Oktober 2005: Nokia stellt mit der E-Series eine für Unternehmen optimierte Endgerätereihe vor, die mit durchdachtem Software- und Schnittstellenumfang aufwartet. Vertreter wie das E60 und das E61 lösen den bewährten Communicator in der Produktpalette ab, das leichte E50 wird zum finnischen Einsteigermodell fürs S60-Business. Ende des ersten Quartals erschien der Slider E65, dem es trotz seines schmalen Äußeren nicht an Funktionen mangelt. Wir haben uns das Telefon, das von Werbeträgern aller Art mit nahezu penetranter Häufung ins Auge sticht, näher angeschaut.
Ein E ist kein N und so gestaltet sich auch der Lieferumfang des E65 etwas dünner als bei den Highend-Modellen der Nseries. Datenkabel, Ladegerät, Software-CD und kabelgebundenes Mono-Headset sorgen dafür, dass man sich als Nachrichten- und Telefoniezentrischer Nutzer nicht mit ergänzendem Zubehör eindecken muss, eine Speicherkarte sucht man allerdings vergeblich. Darüber tröstet das samtschwarze Handytäschchen mit roter Kordel hinweg, das dem E65 unterwegs eine flauschige Behausung bietet und es vor Umwelteinflüssen schützt. Die Bedienungsanleitung ist umfassend und geht auch am Rande auf Sondermerkmale des Telefons wie Internetanrufe und Konferenzgespräche ein. Viele Fragen nach der Funktionsweise spezieller Features bleiben aber offen. Sprachlich würzen die Finnen das Handbuch mit Kürze. Unser Favorit lautet: "Hinzuf. eines empf. Kalendereintr. zu Ihrem Kalender". top
Zeit, mit Vorurteilen aufzuräumen. Ein Nokia-Handy ist klapperig und schlecht verarbeitet? Nein: am E65 knarzt kein Akkudeckel, wackelt kein Schiebemechanismus und klappert keine SIM-Kartenhalterung. Nokia-Handys sind aus minderwertigem Plastik gefertigt? Keineswegs: das E65 besteht aus robustem, metallisch glänzendem Kunststoff, die Rückseite ziert ein Lederimitat und die Frontschale wird mit Hilfe einer fein geriffelten Kunststoffgrundierung gegen Fingerabdrücke geschützt.
Harte Fakten: 105x49x15.5mm misst das Gehäuse des E65 und reiht sich damit beinahe schon in die Gerätegruppe Ultraslim ein. 115 Gramm Gewicht sorgen dafür, dass man das Handy beim Kramen in der Tasche nicht übersieht. Warum der Slider reichlich schwer ausfällt, erklären wir in den Ausstattungsabschnitten in Teil II-IV. Schwer ist auch der Slidermechanismus - schwer zu bemängeln: er gleitet fast wie von selbst auf einer langen Kunststoffschiene auf und zu und federt perfekt an den Endpositionen ab. Seitliches Spiel hat er nicht und auch das Spaltmaß zwischen Ober- und Unterteil bewegt sich noch im grünen Bereich.
Interieur AluminiumschieberWas meinen Sie: können Sie ein Handydisplay mit 262.144 Farben von einem Display mit 16 Millionen Farben unterscheiden? Wir auch nicht, denn selbst auf dem mit 240x320 Pixeln vergleichsweise hoch aufgelösten Display des E65 bedeuten die 2Bit Genauigkeit bei der Farbdarstellung keinen Unterschied für die wahrnehmbare Qualität. Die Marketingabteilung freut sich und der geneigte Käufer profitiert von einer glasklaren, präzise abgrenzenden und nahezu rasterfreien Darstellung aller Inhalte. Äußerst positiv auf die Ablesbarkeit wirkt sich die transflektive Hintergrundbeschichtung des E65-Display aus: sie erlaubt es, den Displayinhalt auch dann noch zu erkennen, wenn die Hintergrundbeleuchtung abgeschaltet ist und dank ihr bleibt das Display auch unter stärkster Lichteinstrahlung noch gut ablesbar.
Neue Wege beschreitet Finnlands größter Elektronikexporteur auf der Suche nach der optimalen Tastaturergonomie. "Wir haben zugehört", könnte das Leitmotto der Finnen lauten, wenn der Spruch nicht bereits anderweitig vergeben wäre, denn die Aufmachung der Tastatur auf der stets zugänglichen Slideroberseite lässt sich nicht ins gewohnte Einheitsbild von Nokia-Mobiltelefonen einordnen. Im Vordergrund beim Tastendesign standen Telefonfunktionen: ihnen widmet die Tastatur gleich drei Tasten fürs Adressbuch, für Konferenzgespräche und fürs Stummschalten des Mikrofons. Die vierte Taste darf man selbst frei belegen, um beispielsweise schnell auf den Kalender, den Browser oder die Kamera zugreifen zu können.
Leider hat das kompakte Tastenfeld auch seine Schattenseiten: die das Feld einrahmenden Telefon- und Softkey-Tasten sowie der Rand des Navkeys sind außerordentlich dünn ausgefallen, sodass man während der Bedienung immer wieder aus Versehen die Telefontasten anwählt. Dramatisch eng wirds bei der unabdingbaren Menütaste: auch S60-Kenner werden erst nach einigem Suchen auf sie stoßen. Die Stifttaste, bei S60 bekanntermaßen für Kopier- und Einfügeoptionen gebräuchlich, verdrängt Nokia an die Seite des Geräts und spendiert ihr einen äußerst weichen, kaum erfühlbaren Druckpunkt. Mit dem muss sich auch die nicht weniger schwer erfühlbare Tastenwippe zur Lautstärkesteuerung und die winzige Taste zur Aktivierung des integrierten Diktiergeräts herumschlagen - das ging schon mal besser!
Absolut nichts zu meckern gibts an der aufgeräumten 12er-Tastatur auf der Sliderunterseite: große, dank mittiger Erhebungen gut erfühlbare Tasten mit weichen Druckpunkten vermitteln gutes Feedback über alle Eingaben. Zusätzlich lässt sich ein Piepsen als Tastenton festlegen. Die weiße und nicht besonders präzise Tastaturbeleuchtung schaltet das E65 nur bei Bedarf an; ein Helligkeitssensor am Kopf des Sliders entscheidet in weniger als 3 Sekunden selbständig, wann es hell oder dunkel genug ist, um das Licht an- oder abzuschalten. top
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