Im Falle unseres vom österreichischen Netzbetreiber 3 Austria freundlicherweise zur Verfügung gestellten N70 von Nokia fiel der Lieferumfang erfreulich umfangreich aus. Neben dem N70 samt BL-5c-Akku mit 970mAh Kapazität fanden wir auch ein Ladegerät der neuesten Generation in der Schachtel: Nokia hat den Stromanschluss am Handy drastisch verkleinert, sodass ältere Ladegeräte sich nicht mehr am N70 betreiben lassen. Nokia liefert aus diesem Grund ein kurzes Adapterkabel mit, mit dem sich ein vorhandenes altes Ladegerät weiterverwenden lässt. Neben einer CD-ROM samt PC Suite in der neusten Version fanden wir auch ein USB-Datenkabel, das sich leider nur wackelig am POP-Port befestigen lässt und von Zeit zu Zeit für unterbrochene Verbindungen sorgte.
Ein Displayreinigungstuch aus Kunstfasern und eine lederne Halteschlaufe mit Fingerpolsterung und leichteinzufädelndem Ösenbändchen komplettieren das Lifestyle-Zubehör. Als alltagtstauglich erwies sich auch das kabelgebundene Headset, auf das man mangels 3,5"-Klinkenbuchse fürs Radio- und MP3-Hören angewiesen ist, wenn man nicht auf ausweichen will. Die Kabelstränge der Stereokopfhörer lassen sich über einen kleinen Plastikstecker zusammenbinden, damit sich die Kabel nicht so leicht verheddern. Besonders umfangreich fällt die mitgelieferte Anleitung in Form von mehreren kleinen Booklets aus, von denen alleine der Hauptteil auf über 150 Seiten ausführlich auf alle wichtigen integrierten Funktionen und Softwarebeigaben des N70 eingeht.
Ansprechender als im N70 lässt sich ein Smartphone-Betriebssystem wohl kaum in einem Barrengehäuse verpacken. Sowohl bei der Materialwahl als auch bei der designtechnischen Anordnung aller funktionalen Komponenten setzt Nokia neue Maßstäbe und wirft vieles wieder über den Haufen, was man von älteren S60-Modellen kannte. Viele Details lassen sich schon auf den ersten Blick erkennen: ein aufgeräumtes und ineinander überfließendes Tastaturfeld, ein nicht verloren wirkendes großflächiges Display, ein dicker Chromrahmen um die nach innen gerichtete Videotelefoniekamera und der gewölbte Schiebemechanismus, der die 2-Megapixelkamera auf der Rückseite verdeckt, sind nur einige Highlights des Formfaktors, den die Finnen für den kleinsten Vertreter ihrer Highend-Linie N-Series wählen. Die Frontverschalung besteht aus gebürstetem rostfreien Stahl, der mit Sicherheit Einfluss aufs Gewicht des Nokia N70 nimmt. Dabei liegt das Gerät angesichts der 126 Gramm Gewicht gar nicht schwer in der Hand. Ganz im Gegenteil: im Vergleich zum Frühjahrsmodell 6680, das dem N70 äußerst ähnlich sieht und den gleichen Formfaktor propagiert, wirkt das N70 deutlich integrierter und durchdachter.
Doch kann sich Nokia noch immer nicht von seinem Image befreien, die knarzigsten Gehäuse mit der billigsten Verarbeitung zu produzieren. Angefangen von den ungleichmäßig großen Spaltmaßen zwischen Stahl- und Plastikverkleidung über den gedankenverloren ausgestochenen und mit einem am Gehäuse befestigten Plastikdeckel verdeckten Schacht für die Speicherkarte bis zum klappernden Kameraschieber auf der Rückseite bekleckert sich Nokia nicht gerade mit Ruhm, wenn sie noch im Sommer behaupteten, mit der N-Series neue Maßstäbe bei der Verarbeitung setzen zu wollen. Der Akkudeckel besteht aus dünnem Kunststoff und wird über die Gehäuserückseite gesteckt, was aufgrund des Schiebemechanismus nicht gerade einfach gelingen will. Dafür sitzt er anschließend fest an seinem Platz. Der Schieber ist auch für das minimale, aber deutliche Knarzen verantwortlich, das das N70 bei festerem Druck vernehmen lässt.
Ein schickes Designelement und in der Praxis auch gut zu gebrauchen, ist der Helligkeitssensor am Kopf des Handys, der in erster Linie für die Regulierung von Displayhelligkeit und Tastaturbeleuchtung verantwortlich ist. Das Innenleben wirkt aufgeräumt und nach industriellen Maßstäben sauber verarbeitet. Der Standard-Akku sitzt fest an seinem Platz. Beim SIM-Kartenhalter setzen die Finnen auf eine scharfkantige Aluklappe, die die Karte relativ fest an ihrem Platz hält. Direkt aus dem Innenraum lässt sich auf die eingeschobene Speicherkarte blicken, die über ein Lochgräting an ihrem Platz gehalten wird und sich nur mit viel Feingefühl in der Fingerspitze aus ihrer Halterung entnehmen lässt.
Das N70 wird neben dem im Frühjahr erwarteten N91 als letztes Modell über das traditionelle S60-Display mit 176x208 Pixeln Auflösung und 262.144 Farben verfügen, das auch schon beim 6680 oder 3230 zum Einsatz kam. Da sich das Betriebssystem allmählich weiterentwickelt hat, kommt schon in der Nachfolgelinie der N-Series jedes einzelne Gerät mit deutlich höherer Auflösung daher. Doch das Display hat sich bewährt. Das deutlich sichtbare Pixelraster überspielt das auf dem N70 installierte S60-System teilweise mit kantengeglätteten Symbolen. Die Brillianz reicht nicht an Multimedia-Phones wie Sony Ericssons K750i oder W900i heran. Dank im System verankerter professioneller Skalierungsmethoden wirken Bilder auf dem N70 dafür ausgesprochen brilliant, scharf und farbenfroh. Eine der obersten Prämissen beim finnischen Handybau: eine Tastatur muss als Plastikmatte gefertigt sein! Von diesem Evangelismus befreit sich Nokia auch nicht beim N70 und so sind die Tasten der Haupttastatur allesamt etwas wackelig und flexibel. Bei der Bedienung ist das alles andere als störend, da die Finger so leicht von einer Taste zur anderen gleiten können.
Beim ersten Tippen einer SMS dürfte aber schnell der große Nachteil der N70-Tastatur auffallen: die Tasten sind äußerst klein - man ist geneigt, das Adjektiv mickrig zu verwenden - ausgefallen. Wer sich an die Bedienung eines ähnlich filligranen Geräts gewöhnt hat, kommt vielleicht damit klar, Menschen mit großen Fingern werden sich aber schon nach wenigen Stunden über die Tastatur ärgern. Die Druckpunkte aller Tasten sind gleichmäßig weich ausgefallen und verfügen über einen sehr kurzen Tastenhub. Gleiches gilt auch für den 5-Wege-Navkey mit Bestätigungstaste, die leicht konturiert im Zentrum des Steuerinstruments thront und sich gut erfühlen lässt. Die S60-üblichen Funktionstasten sind geradezu lächerlich klein ausgefallen, was insbesondere bei der häufig gebrauchten Menütaste ein echtes Manko darstellt. Dem S60-Kenner fällt sofort auf, dass das N70 neben den üblichen S60-Steuertasten (C, ABC, Menü, Telefonietasten und zwei Softkeys) über eine weitere Spezialtaste verfügt, die vom Nutzer völlig frei belegt werden kann. Je nach Anwendungshäufigkeit lässt sich hier zum Beispiel die Galerie, der Organizer, der Browser oder das Verbindungs-Untermenü hinterlegen.
Eine weitere Taste findet man auf dem Kopf des N70: direkt unter dem Ausgang für den Aktivlautsprecher findet man hier einen ins Gehäuse eingelassenen Power-Button, der bei laufendem System das Profilmenü zur Anpassung von Klingeltönen und Klingellautstärke aktiviert. Zunächst überlegt man kurz, wofür die unbeschriftete, etwas verloren aussehende Taste am rechten Rand des Geräts gut sein könnte. Sie dient natürlich dem Auslösen der Kamera, wenn man das Gerät zur Aufnahme eines Fotos horizontal hält.
Bei der Bedienung fällt schnell auf, dass runde Gehäuseformen zwar optisch mehr hermachen als die kantigen Barren von Siemens/BenQ oder Sony Ericsson, aber nicht besonders praktikabel zu bedienen sind - das Handy rutscht bei der einhändigen Bedienung in der Hand hin und her - Samsungs gummierte Softtouch-Oberflächen sind mit Abstand griffiger als Stahl und Plastik.
Und noch einen Kritikpunkt haben wir gefunden: eine Tastenwippe zur komfortablen Regulierung der Lautstärke fehlt dem N70. Während eines Gesprächs ist man so darauf angewiesen, blind auf dem kleinen Navkey herumzudrücken und zu hoffen, dass sich der gewünschte Effekt einstellt - besonders professionell ist das nicht für ein smartes Phone. Die blaue Tastaturbeleuchtung fällt halbwegs gleichmäßig aus und leuchtet kräftig durch die transparente Tastenbeschriftung. Bei mittelmäßigem Tageslicht verschwimmen leicht die Kontraste, was die Ablesbarkeit beeinträchtigt, daher sorgt ein Helligkeitssensor dafür, dass die Beleuchtung nur bei Dunkelheit aktiviert wird - er reguliert auch die Helligkeit des Displays, das im Dunkeln etwas weniger hell leuchtet als im Hellen, um die Augen des Nutzers zu schonen.
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