Die Empfangsleistung des i300 ist vergleichsweise schwach: oft standen wir trotz D-Netz SIM nur mit einem oder zwei Empfangsbalken auf der Straße. Dennoch lassen sich in den meisten Fällen noch Gespräche führen oder SMS empfangen. Die Sprachqualität ist trotz nicht vorhandener direkt einstellbarer Mikrofonoptionen oder Voice Clarity-Funkionen für ein Windows-Smartphone überdurchschnittlich gut, insbesondere der Rauschfilter beeindruckte uns in vielen unserer Gespräche. Ist die Verbindung zum Gesprächspartner generell etwas leise, muss man die Kopfhörerlautstärke aufs Maximum regeln; hier fiel uns in den meisten Fällen ein deutliches statisches Grundrauschen auf, das sich bei normaler Lautstärke aber nicht bemerkbar macht. Ärgerlich: eine Freisprechfunktion kennt das SGH-i300 trotz großer Lautsprecherausgänge und überaus guter Dynamikleistung nicht.
Für Homezone-Nutzer dürfte das i300 in der Softwareversion, die uns zur Verfügung gestanden hat, eine ärgerliche Nebenwirkung haben: es kann nicht das Homezone-Häuschen darstellen, empfängt aber die Broadcast-Message, die die Homezone-Zelle automatisch ans Handy sendet, um das Häuschen auf anderen Geräten zu aktivieren. In der Praxis erhält man stets eine Broadcast-Message, wenn man in seine Homezone wechselt, was auf Dauer ziemlich nervig werden kann.
Die Festplatte fordert ihren Tribut vom Akku, was auch erklärt, warum Samsung dem SGH-i300 einen zweiten Power-Akku mit mit 1000 mAh Kapazität auf den Weg gibt. Nutzt man den optisch deutlich passenderen "normalen" Akku zum Betrieb des Geräts, kann man sich darauf einstellen, das i300 auch bei nur mäßiger Nutzung täglich ans Netz hängen zu müssen. Samsung orientiert sich in seinem Datenblatt an der Realität und bescheinigt dem i300 bei normalem Gebrauch lediglich eine Standby-Zeit von 150 Stunden sowie Dauergespräche mit 2,5 Stunden Länge. Ganz besonders zu empfehlen ist die Nutzung des Flugzeugmodus, wenn man den MP3-Player samt Festplatte über einen längeren Zeitraum nutzen möchte. Ist der GSM-Teil zusammen mit Bluetooth und der Festplatte aktiv, fällt die Betriebszeit des i300 auf unter einen Tag. Gut, dass Samsung eine Docking-Station mitliefert, in der man das i300 am Abend ablegen und aufladen kann. top
Eine 3GB Festplatte in einem Telefon ohne Kabel – hätte man das i300 einem IT-Spezialisten Mitte der 80er Jahre gezeigt, wäre man sicherlich als potenzieller Außerirdischer in ein Lager des CIA eingewiesen worden. Und Samsung landet mit dem Musik-Handy auch als erster im Ziel, auf das viele Hersteller bereits seit langem hinarbeiten; obwohl Konkurrent Nokia der erste Hersteller war, der ein Festplattenhandy – das N91 – vorstellte, schafft Samsung es als erster, sein Modell in den Handel zu bringen. Und über ein Gigabyte mehr oder weniger kommt es am Ende auch nicht an: die 10GB-Modelle liegen laut Cornice nämlich schon im Bereich des Machbaren.
Doch ist das i300 nicht mehr als ein Prestigemodell: einen hohen Lifestyle-Anspruch erfüllt das Gerät nämlich nicht. Zu zusammengewürfelt erscheinen die Menüs, zu pragmatisch das Design und zu erbärmlich die Betriebszeiten. Für Early Adopters, also Kunden mit der nötigen Begeisterungsfähigkeit und dem nötigen Kleingeld (Samsung nennt einen unverbindlichen Verkaufspreis von €679,- !), ist das Gerät aber ein gefundenes Fressen: abgesehen von mobilem TV-Empfang oder Breitband-Connectivity ist alles enthalten, was man sich von einem Musikhandy der obersten Liga wünschen kann. Dank Understatement-behaftetem Smartphone-Betriebssystem werden auch die Ansprüche von Business-Nutzern befriedigt, auch wenn alle PIM-Applikationen wie immer blass und farbarm daherkommen; dafür klappt dank ActiveSync die Synchronisation mit dem lokalen Outlook perfekt. Konkurrenzmodelle wie Nokias N91, Motorolas ROKR-Serie oder Sony Ericssons W950i werden Samsung schon bald einen Nachfolger abverlangen.
Stefan Adolf & Bastian Albert
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