Wer seine Musik gerne mit sich herumträgt, ist bislang in der Regel auf MP3-Player mit USB-Anschluss oder den legendären iPod von Apple angewiesen. Die Mobiltelefonhersteller erkannten jedoch vor etwas weniger als einem Jahr den Sinn, auch leistungsfähige Musikfunktionalität in ihre Handys zu integrieren. Samsungs SGH-i300 ist das erste auf dem deutschen Markt erhältliche Modell, das seine Daten auf einer integrierten Festplatte speichern kann und damit potenziell stabileren und einfacher zu übertragenden Sound verspricht.
Schon der Lieferumfang bezeugt die beachtliche Leistungsfähigkeit des Geräts, denn gespart hat Samsung hier nicht. Neben dem Gerät und dem obligatorischen Ladekabel (uns stand eine die UK-Version zur Verfügung) liegt eine Docking-Station samt Datenkabel und ein gesondertes USB-Datenkabel in der Schachtel. Wer sich nicht für die Anschaffung eines drahtlosen Bluetooth-Stereo-Headsets begeistern kann, findet ein formschönes Stereo-Headset mit Kabeln im Karton sowie einen Kabeladapter mit 3,5"-Klinkenanschluss. Auch wenn das i300 mit Sicherheit zu den Schwergewichten heutiger Handytechnik zählt, lässt Samsung auch eine Trageschlaufe nicht vermissen und angesichts der ressourcenfressenden Funktionen im Gerät werden gleich zwei Akkus verschiedener Bauhöhe beigelegt, von denen der größere 1000mAh Kapazität aufweist. Zwei CDs beinhalten die Software, mit der man das i300 am PC betreiben kann, darunter auch eine freie Version von Microsofts Outlook 2002 und Active Sync in der Version 3.8 sowie viele AddOns zum Aufspielen aufs Gerät. Die zweite CD beinhaltet die Dokumnentation zum Gerät - auf eine gedruckte Fassung muss man abgesehen von einem 5-seitigen Quickstart-Guide verzichten.
Das Samsung SGH-i300 ist mit 113 mm Höhe, 48 mm Breite und 20 mm Tiefe etwas kleiner als sein Festplatten-Konkurrent Nokia N91 (113x55x22 mm) bzw. das Smartphone SDA II (HTC Tornado) von T-Mobile. Die integrierte Festplattentechnologie rechtfertigt das vergleichsweise hohe Gewicht von 121 Gramm (130 Gramm mit Power-Akku). Man ist dankbar dafür, dass Samsung beim Formfaktor keine Experimente eingeht: das geradlinige Barrenhandy fühlt sich ähnlich komfortabel an wie ein "normales" Handy ala K750i – man sieht dem i300 nicht sofort an, dass es sich sowohl als MP3-Player wie auch als smartes Business-Phone im Alltag bewährt, obwohl es durchaus "erwachsenere" Züge trägt als die verspielten Einsteiger-Barren. Die Frontseite des i300 wirkt äußerst aufgeräumt und symmetrisch und leistet sich keine ästetischen Makel.
Die Verarbeitung des i300 ist ausgesprochen robust und knarzfrei, wenn auch nicht ohne Mängel: unserem Testmuster sahen wir die Herkunft aus der Massenfertigung anhand fühlbarer Grate im unteren Gehäusebereich an, die sich in der Praxis aber nicht weiter störend bemerkbar machen. Das Profil des i300 ist leicht rautenförmig angeschrägt, die Kanten und Ecken wurden allesamt sanft abgerundet. Man fühlt dem hochwertigen Kunststoff und der vielsagenden Schwere des Geräts an, dass eine Menge Funktionen im Innern schlummern. Die auf der Rückseite in Erscheinung tretenden seitlichen Stereo-Lautsprechergrätings und die prominent im oberen Drittel platzierte Kameralinse mit wuchtigem Chromsaum sowie die von vielen Tasten bevölkerten Seiten des i300 unterstreichen den Eindruck eines vollwertig ausgerüsteten Multimedia-Smartphones.
Das Material wirkt kratzfest und langlebig, was man auch von dem aus durchsichtigem Kunststoff bestehenden Tastenfeld behaupten kann. Der Akku bildet in Samsung-typischer Bauweise die Hälfte des Rückenbereichs des i300 und sitzt dank eines Schnappmechanismus' bombenfest an seinem Platz. Um eindringende Staubkörnchen muss man sich auch sonst kaum Gedanken machen: alle Anschlüsse sind mit direkt am Gerät verbundenen Verschlussteilen von der Außenwelt abgeschottet. Der zweite mitgelieferte Akku fasst zwar deutlich mehr Kapazität als der Standardakku des i300, macht das Gerät aber auch deutlich dicker und schwerer. Für Lanyards oder Anhängsel wurde eine gut zugängliche und leicht einzufädelnde Öse am Kopf des Gehäuses vorgesehen.
Als Display kommt eine 240x320 Pixel große TFT-Komponente zum Einsatz, die sich nicht vor aktuellen Multimedia-Handys wie dem D800 oder X700 von Samsung verstecken muss. An Farbumfang mangelt es dem Display ebenfalls nicht: 262.144 Farben lassen sich laut Samsung auf dem Display darstellen, das System wird davon allenfalls 65.536 Farben nutzen können. Fotos und Videos wirken brilliant auf dem i300, die Menüschriftarten und Symbole werden durchgehend kantengeglättet und sind dank dicker Systemschriftart sehr gut ablesbar. Nokias neue Multimedia-Smartphones der N-Series dürften das Display allerdings übertreffen – wobei sich ein Vergleich mit dem noch nicht erhältlichen Konkurrenten N91 derzeit verbietet. Im Menü "Energieverwaltung" lassen sich individuelle Einstellungen bei der Beleuchtungsdauer des Displays vornehmen und die Helligkeitsintensität in 5 Stufen regeln.
Viele Hersteller versuchen sich derzeit daran, ihren Kunden den iPod im Handy näher zu bringen, doch erst Samsung verbaut eine zentrale Komponente, die die richtige Stimmung aufkommen lässt. Das kleine Steuerrädchen im Zentrum des Tastenfelds dient sowohl als 5-Wege-Navkey mit Bestätigungstaste als auch als JogDial fürs schnelle Menüscrolling und zum Spulen in laufenden Musiktiteln. Leider ist dieses Steuerelement das mit Abstand am schlechtesten verarbeitete im gesamten Handy.
Es ist zwar äußerst leichtgängig und ein kleiner Vorsprung sorgt für die nötige Griffigkeit, doch wirkt das ganze in der Praxis eher wackelig und unpräzise und fällt mangels Raumangebot generell zu klein und fummelig aus, um mit dem großen Touchpad-Ring eines iPod ernsthaft konkurrieren zu können. Bei unserer Version wurde auf eine Taste, die direkt ins Portal des Netzbetreibers führt, verzichtet und man kann davon ausgehen, dass es zum Dank der Usability auch bei den meisten deutschen Betreibern so ausgeliefert werden wird.
Mit zwei Softkeys steuert man Kontextmenüs und Programmfunktionen an, darunter findet man die obligatorischen Home- und Zurücktasten des Windows-Systems. Die leicht angeschrägten, transparenten Zifferntasten sind vergleichsweise klein ausgefallen, verfügen aber gute, kurze Druckpunkte, sodass Vertipper selten vorgkommen. Das Tastaturlicht leuchtet durchs gesamte Tastenfeld und beleuchtet die Beschriftungen und Konturen des Navkeys in hellem, scharfkantigem Weiß.
Die Seiten des i300 bieten eine geradezu verwirrende Vielfalt an Interaktionsmöglichkeiten. Eine Tastenwippe auf der linken Seite steuert primär die Lautstärke von Musikfiles oder hilft beim Scrollen durchs Menü. Direkt über der Wippe findet man einen Shortcut, der den Media-Player bzw. die Wiedergabe des aktuellen Playlist-Titels startet. Eine dritte Taste aktiviert die mittlerweile fast schon zu Samsungs Standard-Reportoire gehörende Sprachsteuerung bzw. Sprachwahl.
Mit Hilfe des obersten Buttons auf der rechten Seite aktiviert man das Menü für Situationsprofile, kann Tasten- oder Gerätesperre festsetzen, das Telefon abschalten oder in den Flugzeugmodus wechseln, um Strom zu sparen oder das Nörgeln der Stewardessen zu beenden. Die Tastatursperre hat sich in der Praxis als recht nützlich erwiesen, da sich bereits bei der kleinsten Berührung des Jog-Dials das stromintensive Hintergrundlicht des i300 aktiviert. Die Kamerataste wurde bewusst im unteren Drittel des Gehäuses angesiedelt, sodass sich Fotos auch bequem quer aufnehmen lassen. Zwei LEDs neben dem Telefonlautsprecher weisen auf unterschiedliche Betriebszustände hin wie neue Nachrichten, GSM-Aktivität oder angeschaltete Bluetooth-Connectivity.
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