Wieder einmal findet ein Motorola-Handy seinen Weg in unsere Redaktion. Diesmal ein Rocker, genauer: das MOTOROKR Z6. Musik liegt in der Luft! In dieser Disziplin muss sich Motorola mit den hochgezüchteten Multimedia-Boliden aus Sony Ericssons Walkman-Serie messen. Ob Motorola den massiv eingebrochenen Verkaufszahlen mit Innovationen und frischen Ideen entgegen tritt, ob der Slider mit der Niete an der Lederjacke oder eher aus der Lostrommel verglichen werden kann, ob also Musik mit dem Z6 ordentlich rockt, werden wir im Folgenden beantworten.
Das ROKR Z6 erreichte uns in einem schmalen rechteckigen Karton. Obendrauf ist das Z6 in geschlossenem Zustand zu sehen. In der Pappschachtel findet man neben einem USB-Datenkabel und dem Akkuladegerät auch ein Headset mit einer Taste zur Rufannahme. Ein Aufkleber weist auf eine Musikflatrate beim ehemaligen Filesharing-Anbieter Napster.com hin. Die gilt allerdings nur für 30 Tage, danach fallen Gebühren an. Das überrascht, galt Motorola doch bislang als einer der Hersteller, die gern mit Apple zusammen arbeiten. Ein kleiner Aufdruck mit dem Windowslogo räumt die übrigen Zweifel aus: anstatt der iTunes-Einbindung sind nun Windows Media Dateien im Spiel. Motorola widmet sich nun der microsoftschen Player- und Synchronisationsvariante und legt dem MOTOROKR Z6 auch eine CD mit dem Windows Media Player 11 bei.
Auf einer weiteren CD finden sich die Phone Tools in der mittlerweile vierten Version. Ein Handbuch erweitert die Informationslage, dennoch zeigte sich, dass die 146 Seiten nicht ganz ausreichen, um auch weniger wichtige oder abstraktere Funktionen zu erklären (wie man telefoniert, steht aber drin). Das Kurzmotto auf der Packung lautet diesmal: "Fast Easy Wireless Music". Das glaubt man aber erst, nachdem die 1 GB-microSD aus dem Karton gepurzelt ist. Die steckt übrigens wie eine russische Matrjoschka in einem SDcard-Adapter, der wiederum aus einer Plastikhülle gefischt wird. top
104 Millimeter Höhe liegen zwar über der psychologisch wichtigen 100-Millimeter-Marke, mit schlanken 16 Millimetern in Tiefenrichtung dürfte der Slider aber selbst von engen Hosentaschen noch anstandslos geschluckt werden. Schwere 115 Gramm erinnern aber beständig daran, wer da spazieren getragen wird. Die sanft abgerundeten verchromten Ränder passen gut zur verspiegelten Gehäusefront, dabei kann vor allem die dicke Antenneneinheit unterhalb der Tastatur einen extra Glanzeffekt für sich verbuchen. James Bond hätte das Z6 sicherlich als Ersatz-Rückspiegel für seinen Aston Martin benutzt. Wer das verspiegelte Kleinod sauber halten möchte, dem sei daher ein Brillenputztuch oder ähnliches angeraten.
Look&Feel des Z6, um in der Slogansprache zu bleiben, sind tatsächlich ein Ausflug in Motorolas Musik-Serie wert, dazu trägt die kompakte harmonische Bauweise und die hochwertige Materialwahl bei. Beim Design geht der amerikanische Hersteller allerdings keine neuen Wege. Handys von Motorola sehen einfach alle gleich aus.
Im geschlossenen Zustand lässt sich die Sliderkontruktion des Z6 auf den ersten Blick gar nicht erraten - aufgrund der massiven Bauweise ist ensteht vielmehr der Eindruck, dass es sich um ein Barrenhandy handelt. Beide Schiebeelemente fügen sich nahtlos ineinander, dabei macht sich ein ausgewogener Federungspunkt bemerkbar - als würden sich zwei gleichgepolte Magneten gegenüberliegen.
Das Aufschieben erfordert etwas mehr Kraft als bei vergleichbaren Handys anderer Hersteller. Aber keine Sorge: eine Schiebehilfe steht dem Daumen in Form einer kleinen Plastikleiste unterhalb des Displays helfend zur Seite.
Wie die meisten neueren KRZR-, RAZR- und RIZR-Boliden ist auch der Slider bestens verarbeitet. Fast nahtlos verbaut ist der rutschfeste Akkudeckel aus gummiertem Metall, lediglich ein winziger Spalt trennt ihn optisch vom restlichen Gehäuse. Passgenau sitzt auch der MiniUSB-Port an seinem Platz, überdeckt von einem am Gehäuse fixierten Plastikdeckel ist er gut vor Umwelteinflüssen geschützt. Ober- und Unterseite liegen zu guter Letzt nahezu wackelfrei aufeinander, den Spielraum von einem halben Millimeter werden selbst Haarspalter verschmerzen können. Dumm nur, dass man den Akkudeckel ziemlich oft bemühen muss, da Motorola die miniSD-Halterung darunter platziert. top
Auf 2 Zoll verrichten 320x240 Pixel in 262.144 Farben eifrig ihren Dienst. Abstriche muss man im Gegensatz zu Displays mit 16 Millionen Farben nicht machen - der Unterschied ist zumindest kaum wahrnehmbar. Die Einheit wird von einer beständigen transparenten Hartplastikplatte geschützt, die natürlich schnell mit Fingerabdrücken übersät ist. Klare Details und gestochen scharfe Linien werden auf dem großen Display farbgetreu wiedergegeben.Eine transreflexive Beschichtung fehlt dem Z6 allerdings, wenn der Stromsparmodus angeht, gehen alle Lichter aus - als Armbanduhrenersatz kann das Handy also nicht uneingeschränkt empfohlen werden.
Bei Motorola schon lange üblich: Die Ziffern und Buchstaben wurden aus einer Metallplatte herausgefräst und mit Gummimaterial gefüllt. Die Druckpunkte der so entstandenen Zifferntasten sind knackig und sehr gleichmäßig verteilt. Positiv vermerkt haben wir auch den ausreichenden Platz für ausnahmslos alle Tasten: Vertipper gehören damit zur absoluten Seltenheit. Auch ohne Hinschauen können nach kurzer Übung längere Telefonnummern oder Kurznachrichten treffsicher eingegeben werden.
Steuereinheit, Softkeys sowie Rufannahme- und Auflegetasten geben kaum Grund zu längerem Nachdenken. Sollte das mal passieren, könnte der Slider einem das Übel nehmen: wenn man einen Tick zu lang die Auflegen-Taste drückt, schaltet sich das Z6 kurzerhand aus.
Beim Navigieren durch Menüs und Listen ist der Daumen aufgrund der klar voneinander abgegrenzten Tasten immer punktgenau zur Stelle. Neben dem Navkey finden sich rechts und links eine hübsche Löschen-Taste und die Schnellstarttaste des Musikplayers: ob dessen Symbol einen Einkaufswagen, einen Beistelltisch oder eine Note darstellt, ist eine gute Frage, aber nicht so wichtig - die Musikwiedergabe so einfach zu starten, dürfte den Spaß am Handy schließlich noch um Einiges vervielfachen.
Fast genauso schnell lässt sich mit der Extrataste an der rechten Seitenkante die Sprachsteuerung aktivieren. Eine knarrende Stimme fordert dazu auf, einen Befehl einzugeben. In gehen wir näher auf die Spracheinstellungen ein. Auf der gleichen Seite findet man die Taste für Kamerastart und -auslöser. Die ist für den Zeigefinger in der um 90° gedrehten Kamervorschau gut zu erreichen. Auf der linken Gehäuseseite finden sich Lautstärke und die Zusatztaste zur Menübestätigung, die laut Handbuch aus dem Standby-Modus heraus den Browser öffnen soll und ansonsten als Menü-Bestätigungstaste fungiert - im Test wurde stattdessen aber der Videomodus gestartet.
Bleibt zu sagen: Auch mit kritischem Blick war den Tasten bis auf das bei sich selbst geklaute Design kein größerer Mangel anzusehen. Im Dunkeln lohnt sich übrigens ein Blick auf die blauen Linien. In bestem Star Trek-Design leiten diese das Auge zur Taste. Nicht nur dieses Fingerleitsystem erleichtert die Tipperei im Dunkeln, auch optisch macht das was her. Das Verhältnis von Display und Tastaturbeleuchtung bleibt dabei ausgeglichen. top
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