Sony Ericsson hat die Walkman-Reihe, Motorola hält mit seiner ROKR-Serie dagegen und bei Nokia gibt's die XpressMusic-Handys. Hauptaugenmerk ist bei allen aber die Musik. Samsung will nun mit den Vertretern SGH-i450, F330 und F210 die Konkurrenz das Fürchten lehren. Ob das mit dem kleinsten Vertreter der Musikreihe gelingt, zeigt dieser Test zum SGH-F210.
Beim Erhalt des Kartons ist man erst einmal ein wenig überrascht. Die flache Verpackung verkündet stolz, dass sie eine tragbare 2 Megapixelkamera beinhaltet, verhindert aber weitergehende Irritation durch die stylische Inszenierung des kleinen Musikhandys via Fotoaufdruck. Öffnet man den Lieferkarton, präsentiert sich eine handytypische Ausstattung, die fein säuberlich verpackt in einer Eierkartonschale aufgereiht liegt. Dazu gehören, neben dem Handy samt Akku selbst, wie immer das kabelgebundene Stereoheadset, ein USB-Kabel und ein Ladegerät. Da das Headset oder das Handy selbst keine Möglichkeit aufweisen, andere Kopfhörer per Klinkenstecker anzudocken, liegt dem Lieferumfang zusätzlich ein Adapter für diese Anschlussart bei.
Eine Software-CD mit der neusten Version der Medien- und Synchronisationssoftware Samsung PC Studio für Windows PCs sowie eine Garantiekarte, Registrierungsunterlagen und eine Gebrauchsanweisung komplettieren den Lieferumfang. Für etwas Erheiterung sorgte die Broschüre mit dem Titel "Korrekte Entsorgung dieses Produktes"; hoffen wir, dass man sie nicht allzu früh benötigt! Und das wars. Keine Speicherkarte? Richtig, doch bei 1 Gigabyte internem Speicher wird man die auch nicht allzu schnell vermissen. Damit erscheint die Gesamtausstattung zwar nicht übermäßig opulent, aber durchaus zweckmäßig. top
Der erste Blick in den Karton ist, wie bereits erwähnt, durchaus etwas verwirrend. Man erwartet ein Handy, soll laut Aufschrift eine Kamera vorfinden und sieht dann als erstes einen MP3-Player. Doch bei näherer Betrachtung erkennt der geübte Blick, dass es sich bei dem vermeintlichen Musikabspielgerät um das Handy samt Kamera handelt. Die Irritation ist nahe liegend: Mit den Abmessungen von gerade einmal 88x31x20 mm, einem Gewicht von 82g und der Form im zusammengeklappten Zustand erinnert das F210 frappierend an die Gehäuseexperimente, die man vor 3 Jahren im Handel fand.
Kein Wunder: Betrachtet man die Front, stechen 2 Hauptelemente hervor. Das ist zum einen das mit 176x220 Pixeln zwar halbwegs hoch aufgelöste, aber mit einer 1,5" kleinen Diagonale geradezu winzig anmutende Display, und zum anderen der silbrig glänzende Jogdial, den man ein wenig iPod-ähnlich mit dem Daumen dreht und der auch die Rolle eines Navkeys übernimmt. Über dem Display platziert der Hersteller seinen Namen, unmittelbar darüber befindet sich die schmale, ovale Aussparung für den gleichzeitig als Musiklautsprecher dienenden Telefonielautsprecher. Dabei wird die gesamte Front von einer, auch das Display überdeckenden, Plexiglasscheibe dominiert, unter der das Klavierlack-Schwarz der sonstigen Platikverkleidung des F210 in einem edlen Anthrazit-Ton glänzt.
Die mit bläulich schimmerndem glattem Lack überzogene Rückseite krönt Samsung mit einem silbernen Gehäuseabschluss, der sich separat abnehmen lässt und den USB-Kabelanschluss des Handys beherbergt. Das ist mal ein gewagtes Designexperiment, auf das sich Samsung da einlässt: Das mitgelieferte Headset mündet in einem Adapter, der genau auf diese Abdeckung passt - das ersetzt zwar nur das etwas fummelige Einstecken eines Kabels gegen das fummelige Aufsetzen eines kompletten Handyteils, sieht aber ungleich wichtiger aus.
Auf der linken Seite des Geräts befindet sich ein Schiebeschalter für die Tastatursperre, der das ungewollte Aktivieren des Musikspielers verhindert. Auf der anderen Seite fristet eine schmale, aber gut erfühlbare Lautstärkesteuerung ihr Dasein. Dreht man das kleine Schwarze auf, präsentiert sich das Grundgehäuse in diffusem Metallic-Grau, das sich auch großflächig auf dem Rücken der Oberseite fortsetzt und nur von einem winzigen Spiegel für Selbstportraits durchbrochen wird. Wie bei fast allen Handys muss auch beim F210 der Akku entnommen werden, um die SIM-Karte einlegen zu können, nur dass man hier mit dem Akkudeckel auch gleich den ganzen Akku in der Hand hält und auch für den Zugriff auf die externe Speicherkarte muss man die Stromzufuhr des Handys kappen. Etwas störend zwar, aber nicht wirklich schlimm - schließlich wechselt man Speicherkarten seltener als Unterwäsche.
Wo wir gerade beim Aufklappen sind: Die Mechanik des F210 benötigt nur einen leichten Impuls in die richtige Richtung, dann öffnet ein Federmechanismus das Handy automatisch, bis es nach vollendeter 180-Grad-Drehung sanft einrastet. Das sieht zwar schick aus, hat aber gleich 2 Nachteile. Einerseits fragt man sich, wie lange das wohl vernünftig funktioniert, andererseits, wie lange es dauert, bis das stylische Handy beim Versuch, es wie ein Klappmesser aufschwingen zu lassen, auf dem Boden landet. Denn beim Versuch, das SGH-F210 lässig mit einer Hand aufzuwirbeln, bleiben den verkrampften Fingern nur etwa 10 Millimeter Raum, um den unteren Teil sicher im Griff zu behalten und gleichzeitig das bewegliche Oberteil nicht an seiner Bewegung zu hindern. Doch das ist wohl ein zwangsläufig auftretendes Problem mit einem Handy, dass in etwa die Proportionen des Zeigefingers eines erwachsenen Mannes aufweist.
Rein optisch braucht sich das Musikhandy von Samsung mit seiner edlen Klavierlack-Metall-Mischung definitiv nicht zu verstecken. Gerade wenn der Spagat aus Fingerfertigkeit und Style beim Aufschwingen gelingt, garantiert es einen gelungenen Auftritt. Leider sollte man beim Erwerb des kleinen Musikanten auch gleich den eines Paares weißer Samthandschuhe mit in Betracht ziehen, denn die gediegene Optik zieht gleichzeitig eine erhöhte Fettfingeranfälligkeit nach sich. Als besonders robust erwies sich das schwarze Plastik im Test auch nicht gerade: Kleine Kratzer ließen sich trotz großer Sorgfalt nicht verhindern.
Bis auf die leichten Einschränkungen beim Drehmechanismus lässt sich wenig Negatives über die Verarbeitungsqualität sagen. Lediglich der chromglänzende Deckel fürs USB-Kabel weist etwas Spiel auf, sitzt aber dennoch fest genug, um nicht beim geringsten herbstlichen Windstoß vom Gehäuse zu fallen. Eine Auffälligkeit bemerkten wir bei unserem Testmuster allerdings: Direkt zwischen Tastaturblock und Drehmechanismus entdeckten wir mittig einen Haarriss im Kunststoff, dessen Ursprung wir aufgrund fehlender äußerer Beschädigung nicht mit Sicherheit verifizieren konnten. Deswegen dem SGH-F210 eine mangelhafte Materialwahl zu attestieren, wäre deswegen aber ungerechtfertigt. top
Wir haben es bereits erwähnt: Das Display ist kurz gesagt winzig. Dennoch schafft Samsung es, auf den gebotenen 176x220 Pixeln mit 262.144 Farben ein überraschend scharfes Bild darzustellen. Das geht so weit, dass einem die geringen Ausmaße nach kurzer Eingewöhnungszeit gar nicht mehr auffallen, solange man kein ausgewachsenes Handy danebenlegt. In puncto Farbbrillanz, Kontrastschärfe oder Leuchtkraft fiel uns auch auf den zweiten Blick nichts negativ auf. Lediglich wenn man das SGH-F210 weit nach vorne neigt, nimmt der Kontrast stark ab, ansonsten ist der Minimonitor auch aus niedrigen Winkeln gut ablesbar - gute Augen vorausgesetzt. Und noch einen Vorteil bietet das weniger als 4 Zentimeter in der Diagonale messende Display: Samsungs Entwickler mussten sich keine Gedanken um Antialiasing-Funktionen machen, die grobe Pixel oder Treppchenbildung bei der Schrift verhindern würde: Bei dieser Anzeigegröße verwischen die Bildpunkte ohnehin zu einem scharfen Gesamtbild.
Klappt bzw. dreht man das kleine Schwarze auf, kommt unter der dünnen, das Display beherbergenden Oberschale, die Tastatur zum Vorschein. Diese unterteilt sich in einen Navigations- und einen Ziffernblock. Erstgenannter enthält neben zwei Softkeys die Rufannahme- und Auflegen-, eine Löschen- sowie eine Extrataste für die Kamera.
Trotz der geringen Ausmaße geht das Tippen von Textnachrichten recht gut von der Hand, da Tastenhöhe und -breite nahezu identisch ausfallen. Obwohl die einzelnen Tasten nicht aus der Umrandung hervorstehen, fällt deren Unterscheidung dank der fühlbaren Wölbung nicht schwer. Allerdings weist die ganze Tastatur einen sehr kurzen Tastenhub mit etwas schwach ausgeprägten Druckpunkten auf. Insgesamt leistet sich die Anordnung der Tasten keine groben Schnitzer, auch wenn man anfangs unweigerlich anstelle der Löschentaste die Rufbeendentaste anwählt, was nach Bestätigung zur Löschung der ganzen Nachricht führt. Mit lediglich 2 Zusatztasten an den Seiten - Lautstärkenwippe und mechanische Tastensperre - ist das F210 sicherlich nicht überfrachtet.
Weniger Lob verdient sich Samsung mit seinem JogDial. Zwar funktioniert er besser als noch beim SGH-E740, dennoch kommt beim daumenkreisenden Navigieren mit dem chromglänzenden Rollrädchen keine rechte Freude auf. Zu oft verläuft man sich bei der Wanderung durch die diversen Untermenüs, weil man beim Bestätigen mit dem mittig im JogDial liegenden Anwahlknopf über einen der Menüpunkte hinwegspringt. Glücklicherweise kann das Silberrad aber nicht nur gedreht, sondern auch wie ein 5-Wege-Navkey benutzt werden.
Im Dunkeln wird die Unzulänglichkeit des JogDials dann noch etwas eklatanter, denn auf eine Beleuchtung für die zentrale Steuereinheit verzichtet Samsung gänzlich. Immerhin fällt die restliche Tastaturbeleuchtung aber ausreichend aus, auch wenn sie mit ihrem schnöden Weiß nicht ganz dem Esprit des restlichen Designs folgt. top
Es wurden noch keine Kommentare abgegeben.