Besonders gönnerhaft geben sich die Finnen beim Nokia 6131 nicht. Neben dem Handy und dem obligatorischen Ladekabel findet man lediglich ein kabelgebundenes Stereo-Headset, eine kurze und eine ausführlichere Anleitung in der gewohnt stilrichtungsweisenden Pappschachtel. Nehmen wir uns die hier gesparte Zeit zum Anlass, darüber nachzusinnen, was man eigentlich noch alles hätte einpacken können: einen Trageriemen zum Beispiel. Oder ein USB-Datenkabel für den POP-Port. PC Suite und Datenkarte (microSD) wären auch nicht schlecht gewesen. Aber der schmale Beigabenkatalog hat auch seine gute Seite. Der Nutzer kann das Zubehör, das er wirklich braucht, selbst nachkaufen; je nachdem, ob er das Handy eher zur Erfüllung seines Jobs benötigt oder sich die Wartezeiten beim Zahnarzt mit Musik versüßen will. top
Man muss das Nokia 6131 einmal in der Hand gehalten haben, um nachempfinden zu können, warum Nokia dem Handy den Untertitel "Slim" mit auf den Weg gibt. Man darf sich nämlich nicht vom Datenblatt täuschen lassen: die 20mm Dicke gelten nur für den Kopf des Folders, die Oberklappe verdünnt sich in Richtung Fußseite und verleiht dem Handy seine unverwechselbare Keilform. So schlägt das Gerät zwar Beulen, wenn man es in der Hemdtasche verstaut, macht sich aber in der Jackentasche fast nicht bemerkbar.
Design mag Geschmackssache sein, aber an Motorolas KRZR oder Samsungs D830 kommt dieses Telefon wahrlich nicht heran. Da hilft auch der Kunstlederüberzug auf der Rückseite nicht viel, den Nokia wahrscheinlich eher aus Marketinggründen als "Softtouch"-Oberfläche deklariert. Die sonstige Materialwahl bewegt sich irgendwo zwischen Legostein und glattem Chromplastik und kann haptisch bei weitem nicht so begeistern wie ein D600, RAZR oder PEBL.
Eine effektvolle Spielerei konnten sich die Finnen nicht verkneifen: an der rechten oberen Gehäuseecke findet man einen Button, mit dem sich der Folder mechanisch öffnen lässt. Dummerweise muss man die Klappe erst gänzlich öffnen, um sie wieder schließen zu können - gar nicht intelligent, wenn man mit dem Knopf herumspielt, während das Handy in der Hosentasche steckt. Der Rückweg der Folderklappe wirkt dann auch eher hakelig: die Klappbewegung wird von einer Zwischenrastung unterbrochen, die die Arretierung des Öffnen-Buttons löst. Beim SGH-P510, das zu recht (bis jetzt) keinen Nachfolger an die Seite gestellt bekommen hat, konnte man sich wenigstens noch über den summenden Elektromotor belustigen, der die Klappe auf Knopfdruck öffnete und schloss.
Doch wollen wir das nicht mit mangelhafter Verarbeitung in Verbindung bringen: das 6131 fühlt sich zwar nicht allzu hochwertig an, der verwendete Kunststoff wirkt aber äußerst robust und widerstandsfähig. Die Gehäusespalte sind gleichmäßig und weitestgehend gratfrei, Knarzer entlockt man dem Gerät allenfalls, wenn man ein wenig am Folderdeckel wackelt; er hat ca. 1mm seitliches Spiel. Der Akkudeckel bewegt sich hingegen nicht einen Millimeter und wird von oben über die rückwärtige Gehäuseöffnung geschoben. Der Steckplatz für microSD-Karten ist zugänglich, ohne den BL-4C Akku entnehmen zu müssen, sodass man die Musiksammlung auswechseln kann, ohne vorher das Telefon abzuschalten.
Designtechnisch gibt es kein echtes Vorbild für Nokias Folder: das 6131 gehört zu einer neuen Klasse Handy, das die Finnen insbesondere für den Midrange-Konsumenten bzw. Business-Nutzer gestaltet haben (das sehr ähnlich aussehende 6136 wird z.B. über UMA-Funktechnologie verfügen, das 6125 bedient den das untere Ende der Mittelklasse). Die Gehäusefarben sind unscheinbar: mattes anthrazitgrau und glänzendes Silber dominieren die geschwungene Linienführung der Designer. Alternativ kann man das Handy auch in den Farbvarianten rot, weiß und beige bestellen. top
16 (komma 7) Millionen Farben stellt das 240 Pixel breite und 320 Pixel hohe Hauptdisplay des 6131 dar - bei dieser Auflösung eher förderlich für die Produktwerbung als für die Darstellung. Tatsächlich ist von der Farbgewalt in der Praxis nicht viel zu bemerken - ganz im Gegenteil: verglichen mit einem K800i oder W850i, die über ähnlich große Displays verfügen, wirkt Nokias Anzeigekomponente blass und grobkörnig, was auch den nicht kantengeglätteten Schriften im Menüsystem zuzuschreiben ist. Fraglos lassen sich Fotos, Videos und HTML-Seiten auch auf dem Nokia-Display hervorragend darstellen, einen neidischen Blick nach Schweden oder Korea wird man aber nie ganz loswerden.
In der Praxis bewährte sich in erster Linie das Außendisplay: auf 128x160 Pixeln (so viel stellten die Folder der letzten Generation auf ihren Hauptbildschirmen dar!) werden vollständige Statusinformationen sowie Popup-Boxen über Bluetooth-Connectivity, anstehende Termine oder eingegangene Nachrichten ausgegeben. Da das Display über eine transflektive Beschichtung verfügt, lassen sich Informationen auch ablesen, ohne vorher die Hintergrundbeleuchtung aktivieren zu müssen. An die Darstellungsgüte des Außendisplays sollte man allerdings nicht allzu hohe Ansprüche stellen: zu den Ecken nimmt die Helligkeit merklich ab, die Kontraste sind auch nicht allzu scharf ausgefallen. Dafür lässt sich das Außendisplay immerhin mehr schlecht als recht auch als Spiegel nutzen: ein Druck auf die seitliche Kamerataste aktiviert die Kamera und nutzt das Außendisplay als Sucher.
Ein völlig neues Gestaltungskonzept der Tastatur macht das Tippen von Textmitteilungen, EMails und URLs zum Kinderspiel. Die gleichmäßig großen Tasten liegen zwar alle dicht beieinander, bieten aber eine kleine Erhebung, die sich gut erfühlen lässt und die einzelnen Tasten voneinander abhebt. Die Druckpunkte sind weich ausgefallen und äußerst gleichmäßig, man bekommt stets gutes Feedback über einen Tastendruck. In ihrer Größe gut angepasst findet man neben dem 5-Wege-Navkey zwei Tasten für die Telefonfunktionen und zwei Softkeys, die die Hauptarbeit bei der Menünavigation übernehmen. Auch Menschen mit großen Fingern werden auf dieser Tastatur schnell zurechtfinden, gegenüber einigen Vorgängern wie 6280 (zu kleine Tasten) oder 6111 (zu ungleichmäßige Druckpunkte) hat das 6131 jetzt die perfekte Mischung gefunden.
Das Steuerkreuz verfügt über ähnlich weiche Druckpunkte wie die Zifferntasten, der schmale Bestätigungsbutton im Zentrum steht weit hervor, ist sehr gut erfühlbar und außerordentlich gut bedienbar. Einziger Schwachpunkt der Tastatur sind die seitlichen Funktionstasten: bei der Tastenwippe zum Anpassen der Gesprächs- und Lautsprecherlautstärke am linken Gehäuserand können die Druckrichtungen gefühlsmäßig kaum voneinander unterschieden werden. Auch die rechtsseitige Kamerataste ist in der Praxis nahezu nutzlos, der darunterliegende Powerbutton ruft bei Bedarf das Profilmenü auf. Unterstützt wird die Bedienung von einer gleichmäßigen Tastaturbeleuchtung, die alle Zifferntasten in sanftem Weiß durchleuchtet. Navkey und Softkeys werden farblich hervorgehoben und sind auch im Dunkeln exzellent wiederzufinden. top
Dieses Mobiltelefon ist excellent in seiner Handhabung und hält den vielen Härtetests des Alltages stand. Einziges Manko: Die Qualität der Audioausgabe, aber darüber lässt sich leicht wegsehen. Also meiner Meinung nach nur zu empfehlen.