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Palm Treo 650 Testbericht

Lieferumfang & Verpackung

Palm liefert sein Vorzeige-Smartphone in einer grau-weißen Pappschachtel mit zweilagigem Plastik-Innenleben. Mit an Bord ist neben dem Smartphone die rudimentäre Standard-Ausrüstung: ein Datenkabel mit USB-Anschluss und Button für die wichtigen HotSync-Vorgänge, ein Mono-Headset mit Mikrofon und drei Ersatzbezügen, ein einziger metallener Stylus, zwei Streifen Displayfolie zum Schutz vor Kratzern und ein Netzteil. Eine SD-Karte muss (und sollte) man sich selbst dazukaufen – angesichts der marktgängigen Preise vielleicht ein kleineres Übel. Schwerer wiegt die Anleitung – so man sie als solche bezeichnen will. Man erfährt in diesem Praxistest deutlich mehr über das Smartphone Treo650 als Palm seinen Nutzern im mehrsprachigen, jeweils gerade einmal 60 Seiten dünnen Handbuch erklärt.

Foto: AMB | Treo 650 Lieferumfang

Design & Verarbeitung

Der Palm Treo 650 folgt der Linie der ehemals von Handspring gefertigten Treo-Smartphones im Barrendesign. Während unter dem neuen Besitzer Palm die Kadenz von Neuvorstellungen von Nachfolgegeräten der Treo-Serie in den letzten Jahren deutlich geringer geworden ist (der Treo 650 ist erst das zweite Smartphone, das der amerikanische Hersteller unter seiner Marke vorstellt), ist die Beliebtheit der Lösungen ungebrochen – insbesondere im europäischen Ausland und in den Vereinigten Staaten erfreut sich der Treo ungebrochener Beliebtheit, die ihm hierzulande bislang lediglich die Verfügbarkeit bei Netzbetreibern versagte.

Foto: AMB | Treo 650 Vierseitenansicht

Schon von seiner Optik hat der Treo eine Menge zu bieten. Er wirkt mit weitem Abstand edler als jedes Series60-Smartphone (eingeschlossen die Design-Versuche von Panasonic oder Nokia), das Softkey-Tastenfeld wird von verchromtem Kunststoff unterlegt, weitere Chromapplikationen zieren das gesamte Gehäuse. Leider gehen Leistungsfähigkeit und Funktionalität zulasten der Gehäusemaße. Mit 23mm fällt der Treo 650 deutlich dicker aus als manche Konkurrenten, die Außenmaße sind mit 113x59mm zwar noch im vertretbaren Rahmen, eine abstehende knubbelige Außenantenne mit quadratischem Querschnitt dürfte sich heutzutage aber in einem GSM-Gerät auch ins Gehäuse integrieren lassen. Das Gerät liegt bauchig in der Hand: die Rückwand ist gewölbt ausgelegt, das Gesamtdesign erinnert entfernt an die neue 7100-Generation von Blackberries.

Anders als beim Vorgänger lässt sich der untere Teil der Rückwand des Treo 650 abnehmen, um den Akku gegebenenfalls austauschen zu können. Das sollte in der Praxis zwar nur selten vorkommen, kann sich nach langer Benutzungsdauer aber von Vorteil erweisen. Der Akkudeckel wird von einem simplen Schnappmechanismus an seiner Stelle gehalten, der auf lange Sicht zwar nicht besonders vertrauenswürdig erscheint, aber seinen Zweck recht gut erfüllt: der Deckel wackelt keinen Millimeter, lässt sich aber leicht entfernen. Zum Einsetzen einer SIM-Karte muss der Deckel im Übrigen gar nicht entfernt werden: einen entsprechenden Slot findet man am Kopf des Gehäuses, direkt hinter dem Einschub für SD-Karten bzw. SDIO-Zubehör wie Palm's WLAN-Karte.

Foto: AMB | Treo 650 Design

Display & Tastatur

Foto: AMB | Treo 650 Display / Tastatur

Das Display des Treo650 gehört zum Besten, was wir je an einem Smartphone fanden und konkurriert mit HTCs magician (besser bekannt unter T-Mobile MDA compact) und Nokias N90. Es ist extrem leuchtstark, wird völlig gleichmäßig beleuchtet und liefert saubere Kontraste und Farben, während es sich keinerlei Schwächen beim Kristallraster oder bei der Neigung des Blickwinkels leistet. Schaltet man das Gerät in den Standby-Modus – ein einziger Druck auf die rote Telefonie-Taste reicht hierfür -, wird das Display vollständig deaktiviert und nur die rot/grüne Status-LED am oberen Rand des Gehäuses erinnert im GSM-Betrieb daran, dass das Smartphone noch in Betrieb ist. Die Auflösung des Displays wurde im Vergleich zum Vorgänger Treo 600 auf 320x320 Pixel erhöht, stellt aber nach wie vor maximal 65.536 Farben dar. Einen deutlichen Mehrwert bietet das großzügig dimensionierte Display aber nicht: die meisten Applikationen, darunter auch der Kalender und die Kontaktverwaltung machen nur von der alten Auflösung (160x160 Pixel) Gebrauch und skalieren die Bildpunkte entsprechend.

Die Tastatur wirkt auf den ersten Blick winzig und man kann sich kaum vorstellen, dass es sich mit dem Treo650 komfortabel tippen lässt – das geht aber nach kurzer Eingewöhnung besser als bei vielen anderen Geräten mit QWERTZ-Tastatur.

Insbesondere gegenüber Sony Ericssons P910i gestaltet sich das Tippen von Nachrichten und Texten deutlich komfortabler, subjektiv fanden wir das Tastaturverhalten auch besser als das von Blackberries der 72er-Serie (die Geschwindigkeit des SureType-Algorithmus beim Blackberry 7100 schlägt man als Palm-Nutzer ohnehin).

Grund für die zügige Arbeitsgeschwindigkeit auf der Tastatur sind die einwandfreien Druckpunkte der Tasten, ihre stark gewölbte und grifffreundliche Formgebung und die leichte Krümmung des gesamten Tastenfeldes. Shift-, Space-, Return-, Backspace- und Funktionstasten sind dort, wo man sie auch unbewusst vermutet. Der Teil der Tastatur, der applikationsabhängig als Ziffernfeld dient, wurde in stilvollem Blaugrau hervorgehoben. Auch das Tippen von Umlauten und Ziffern oder Symbolen im Text fällt mit dem Treo650 so leicht wie bei keinem anderen System: nach dem Druck auf die dicke schwarze Funktionstaste (unten links), lassen sich die gängigsten Symbole und auch die Ziffern direkt über die Zweitbelegung der entsprechenden Tasten eingeben. Hat man einen "umlautfähigen" Buchstaben eingegeben, öffnet sich nach Druck der Alt-Taste ein entsprechendes Pulldown-Menü, in dem sich die gewünschte Schreibweise des Buchstabens auswählen lässt.

Foto: Treo 650 Tastaturbeleuchtung

Gegenüber dem Vorgänger Treo600 musste der 5-Wege-Navkey, mit dem sich das Smartphone auch einhändig bedienen lässt, zwei neuen Softkeys Platz machen – insgesamt findet man neben den obligatorischen Telefonietasten nun 4 Softkeys. Einer der beiden Neuen erinnert mit seinem Häuschen-Aufdruck an Windows-Systeme und bringt den Nutzer direkt zur Auswahl der Applikationen; der zweite öffnet das Menü der gerade aktiven Anwendung. Die beiden "alten" Softkeys lassen sich in ihrer Funktion frei belegen und führen standardmäßig zum Organizer oder zur Messaging-Funktion. Sowohl der Navkey als auch alle Softkeys verfügen über gleichmäßige und gut fühlbare Druckpunkte – lediglich die beiden neuen Softkeys sind relativ schmal ausgefallen. Die Tastaturbeleuchtung schimmert etwas unregelmäßig in hellem Blauweiß durch die dicken Kunststofftasten und lässt sowohl bei heller als auch stockfinsterer Umgebung keine Mängel an den Kontrasten der Tastenbeschriftungen erkennen; ein klarer Vorteil beispielsweise gegenüber der kontrastarmen Tastaturbeleuchtung des MDA III bzw. Nokias Communicator 9500, der nicht einmal über eine Tastenbeleuchtung verfügt.

Der Treo650 hat zwar einen Touchscreen, die Graffiti-Texteingabe – Palms Bezeichnung für das hauseigene Handschrifterkennungssystem – ist aber angesichts der QWERTZ-Tastatur nicht auf dem Gerät installiert. Im Vergleich zu Windows-Smartphones verhält sich der Touchscreen reichlich unpräzise, sodass man den Stylus für die meisten Bediensituationen getrost in seiner Führungsschiene auf dem Rücken des Geräts stecken lassen und sich auf seine Fertigkeiten mit der Fingerspitze verlassen kann. Auf der Oberseite des Treo 650 findet man eine weitere – ziemlich einzigartige Schiebetaste: mit ihr kann man das Gerät "physikalisch" stummschalten. Die linke Seite des Gehäuses weise darüber hinaus eine Tastenwippe zur Lautstärkesteuerung und einen Softkey auf, der völlig frei belegt werden kann und in der Standardeinstellung zum Musikplayer wechselt und die Wiedergabe von Sounddateien anhält oder startet.

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