Kamera
Obwohl viele
Businesskunden sie scheuen wie der Teufel das
Weihwasser, baut HTC in die meisten seiner
Smartphones eine Kamera ein. Beim S620 hätte man
sie sich aber genauso gut schenken können: sie
nimmt Bilder mit der etwas betagten Auflösung von
1280x1024 Pixeln (1,3Megapixel)
auf und kann daher ganz sicher nicht mit
Multimedia-Handys oder aktuelleren Windows
Mobile-Smartphones mithalten. Den Fotos mangelt
es in erster Linie an Schärfe: Details
verschwimmen bereits auf ca. 50m Entfernung im
Dunst der zusammengerechneten Pixel und auch mit
der Schärfe nähergelegener Motive nimmt es die
Kamera nicht allzu genau. Fürs mobile Blogging
reicht die Auflösung allerdings aus und die
leuchtenden Farben lassen
schnell vergessen, dass man die Bilder besser
nicht auf Fotodruckern ausdrucken sollte.
Die von HTC selbst beigesteuerte Software zum Ansprechen der Kamera bietet vielfältige Einstellungsmöglichkeiten, die sich vom Weißlichtabgleich bis zur Überlagerung mit Rahmeneffekten erstrecken. Dramatische Unterschiede zwischen den Modi lassen sich aber nicht ausmachen. Gemäß den Anforderungen des Marktes ist die Kamera auch in der Lage, Videos aufzuzeichnen: sie werden entweder als 3GP/H.263, MPG4/H.264 oder als Motion JPEG auf den ca. 40MB großen freien internen Speicher gebannt und können maximal 176x144 Pixel groß werden. Das reicht für den Versand via MMS oder EMail, aber nicht zur Präsentation auf TV- oder PC-Bildschirmen.
Musik Abseits aller Business-Funktionen verwöhnt das S620 die Gemüter der musikverliebten Nutzerschaft. Während sich der Konsum von bandbreitenhungrigen Videostreams auf dem Quadband-Smartphone ohne UMTS verbietet, überzeugt der mobile Windows Media Player mit einer breiten Unterstüzung für unterschiedliche Soundformate. Zu ihnen zählen sowohl die Windows-typischen WMA-Files als auch von iTunes stammende M4A/AAC-Dateien und natürlich MP3s jeder Spiel-, Kodierungs- und Tonart. Neu aufs Gerät kopierte Musik- und Videodateien erkennt das S620 nach einem Druck auf "Musikbibliothek aktualisieren" automatisch und verwaltet sie in einer zeitgemäßen Ansicht, die nach Alben, Komponisten und Genre kategorisiert.
Der rückseitig integrierte Lautsprecher des S620 leistet gute Dienste, bewegt sich lautstärkemäßig aber nur im gehobenen Mittelfeld und ist bei kontrastreichen Höhen und Bässen nicht ganz knacks- und knisterfrei. Dem mitgelieferten Kabel-Headset lässt sich ebenfalls kein bombastischer Sound entlocken und mangels Klinkenadapter auch kein eigenes Headset anschließen; einen A2DP-Port, der das Ausweichen auf Drahtlosheadsets ermöglichen würde, ist leider nicht mit an Bord.
Nutzt man zum Aufspielen von Medieninhalten eine ActiveSync-Verbindung und Microsofts PC-basierten Windows Media Player 11 (z.B. Vista), darf man sich über die Synchronisation von CoverArts und Mediennutzungsrechten (DRM-Informationen) freuen. Kopiert man ein DRM-geschütztes Windows Media-File ohne Zuhilfenahme von ActiveSync aufs Smartphone, kann man bei Bedarf die Nutzungsrechte online erwerben. Will man Videos auf dem S620 betrachten, sollten sie in den Formaten 3GP oder MPG4 vorliegen und eine Kantenlänge von 320x240 Pixeln nicht überschreiten. Das S620 unterstützt einen Vollbildmodus, richtige Stimmung will wegen der kleinen Displayfläche aber nicht aufkommen. Einen Client fürs Videostreaming via MMS- oder RTSP-Kanal sucht man leider genauso vergeblich wie eine UPnP-Schnittstelle.
Eine Handvoll Klingel- und Hinweistöne findet man ab Werk in jedem Windows Mobile-Endgerät. Das S620 beruft sich auf den Standardumfang, sodass Individualisten gut damit beraten sind, sich selbst neue Klingeltöne aufs Gerät aufzuspielen. Deren Format ist fürs S620 unerheblich: Realsounds im MP3 und AAC-Format lassen sich ebenso festlegen wie AMR-Aufnahmen oder MIDI-Ringtones. Jedem Ereignis - von Anrufen bis zum EMail-Eingang - können beliebige Hinweistöne zugewiesen werden. top
PIM-Funktionen
Klare
Sache: Ein Windows Mobile-Endgerät, vor allem
eines, das wie ein Blackberry aussieht, kauft man
sich nicht (nur) zum Vergnügen. Dieses
Geräteklasse wird fürs bierernste
Business gebaut und soll dementsprechend
auch höchsten Anforderungen an Namensgedächtnis
und Terminverwaltung genügen. Microsofts
Standardsoftware beinhaltet eine umfassende
Kontaktverwaltung mit allen
erdenklichen Feldern wie mehreren Telefon- und
Faxnummern, EMail- und Postadressen. Die
Detailansicht gestaltet sich übersichtlich und
lässt sich leicht bedienen. Bei eingehenden
Anrufen und während des Gesprächs werden
großflächige Anruferbilder angezeigt. Schnell und
unkompliziert bedient sich auch die
Kontaktübersicht, die dank
SIM-Toolkit in der Lage ist, SIM-Kontakte in die
Ansicht hineinzumischen: um einen Kontakt zu
finden, tippt man einfach die ersten Ziffern
seiner Telefonnumer oder Buchstaben seines Namens
ein; das S620 zeigt dann die zu der Kombination
passenden Kontakte an.
Der Kalender von Windows Mobile 5 bietet einen vergleichbaren Funktionsumfang wie der eines gängigen Blackberrys, wirkt optisch aber weniger "dünn". Kalendereinträge lassen sich zwar nicht kategorisieren, dafür zeigt bereits die Monatsübersicht in einer etwas kryptischen Symbolik an, ob ein Termin vormittags, nachmittags oder ganztägig anliegt. Schade nur, dass in der Übersicht kein Tooltip auf die einzelnen Termine eines Tages hinweist; hierfür muss man zwangsläufig in die Tagesansicht wechseln. In der Wochenansicht schlägt sich farblich nieder, ob ein Termin als "Privat", "Vertraulich" oder "Geschäftlich" charakterisiert wurde.
Messaging Die Trumpfkarte im Ärmel eines jeden Windows Mobile-Handhelds ist die sofort verfügbare Push-Mail-Fähigkeit. Sie erschließt sich ausschließlich Unternehmen, die einen Exchange-Server (oder dessen OpenSource-Nachbau OpenXChange) als Groupware-Lösung einsetzen und ist damit nur für eine beschränkte, wenngleich ziemlich große Kundengruppe interessant. Exchange drückt nicht nur Mails nahezu in Echtzeit via GPRS-Verbindung aufs S620, sondern synchronisiert auf Wunsch auch die Kalenderinformationen. Zum Einrichten der Funktionalität benötigt man in der Regel kaum mehr als den Server-URL und seine Anmeldedaten – ActiveSync richtet nach Eingabe aller relevanten Informationen selbständig den Account auf dem Endgerät ein.
Outlook Mobile kann auch mit Postfächern auf IMAP/POP3-Basis umgehen; beim Einrichten wird der Nutzer von einem freundlichen Assistenten unterstützt, der sogar die Serverinformationen des Erzrivalen Google kennt und die dort zum Einsatz kommenden Sicherheitsports StartTLS und SSL richtig einträgt. Die Email-Übersicht ist angesichts des quer liegenden Displays etwas beschränkt: maximal 4 Kopfzeilen passen samt Betreffzeile gleichzeitig aufs Schirmchen. Mit Hilfe des JOGGR-Scrollfelds rollt man aber bequem und schnell durch die Liste. Innerhalb einer EMail verhält sich der JOGGR etwas eigenwillig: hier wechselt er in Windeseile durch alle in einer Nachricht vorhandenen Hyperlinks. Auf die Darstellung von HTML-Mails versteht sich HTCs S620 nicht, ein Upgrade auf Windows Mobile 6.0 ist für Liebhaber dieser nicht unbedingt mit Zusatznutzen verbundenen Funktion unumgänglich.
Freilich werden auch weniger fortgeschrittene Messaging-Funktionen unterstützt. Outlook Mobile zeigt MMS und SMS innerhalb der gleichen Ordnerstruktur wie EMails an. Doch aufs SMSen kann man mit dem S620 getrost verzichten, sofern der Chatpartner über einen Zugang zu Microsofts Netzwerk MSN verfügt: wie die meisten aktuellen Windows Mobile-Endgeräte verfügt HTCs Smartphone über einen Client fürs Messenger-Protokoll, über den sich auch Mehrfachchats realisieren lassen. Datenversand, Emoticons und mehrere parallele Chats bleiben dem Nachfolgesystem vorbehalten. top
Spezialanwendungen/Java Für Programmierer dürfte Windows Mobile der heilige Gral sein, denn man kann aus drei verschiedenen Plattformen für seine Software wählen: während sich nur eingefleischte Gurus an die Programmierung von nativer WindowsCE-Software auf C++-Basis herantrauen dürften, kann das S620 in begrenztem Maß auch mit .NET-Programmen und Java-Midlets umgehen. Letztgenannte laufen auf dem Gerät dank der leistungsfähigen Intent JTE-Java Engine äußerst schnell; im Jbenchmark2.0 schafft das Smartphone über 720 Punkte und ist damit sowohl für Spiele als auch für business-lastige Java-Applikationen gut vorbereitet. Ärgerlich nur, dass der Java-Maschine keine JSR-Erweiterungen zur Verfügung stehen, mit denen sich Bluetooth- oder Webservice-kompatible Anwendungen koppeln ließen. Auch 3D-Games auf Java-Basis bleiben außen vor. Der seit Urzeiten vorinstallierte "Midlet Manager" verwaltet die Installation und Ausführung von Java-Software auf dem S620.
Statt auf Microsofts Office Mobile zu setzen, wählt HTC auch beim S620 die von ClearVue bereitgestellten Applikationen zum Betrachten gängiger Office-Dateiformate wie .doc, .xls und .ppt sowie PDFs. Alle Dateibetrachter zeichnen sich weder mit überragender Ausführungsgeschwindigkeit noch mit einer vollwertigen Desktop-Darstellung der Dokumente aus, helfen aber vielreisender Vertriebsbelegschaft, ihre Präsentationen auf dem Weg zum Kunden zu verinnerlichen. Findet sie dabei Fehler, ist der Griff zum Notebook oder Telefonhörer aber unumgänglich, denn verändern lassen sich Dokumente mit der werksseitig installierten Software nicht.
Connectivity/Browsing/Sync Telefonisch ist man mit dem S620 weltweit erreichbar: das Handy versteht sich aufs mobile Funken in allen vier GSM-Bändern. Downloads beschleunigt HTCs Smartphone mit Hilfe des mittlerweile im Ausbau befindlichen EDGE-Standards auf über 200kB/s. Das reicht zwar nicht für Videotelefonate, genügt aber EMail-hungrigen Kunden, ihre Nachrichten permanent in Echtzeit zu empfangen und erlaubt auch das zügige Browsen auf Informations-Websites. Statt 3G-Funk setzt HTC auf eine WLAN-Komponente, mit der man das S620 an WEP und WPA-verschlüsselte Hotspots anschließen kann. Die T-Mobile-Variante MDA Mail verfügt nicht über diese lokale Funktechnik.
Das Smartphone eignet sich daher hervorragend als Mobiltelefon für Innen- und Außendienstler, die hauptsächlich mit kurzen Mails umgehen müssen und keine größere Datenmengen verschieben wollen. Will man sein Notebook ans Internet anschließen, kann man das S620 via Bluetooth-PAN oder USB-Verbindung koppeln, um die Funkverbindung für den tragbaren Rechner freizugeben. Auch verschlüsselte VPN-Verbindungen ins firmeneigene Intranet sind so möglich. Autofahrer profitieren darüber hinaus von einer stabilen Audio-Gateway-Funktion, die das Mono-Sprachsignal an Bluetooth Headsets weiterleitet und einem SAP-Profil, mit dem andere Geräte auf den Inhalt der SIM-Karte zugreifen können.
Wer unterwegs Informationen aus dem Internet abrufen will, greift auf den Windows Mobile-typischen Internet Explorer zurück. Er kann sowohl mit HTML-Webseiten als auch mit XHTML-Sites umgehen, stellt aber nur einen Ausschnitt der gesamten Webseite dar. Das querliegende Display macht Surfausflüge zwar noch etwas komfortabler als auf manchem anderen Windows Mobile-Handheld, an die Bedienbarkeit und Übersicht von Nokias MiniMap-Browser oder Opera Mobile reicht Microsoft Internetbetrachter aber nicht heran. Auch fehlen ihm zeitgemäße Funktionen wie RSS-Abonnements, virtuelle Tabs oder eine visuelle Historie. Fürs kurze "Angooglen" einer Stammtischfrage reichts aus; wer echten Komfort will, kann aufs finale Release des neuen Microsoft-Browsers Deepfish warten.
Vorausgesetzt, man betreibt auf seinem PC eine mit Outlook verwandte Software (z.B. Windows Mail auf Vista) zum Verwalten von Kontakt- und Kalenderdaten, lassen sich alle Daten via ActiveSync/Mobile Device Center und USB- bzw. Bluetooth-Schnittstelle im Handumdrehen synchronisieren. Die Treiber sind mittlerweile ausgereift und erkennen das S620 kurz nach dem Anschließen. Eine Software-CD lag dem uns zur Verfügung gestellten Testmuster nicht bei - als Hauptvertriebskanäle werden T-Mobile und O2 selbst aber für eine entsprechende Beigabe sorgen. Windows Vista-Nutzer müssen ohnehin nichts installieren, XP-treue Kunden können sich ActiveSync 4.5 mit Mediaplayer-Support kostenlos von Microsofts Website besorgen. Wer seinen Arbeitsalltag mit einem anderen Betriebssystem auf seinem PC bestreitet, wird sich mit dem Datenabgleich deutlich schwerer tun; als mögliche Alternative - neben Virtualisierung und Emulation - bietet sich der Einsatz eines Adapters wie Missing Sync für MacOS/iSync an. Mitglieder der Linux-Fangemeinde haben in puncto Desktop-Synchronisation erstmal das Nachsehen, da keines der aktuellen Sync-Projekte sich auf Windows Mobile 5 versteht. Systemunabhängige Abhilfe schafft - dank WLAN-Fähigkeit auch auf dem S620 (aber nicht dem MDA Mail) nutzbar - die Java-basierte Software FinchSync. Sie übermittelt PIM-Daten über einen Socket-Port zwischen zwischen einem Thunderbird-Kalender und dem Windows-Handheld.
Es wurden noch keine Kommentare abgegeben.