ausstattungsdefizit aber teilweise wieder wett. Je nach gewählter Schriftgröße lassen sich pro Displayseite im Durchschnitt acht Zeilen Text darstellen. Was das Hauptdisplay verschläft, holt das Außendisplay nach: mit 128x160 Pixeln ist es so groß wie mancher Hauptscreen nordischer Handy-Hersteller und stellt mit 65.536 Farben auch mindestens ebensoviele Farben dar. Da man das Außendisplay allerdings nicht als Sucher im Fotoaufnahmemodus verwenden kann, verliert das durchaus nette Feature schnell seinen Reiz für den Nutzer. Neben einem frei wählbaren Hintergrundbild zeigt das Außendisplay trotz seiner hohen Auflösung nur elementare Informationen über Uhrzeit, verpasste Anrufe und die Netzstärke an.
Die Tastatur könnte manchen Nutzer überfordern: Nach dem Öffnen des Klappmechanismus begrüßt das LG den Nutzer mit insgesamt 26 Tasten und sorgt bei Liebhabern intuitiver Bedienbarkeit zunächst für ein mittelschweres Bedienchaos: wer von einem GSM-Handy aufs U8138 umsteigt, sollte sich auf ein paar Umgewöhnungsstunden einstellen. Ein kreuzförmiger und recht groß ausgefallener 5-Wege Navkey bildet das Herzstück der Navigation, ein dunkelblauer Hotkey in seinem Zentrum dient zur Bestätigung von Menüaktionen, führt aber direkt aus der Startseite ins Betreiberportal.
Die Belegungen der 4 Navigationsrichtungen sind vorkonfiguriert und lediglich das obere Fünftel lässt sich mit einer eigenen Funktion belegen. Ein Druck nach oben führt ab Werk zur Kamerafunktion, ein Druck nach links zur Auswahl von Situationsprofilen und nach Betätigung des rechten Navkey-Bereichs gelangt man ins Messaging-Menü. Ein Druck nach unten führt erfreulicherweise Nokia-like ins Telefonbuch.
Die beiden Softkeys über dem Navigationspad dienen wie bei Smartphone-Betriebssystemen zur Ausführung von kontextabhängigen Funktionen, die am unteren Bildschirmrand angeboten werden. Eine Löschentaste mit der Beschriftung „C“ findet sich ziemlich untypisch rechts außen neben dem Navigationspad. Sie dient erstaunlicherweise nicht zur Zurücknavigation in Menüs – hierfür hat LG noch eine Extrataste auf der anderen Seite des Tastenblocks vorgesehen und sie mit „Back“ beschriftet. Ins Menü führt eine eigene Menütaste direkt unter dem Navkey, die das Zentrum einer Sony Ericsson-ähnlichen Schnellnavigationsleiste bildet, deren linke Taste einen Videocall initiiert, während die rechte Taste den Nutzer in das vorkonfigurierte Internetportal des UMTS-Netzbetreibers bringt, in unserem Falle 3 Austria. Am linken Gehäuserand befindet sich eine große und leichtgängige Tastenwippe für die Regelung der Lautstärke sowie ein Shortcut zum Starten der Kamera – mangels Nutzbarkeit des Außendisplays für eine Fotovorschau ist er aber für die Bedienung eher überflüssig.
Während das Navigationsinstrumentarium noch vergleichsweise groß ausfällt, ermangelt es den Zifferntasten etwas an Abstand zueinander – Verdrücker standen bei unseren Kurznachrichten auf der Tagesordnung. Einen Vorteil hat das ganze: Staub hat bei den minimalistischen Spalten zwischen den Tasten kaum eine Chance. Die Druckpunkte von Navkey und den zahlreichen Sondertasten sind Samsung-ähnlich angelegt und fallen knackig und feedback-freudig aus, lediglich die unterste Tastenreihe weicht etwas von den sonstigen Druckpunkten ab und gibt schwächeres Feedback; außerdem wurde sie etwas tiefer ins Gehäuse versetzt als die anderen Tasten. Eine etwas ungleichmäßige und mittelmäßig helle blaue Beleuchtung hilft beim Ablesen des Tastenfelds im Dunkeln – alleine die Anzahl der Tasten dürfte auch Gewohnheitsnutzern bei schlechter Beleuchtung das Erfühlen von Tasten deutlich erschweren.
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