Auf dem Olymp der Smartphones wird die Luft immer dünner. Konnte Göttervater Research In Motion (RIM) vor zwei Jahren noch alleine den Markt für E-Mail-Push-fähige Endgeräte regieren, mischen jetzt auch Microsoft-basierte Geräte von Samsung und Motorola sowie Nokias Symbian-Smartphones mit. Der kanadische Marktführer hat die Gefahr erkannt und versucht nun seinerseits, auf dem Privatkundenmarkt Fuß zu fassen: der Blackberry 8100 "Pearl“ ist nicht mehr so nüchtern auf Business getrimmt wie andere Modelle von RIM, sondern integriert auch multimediale Features wie eine Kamera und einen MP3-Player. Ein schwacher Kompromiss oder ein herausragendes Allround-Smartphone? Wir haben uns das Gerät genauer angeschaut.
Das Pearl erreichte uns in einer ungebrandeten Mini-Schachtel. So kompakt wie das Smartphone selbst präsentiert sich auch die Verpackung, die darüber hinaus mit ihrem zurückhaltenden Design kaum erkennen lässt, dass drinnen ein Gerät steckt, das den Strategiewechsel eines ganzen Unternehmens symbolisiert: mit dem Pearl sollen erstmals keine designierten Businesskunden, sondern in erster Linie Privatnutzer von Blackberry-Produkten überzeugt werden. Das bedeutet nicht, dass die Kanadier auf ihre typischen Business-Beilagen verzichten: nicht nur ein simpler Netzstecker wurde in die kleine Verpackung gesteckt, sondern gleich noch zwei Adapter, die den Pearl auch in Australien oder Japan mit den Steckdosen verbinden. Daneben liegen eine 128 MB starke microSD-Karte, ein kabelgebundenes Stereo-Headset und ein USB-Datenkabel.
Erstaunlich mager fällt die von Vodafone gebrandete Bedienungsanleitung aus: lediglich zwei dünne Heftchen vermitteln "Erste Schritte" sowie "Tipps". Der Neuling, der sich mit den umfangreichen Funktionen seines Pearl vertraut machen möchte, muss das 270 Seiten starke digitale Benutzerhandbuch im PDF-Format auf der mitgelieferten CD-ROM durchblättern. Der Lieferumfang des Pearl besticht vor allem durch seine knochentrockene Nüchternheit: alles ist auf engstem Raum in den Karton gequetscht und in Plasiktüten eingeschweißt. Das ist praktisch, macht aber keinen exquisiten Eindruck. Verpackung und Ausstattungsniveau werden dementsprechend niemanden zu Jubelstürmen verleiten, sonder eher für stummes Kopfnicken sorgen. top
Um es vorsichtig auszudrücken: das Design von Blackberrys war bisher nicht gerade stylisch oder gar stilprägend– die klobige Form und die langweilige, zurückhaltende Materialwahl vermittelten eher den Eindruck, dass sich Smartphones aus dem Hause RIM allesamt perfekt dem grauen Anzug ihres Besitzers anpassen. Umso überraschter ist, wer zum ersten Mal den Pearl erblickt.
Der Name ist hier Programm: edel wie eine Perle glänzt das Smartphone seinen neuen Besitzer an. Möglich wird dies durch die exquisite Materialwahl: die gesamte Verschalung des Pearl glänzt in schwarzem Klavierlack, der lediglich von den blankpolierten Metalleinfassungen an den Seiten und dem ebenfalls glänzenden Weiß des Ziffernblocks durchbrochen wird. Doch nicht nur das Material verleiht dem Pearl eine elegante Optik, auch die abgerundete, flache Form (107x50x15 mm) trägt dazu bei. In Verbindung mit einem Fliegengewicht von nur 88 Gramm entsteht ein stylisches Barrenhandy, das perfekt in der Hand liegt und sich für jede Hemd- und Hosentasche eignet - aber eigentlich zu schade ist, um darin versteckt zu werden. Einziger Nachteil: jede Berührung bestraft der Glanzbarren mit fettigen Fingerabdrücken. Die Mitnahme eines Putztuchs ist für jeden Pearl-Besitzer Pflicht.
Die Kamera wurde in die glänzend-schwarze Rückfront integriert, und auch hier bleibt das Pearl seinem Namen treu: die Linse ist von einer auf Hochglanz polierten Metallschale eingefasst. Überhaupt gilt: alles was nicht in Klavierlack gehalten ist, glänzt metallisch. Auch der Druckknopf für die Akkuverschalung und die Buttons an den Seiten des Gerätes schimmern in edlem Metallic-Look. Unter dem Akku befinden sich die Edelstahlhalterungen für SIM- und microSD-Karte. Nachteil der Schiebemechanismen: zum Wechseln der microSD-Karte muss man den Akku entnehmen.
Dumm auch, dass die Akkuverschalung, die fast die gesamte Rückseite des Smartphones einnimmt, gar nicht auf den Druckknopf angewiesen ist. Wie sich im Test heraus stellte, genügt bereits ein leichter Druck auf die Rückseite, um die Verschalung einhändig abzuschieben. Beim Tragen in der Hosentasche kann es vorkommen, dass sich die Akkuverschalung selbständig löst. Dieser eklatante Konstruktionsfehler lässt erahnen, dass die Verarbeitung des Pearl nicht so glänzend ist, wie der Außenlack suggeriert. Zwar konnten wir dem Gerät keine Knarzgeräusche entlocken, auch die gleichmäßigen Spaltmaße machten nicht den Eindruck, in einer halbdunklen Fabrikhalle auf die Schnelle zusammen gesteckt worden zu sein. Dennoch kann die Perle nicht glaubhaft vermitteln, den Beanspruchungen eines harten Geschäftslebens auch nur ansatzweise zu trotzen. Doch vor allem der Blick auf die Kameralinse sorgt für Kopfschütteln: die Designer von RIM haben auf die bewährte Billiglösung zurück gegriffen, einfach ein Loch in den Akkudeckel hineinzubohren. Das mag zwar preisgünstig sein, wird aber zum ärgerlichen Staubfänger. top
Das Display zeigt 240x260 Pixel an und stellt maximal 65.536 Farben gestochen scharf dar - das ist fürs mobile Office genauso wie für multimediale Anwendungen mehr als ausreichend. Zwar verbaut die Konkurrenz, beispielsweise Nokia mit dem E61, Komponenten mit mehr als 16,7 Millionen Farben, doch in Anbetracht der Displaygröße und Auflösung ist dieses Mehr an Farbe für den Betrachter ohnehin kaum mehr als ein Merketinggag. Viel wichtiger als die Farbtiefe sind Leuchtkraft und Kontrast des Displays und hier kann der Pearl bedingungslos überzeugen. Die hervorragende Ablesbarkeit aus der Schrägperspektive ist der letzte Beleg dafür, dass RIM eine qualitativ hochwertige Komponente verbaut hat. Einziger Kritikpunkt: das Display ist - im Gegensatz zu vielen älteren Baureihen - nicht transflektiv ausgelegt. Mangels Standbyanzeige muss man das Gerät stets aktivieren, um sich beispielsweise über die aktuelle Uhrzeit informieren zu können.
Die Tastatur des Pearl ist, wie schon beim Blackberry 7100, ein Kompromiss zwischen Design und Funktion: RIM setzt auf eine platzsparendende Grundtastatur mit 20 Tasten, die eine vollwertige QWERTZ-Tastatur abbildet. Der innere Tastenblock dient darüber hinaus als Zifferntastatur. Texte lassen sich mit Hilfe von RIMs SureType-Algorithmus eingeben, der ähnlich wie T9 Wörter erraten und vervollständigen kann (näheres zu diesem Feature im Abschnitt über ). Die Verarbeitung des Tastenfeldes fällt weder bravourös noch katastrophal aus: die eng beieinanderliegenden Tasten haben seitliches Spiel im Gehäuse, alle Tasten sind dementsprechend wackelfreudig, was Schnelltippern die Arbeit vereinfachen kann. Zur ungewöhnlichen Tastatur gesellt sich ein innovatives Bedienelement, das gestandene Blackberry-Fans allerdings als Blasphemie verschreien werden: statt des legendären Scrollrädchens findet man nur noch eine Tastenwippe auf der rechten Seite des Handys. Doch keine Panik, das Scrollrad hat einen würdigen Nachfolger gefunden und ist in die dritte Dimension gewachsen: ein Trackball - neben dem Glanzdesign auch für die Namensgebung des Geräts verantwortlich - thront im Zentrum der Gehäusefront.
Schnell stellt sich ein angenehmer Gewöhnungseffekt ein. In der Funktionalität mit einem Joystick bzw. 5-Wege-Navkey vergleichbar, gestaltet sich die Navigation durch die Menüs und die Ansprache von Funktionen via Trackball äußerst komfortabel: er ist empfindlich und gleichzeitig extrem präzise, so dass man das System fast wie mit einem Mauszeiger bedienen kann. Allerdings erkennt der Trackball nur jeweils eine von den vier möglichen Hauptbewegungsrichtungen - eine 9-Wegenavigation wie auf Nokias Communicator 9500 ist mit ihm nicht möglich. Doch das innovative Bedienkonzept gewinnt generellen Vorbildcharakter für Smartphones: HTCs Windows-Navigator Artemis (aka MDA compact III) ist dem Pearl bereits auf den Fersen.
Der Trackball wird von zwei Softkeys flankiert, neben denen sich wiederum die Telefonietasten befinden. Diese fünf Bedienelemente bilden die primäre Navigationsleiste des Pearl, an die die Zifferntastatur unterbrechungsfrei anschließt. Alle Tasten sind sehr kompakt angeordnet, doch dank der knackigen Druckpunkte und dem gut fühlbaren Anschliff jeder einzelnen Taste bringt diese gedrängte Anordnung keine Einschränkung in der Bedienung mit sich. An den Seiten des Smartphones findet der Nutzer praktische Shortcuts: eine Taste auf der rechten Seite aktiviert die Sprachsteuerung, auf der linken Seite sind Lautstärkeregler und die Kamerataste positioniert. Ein Button auf der Kopfseite des Blackberrys schaltet das Gerät nach längerem Druck in den Standby–Modus. Situationsprofile sind zwar auch vorhanden, müssen aber umständlich aus dem Menü heraus aktiviert werden. Die Tastaturbeleuchtung leuchtet das Tastenfeld kontrastreich aus; der Schwerpunkt des bläulich-weißen Lichts liegt auf Zifferntasten und dem Trackball. top
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