Sony Ericsson spart selten an erstklassiger Gaming-Leistung. Und auch beim M600i fiel es allen Testpersonen schwer, nach einer ersten Demonstration der Leistungsfähigkeit ihre Kinnlade wieder zu schließen. Dafür verantwortlich ist in erster Linie die mitgelieferte Version der Golfsimulation Vijay Singh's Pro Golf2005 3D, die mit flüssig animierten 3D-Grafiken, Environment-Shadings und spektakulären Kamerafahrten eindrucksvoll demonstriert, dass mobiles Gaming sich längst nicht mehr auf pixelige Jump'n'Runs beschränkt.
Der Clou dabei: sowohl die Golfsimulation als auch die angepasste Version des musikalisch stimmungsvoll untermalten Tetris-Clones QuadraPop lassen sich mit Hilfe des Touchscreens steuern. Wer bei sich selbst viel Suchtpotenzial für solche Timekiller vermutet, sollte die Games gleich nach dem Auspacken löschen - sie machen ihrem Ruf alle Ehre! Wer sich gerne an nackten Zahlen orientiert: Kishontis JBenchmark-Test liefert zunächst einen überraschend niedrigen Wert von 280 Zählern, 3D- und HD-Test offenbaren aber, dass ein leistungsfähiger 3D-Beschleuniger unter der Haube steckt: die 3D-Gaming-Tests erreichen mit 16fps Bestwerte.
Lange Texte wird man trotz vorinstallierter QuickOffice Suite (V3.6.52.0) und QWERTZ-Tastatur wohl kaum auf dem M600i verfassen - dennoch ist die Unterstützung für alle gängigen Typen von Office-Dokumenten gegeben: wir konnten DOC, XLS und PPT-Dateien mit dem Gerät direkt aus einer eingegangenen EMail öffnen und weiterbearbeiten. Gerade bei Excel-Sheets gestaltet sich die Arbeit mit dem Smartphone etwas träge, dafür kennt sich die Applikation mit mehreren Arbeitsblättern, Formeln und Formatierungen aus. Über den vorinstallierten PDF+-Viewer lassen sich auch PDF-Dateien darstellen, mangels Antialiasing und einer reichlich langsamen Rendering-Engine gefiel uns die Ansicht aber weniger gut als beispielsweise beim Samsung-typischen Picsel-Viewer. Alle Office-Programme können ihre Ansicht aufs Querformat umstellen und die gesamte Displayfläche ausnutzen, ein kleines verschiebbares Menüsymbol am oberen Bildschirmrand dient dann als Rückweg zum Kontextmenü.
Anders als bei vielen S60-Handys wird Sony Ericssons M600i auch mit erweiterten Rechen- und Zeitfunktionen ausgerüstet: neben dem obligatorischen Taschenrechner gibts einen Währungs- und Einheitenrechner, eine Stoppuhr und einen Timer. Die Notizblockfunktion ersetzt den obligatorischen "Jotter" von UIQ2: mit ihr lassen sich handschriftliche Notizen und Skizzen verwalten.
Der wahre Clou des UIQ-Systems liegt wie immer bei der Erweiterbarkeit: Entwickler können eigene Programme entwerfen, der Pool an entsprechenden Applikationen ist für UIQ3 aber noch vergleichsweise klein. Nur wenige UIQ2-Programme, die auf Motorolas A925 oder dem P910i ihren Dienst verrichteten, laufen ohne Modifikation auf dem M600i oder einem seiner Verwandten. zu den spannendsten Erweiterungen, die man über nahezu alle bekannten Software-Kanäle beziehen kann, gehören Wörterbücher wie SlovoEd oder PONS, aber auch Chat-Applikationen wie der beliebte Unified Messenger IM+, der sowohl mit dem ICQ- als auch mit dem MSN-Protokoll kommuniziert. top
Alles neu macht UIQ3. Denkt man, wenn man ein Handy mit dem System erstmals bedient. Doch nach einiger Zeit macht sich Ernüchterung breit: wer längere Zeit mit dem P910i oder einem vergleichbaren UIQ2-Modell gearbeitet hat, wird in erster Linie die kosmetischen Änderungen am System entdecken, die Bedienung des Systems und die Lage vieler Menüpunkte bleibt nahezu unangetastet. Das Frontend des Systems wird ausschließlich über eine Vektorgrafik-Engine gerendert, Menüpunkte faden leicht ein und aus, Texte lassen sich in vielen Bediensituationen in mehreren Stufen zoomen. Doch als echten Genuss empfanden wir die Stylus-basierte Handhabung des M600i nicht. Zu zögerlich reagiert das Telefon auf Nutzereingaben. Laufen viele Prozesse im Hintergrund, wartet man bisweilen mehrere Sekunden auf eine Reaktion. In der Grundversion der Firmware kam eine außerordentlich nervige Eigenschaft hinzu, die sich nach wie vor in den (Un-)tiefen von Symbian/UIQ versteckt: enthält eine Applikation zu viele Memory-Leaks, entscheidet sich das Handy unter Umständen selbständig, einen Neustart durchzuführen, der bis zu drei Minuten in Anspruch nimmt. Die geradezu freche Mitteilung "Ihr Telefon wurde zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit neu gestartet" bleibt einem bei Nutzung der aktuellen Softwareversion aber erspart. Um der Langsamkeit des Seins vorzubeugen, ist man äufig bemüht, eingefrorene Prozesse - wie etwa den Mail-Client - manuell via Taskmanager aus dem Speicher zu schubsen und stellt im Anschluss fest, dass die lange erwartete Mail nach einem Neustart plötzlich doch im Posteingang aufläuft.
Zugute halten muss man dem Unternehmen, das es sich aus besagten Gründen mittlerweile "persönlich" um das zickige UIQ3-System kümmert. Immerhin kann der Taskmanager - anders als beispielsweise bei Windows Mobile - aus jeder Bediensituation heraus über einen Softbutton im rechten oberen Eck des Bildschirminhalts aufgerufen werden. Ihm gegenüber auf der linken Seite sitzt ein kleiner Shortcut-Button, mit dem sich zentral neue Dokumente, Termine oder Nachrichten anlegen oder gerade aktive Verbindungen verwalten lassen. Alle Symbole im oberen Statusbereich des Telefons sind klickbar: so kann man sich über gerade aktive Bluetooth-Verbindungen oder die GPRS-/UMTS-Connectivity unterrichten, das aktuelle Klingeltonprofil umschalten, die Tastensperre aktivieren oder den Ladezustand des Akkus abfragen.
UIQ war zwar immer eine Betriebsplattform, die man über einen Touchscreen bedienen musste, die stets aber auch Alternativen zum schmierigen Tippen und Streicheln der Displayoberfläche bot. Bei der dritten Systemversion manifestiert sich die Smartphone-Bedienbarkeit in erster Linie im Hauptmenü: dieses präsentiert sich jetzt in einer daumenfreundlichen 3x3-Gitteransicht, kann aber für gewohnte P910i-Nutzer auch auf eine Listenansicht zurückschalten. Die Bedienung der fitzeligen Statusicons bedürfen hingegen der Zuhilfenahme des Stylus oder spitzer Fingernägel. Sehr schön löst UIQ die neue Tagesansicht, die mit "Heute!" betitelt wird und sich offiziell "Aktivitätsmenü" nennt. Ein Druck auf das kleine Kreuz neben einem Eintrag öffnet eine Listenansicht, die ähnliche Informationen wie S60's ActiveStandby oder Windows Mobile's Today-Screen bietet. Auf einen Blick erfährt man, wie viele Mails ungelesen in den Posteingängen schlummern, wie viele Aufgaben anstehen oder ob man Anrufe verpasst hat.
Das flexible Skinning-Konzept der gängigen Sony Ericsson Lifestyle- und Multimedia-Phones wurde auf UIQ übertragen: neben dem Bildschirmhintergrund und dem Klingelverhalten wirken sich die drei mitgelieferten Themes auch auf die Buttons aus - Icons bleiben bei den ab Werk installierten Bildschirmthemen hingegen unangetastet. Eine sprecherunabhängige Sprachwahl- und Steuerung sucht man vergeblich am M600i, lediglich das Zauberwort zur sprachgesteuerten Aktivierung der Sprachfunktionen hat man zu UIQ hinübergerettet.
Alle Schwächen, die wir im Vorfeld zur Sprache brachten, könnten angesichts der erstklassigen Textfunktionen des M600i in den Hintergrund treten. In der Tat geht einem das Tippen auf den Wipptasten schon nach wenigen Minuten in Fleisch und Blut über. Die Eingabe von Text über das bewährte, Graffiti-ähnliche Handschrifterkennungssystem klappt ebenfalls einwandfrei, anders als bei Windows Mobiles "Transcriber" lassen sich aber nur einzelne Buchstaben oder Ziffern auf den Touchscreen zeichnen. Alle Eingabemethoden profitieren von einer prädiktiven und lernfähigen Textvervollständigungsfunktion, die auch ganze Satzbestandteile erraten kann. top
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