Mit der ESeries (Enterprise-Series), die Nokia im letzten Jahr vorstellte, möchten die Finnen vor allem Business-Kunden ansprechen. Angesiedelt zwischen der Communicator-Serie und den Multimedia-Alleskönnern der NSeries, bieten die Handys mit dem E vor der Zahl kommunikative und organisatorische Vollaustattung ohne multimediale Spielereien. Vor allem dem E61 sieht man dabei die Ähnlichkeit zu Blackberrys oder Motorolas Q-Modell an. Ensprechend den imposanten Gerätemaßen ist auch die Pappschachtel relativ groß geraten. Beim Öffnen sticht neben dem E61 vor allem die 130 Seiten starke Bedienungsanleitung ins Auge. Die ist auch dringend nötig, wenn man die vielfältigen Funktionen des Gerätes kennenlernen möchte und vorher noch nie ein Smartphone sein eigen nannte. Wer es gern kürzer mag, kann auf die praktische Kurzanleitung zurück greifen, die im Faltblatt-Format einen schnellen Überblick über die wichtigsten Funktionen bietet. Hinzu kommt ein dünnes Heft, das diverse Zusatzanwendugen (MobiPocketreader, Handy Expense, etc.) kurz vorstellt.
Doch der Karton wird nicht vom Papier, sondern vor allem von zusätzlicher Hardware ausgefüllt. Neben dem obligatorischen Netzstecker (inkl. Adapter für ältere Modelle) und einem USB-Datenkabel spendiert Nokia dem Käufer auch eine 512MB große miniSD-Karte. Beim weiteren Suchen entdeckt man ein kabelgebundenes Headset und spätestens an dieser Stelle wird der Multimedia-Freund feststellen, dass er sich gerade das falsche Gerät gekauft hat: mit nur einem Ohrstöpsel ist für Musikliebhaber nicht viel zu holen. Praktisch allerdings für wirklich wichtige Persönlichkeiten, die so mit einem Ohr Telefonieren und mit dem anderen der Aufsichtsratssitzung zuhören können. Zu guter letzt findet man noch eine CD-ROM mit Nokias PC Suite, im Eierkarton (bezogen aufs Material, nicht aufs Gerät!). top
Keine Frage: Nokias E61 hat - um es milde auszudrücken - gewisse Ähnlichkeit mit Geräten der Konkurrenz. Das Design erinnert adaptiert auffällig RIMs bewährtes Blackberry-Design (man denke nur ans aktuelle 8700g) und ähnelt damit natürlich auch anderen Nachahmern wie Motorola Q, Palm Treo oder Samsung i320. Da ein wichtiger Designfaktor des Smartphones seine Flachheit ist - es misst in Tiefenrichtung gerade einmal 14mm -, musste Nokia es breiter bauen. Und das ist natürlich sehr förderlich für die breite QWERTZ-Tastatur und die großflächige Display-Komponente. Wer ein solches Gerät zum ersten Mal sein Eigen nennt, wird sich zunächst an den neuen Formfaktor gewöhnen müssen: Beim Telefonieren hat man zunächst das Gefühl, in eine Scholokadentafel zu sprechen. Mit den Maßen von 117x70x14 mm und 144 Gramm Gewicht bewegen sich E61 & Co. knapp am Rande des klassischen Telefondesigns. Doch trotz der baubedingten Ähnlichkeiten von Monoblock-Smartphones kann man die Geräte im direkten Vergleich gut voneinander unterscheiden.
Das Design des E61 orientiert sich am seriösen Geschmack der Business-Zielgruppe. Auf farbliche oder gestalterische Spielereien hat Nokia vollständig verzichtet. Das Gerät präsentiert sich in einheitlichem, haptisch ansprechenden Silbermetallic, das lediglich durch die farbliche Akzentuierung des Tastenfeldes durchbrochen wird. Der elegante Eindruck des Gerätes wird lediglich durch drei linksseitig verbaute Tasten und den Joystick geschmälert: sie sind in einfachem Plastik gehalten und versprühen optisch den Billig-Charme eines Einsteiger-Modells. Ein aus dem Gehäuse herausragender und leicht zugänglicher Knopf links oberhalb des Displays führt nach einmaligem Druck ins Profilmenü und schaltet das Gerät bei längerem Druck ab.
Wer sein E61 in einer mit Akten vollgepackten Tasche verwahrt, kann Pech haben, wenn unbeabsichtigt Gegenstände auf die Vorderseite drücken und das Gerät sich dadurch unbeabsichtigt abschaltet. Eine seitliche Platzierung dieser Taste, wie man sie bei vielen anderen Smartphones von Nokia findet, hätte mehr Sinn gemacht.
Wie üblich verzichten die Finnen auf Abdeckungen für POP-Port und Netzstecker auf der Unterseite. Staub und andere äußere Umwelteinflüsse sind somit herzlich eingeladen. Immerhin konnten wir dem Akkudeckel, der fast die gesamte Rückseite des Gerätes einnimmt und aus kühlem Aluminium gefertigt wurde, auf Druck keine Knarzgeräusche entlocken. Unter dem Akkudeckel verbirgt sich auch der Slot für miniSD-Speicherkarten, die sich auswechseln lassen, ohne den Akku entnehmen zu müssen. Statt in eine wackelige und scharfkantige Blechkonstruktion schiebt man beim E61 seine SIM-Karte in einen gut zugänglichen Slot neben dem Akku. top
Das riesige Display des E61 wird dem Anspruch eines ausgewachsenen Messaging- und Business-Flaggschiffs gerecht. Nokia hat hier eine Komponente mit 320x240 Pixeln in Wideview-Orientierung eingebaut, die satte 6x4cm Fläche bietet und dementsprechend etwas grobkörnig wirkt: ein feines Pixelraster zieht sich durch alle Ansichtsebenen. Doch dank 16,7 Mio. Farben wirkt die Darstellung dennoch brilliant und farbenfroh. Leuchtkraft und Kontraste werden jeden Nutzer zufriedenstellen können und dank transflektiver Bauweise lässt sich der Bildschirminhalt auch unter starkem Außenlicht gut ablesen. Gegenüber Neigungen des Blickwinkels ist das Display nahezu immun. Im Standby-Modus werden Datum und Uhrzeit sowie Hinweissymbole auf eingegane Anrufe, bzw. Nachrichten angezeigt.
Die Begeisterung, die das Display ausgelöste, verfliegt allerdings schnell wieder, wenn sich der Finger auf die Tasten senkt. Die vollwertige, geräumig angeordnete QWERTZ-Tastatur, bei der der innere Tastenblock als einfach zugängliche Zifferntastatur dient, erleichtert zwar das Schreiben von E-Mail oder SMS und ermöglicht auch das schnelle Verfassen längerer Nachrichten. Doch sind die Druckpunkte derart schwammig ausgeführt, dass man kaum Feedback über einen Tastendruck bekommt. Hinzu kommt, dass jede Taste unerträgliches Spiel in alle Richtungen hat. Dass die QWERTZ-Tastatur eines Smartphones nicht unbedingt auf einer wackeligen Tastenmatte aufsetzen muss, beweisen beispielsweise SonyEricssons M600i oder Palms Treo 680, die viel angenehmeres Tippen erlauben. Doch wie so oft macht Ausdauer den Meister: nach einer gewissen Zeit denkt man beim Tippen nicht mehr nach und trifft dennoch meist den richtigen Buchstaben; ein haptischer Genuss ist das Schreiben allerdings auch dann nicht. Besonders unpraktisch fielen uns auch die aufs QWERTZ-Feld aufgemalten Zifferntasten auf: Gerade Telefonnummern, die eine 0 enthalten, laden zu Vertippern ein.
Der aus billigem Plastik gefertigte Joystick mag uns ebenfalls nicht begeistern, obwohl er seine Arbeit souverän verrichtet: sein Feedback über Eingaben ist äußerst knackig, die Bedienwege sehr kurz, das Handling aber ziemlich ungenau. Die breit ausgeführten Softkeys und Telefonietasten weisen keinen spürbaren Druckpunkt auf, sodass man immer gut beraten ist, fester als notwendig zuzudrücken. Kleiner Lichtblick: Menü- und Mailtaste führen schnell und souverän zu ihren Funktionen, doch die S60-typische Stifttaste - die sich in der Praxis immer wieder bewährte - hat Nokia klammheimlich weggelassen. Auf der linken Seite findet man eine groß angelegte und leicht erfühlbare Tastenwippe zur Lautstärkesteuerung und eine kleine Taste, mit der man das E61 aus dem Standby heraus zum Diktiergerät macht.
Im Dunkeln ist das E61 ein perfekter Begleiter. Die Tastaturbeleuchtung schimmert mit mittelmäßiger Helligkeit bläulich-weiß durchs Tastenfeld und leuchtet selbst die äußeren Tasten gleichmäßig aus. Ein Helligkeitssensor am Kopf des Geräts sorgt dafür, dass bei ausreichendem Umgebungslicht die Tastaturbeleuchtung abgeschaltet bleibt, um die Ablesbarkeit nicht einzuschränken. top
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