Die Empfangs- und Sendeeinheit für Triband-GSM des 7280 befindet sich unterhalb des Lautsprechers am oberen Rand. Dadurch, dass man das Gerät meist mit beiden Händen quer hält, sollte sich also nicht wundern, wenn beim SMSen der Empfangsbalken um ein bis zwei Einheiten kürzer wird. Im Allgemeinen wirkte die Empfangsanzeige recht nervös: Oft schwankte während eines laufenden Gesprächs die Netzanzeige, obwohl wir uns nicht vom Fleck gerührt haben. Auch bei größeren Sprüngen in der Empfangsleistung bzw. beim Neueinbuchen in eine andere GSM-Zelle konnten wir keine wahrnehmbare Minderung der Sprachqualität verzeichnen.
Die Leistung des in Samt gebetteten Lautsprechers konnte uns ebenfalls nicht so recht überzeugen: gerade bei maximaler Lautstärke leidet die Soundqualität unter Schwingungen und Scheppern der Lautsprechermembran. Abhilfe schafft das Zurückstellen der Lautstärke auf 1-2 Stufen unter der Maximalregelung. Der dem 6230 nachempfundene Lautsprecherausgang auf der unteren Geräteseite bietet allerdings kaum Grund für Beanstandungen: bei Nutzung der Freisprecheinrichtung könnte zwar die Maximallautstärke noch etwas höher ausfallen, dafür kracht, knistert und rauscht auch nichts beim Telefonat.
Nachdem Samsung mit seinem Voice Clarity-Feature anfing, zumindest politisch an der Sprachqualitätsschraube zu drehen und jedes Windows Smartphone mit einer Stimmlagenverbesserung namens Microphone AGC daherkommt, setzt auch Nokia auf ein Tool zur Steigerung der Sprachqualität. Die "Tonverbesserung" sorgt in erster Linie dafür, dass Hintergrundgeräusche stärker aus dem Signal gefiltert werden. Sie arbeitet souverän und hat einen spürbaren Einfluss auf die Sprachqualität.
Das 7280 wurde von Nokia mit einem vollständig ins Gerät integrierten 700 mAH Lithium-Ionen Akku ausgestattet. Die Standbyzeit des Herstellers scheint uns jedoch mehr errechnet als erprobt, denn bei den angegebenen 270 Stunden hätten wir das Gerät rechnerisch erst alle 11 Tage mit Strom versorgen müssen - im Testbetrieb können wir dem 7280 bei regem Einsatz der Zusatzfunktionen und Gesprächszeiten von 20 Minuten täglich ein Durchaltevermögen von etwa drei Tagen bescheinigen.
An Stromfressern mangelt es dem Gerät nicht: Das kleine Display, die Bluetooth-Schnittstelle und der Medienplayer sind die deutlichsten Energiekonsumenten, doch auch bei Nutzung der integrierten Kamera sollte man Vorsicht walten lassen - die Standbyzeit verschlechterte sich beträchtlich, sobald sie im regelmäßigen Einsatz war. Auch die vom Hersteller angegebene Gesprächszeit von vier Stunden können wir nicht bestätigen; schon nach zwei Stunden Dauer-GSM-Betrieb sehnt sich die Software mit einem Alarmfiepen nach dem Ladegerät.
Das 7280 ist nicht nur das mit Abstand extravaganteste Modell aus der Fashion-Reihe von Nokia - es scheint ganz so, als hätten die Finnen bei der Entwicklung der drei Modelle sehr viel Spaß gehabt und dem Stick-Phone in ihrer Euphorie das eine oder andere Feature hinzugefügt, das man in diesem Handy überhaupt nicht erwartet hätte. Und dabei dürfte man das 7280 als das mit Abstand "stylischste" aktuelle Mobiltelefon bezeichnen, das es am Markt gibt, auch wenn die Verarbeitung dem Aussehen nicht das Wasser reichen kann. Die Eingabemethodik mit Navi-Wheel ist zwar äußerst unpraktisch, dafür aber bravourös gelöst.
Technisch ist das 7280 noch auf der Höhe der Zeit, auch wenn es schon gegen Ende 2004 das Licht der Welt erblickte. Deutlichstes Manko an der Ausstattung: die fehlende Möglichkeit zur Software-Erweiterbarkeit via Java-Engine; den fehlenden EMail-Client kann man mangels Eingabemöglichkeiten getrost verzeihen. Wer sich mit seinem Handy stilmäßig ganz deutlich von der bereiten Masse abheben möchte und Wert auf zeitgemäße Ausstattung legt, kommt an Nokias Fashion-Reihe und erst recht am 7280 nicht vorbei.
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