Weltweite Walkman-Erfolge hin, anerkannte Cyber-shot-Qualität her, mit dem T650 besinnt sich Sony Ericsson auf einen echten Klassiker, und hat sich dabei vor allem in der Kategorie "Design" eine Menge vorgenommen. Vier Neuheiten wurden am 8. Mai in München vorgestellt, und einige Fachjournalisten hätten Ihren Monatslohn darauf gewettet, dass eines davon das K850i mit 5-Megapixel-Kamera sein wird - schließlich geisterten bereits Wochen vorher erste Gerüchte und Bilder durchs WWW. Doch Pustekuchen: Neben dem Smartphone P1i und zwei schicken Einsteigerhandys präsentierte das erfolgsverwöhnte Unternehmen mit dem Modell T650i ein klassisches Candybar-Handy, dessen Ur-Ur-Urvater das T610i ist.
Wir erinnern uns: 2003 war dieses Mobiltelefon eines der ersten gemeinschaftlich produzierte Sony Ericsson-Handy und gleichzeitig eines der ersten vollwertigen Kamerahandys auf dem Markt. Da auch die Nachfolgermodelle (z.B. T630) nicht minder erfolgreich waren und zeitweise sogar die Bestenlisten anführten, ist eine Rückbesinnung auf den ehemaligen Bestseller nur ein logischer und sinnvoller Schachzug.
Eine optische Reminiszenz zum T610 ist beim jüngsten T-Spross unübersehbar. Nicht nur, dass es sich um ein Candybar-Modell handelt, auch der überaus schlicht und kantige Formfaktor wurde vererbt. Damit hat es sich aber auch schon mit den Design-Parallelen. Von Polarlichtern inspiriert versuchen die Designer, ein neuartiges visuelles und haptisches Gesamtkonzept zu schnüren. Das fängt schon bei der Auswahl der Materialien an. So folgte Sony Ericsson dem allgemeinen Trend, das Cover durch eine Edelstahloberschale zu veredeln. Dieses Material ist quasi das "kleine Schwarze" unter den Oberschalen, denn es sieht irgendwie immer gut aus und fühlt sich sehr hochwertig an.
Neue Pfade beschritten die Designer beim Tastatur-Layout. Glücklicherweise verpassten sie dem T650 nicht die dünnen Tastaturstifte eines W880i, mit denen vor allem die Herren der Schöpfung nicht wirklich zu Recht kommen, sondern kleine, quadratische Tastaturknöpfe. Diese Drücker im Metall-Look wirken zwar äußerst mickrig, lassen sich aber dank der großen Zwischenräume und einwandfreier Druckpunkte wunderbar bedienen.
Auch beim geräumigen QVGA-TFT-Display mit 1,9 Zoll Durchmesser ließen sich die in England ansässigen Schweden und Japaner etwas Neues einfallen. Nicht nur, dass der Bildschirm erfreulich brillant und kontrastreich ausfällt, geschützt wird das Display auch durch ein neuartiges Mineralglas, das gleich einen mehrfachen Nutzen hat. Es ist deutlich resistenter gegen Kratzer als herkömmliches Acryl, ermöglicht einen flacheren Betrachtungswinkel, kann auch bei starker Sonneinstrahlung gut abgelesen werden und Farben wirken intensiver.
Ein weiterer Pluspunkt des T650i ist die flache Bauweise. Mit 1,25 cm Bautiefe gehört der Halbschwede zu den schmalsten UMTS-Handys auf dem Markt. Im Zusammenspiel mit den Farben "Midnight Blue" und dem – gewagteren – "Growing Green" gelang es dem Unternehmen, das typische Sony Ericsson-Design mit einer gehörigen Portion kühler Noblesse zu kombinieren.
Zum echten Hingucker wird das T650i aber vor allen dann, sobald es dunkel wird, denn Sony Ericsson griff bei der Illumination tief in die Trickkiste. Okay, die langen LED-Leisten an den Seiten sind nicht unbedingt einzigartig, doch im Zusammenspiel mit den anderen Leuchteffekten auf dem Display und unterhalb der Tastatur gelang Sony Ericsson fast ein kleines Kunstwerk. Die Innovation: Die LED-Leuchten passen sich stets den Vorgängen auf dem Display an. Wechselt im Menü die Farbumgebung, passt sich also auch automatisch die Tastaturhintergrundbeleuchtung an.
Und der Hersteller geht noch einen Schritt weiter: Auch Display-Animationen haben Einfluss auf die Illumination der Tastatur. Beispiel: Wenn auf dem Display als Bildschirmschoner abstrakte Tropfen herunterfallen, fallen diese quasi noch weiter herunter, da die Tastaturbeleuchtung eine Wellenbewegung nach unten simuliert. Dieses kombinierte Licht/Display-Spektakel mag zwar keinen größeren Nutzwert haben, sieht aber unverschämt lässig aus. Ganz klar: Das entsprechend getunte T650i ist der unbestrittene König in jeder schummrigen Cocktailbar! Um diesem ganzen Disco-Feeling noch die Krone aufzusetzen, verändert sich das Lichtspiel überdies auch immer passend zur Tageszeit und sogar zur Jahreszeit! Durch dieses konsequente Lichtdesign wird das Mobiltelefon "emotionalisiert", was in Zeiten des Bedürfnisses nach Individualität sicherlich eine kluge Strategie von Sony Ericsson ist.
Die satten 550 Euro, die Sony Ericsson als Startpreis fürs T650i anpeilt, resultieren nicht nur aus dem größeren Materialaufwand, sondern auch aus dem prall geschnürten Ausstattungspaket: das Triband-Gerät beherrscht mühelos die komplette Mobiltelefon-Klaviatur. Dazu zählt unter anderem das UMTS-Handwerk, Stereo-Bluetooth (A2DP), alle gängigen Organizer-Funktionen, Sprachwahl/-steuerung, Diktiergerät, Freisprecheinrichtung sowie ein Slot für Memory Stick Micro-Sticks. Unter allen Features sticht aber vor allem die 3,2 Megapixel-Kamera hervor – die erste von Sony Ericsson außerhalb der Cyber-shot-Modelle. Erste Schnappschüsse mit der Autofocus-Kamera hatten allerdings noch merkliche Schwierigkeiten mit der Scharfstellung - man darf allerdings jetzt schon mutmaßen, dass sie ohnehin nicht auf dem Niveau eines K810i ankommen wird.
Beeindruckend ist auch das Zubehör, denn im Karton des Halbschweden liegen Dinge, die alles andere als obligat sind. Neben einem USB-Kabel und einer 256 MB-Speicherkarte, gehört auch ein schicker Tischständer, eine dezente Schutzhülle sowie die portable Stereo-Freisprecheinrichtung HPM-75 zum Lieferumfang dazu. Ob auch ein normales Headset im Karton liegen wird, ließ der Hersteller bislang offen. Wenn wir schon von fehlenden Dingen sprechen: Während die Konkurrenz immer stärker auf HSDPA und integrierte GPS-Empfänger setzt, verzichtet Sony Ericsson bewusst auf den Datenturbo und jede Art von Navi-Lösung. Die schlichte Begründung: Das Unternehmen werde erst entsprechende Geräte auf dem Markt bringen, wenn die Konsumenten es auch wirklich verlangen. Der Standpunkt ist sicherlich diskussionswürdig, aber der bisherige Erfolg gibt ihnen offensichtlich Recht.
Ein anderes Statement auf der Pressekonferenz sorgte hingegen für Schmunzeln: Auf die Frage, ob Sony Ericsson wie LG oder Motorola auch Kooperationen mit bekannten Designern wie Prada oder Dolce&Gabbana anstrebe, kam lediglich die knappe Antwort, dass Sony Ericsson derartige Zusammenarbeiten nicht nötig hätte, um Mobiltelefone zu verkaufen. Ein selbstbewusster Seitenhieb eines Unternehmens, das derzeit auf der Erfolgswelle schwimmt.
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