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Inhaltsverzeichnis

Nokia N90 Testbericht

Ausstattung

Jedes der drei im Mai vorgestellten NSeries Handys hat eine spezielle Ausrichtung, das N90 ist der Foto-Profi unter Nokias Triumvirat. Die Optik für das Kameramodul kaufte man bei Carl Zeiss ein, als Aufnahmesensor wurde ein stromsparender CMOS-Chip mit 2 Megapixeln Auflösung der neuesten Generation verbaut. Viele Bilder konnten wir mangels Testmuster bislang nicht selbst machen - das Bildmaterial, das wir bislang im Netz und auf den offiziellen Produktseiten des Herstellers fanden, ist allerdings beeindruckend. In höchster Auflösung sind vor allem Farbechtheit, Helligkeitsverhalten und Detailtreue absolut atemberaubend und derzeit allenfalls mit Sony Ericssons K750i zu vergleichen.

Unser Testfoto des leeren Berliner Olympiastadions zeigte selbst feinste Details wie Spielfeldlinien und die Sitzplätze der uns gegenüberliegenden Seite in absolut gleichmäßiger Qualität. Auch bei kontrastreichen Sprüngen (beispielsweise bei der Überdachung) können wir weder Farbverfälschungen noch Überleuchtungsartefakte ausmachen. Die Helligkeitsverteilung an den Rändern entspricht weitestgehend den realen Lichtverhältnissen.

Foto: AMB | N90 skaliertes 2-Megapixel-Bild

 

Foto: AMB | N90 Kameramenü

Der an der Seite des Gehäuses vorgesehene etwas wackelige Joystick dient primär zur Anwahl von Menüpunkten, selten aber zur Auswahl - hierfür sind die beiden oberhalb bzw. seitlich des Displays angebrachten Softkeys vorgesehen, was die einhändige Bedienung des Kameramenüs in vielen Fällen unmöglich macht. Der Knopf zum Auslösen der Kamera befindet sich direkt über dem Joystick und wurde wie bei allen Geräten, die dem N90 Modell gestanden haben und fast allen modernen Digitalkameras als 2-stufiger Auslöser ausgelegt: ein leichter Druck aktiviert den Autofokus, ein stärkerer den Auslöser. Ein Foto in höchster Auflösung landet nach ca. 2-5 Sekunden im Speicher und belegt dort 500-700kB.

Foto: AMB | N90 Auflösungswechsel

Dank des integrierten Speicherausbaus von knapp 31MB und der Erweiterbarkeit mit Hilfe von Nokia-üblichen Dualvoltage RS-MMCs (diese finden auch im 6680 oder 6630 Verwendung, im Lieferumfang soll eine Karte mit 64MB Kapazität liegen) ist das N90 bereits ab Werk relativ gut auf die hohe Datenlast vorbereitet und wächst mit den Ansprüchen des Users. Dabei dürfte alleine wegen der mannigfachen Optionen, die man für die Aufnahme eines Fotos vornehmen kann, das eine oder andere überflüssige Testfoto auf dem Speicher landen - neben einer Farbtemperaturkorrektur und dem Weißlichtabgleich stehen auch verschiedene Szenerietypen wie Portrait- oder Landschaftsaufnahmen und ein stufenloser Helligkeitsregler sowie ein 20x Digitalzoom (!) zur Auswahl. Darüber hinaus lässt sich die neben der Kameralinse angebrachte Foto-LED hinzuschalten, die die Umgebung etwas weniger hell ausleuchtet wie Sony Ericssons Kamerahandy K750i und auch ein Makromodus, der ab einem Abstand von 10cm vom Objektiv scharfe Fotos liefert - ein eindeutiger Vorteil gegenüber dem K750i.

Foto: AMB | Weißlichtabgleich

Videos lassen sich mit dem N90 selbstverständlich auch aufzeichnen. Dabei ermöglicht das Modell die Aufnahme von bewegten Bildern in CIF-Auflösung (352x288 Pixel); die Qualität nach der auf dem Gerät vorgenommenen MP4-Kodierung reicht aus, um Videos auch auf Fernsehgeräten vorzuführen - die Ergebnisse haben eine zeitliche Auflösung von 15 Frames/s, wirken farbenfroh und sehr klar aber etwas ruckelig. Professionelle Kameratechnik verlangt auch nach professioneller Bildverwaltung. Hat Nokia schon beim 6630 und 6680 auf eine neuartige Bildergalerie mit 3D-Effekten Wert gelegt, bekommt der Nutzer des N90 ein komplett animiertes Bildverwaltungstool mitgeliefert, das Thumbnails deutlich schneller erzeugt als seine Vorgänger und mit atemberaubender Geschwindigkeit durchs virtuelle Fotoalbum zappt.

Die Imaging-Funktionalität wird beim N90 durch einige Softwarebeigaben aufgewertet. So ist das Telefon in der Lage, Bilder über Nokias Xpress Printing Solution direkt über Bluetooth oder USB-Kabelverbindung auf einem kompatiblen Drucker auszugeben. Ein erweiterter Movie Director hilft beim Schneiden und Konvertieren von Videos direkt auf dem Gerät und der vorinstallierte RealPlayer erlaubt die Wiedergabe unterschiedlichster Dateiformate, darunter MPEG-4 bzw. 3GP-Files sowie H.263, das ursprünglich als Format für die Videotelefonie entwickelt wurde. Das aktuelle Series60-System unterstützt darüber hinaus auch die Darstellung von JPG2000-Bildern, die nach wie vor eher eine Nebenrolle bei den Bildformaten im Web spielen und die Dekodierung von EXIF-Headern, die Metainformationen zu Bildmaterial beinhalten. Mit Hilfe eines vorinstallierten LifeBlog-Clients lässt sich Bildmaterial direkt vom N90 auf einen im Internet von Nokia bereitgestellten Server laden und später auf einem PC bzw. einem anderen Mobiltelefon betrachten.

Foto: AMB | N90 Connectivity

Der RealPlayer macht das N90 auch zur multitasking- und Playlist-fähigen MP3-Maschine - mangels Soundfiles können wir über die Wiedergabequalität derzeit aber keine Aussagen machen; Einen Klinkenanschluss für herkömmliche Kopfhörer findet man nicht am N90, der Hauptlautsprecher ist an der Kopfseite des Handys an der Oberkante des Kamermoduls vorgesehen und wirkt relativ klein, soll aber laut Aussagen einiger Quellen im WWW eine ähnliche Maximallautstärke wie das recht klanggewaltige 6680 erreichen. Polyphone MIDI-Klingeltöne werden mit bis zu 64 Stimmen wiedergegeben.

Foto: AMB | N90 Lokalisierungs-Menü

Gerade mit Connectivity sollen die neuen N-Series Modelle punkten und verfügen allesamt über einen Chip, der sie UMTS-fähig macht. Sieht man von den langen Antwortzeiten in diesem Mobilfunknetz einmal ab, erreichen die Geräte dabei etwa die Hälfte der Datenübertragungsgeschwindigkeit eines herkömmlichen DSL-Anschlusses. Über die UMTS-Leitung lässt sich das N90 hervorragend als Videotelefon nutzen; hierfür dreht man Display und die Kamera einfach in die gleiche Richtung und wählt einen Kontakt mit Videotelefonie-fähigem Handy an. Während eines Videotelefonats lassen sich außerdem Sounds und aufgenommene Videos austauschen.

Foto: AMB | N90 Adressbuch

Als Kurzstreckenfunktechnik wurde Bluetooth der Version 1.2 im N90 sowie laut Nokia dessen gängigste Profile zum Dateiaustausch integriert. Als Schmankerl gibts ein Human Interface Device-Profile (HID), das z.B. den drahtlosen Anschluss von Tastaturen ans N90 erlaubt und das Basic Printing Profile, mit dem sich wie oben beschrieben Drucker ans Gerät anschließen lassen. Über ein Location-Interface lässt sich das N90 - und damit sein Nutzer - von kompatibler Software unter Zuhilfenahme der gerade genutzten GSM-Zelle lokalisieren sowie Standort-Informationen veröffentlichen, was in Deutschland von allen großen Netzbetreibern derzeit in dieser Form allerdings noch nicht unterstützt wird. Ein Push-To-Talk-Client ermöglicht die Walkie-Talkie-ähnliche Kommunikation. Sollte das UMTS-Netz einmal zusammenbrechen, fällt das N90 auf GPRS-Geschwindigkeit bzw. in unterstützten Regionen auf EDGE zurück. Wer die Office-/MP3- und Imaging-Funktionalität auch benötigt, wenn er sein Handy gerade nicht benutzen darf, kann vom Offline-Modus Gebrauch machen, der jegliche Funkaktivität des N90 deaktiviert.

Foto: AMB | N90 Kalender

Im Business-/PIM-Bereich arbeitet es sich mit dem N90 genauso komfortabel wie mit jedem anderen Gerät, das dieses Betriebssystem verwendet. Die Kontaktverwaltung versteht sich naturgemäß auf Gruppenfunktionen, Presence-Kompatibilität und mehrere Telefon-, EMail- und Postanschrifteinträge pro Kontakt. Die Symbolik der bisherigen Versionen ist beibehalten worden, die höhere Displayauflösung hat aber keinen Einfluss auf die Ansicht von Kontaktkarten - es passen nach wie vor lediglich drei Informationen untereinander aufs Display. Anruferbilder wurden ebenfalls nicht vergrößert, sie profitieren aber bei eingehenden Anrufen von der höheren Auflösung und fallen etwas klarer aus als bei älteren Series60-Geräten. Die Kalenderapplikation wurde nur optisch aufgebessert und verfügt über die gleiche Funktionalität wie alle Series60-Geräte (Einträge in den Kategorien Besprechung, Notiz, Jahrestag, Wochenansicht und Erinnerungen). Daten lassen sich als vCard oder vCalendar über Bluetooth und Nokias PC Suite exportieren und unter Zuhilfenahme eines entsprechenden Unternehmensservers auch übers Mobilfunknetz synchronisieren.

Foto: AMB | N90 Tools-Menü

EMails lassen sich mit Attachments versehen, deren Größe alleine durch den EMail-Provider begrenzt ist. Die Attachments empfangener EMails lassen sich direkt aus dem Client heraus öffnen - dank vorinstalliertem Quickoffice klappt das auch mit den gängigen MS Office-Dateien .ppt, .doc und .xls sowie mit PDF-Dokumenten. Die Größe einer MMS ist auf standesgemäße 300kB begrenzt, 2-Megapixel-Fotos werden entsprechend skaliert. Beim N90 kommt ein Browser zum Einsatz, der sowohl gängige XHTML-Seiten als auch herkömmlich kodierte HTML4.01-Seiten darstellen kann. Dank Smallscreen-Rendering bekommt man einen einigermaßen komfortablen Überblick über eine Webseite, praktischer erweist sich aber die "herkömmliche" Listenansicht einer Webseite. Als Java-Engine installiert Nokia dem N90 eine MIDP2.0-fähige JVM, die trotz eines 220MHz schnellen Prozessors deutlich langsamer läuft als bei den Vorgängern - das größere Display hinterlässt hier seine Spuren.

Dafür ist die Java-Engine zeitgemäß ausgestattet: neben der Lokalisierungs-API findet man auch die aktuellste Bluetooth-API, die Wireless Messaging-API für den Versand von MMS und EMails aus einer Java-Applikation, eine Implementierung der Mobile 3D Graphics API (JSR-184) und eine SVG-Rendering API zur Darstellung von SVG-Vektorgrafiken auf dem N90. Die Kompatibilität von älteren Series60-Applikationen zum auf dem N90 verwendeten System soll laut Nokia auf Code-Ebene übrigens gewährleistet sein, in der Praxis sind aber wohl die wenigsten Applikationen lauffähig und führen stellenweise zum Absturz des Betriebssystems.

Menüführung & Bedienung

Foto: AMB | N90 Hauptmenü

Foto: AMB | N90 Startseite

Als Betriebssystem für das N90 entschied sich Nokia für die dritte Generation der Series60-Oberfläche mit einem Symbian OS 8.1a-Kern. Wen solche Zahlen kalt lassen, dürfte sich vor allem für die Handhabung interessieren: das grundlegende Look & Feel von Series60 steht auch beim N90 im Vordergrund, wirkt aber dank der hohen Auflösung deutlich gefälliger und ausgereifter. Pixelkanten sind überhaupt nicht mehr zu erkennen, die Icons wurden weitestgehend an den Stil in Nokias 6230i angepasst.

Auf der Startseite des Hauptscreens wird man über aktuell anstehende Termine, eingegangene Nachrichten oder verpasste Anrufe informiert. Eine Schnellzugriffsleiste bietet Zugriff auf im Hintergrund laufende bzw. zuletzt gestartete Applikationen. Die meisten Neuerungen findet man aber bei der Zugänglichkeit von Informationen in geschlossenem Zustand des Handys: das Außendisplay zeigt auf stattlichen 128x128 Pixeln Auflösung deutlich mehr Informationen an als jedes andere Smartphone, darunter eine Übersicht über den Nachrichteneingang (vollständige Nachrichten lassen sich nicht auf dem Display lesen), eine detaillierte Liste über den Anrufverlauf sowie ein Einstellungsmenü für die Bildschirmhelligkeit.

Erstmals bei einem Nokia-Handy wurde auch die von Sendo X oder Panasonic X700 bekannte sprecherunabhängige Sprachwahl ins N90 integriert. Mit ihrer Hilfe lassen sich Kontakte und Menüeinträge einfach per Sprache anrufen bzw. aktivieren - ohne das System vorher anlernen zu müssen.

Ohne das Feature am N90 selbst ausprobiert zu haben, gehen wir davon aus, dass es ähnlich souverän funktioniert wie bei den bisher erschienen Konkurrenzmodellen (Samsung plante ähnliche Funktionalität übrigens fürs D720, dessen Marktstart derzeit mehr als fraglich ist). Eine integrierte Freisprechfunktion kann als möglicher Ersatz für ein Bluetooth-Headset bzw. als Alternative zum Konferenzgespräch herhalten, ein dicker Wermutstropfen hingegen ist Nokias Verzicht auf einen Vibrationsalarm.

 
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Fazit

Allmählich wird's eng für die Hersteller von Digitalkameras. Wer seine Fotos nicht wirklich für Hochglanzmagazine braucht, kann sich mit dem N90 ein Gerät zulegen, das Aufnahmen in abzugsreifer Qualität schießt. Angesichts der Gerätegröße und des Gewichts ist "Handy" allerdings eine falsche Bezeichnung fürs N90 und auch die von Nokia angegebenen Akkuwerte tragen nicht gerade zu euphorischer Stimmung bei - länger als einen Tag wird das UMTS-Phone bei intensiver Nutzung nicht ohne Steckdose überleben.

Die neue Series60-Oberfläche macht die "Arbeit" mit dem Telefon deutlich angenehmer als bei Vorgängermodellen, die praktischen neuen Produktivitäts-Features des dritten Featurepacks und die durchdachte Bedienbarkeit in zugeklapptem Zustand erleichtern den intuitiven Zugriff auf Informationen. Deutliche Schwächen an der Verarbeitung leistet sich Nokia nicht - erreicht aber auch nicht die Qualität, die man angesichts der vermeldeten neuen Geräteklasse erwartet hätte. Für Liebhaber der mobilen Kameratelefonie ist das N90 mit Sicherheit ein neuer Stern am Himmel der High-End-Geräte, für den bloßen Telefonierer oder den "Keep-it-Simple"-Kundentypus allenfalls ein featurereicher Exot ohne deutlich produktivitätssteigernde Ausstattung.

 
 
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