Obwohl die wenigsten Nutzer ernsthaft die Kamera des V3 als Kaufgrund in Erwägung zogen, waren viele nach mehreren Monaten der Nutzung enttäuscht, dass ihr schickes Design-Handy nur klägliche Schnappschüsse aufnehmen konnte. Beim V3i bessert Motorola nach: 1,2 Megapixel schlummern hinter der kleinen Linse auf der Folderoberseite. Schade, dass die Resultate nach wie vor eher ernüchternd ausfallen: Bei schlechteren Witterungsverhältnissen wirken Bilder verschleiert, entfernte Objekte verpixelt und unscharf. Ein Bildschärfefilter überlagert Kanten stellenweise mit leichten Fransen und bei hellem Umgebungslicht wirken Kontraste ein wenig überzeichnet.
Um die Belichtung der Fotos zu optimieren, kann man bei laufender Kameravorschau den Weißlichtabgleich manuell einstellen: es stehen die Belichtungsprofile Sonnenschein, bewölkt, innen (zu Hause oder Büro) und ein Nachtmodus zur Verfügung, standardmäßig stellt sich das V3i mehr oder weniger automatisch aufs Umgebungslicht ein. Die digitalen Effektfilter Antik, Rot-, Blau- oder Grünüberlagerung sowie Negativ und Schwarz-Weißfilter sind allenfalls nette Spielerei als sinnvolle Bereicherung. Praktischer ist dagegen digitale Kamerazoom in 8-facher Stärke und der Helligkeitsregler, mit dem sich Bilder digital um 2 Stufen aufhellen oder abdunkeln lassen.
Ähnlich wie beim RAZR V3 lässt sich die Kamera auch im zugeklappten Zustand des Handys verwenden. Aktiviert wird sie durch längeren Druck auf die einzelne nicht beschriftete Shortcut-Taste unter der Tastenwippe. Anschließend dient das kleine TFT-Außendisplay als Sucher bzw. Spiegel; Ausgelöst wird durch einen weiteren Druck auf die Taste. Geschossene Bilder können im Nachhinein verkleinert, als Wallpaper oder Screensaver verwendet oder über Bluetooth über kompatible Fotodrucker ausgedruckt werden. Hier gibt es verschiedene Vorlagen, wie das Foto auf Papier gebracht werden soll: zum Beispiel als Vollbild oder mehrere Fotos nebeneinander auf einer DIN-A4 großen Seite.
Weitere Neuerung - und ein Kritikpunkt des Vorgängers - ist die Möglichkeit, mit dem V3i auch Videos aufzunehmen. Bewegte Bilder werden ausschließlich im mobilfunktypischen Format 3GP gespeichert und sind in ihrer Länge nur durch den freien Speicher begrenzt. Während der Videoaufnahme stehen alle Einstellungsmöglichkeiten der Fotoaufnahme zur Verfügung und man kann zwischen zwei Auflösungen wählen: 176x144 (QCIF) 128x96 Pixel (z.B. für MMS) stehen zur Verfügung. Videos werden bei der Wiedergabe auf den oberen zwei Dritteln des Displays dargestellt. Die Aufnahmen wirken durch die begrenzte Auflösung und den nachgelagerten H.263-Coder wie immer reichlich unscharf und grobkörnig.
Motorola hat den internen Speicher des V3i geringfügig auf 12MB aufgestockt. Das reicht für einige MP3-Klingeltöne und Anruferbilder, die das Motorola-System ausschließlich im internen Speicher des V3i hält. Musikfans und Fotoenthusiasten freuen sich über den mit Transflash- oder MicroSD-Cards erweiterbaren Speicher (bis zu 1 GB), eine 64 MB große Karte legt der Hersteller ab Werk in die Schachtel. Spannenderweise ließ sich unser V3i ohne eingelegte Speicherkarte trotz genügend freiem Speicher nicht dazu bewegen, Fotos aufzunehmen - ein Bug, der möglicherweise auf fehlerhaftes Speichermanagement bzw. ein nicht qualitätsoptimiertes Betriebssystem zurückzuführen ist. Nachdem es Unmengen Kritk hagelte, hat Motorola auch den Speicher für Kontaktdaten aufgestockt. Es lassen sich nun bis zu 2000 Kontakte speichern, das sind doppelt so viele wie bei beim RAZR V3. SMS- und MMS-Speicher wurden zusammengefasst. Bei Bedarf lässt sich eine automatische Bereinigungsfunktion aktivieren, die Nachrichten (SMS und MMS) in Intervallen von 3,5 oder 7 Tagen löscht bzw. nur die neuesten 5, 10 oder 20 Nachrichten behält.
Für den schnellen Versand von Mediadateien oder längeren Texten ist der MMS-Client des V3i gut geeignet. Die Maximalgröße einer Nachricht beträgt 300kB, kann aber bei Bedarf im Setup aber auch auf 100kB beschränkt werden. Der EMail-Client entspricht dem Standard, den Motorola auf den meisten seiner Triplets-basierten Handys einsetzt und holt stets komplette Nachrichten vom Server ab, was bei größerem Datenaufkommen schnell ins Geld gehen und viel Zeit kosten kann. Sehr löblich ist allerdings, dass sich unbegrenzt große Dateien als Attachment anhängen lassen; wir verschickten ohne Probleme eine Mail von über 500kB Größe. Praktischerweise lassen sich jetzt auch mehrere EMail-Accounts anlegen und parallel abrufen. Jedem EMail-Account kann ein Größenlimit für zu empfangende Mails festgelegt werden.
Das RAZR V3i bietet sich dank des erweiterbaren Speichers als Ersatz für kleinere MP3-Player an. Musik-Fans können sich zwischen zwei integrierten Playern entscheiden, einen iTunes-kompatiblen Client findet man erst im aktuellen Schwestermodell V3im, das Motorola leider nur in metallisch bordeaux-rotem Gehäuse anbietet, das nicht jedermanns Geschmack treffen dürfte. Der fest im System installierte Player erlaubt es, Playlisten zu erstellen und auch eigene Töne - sog. iMelodies - zu kreieren.
Ärgerlich, dass sich der Standardplayer im zugeklappten Zustand weder lauter oder leiser stellen lässt, noch kann man Titel wechseln oder gar die Musikwiedergabe stoppen. Ein wenig Abhilfe schafft hier der der Java-basierte Digital Audio Player, den man unter dem Menüpunkt "Games & More" findet. Mit ihm lassen sich Playlisten erstellen, verwalten und wiedergeben und auch im geschlossenen Zustand des Handys die Lautstärke justieren. Leider gesteht Motorola keinem der beiden Player einen Equalizer zu, mit dem man Einfluss auf die Klangqualität nehmen könnte. Dafür lassen sich beide Programme "minimieren", um beispielsweise eine SMS zu tippen, während man dabei Musik hört. Sehr überzeugt waren wir wie beim Vorgänger vom rückseitig verbauten Lautsprecher des V3i: klarer Klang und eine beachtliche Maximallautstärke verwöhnen das Gehör. Auch bei extremen Bässen oder Höhen knackste es nicht merklich, Höhen werden stets klar und sauber wiedergegeben. Mit einem Headset, das wir uns vom Motorola PEBL U6 liehen, konnten wir uns letztlich auch von der Klangqualität mit Kopfhörern überzeugen. Mangels A2DP-Profil lassen sich Bluetooth-basierte Stereo-Headsets leider nicht ansteuern.
Im Bereich Connectivity hat sich beim V3i im Vergleich zum V3 wenig verändert. Eine vollfunktionale Bluettooth-Schnittstelle findet weiterhin ihren Platz im RAZR, über den MiniUSB-Port lässt sich das Telefon mit einem PC verbinden - es lässt sich sogar einstellen, ob das Handy als Modem oder USB-Speichermedium erkannt werden soll. Das V3i wird bei letztgenannter Einstellung unter Windows XP problemlos als Massenspeichergerät erkannt und der Nutzer erhält über den Windows-Explorer Zugriff auf die eingelegte Speicherkarte. Leider ist die Geschwindigkeit der Dateiübertragung nicht sehr hoch: für ein Lied mit 5MB Größe benötigte das USB-Kabel knapp 40 Sekunden. Noch nervenaufreibender ist das Durchsuchen der auf der Speicherkarte abgelegten Ordner: sind Inhalte vorhanden, benötigt der Windows Explorer je nach Inhalt eines Ordners über 2 Sekunden.
Der WAP-Browser des V3i stellt WAP1.1- und WAP2.0/XHTML-Seiten anstandslos dar, HTML-Seiten werden mit einer Fehlermeldung abgewiesen. Dank GPRS surft man mit vernünftiger Geschwindigkeit auf den Minisites des mobilen Webs, die Darstellung von wap.ebay.de oder dem O2 Active-Portal wirkten wie schon beim Vorgänger ganz ansprechend und funktional, der Browser bringt aber vergleichsweise wenig Inhalte auf eine Displayseite. Nach Beendigung jeder Browsersitzung wird dem Nutzer angezeigt, wieviel Bytes übertragen wurden.
Das Telefonbuch des V3i nimmt zu jedem Kontakt mehrere Rufnummern und EMailadressen verschiedener Kategorien auf und kann jetzt auch mit jeweils einer Postadresse befüllt werden. Zwischen Vor- und Zuname wird auch beim V3i nicht unterschieden, was die Synchronisation der Kontakte gelegentlich zum Puzzlespiel macht - dafür lässt sich einem Kontakt ein Nickname zuweisen, mit dem man beispielsweise auch einen XBox-Live-Namen oder eine MSN-Kennung speichern kann. Kontakte können Anrufergruppen zugeordnet und mit individuellen Anruferbildern und Klingeltönen versehen werden. Weggefallen ist hingegen das Sprachkommando für einen bestimmten Kontakt, da das V3i über eine sprecherunabhängige Sprachsteuerung verfügt. Die Sprachwahl muss zunächst übers Einstellungsmenü aktiviert werden, um dann den Namen des gewünschten Kontakts sagen zu können. Das Handy sucht anschließend im Telefonbuch nach passenden Namen und bietet alle gefundenen Kontakte zur Auswahl an. Nach erneuter Bestätigung wird die Nummer des Kontakts angerufen.
Das Telefonbuch lässt sich nach den Kriterien "Alle Kontakte" oder "Primärkontakte" gestaffelt aneigen, wobei bei Primärkontakten nur die maßgebliche Nummer eines Kontaktes in der Listenansicht erscheint, ansonsten zeigt die Liste ein Bild, das auf den Speicherort des Kontakts (SIM-Karte oder Telefonbuch) schließen lässt. Der Kalender des V3i stellt sich displayfüllend und übersichtlich, wenn auch ziemlich einfarbig dar. Durch Drücken des rechten Softkeys kann schnell zwischen Monats- und Wochenansicht gewechselt werden, die ihre Optik von einer C64-Software geerbt zu haben scheinen. Ein Druck auf die Navkey-Mitte öffnet stets die Tagesansicht. Termine werden in der Monatsansicht als kleines Dreieck gekennzeichnet, in der Wochenansicht als (auch mehrere Tage füllender) Balken. Begibt man sich in die Tagesansicht, so bekommt man alle Termine chronologisch aufgelistet und hat zudem noch die Möglichkeit, die Termindetails einzusehen.
Leider weist das V3i die üblichen Mankos des Systems auf, unter denen alle Motorola-Handys ähnlicher Softwareversion zu leiden haben. So können Termine in der Wochenansicht nur im Zeitraum von 9 Stunden, abhängig von der festgelegten Startzeit dargestellt werden und sich überschneidende Termine werden nicht besonders gekennzeichnet. Immerhin erscheint eine Warnung beim Erstellen eines Termins, wenn er sich mit anderen zeitlich überschneidet. Da sich Termine nicht kategorisieren lassen, erscheinen alle Termine in der Wochenansicht als schwarzer Balken, Farbunterschiede wie bei Samsung oder PalmOS-Kalendern gibt es nicht.
Das RAZR V3i verfügt über eine zeitgemäße MIDP2.0 / CLDC 1.1 Engine mit 800kB Arbeitsspeicher, ähnlich der des V3. Jedoch sind 3 wichtige Java Specification Requests dazugekommen. Die Standards JSR-82 (um beispielsweise Spiele gegeneinander über Bluetooth zu spielen), JSR-120 (Wireless Messaging: Java-Anwendungen haben Zugriff auf die SMS-Speicher des Handys) und JSR-75 (FileConnection and PIM API: es können Kalenderfunktionen genutzt werden oder Daten in diesen geschrieben werden, unter Umständen auch für Synchronisationsvorgänge nutzbar) stehen nun zur Verfügung. Vorinstalliert sind neben dem Digital Audio Player 3 Spiele. Asphalt Urban GT ist ein Autorennspiel in der Verfolgerperspektive. Man hat die Möglichkeit, Wett- oder Schnellrennen zu fahren und Dollars zu verdienen; die Vaterversion des Games konnte bereits auf Konsolen und dem N-Gage begeistern, wirkt auf dem V3i aber pixelig, weist wenig räumliche Tiefe auf und bewegt sich auf dem Niveau eines zweitklassigen Amiga-Titels.
Bei Rebels kann man nach Wahl des Schwierigkeitsgrades und seines Fliegers in der Vogelperspektive durchs All düsen und die ins Bild schwebenden Gegner abschießen. Am Ende jedes Levels wartet ein Level-Boss. Die Steuerung ist leicht schwammig, drückt man in eine Richtung, macht das Raumschiff einen Schub und kommt erst nach ein paar "Metern" wieder zum Stillstand. Nützlich ist die Energieanzeige über jedem Feind und die eigenen Waffensysteme sind aufrüstbar. Die Grafik ist simpel, dennoch ansprechend und passend für ein Spiel dieses Genres.
Solitaire dürfte zumindest Sekretärinnen und unterforderten Windows-Programmierern bekannt sein: hier muss man durch cleveres Umlegen von Spielkarten das Spielfeld abräumen oder Patiencen legen; es lassen sich 4 Spielvarianten einstellen (darunter auch ein FreeCell-Clone). Alle Java-Anwendungen lassen sich in den Hintergrund schalten und später wiederaufnehmen, indem man Auflegen drückt und dann vom Desktop zurück ins Games&more-Menü wechselt. Dort wird dann die aktive Java-Anwendung mit den Optionen Aufschieben (gemeint ist "minimieren", im Sinne von "Aufschub gewähren"), Beenden und Wiederaufnehmen dargestellt.
Das V3i-Menü kennt man von vielen anderen Motorola-Geräten; es entspricht der Plattform, die so im wesentlichen schon auf dem V600, V70 oder PEBL U6 Verwendung fand und wurde gegenüber dem V3 lediglich um eine funktionale Punkte erweitert.
Auf dem Homescreen werden Uhrzeit, Betreiberlogo, auf Wunsch vier Shortcut-Icons, die auf die Funktionen der Navkeyrichtungen hinweisen sowie zwei frei beliebig belegbare Shortcuts für die Softkeys angezeigt. Das Hauptmenü lässt sich wahlweise als Gitter- oder fortlaufendes Menü mit bunten, animierten Symbolen anzeigen. Praktisch: Diese lassen sich beliebig anordnen, leider aber nicht durch andere Menüeinträge ersetzen. Wer die "Arbeit" mit seinem Handy bzw. meistgebrauchten Funktionen effizienter gestalten will, kann auf beinahe jedem erdenklichen Menüpunkt durch längeres Drücken der Menütaste einen Shortcut anlegen, der sich dann durch lägneres Drücken einer Kurzwahltaste im Hauptmenü aktivieren lässt.
Typisch für Motorola-Handys und viele andere Hersteller: Skins und Themes beeinflussen viele Elemente der Menüführung und das Aussehen der Nutzeroberfläche. Während die Skins nur die Farben von Menüfenstern, Homescreen und allgemeine Schriftfarben ändern, beeinflussen Themes darüber hinaus auch Klingeltöne, Hintergrundbilder und die Formen und Farben der Dialogfenster.
Die Menüpunkte sind klar gegliedert und die gewünschten Unterpunkte lassen sich nach kurzer Eingewöhnungszeit oftmals schnell finden. "Migranten" anderer Hersteller tun sich erfahrungsgemäß aber etwas schwer, mit einem neuen Motorola-System umzugehen. Das merkt man zum Beispiel auch beim Tippen von SMS: statt auf T9 setzt Motorola bekanntermaßen auf ein "iTap"-System, das sogar in der Lage ist, Worte vorausschauend zu ergänzen. Wirklich allein ist Motorola mit diesem Feature zwar nicht mehr (Sony Ericsson und Nokia prädizieren Wörter in ihren neusten Gerätegenerationen mittlerweile auch), aber nach Anlernphase und Eingewöhnung lassen sich mindestens genauso zügig SMS tippen wie mit dem "gewohnten" T9.
Die rechte Taste am Display ist für die Sprachsteuerung, bzw. die Sprachwahl gedacht, die sich aber nur aktiviert, wenn man das Telefon öffnet und im Einstellungsmenü als Sprache nicht "Automatisch" gewählt hat. Nach kurzem Druck öffnet sich das Sprachwahlmenü, das Funktionen wie Namen- oder Rufnummernwahl bzw. das Anwählen der Mailbox vorsieht. Einen Blumentopf gewinnt Motorola mit der Genauigkeit dieser eigentlich sehr interessanten Funktion allerdings nicht: in den seltensten Fällen gelang es uns (wie versprochen) auf Anhieb, mit unserer Stimme einen sinnvollen Befehl ans V3i abzusetzen. Mit der Sprachwahl eines gekoppelten Navigationssystems bzw. der Tastatur des Handys ist man im Regelfall deutlich schneller am Ziel.
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