Wir erinnern uns. Seit über zwei Jahren bastelt Motorola schon in Kooperation mit Apple an einem Handy mit Support für den beliebten Musikdienst iTunes. Die Ergebnisse der Arbeit sind nach wie vor eher mager: vier Endgeräte sind bislang erschienen, die den Standard in Form eines speziellen Clients auf dem Handy beherrschen. Nur zwei davon (das ROKR E1 und das E770v) sind hierzulande erhältlich und das Interesse der Nutzer eher verhalten, sobald man auf die technischen Daten schaut.
kündigte Motorola einen Nachfolger für das mittlerweile in die Jahre gekommene Basismodell E398 an: das ROKR E2 basierte auf keinem bis dato veröffentlichten Gerät und wird mit neuer Linux-Oberfläche daher-, aber ohne entsprechenden iTunes-Client auskommen. Ein Erscheinungstermin für das featuremäßig spannende Gerät ist noch nicht bekannt und die Konkurrenz schläft nicht. Sony Ericsson legt mittlerweile mit seiner Walkman-Reihe die Messlatte für Musikhandys gehörig hoch an, Samsung und Nokia starten derzeit anspruchsvolle Endgeräte mit integrierten Festplatten, BenQ-Siemens und LG Electronics setzen mit interessanten Designs und designierten MP3-Handys Akzente. Zeit für die ambitionierte amerikanische Handy-Schmiede, einen würdigen Nachfolger zu bestimmen.
Anfang März gab es erstmals Fotos eines Geräts im Web zu sehen, die auf den Fortschritt des ROKR-Projekts schließen ließen. Der deutsche Importeur Mobile-gadgets.net hat uns nun die Möglichkeit gegeben, exklusiv ein paar Stunden mit dem neuesten Wurf der Motorola-Designer zu verbringen, sodass wir uns einen ersten Eindruck von dem Gerät verschaffen konnten. Allen Beteiligten war klar, dass es sich hierbei allenfalls um einen kaum funktionalen Prototypen handelte, da Motorola längst noch kein offizielles Statement über einen Neuzugang ihrer ROKR-Reihe abgegeben hat. Das spannendste, über das wir an dieser Stelle berichten können, ist daher das Design - die Software bedarf mit Sicherheit noch der Überholung. Auch der Name ist natürlich nicht offiziell. Wir nennen das Gerät im Folgenden der Einfachheit halber "E3".
Betrachtet man das E3, dürfte es schwer fallen, einen klaren "Vorgänger" auszumachen. Das Urgestein E1000 lässt einige Formen und Prinzipien durchschimmern, auch C980 und vor allem das zur vorletzten CeBIT angekündigte, aber nie vorgestellte E1060 und PEBL bzw. SLVR haben ihre Spuren beim E3 hinterlassen. Das Gerät misst auch für ein UMTS-Handy der aktuellen Generation deutlich zu viel: mangels Waage können wir das Gewicht nur auf knapp über 100 Gramm schätzen, die Maße des Prototypen betragen 107x50x22mm.
Ein Handschmeichler ist das E3 damit nicht, bedient aber eine Nutzergruppe, die sich mit ultrakleinen oder -schmalen Foldern und Barren ohnehin nie anfreunden konnte. Die Verarbeitung des Prototypen wirkt robust und beständig und weist natürlich noch Makel auf. Der dank Riffelung sehr griffige Akkudeckel wird über den Gehäuserücken geschoben und sitzt fest an seinem Platz - unter der Haube sieht's allerdings noch vergleichsweise wüst aus - insbesondere der SIM-Kartenhalter macht in der Vorabversion einen wenig vertrauenswürdigen Eindruck.
Das ROKR E3 wird ein Handy für alle Lebenslagen. Dank überdimensionierter Buttons und gut erfühlbarer Bedienelemente an den Geräteseiten kann man das Handy auch mit Handschuhen bedienen und findet die wichtigsten Funktionen immer auf Anhieb. Das gilt natürlich auch für das neuartige Navigationsinstrument im Gerätezentrum. Dieses lässt sich wie bereits vermutet nicht als Scrollrädchen verwenden, sondern bietet lediglich eine große Angriffsfläche für die Bedienung der Medienfunktionalität des Handys. Die Druckpunkte wirken hier bereits sehr ausgereift und knackig.
Abgesehen vom Medienplayer können allerdings nur wenige Funktionen im Gerät etwas mit den Buttons des Steuerrings anfangen; gesteuert wird das E3 primär mit Hilfe des in dessen Mitte liegenden Joysticks, der ebenfalls bereits erstaunlich gut funktionierte. Das können wir von der Zifferntastatur allerdings noch nicht behaupten, denn deren Druckpunkte waren beim Designmuster kaum erfühlbar und uneinheitlich. Die Tasten fallen ähnlich wie beim SLVR außerordentlich schmal aus, sodass das Tippen auch in der finalen Version noch eine Menge Feingefühl erfordern dürfte. Einzige Ausnahme: die "2", die witzigerweise ihren Platz am unteren Rand des Steuerrings findet. Die Tastaturbeleuchtung wurde dem Design angepasst und ist eines der herausragendsten Merkmale des E3. Die Ränder des Steuerkranzes werden in elektrischem Blau erleuchtet und verleihen dem Handy im Dunkeln sein unverkennbares Antlitz.
Spannend sind auch die Seiten des E3: sie bieten neben einer groß ausgelegten Tastenwippe für die Lautstärkeregelung auch einen großen leichtgängigen mechanischen Schieber für die Tastensperre. Ohne ihn zu lösen, lässt sich das Gerät nicht bedienen. Der direkt unter ihm liegende schwarze Button mit äußerst weichem Druckpunkt wies in der uns vorliegenden Version noch keine Funktion auf - Spekulationen lassen Platz für Push-To-Talk-Fähigkeit, einen Shortcut zur Aktivierung des MP3-Players oder einfach nur einen Auslösebutton für die Kamera.
Auf der linken Seite des Geräts findet man einen Direktanschluss für 2,5mm-Klinkenstecker wie ihn z.B. alle gängigen Kopfhörer verwenden - eine echte Bereicherung für Audiofetischisten. Das untere Ende offenbart einen ungeschützten USB-Anschluss, mit dem man das E3 aufladen und entsprechende Datenkabel anschließen kann. Hierfür unterstützt das Gerät sowohl einen Datenmodus, in welchem es sich als Modem am PC anmeldet und einen Speicherkartenmodus, mit dem sich das E3 als Wechseldatenträger betreiben lässt. Praktisch für die Nutzung im Kfz: auf der Rückseite wurde ein externer Antennenanschluss vorgesehen.
Es wurden noch keine Kommentare abgegeben.