Wer sich mit seinem Handy aus der breiten Masse hervorheben möchte, wird in der Fashion-Serie von Nokia sicher fündig - das 7280 ist mit Abstand das außergewöhnlichste Gerät, das der finnische Hersteller jemals vorstellte. Mit dem Satz "Uncover My Secrets", der zum Vorschein kommt, wenn man den Deckel der vergleichsweise groß ausgefallenen Verpackung nach oben klappt, wird der designbegeiserte Handyfreund aufgefordert, sich auf eine Entdeckungsreise zu begeben. Im Lieferumfang enthalten: das 7280 nebst einem für die Fashion-Serie 72x0 typischen Ladegerät, bei dem sich das Kabel elegant unter einem aus Gummi bestehenden Deckel versteckt, ein Stereoheadset, ein schwarzes Lederetui sowie eine dazu passende Lederschlaufe.
Ein spitzes und gut verarbeitetes Werkzeug zur Entnahme des (ebenfalls in präventiver Zweitausfertigung mit dabei) SIM-Faches liegt ebenfalls im Lieferumfang - eine dankbare Beigabe, da man ansonsten die Fingernägel hierfür beanspruchen müsste. Eine Bedienungsanleitung sowie eine CD-ROM mit Nokias PC Suite sind obligatorisch. Ein Akku liegt übrigens nicht in der Schachtel; er ist vollständig ins Handy integriert und lässt sich nicht austauschen.
Was auf den ersten Blick wie ein neues Top-Secret Werkzeug für Doppelnull-Agenten ihrer Majestät anmutet, lässt selbst auf den zweiten und dritten prüfenden Blick noch nicht vermuten, dass es sich beim 7280 um ein voll funktionstüchtiges Mobiltelefon handelt.
Nicht in die Materie eingeweihte Personen dachten zuerst an einen überdimensionierten Memorystick, einen MP3-Player, an eine Pocketdigicam oder an ein Diktiergerät - tatsächlich vereint es alle diese Funktionen in einem einzigen Stick.
Die leichten 84g verteilen sich auf 115x32x19mm. Ist das 7280 aufgrund seiner blockartigen Form für Hemd- oder Hosentaschen eher wenig geeignet, findet es gerade in typischen Jacket- und Damenhandtaschen angemessen Platz. Das semitransparente Display zeigt sich erst nach dem Einschalten, im Standby-Modus versteckt es sich hinter einer perfekt verspiegelten Kunststoffoberfläche.
Neben dem Display findet ein minimalistisches Tastenfeld samt Jog-Dial Platz, unmittelbar über ihm wurde der eingebettete Lautsprecher untergebracht, der für die angenehmere Haltung beim Telefonieren mit einer samtartigen Schicht überzogen wurde. An der Seite links vom Display befindet sich ein Aktivlautsprecher, an der gegenüberliegenden Seite ein IrDA-Port und der Einschub für die SIM-Karte. In der Praxis erweist sich die Kartenvorrichtung als ziemlich hakelig, sie besteht lediglich aus einem dünnen Kunststoffplättchen, das an der Seite des Geräts eingeschoben wird - für den Einsatz dieses Bauteils wird ein eigenes stiftartiges Werkzeug mitgeliefert, zur Not hilft auch der Einsatz spitzer Fingernägel. An der Fußseite des Geräts befinden sich Ports für Ladegerät und Headset sowie ein kleiner Ausgang fürs Mikrofon und eine Öse für Lanyards oder die mitgelieferte Lederschlaufe. Fashion-Ambiente kommt mit dem jeansartigen Fläggchen mit Nokia-Bestickung auf, das an einer Kante des 7280 aus dem Gehäuse herausgeführt und von der Bekleidungsindustrie adaptiert wurde.
Das eigentliche Schmankerl am 7280, das den einen oder anderen Fotografie-Pionier der 70er Jahre in Nostalgie schwelgen lassen wird, ist sein Pocketkamera-ähnlicher Ausziehmechanismus: die Gehäuseverschalung lässt sich auseinanderziehen, sodass die Linse der VGA-Kamera an der Rückseite sichtbar wird. Der Slider-Mechanismus zeugt allerdings nicht gerade von erstklassiger Qualitätskontrolle: Nach nur drei Wochen Praxiseinsatz stellten wir fest, dass dessen Spielraum um etwa 3mm (!) zugenommen hatte.
Trotz der Kreativität, die in ihm steckt, lässt auch die sonstige Verarbeitung des 7280 ein wenig zu wünschen übrig: Das Tastenviereck wirkt wackelig und lässt den Nutzer nicht selten leichte Knarzgeräusche vernehmen. Während die Kameralinse dank des Slider-Mechanismus vor Kratzern und Staub geschützt wird, dürften die Tasten und der Jog-Dial auf lange Sicht schon viel anfälliger für Fusseln und Fettablagerungen sein.
Die Spaltmaße bezeugen die Herkunft des 7280 aus der Massenfertigung, sind teilweise über einen Millimeter breit und stellenweise ungleichmäßig; alleine die kompakte Bauform und die stilecht verbauten Kunststoffapplikationen lassen den geneigten Nutzer darüber hinwegsehen. Da sich die Cover des 7280 nicht wechseln lassen, sollte man vom im Lieferumfang enthaltenen Lederetui Gebrauch machen, um Kratzern und Fingerabdrücken auf dem Gehäuse und der Displayabdeckung vorzubeugen.
Punkte sammelt das Gerät, wenn das Licht ausgeht: eine am Kopfteil des 7280 angebrachte LED beleuchtet nach dem Einschalten des Geräts etwa alle 15 Sekunden die weiß-glänzenden Verzierungen im Gehäuseinnern. Auch eingehende Anrufe und Bluetooth-Aktivität machen sich auf diese Weise optisch bemerkbar.
Das Display schockiert, und zwar positiv. Mit 208x104 Pixeln und 65.536 darstellbaren Farben ist das TFT-Display des Nokia 7280 für den finnischen Hersteller nicht nur unkonventionell bemessen, sondern leistet für seine Größe Beachtliches. Farben wirken stark und leuchtkräftig, die Kontraste leicht übersteuert, aber der Gesamteindruck weiß zu überzeugen. Die Oberfläche des Displays ist stark verspiegelt, bei Hintergrundbeleuchtung aber transparent, sodass sich bei aktiver Hintergrundbeleuchtung der Bildschirminhalt ablesen lässt und sich das Gerät im Standby-Modus auch als Behelf für einen vergessenen Schminkspiegel nutzen lässt. Unter Außenlicht ist das Display dafür so gut wie gar nicht abzulesen - immerhin reflektiert es das schöne Wetter.
Geht man von der Fläche aus, hat man es beim 7280 mit einem der kleinsten Displays zu tun, das es zur Zeit auf dem Markt gibt. Natürlich zollt die kleine Fläche auch bei der Ablesbarkeit von PIM-Applikationen oder SMS seinen Tribut. Bei mittelgroßer Schrift sind lediglich drei bzw. bei kleiner Schrift vier Zeilen für den Schreiber gleichzeitig sichtbar.
Eine vollwertige Tastatur sucht man beim 7280 vergeblich – aufgrund des hochintegrierten Designs ist man auf die 2 Softkeys und die kleinen nicht weiter beschrifteten Anrufannahme- bzw. ablehnentasten angewiesen, die allesamt einen etwas unglücklichen Druckpunkt aufweisen, für die tägliche Bedienung aber gerade noch ausreichen. Text- und Zifferneingabe sowie die Menünavigation wird beim 7280 etwas zeitraubend und umständlich mit dem sehr leichtgängigen und haptisch überzeugenden Jog-Dial samt silberner Bestätigungstaste bewältigt, der im Zentrum des Tastaturvierecks Platz findet.
An- und abgeschaltet wird das 7280 bei Bedarf mit der rotleuchtenden Anrufabweisen-Taste. Problem hierbei: wenn sich die Software während des laufenden Betriebs aufängt - und das kam in der zweimonatigen Praxis genau zweimal vor -, hat unter Umständen auch diese Taste ihre Funktion verwirkt. Um das Telefon wieder in einen lauffähigen Zustand zu bringen, muss man mangels entnehmbaren Akkus warten, bis dieser sich vollständig entleert hat.
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