Empfangstechnisch ließ uns das V3x trotz seiner geringen Abmessungen und permanentem Roaming-Betrieb nie im Stich. Wir telefonierten zumeist im Vodafone-Netz und fielen in seltenen Fällen auch ins 1800er-Netz von E-Plus zurück. Die Balkenanzeige bescheinigte uns im Regelfall stets 3G-Connectivity im oberen Drittel des Möglichen, alleine durch "Handauflegen" lässt sich die empfindliche Hochfrequenzantenne aber auch zum vollständigen Abbruch der Verbindung bewegen.
Die Sprachqualität des V3x ist mittelmäßig: unsere Gesprächspartner klangen stets etwas metallisch. Dafür entspricht die Stimmhöhe der Realität und ein Rauschfilter entfernt souverän Hintergrundgeräusche. Bei Bedarf kann die Sprachausgabe auf den Aktivlautsprecher gelenkt werden, sodass sich Gespräche auch führen lassen, ohne das Gerät ans Ohr halten zu müssen. Die Sprachausgabe ist bei mittlerer Lautstärke knister- und knacksfrei, problematisch wird's erst bei höheren Aussteuerungen. Das integrierte Mikrofon ist empfindlich genug, um Gespräche in bis zu 0,5m vom Gerät bequem führen zu können, was sich auch bei Videotelefonaten bezahlt macht – als Ersatz für eine Kfz-Freisprecheinrichtung oder ein entsprechendes Bluetooth-Headset reicht das allerdings nicht.
Für Videotelefonie ist das V3x hingegen bestens gerüstet. Wir testeten das UMTS-only Feature im Vodafone-Netz mit einem Sony Ericsson W900i, einem Nokia N70 und einem Motorola V1050 und stellten die selbe Qualität fest wie in allen vorherigen Tests. Sprache kommt etwa mit einer Sekunde Zeitverzögerung beim Gegenüber an. Die Sprachqualität der über den Lautsprecher ausgegbenen Konversation leidet kaum unter der gleichzeitigen Übertragung des Videosignals. Etwa alle 10 Sekunden führt ein Synchronisationsvorgang dazu, dass das Bewegtbild stark zerreißt, um sich kurz darauf wieder zu einem flüssigen Bild zusammenzusetzen. Der Videotelefonie-Client des V3x ermöglicht die Stummschaltung und das Abschalten des eigenen Bildes - ggf. kann hier ein alternatives Anzeigebild festgelegt werden. Neben der Innenkameraansicht lässt sich auch das Bild der 2-Megapixelkamera in QCIF-Auflösung zum Gesprächspartner übertragen.
850mAh sorgen im V3x für ausreichende Stromzufuhr. Mit dem erstaunlich kleinen Standardakku kann man das Gerät auch im UMTS-Netz in der Praxis bei mäßiger Nutzung etwa 3 Tage lang verwenden. Nutzt man das verführerische Multimedia-Angebot der Netzbetreiber intensiv, sollte man stets das Ladegerät bei sich führen, denn mehrere Videodownloads und minutenlanges Surfen können die Reserven schnell um ein Drittel reduzieren.
Zu allem Überfluss ist die Akkustandsanzeige alles andere als aussagekräftig: sie zeigt mit lediglich drei Balken an, wie viel Reststrom noch im Akku steckt und steht bereits nach einem kurzen Anschließen des Ladegeräts fälschlicherweise wieder auf voller Stärke. Will man das Telefon für längere Zeit in erster Linie zum Musikhören verwenden, bietet sich die Nutzung des integrierten Flugzeugmodus an, der bei Bedarf gleich nach dem Einschalten des Handys aktiviert werden kann. Auch bei Videotelefonaten und Bluetooth-Verbindungen sollte man auf die Stromreserven acht geben: erstes Anzeichen für die vorschnelle Entleerung der Batterie ist eine deutliche Erwärmung des Tastenfelds, wie wir sie auch bei vielen anderen Handys vorfanden. Für eine vollständige Ladung benötigt das mitgelieferte Netzteil etwa 3 Stunden. Der Ladevorgang wird von einem äußerst coolen pulsierenden blauen Leuchten der breiten LED am "Kinn" des V3x untermalt - diese leuchtet im Übrigen auch bei Bluetooth-Aktivität. top
Eine (mehr oder weniger) unabhängige Jury wählte das RAZR V3x auf dem 3GSM World-Congress zum besten 3G-Handy der Saison. Eine Entscheidung, die wir nicht uneingeschränkt teilen wollen. Das Gerät ist insbesondere für Freunde von Motorola unverwechselbarem RAZR-Design ein interessantes und professionelles UMTS-Handy, das kompromisslos gut verarbeitet wurde und trotz ultraflacher Tastatur hohen Komfort bei der Bedienung bietet. Die Konkurrenz hat die lange Zeit von der Ankündigung des V3x bis zum ersten Erscheinen im Dezember 05 aber genutzt: Samsung, Siemens, LG und NEC haben vergleichbare Modelle im Angebot – Marktführer Nokia macht sich ohnehin nicht viel aus dem "Ultraslim"-Design und wirft Geräte mit Ausstattungen ins Rennen, die das V3x mittlerweile reichlich alt aussehen lassen. Anfang März 2006 gibt es allerdings immer noch nur wenige verkaufsfertige Alternativen auf dem Markt, die einen konkurrenzfähigen Formfaktor aufweisen würden. Gute Bluetooth-Connectivity, abzugsreife Fotoqualität und souveräne Ausnutzung der 3G-Ressourcen sind die Stärken des V3x. Schwächen leistet sich Motorolas UMTS-RAZR nur im PIM- und Applikationsbereich, den ohnehin nicht jeder Nutzer ausreizen kann/wird. Begeistern konnten wir uns auch nach einiger Eingewöhnung vom Menüsystem des V3x, das schnell auf Nutzereingaben reagiert und sich zumindest im Rahmen der alltäglichen Nutzung intuitiv bedienen lässt.
Stefan Adolf
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