Der MDA Pro bietet sowohl Triband GSM- als auch UMTS-Empfang im Dualmode-Betrieb. Dank der großzügigen Gehäusegröße scheint auch Platz für entsprechende Antennen gewesen zu sein, die Empfangsleistung zeigte bei unserem Testgerät keine Abstriche gegenüber üblichen GSM-Handys bei gleichem Aufenthaltsort. Allerdings sollte man beachten, dass der UMTS-Empfang wie bei allen bisher getesteten Geräten zumeist deutlich schwächer ausfällt als die GSM-Leistung. Erfreulicherweise gibt es einen "echten" Flugzeugmodus, mit dem der Nutzer nicht nur jegliche Mobilfunkverbindung deaktivieren, sondern auch richtig Strom sparen kann.
Abgesehen davon, dass der PocketPC mit Abstand zu schwer in der Hand und zu unbequem am Ohr liegt, um für längere Gespräche nutzbar zu sein, gehört die Sprachqualität nicht gerade zur Creme de la Creme unter den bislang getesteten Geräten. Zugutehalten muss man dem Gerät, dass es trotz der Steuerung der Telefonfunktionen durchs Betriebssystem eine Gesprächsleitung permanent aufrechterhalten kann. Kurzzeitige Stimmenverfälschungen oder Knackser gehören zur absoluten Ausnahme im Klangbild des MDA Pro. Der Gesprächpartner kommt etwas dumpf, aber in der Stimmlage unverfälscht aus den kleinen Lautsprechern auf Gehäusedeckelinnen- und außenseite. Schaltet man die Freisprecheinrichtung ein, wird die Sprachausgabe auf die beiden Stereolautsprecher umgeleitet.
Hier ist die Sprachwiedergabe abgesehen von der ordentlich und laut, lediglich das Mikrofon verbietet beinahe das Freisprechen mit dem Gerät. Alternativ kann man das mitgelieferte Kabelheadset mit Anschluss am Klinkenstecker nutzen, was die Gesprächsqualität hörbar verbessert. Die Ohrstöpsel des Headsets sind ergonomisch geformt und sitzen fest im Gehörgang, machen optisch aber wenig her. Zur zusätzlichen Verbesserung der Sprachqualität ist in Windows Mobile 5.0 wieder das Feature Microphone AGC integriert, das die Lautstärke des Klangbildes glätten soll, um im Extremfall Gehörschäden vorzubeugen. Bemerkbar macht sich der Unterschied im Alltag allerdings nicht.
Die 520MHz des Prozessors sowie der schnelle WLAN-Port und die (noch) liberale Politik der Netzbetreiber bezüglich des Netzverkehrs, reichen aus, um auf dem MDA Pro die VoIP-Software Skype zu nutzen. Ein entsprechender Client steht bereits seit längerem im Netz zum kostenlosen Download bereit und wird mit Hilfe von ActiveSync installiert. Ist ein Hotspot in der Nähe, kann man bequem per WLAN mit seinen Skype-Kontakten chatten und telefonieren - die Sprachqualität ist in diesem Fall einzigartig gut, bescheinigte uns unser Gegenüber.
Bei der Auswahl von Kontakten steht im bordeigenen Adressbuch ein "Smart Dialing"-Feature bereit, das sowohl in den SIM- wie auch in den Telefonkontakten nach Einträgen sucht, die auf die Sucheingaben des Nutzers passen. Bei der Suche nach einem Kontakt werden sowohl die eigentliche Nummer als auch die entsprechenden Buchstabenkombinationen an jeglicher Stelle innerhalb der Namen genutzt.
1620mAh Akkukapazität sind ein weiteres Mal referenzverdächtig - alleine die Größe des Lithium-Ionen Polymer-Akkus lässt zunächst vermuten, dass es der HTC Universal zu vernünftigen Akkulaufzeiten bringen kann. Wie so oft, muss man sich in der Praxis für einen Kompromiss entscheiden: wenn man alle Connectivity-Lösungen aktiviert und regelmäßig Kamera und Medienplayer nutzt, können die Milli-Amperes schnell ihre Lebensgeister aushauchen. Schaltet man alles ab und lässt den MDA Pro in der Schublade liegen, schafft es das Gerät auf bis zu 8 Tage Standby-Zeit, bei aktiviertem GSM/UMTS-Modul locker auf drei Tage.
Doch selbst bei "normaler" Nutzung von WLAN, Bluetooth und Organizer-Funktionen schmilzt der Energievorrat schnell dahin: der größte Stromfresser dürfte das im Vergleich zu anderen Smartphones riesige Display und der rechenintensive Kameramodus sein. Ist das Display permanent eingeschaltet, hält der Akku bei Standardeinstellungen ca. 6 Stunden.
Hier greift eine Neuerung des 5.0er-Systems, das von vielen als die Neuerung überhaupt in Windows Mobile wahrgenommen wird: dank der aus der XP embedded-Schiene übernommenen „Persistant Storage“-Funktion verliert das System auch dann nicht sein Gedächtnis (und alle Kontakte, persönlichen Dokumente und Nachrichten), wenn der Akku komplett entleert wurde. Wir haben diese Hibernationsfunktion getestet und unsere Daten behalten. Doch ganz so sicher wie im Produktdatenblatt scheint sich selbst Microsoft nicht zu sein: Geht der Akkustand seinem Ende entgegen, wird man vorher mit über 20 Benachrichtigungen gewarnt, dass man möglichem Datenverlust entgegensieht.
Technisch ist der MDA Pro/HTC Universal ein wahrlich faszinierendes Gerät, aber Größe und Gewicht liegen schwer in Jackentaschen und der Waagschale jeder Entscheidungsfindung. Wer ernsthaft erwägt, sich dieses Gerät oder einen der vielen baugleichen Konkurrenten zuzulegen, sollte dreimal darüber nachdenken, auf welches Schwergewicht er sich einlässt. Ehemaligen MDA II- oder III-Kunden dürften Optik und Masse des Ausstattungswunders weniger zu denken geben. Der MDA Pro schafft es, insbesondere mit souveräner Office-Funktionalität und seinem gewaltigen Display zu überzeugen. Dabei ist er immer noch mangels vollwertiger Office-Funktionalität und Tastaturbedienbarkeit einem Nokia Communicator unterlegen. Anders sieht es aus, wenn man auf die Unabhängigkeit Wert legt, die einem UMTS bietet: hier steht der MDA Pro noch ziemlich alleine im Zoo der Highspeed-Smartphones mit QWERTZ-Tastatur.
Auch wenn Windows Mobile 5.0 viele Neuerungen zeigt, ist noch eine ganze Menge Arbeit am Betriebssystem von Nöten. Die Stärken wurden ausgebaut: Synchronisations- und Organizerfunktionen wurden weiter verbessert und gehören nach wie vor zum Besten, was heutige Smartphones zu bieten haben. Der nicht vorhandene MSN Messenger ist eine der Grauzonen bei der neuen Applikationswahl, dafür funktioniert die Konkurrenzlösung Skype einwandfrei - ob Microsoft das so geplant hat, darf bezweifelt werden. Insbesondere die gefährlich langsamen Reaktionen nach einem Displaydreh weisen auf den immensen Ressourcenhunger des Systems hin, den Palm, Symbian und Linux im Durchschnitt deutlich souveräner in den Griff bekommen.
Die vermeintlich größte Stärke des MDA Pro ist sein VGA Display. Jegliche Dokumente sind auf dem riesigen Display natürlich viel bequemer zu begutachten als auf den meisten anderen Smartphones - doch in der Praxis bewährt sich das nicht spürbar besser als bei Geräten, die nur ein Viertel der Displayfläche bieten. Auf keinen Fall sollte man der Illusion verfallen, auf dem MDA Pro komplette Dokumente verfassen und so sein Notebook abschaffen zu können: Das Handling ist trotz der Gehäusemaße hierfür auf Dauer bei weitem nicht ausreichend. Bleibt zu sagen: Flexibler als mit dem MDA Pro kann man heute nicht unterwegs sein. Ob das den Preis und den Telefonzellencharakter rechtfertigt, muss die Mobilfunk-Strategie des eigenen Unternehmens bzw. des Geldbeutels bestimmen - derzeit kostet das Gerät bei T-Mobile €430,99 ohne MwSt. mit Vertragsbindung.
Stefan Adolf und Gregor Herdmann
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| 21.12. | HTC Athena - darfs noch ein bisschen mehr sein? |