Es muss auch bei Handys nicht immer Standardkost sein. Abseits der Shops findet man edelste Designerstücke, die nicht nur das Auge, sondern auch den Geldbeutel ansprechen. Das Mobiado Luminoso schaffte es mit 1600 Euro zwar nicht in unsere Top 10 der teuersten Handys der Welt, aber auch dieses Gerät hat nur noch wenig mit der Ware in den einschlägigen Handyshops gemeinsam. Der Name "Luminoso" lässt bereits geheimnisvolle Illuminationseffekte erahnen. Ob sich der feine Brocken im Alltag nicht nur als besonders edler, sondern auch als praktischer Begleiter herausstellt, werden wir in der Folge beantworten.
Wie es sich für ein mobiles Accessoire der oberen Zehntausend gehört, schlüpft das Handy aus einer edlen Schatulle. Der Kasten hört sich beim Schütteln wie ein gepolsterter Würfelbecher an und ist standesgemäß mit schwarzem Samt ausgelegt; sein Äußeres wurde mit Lederimitat versehen. Mit einem einfachen Knopfdruck öffnet sich der Deckel, auf dem das silberne Firmenzeichen prangt - ein Ornament-Löwe, der an einen chinesischen Drachen erinnert. Auch auf dem restlichen Oben und Vorne tummeln sich Löwen im schwarzglänzenden Relief - ein wenig erinnert das schon an jene Schachteln, in denen Qigong-Kugeln untergebracht sind.
Um alle eventuellen Gerüchte von vornherein aus dem Weg zu räumen, hat der Hersteller beschlossen, auf einem Zettel darauf hinzuweisen, dass das Gerät nicht von Nokia hergestellt wurde. Ein kluger Schachzug, denn kaum hat daqs Gerät eingeschaltet, erstrahlt das Nokia-Logo in voller Pracht auf dem Display. Der Grund dafür ist schnell gefunden: Mobiado ist weder Urheber der verwendeten S40-Plattform noch Hersteller der technischen Komponenten - die kanadische Luxus-Schmiede zeichnet sich lediglich fürs Gehäuse verantwortlich. Die Innenseite des Deckels beherbergt in einem eingenähten Dokumentenfach das Handbuch und das Besitzer-Zertifikat. Um die Bedienung des S40-Betriebsystems zu verstehen, reicht die ultrakurz-Anleitung garantiert nicht aus - zumal nach der Hälfte der 15 Seiten gerade mal erklärt wurde, wie Akku und SIM im Gerät Platz finden.
Der Blick fällt schnell auf das in schwarzen Samt gebettete Handy, für jede Außentaste sind milimetergenaue Aussparungen an den Rändern der Einfassung vorgesehen. Mit dem Herausnehmen hat man keine Probleme, denn für die beiden Greifwerkzeuge Daumen und Zeigefinger wurden zwei weitere halbrunde Aussparungen geschaffen. Eine Etage tiefer gibt es noch weiteres Zubehör, dabei sind Ladegerät, Headset und die mickrige 64 MB fassende microSD-Karte (immerhin mit SD-Adapter) durch samtene Ränder vonenander getrennt. Darüber hinaus spendiert Mobiado dem Käufer noch ein Putztuch und eine stylische Handysocke mit matt schimmerndem Löwen vorne drauf - damit das schöne Schimmern auch länger als 10 Minuten anhält. Dumm nur, dass Mobiado bei den elementaren Dingen des Handylebens kräftig gespart hat: ein Datenkabel fehlt. top
Klar, ein Nobelhandy muss sich in puncto Design von den "normalen", pragmatisch gehaltenen und oft bis zum Maximum auf Funktion getrimmten Mobiltelefonen abheben. Mobiado gelingt das mit Hilfe einer überaus exquisiten Materialwahl: Hier wurde kein Gramm Plastik verbaut, bei der Produktion des Luminoso war Flugzeug-Aluminium Werkstoff der Wahl.
In gebürsteter Form umschließt es das gesamte Handy - mit Keramikbeschichtung, versteht sich. Stabiler als dieser in sich geschlossene und kompakte Block geht's kaum, zumal die Aluplatte ist nahezu fugenlos mit der Vorderseite verschraubt. Damit die Schnittstellen und Spaltmaße stimmen, wurde das Ganze laut Mobiado mit einem Laser zurechtgeschnitten.
Auch unter der Lupe finden sich kaum Unregelmäßigkeiten in der Verarbeitung. Zwischen Tasten und Gehäuse gibt es so gut wie keinen Zwischenraum. Doch perfekt ist nichts: Schmutz und Staub können ungebremst in den ovalen microSD-Schacht und die Anschluss-Buchse für das Datenkabel gelangen. Ein Schutzdeckel wäre da allemal pfleglicher gewesen.
Das Gehäuse besteht allerdings nicht nur aus unkaputtbarem Aluminium, sondern hat zusätzlich noch eine Glasverblendung, welche die gesamte Vorderseite bedeckt und auch die Tasten mit einschließt. Wie kratzfest die verglaste Vorderseite ist, haben wir nicht getestet.
Da diese aber hinter einem "Diamond Shield" steckt - eine Beschichtung, welche die gleichnamige Firma unter anderem auch für LKW-Fronten herstellt - wird man sich allerdings anstrengen müssen. Saphirglas gehört zu den Korunden und ist nicht eines der härtesten sondern das härteste Glas der Welt. Theoretisch könnte auch ein Schraubenzieher oder ein Messer der Vorderseite des Luminoso nichts anhaben. Fingerabdrücke machen sich hingegen schnell auf der Platte breit. Mit Hilfe des mitgelieferten Tuchs lassen die sich aber immerhin auch schnell wieder abwischen.
Ganz so stabil wie die Vorderseite scheint die Rückseite nicht zu sein, hier machen sich recht schnell Kratzer breit - ein Flugzeug sollte sich da jedenfalls besser auf seine Aluminiumhülle verlassen. Immerhin glänzt die Abdeckung der Kameralinse hinter bewährt verschleißfreiem und kratzfesten Saphirglas. Ungewöhnlich ist, dass auf der Rückseite die Schrauben zu sehen sind. Für die vermutete Zielgruppe der wohlhabenden männlichen Bevölkerung mit einem Faible für teure Uhren und Accessoires allerdings mögen diese Schrauben wohl den rustikalen Reiz des Selfmade-Millionärs ausmachen, der in seiner Garage einen Oldtimer nach dem anderen zusammenschraubt. Für das massive Material braucht es aber auch etwas mehr als Plastikkleber, um zusammenzuhalten, denn das Luminoso bringt stolze 132 Gramm auf die Waage.
Damit kann das Barrenhandy im Notfall als stabiles Werkzeug - etwa als Hammer - herhalten und zieht dabei die Hosentasche fast genauso weit runter wie das 135 Gramm schwere Iphone. Das harte Material und die ausgeprägten Kanten eignen sich zudem hervorragend dazu, Kaugummi von der Tischplatte zu kratzen. An der Oberseite, die beim Telefonieren das Ohr berührt, führt der nur wenig abgeschliffene 90°-Winkel des Kristallglases aber schnell zu Unbehagen. Ergonomie-Fans sollten vom Luminoso eher Abstand nehmen: Mobiados Barrenhandy ist zwar hübsch teuer, aber in puncto Handlichkeit und Haptik gerät es definitiv in die Kategorie "Steinzeitwerkzeug mit Perlenschmuck".
Um ans Akkufach zu gelangen, reicht es nicht immer, die hakelige Verriegelung zu öffnen - da muss schon eine Weile herumprobiert werden, bis das Fach freiliegt. Auf den ersten Blick fällt auf, dass der wackelige Akkudeckel der Batterie eher mäßigen Schutz gewährt. Selbst ein paar Regentropfen könnten theoretisch durch die Schlitze hindurch ins Innere sickern und dem ansonsten so robusten Boliden gefährlich werden. Der Akku kommt übrigens auch im Löwenoutfit daher - die Tierchen wurden als Papierbanderole drumherum geklebt. Ob sich ein Nokia-Logo drunter versteckt...? top
Das Display scheint einem in schummriger Umgebung gut sichtbar entgegen, selbst wenn die Umgebungshelligkeit an Sonnentagen und in hell erleuchteten Räumen aufdreht, bleibt der Bildschirminhalt immer gut ablesbar. Das ergibt sich aus der Eigenschaft des LCDs, Licht in Teilen wieder zurückzuwerfen, damit bleibt das Display auch ohne Beleuchtung ablesbar. Die transflektive Beschichtung ist allerdings keine Besonderheit des Luminoso, diese Eigenschaft besitzen mittlerweile alle gängigen Modelle, eingeschlossen die mit einer Null weniger im Preis.
262.144 verschiedene Farben kann das Display darstellen. Das ist schon mal eine ganze Menge. 240x320 Pixel zeigen gute Kontraste, kommen aber, was die Helligkeitsverteilung und Leuchtstärke angeht, eher einer Ölfunzel am nächsten. Das ist zwar nicht besonders zeitgemäß, passt in diesem Fall aber recht gut zum mysteriösen Lavagestein-Ambiente. Was hingegen nicht so gut passt, ist das Grau des ausgeschalteten Displays. Das erinnert verdächtig an Handys aus dem Neolithikum des Mobilfunks.
Optisch bewegt sich das Luminoso ohnehin rund ums Thema "massive Flächen mit hellen Punkten darauf". Wie die Schrauben sind auch alle seitlichen Extratasten rund, silber und blankpoliert, selbst die Richtungs- und Anruftasten sind im selben Stil gehalten, einzig Softkeys und Ziffernblock bestehen aus Saphir-Kristallglas. Die Zifferntastatur ist eigentlich Geschmacksache: die einen würden von apartem Design alter Schule sprechen (elegant), andere werden an eine Fahrstuhl-Bedientafel erinnert (ordinär). Ob man die ungelenk angeordneten Buchstaben und Symbole - die zudem die auch noch so aussehen, als wären sie mit einer alten Schreibmaschine lieblos drauf und drunter gehämmert worden - wirklich in dieser Form rasch auffassen kann, wollen wir ebenfalls dem individuellen Geschmack überlassen.
Manchmal ist es nötig, mit seinem Handy auch längere Botschaften abzusetzen, mitunter reicht ein simples "OK" oder "Alles klar, bin gleich da" einfach nicht aus. Dafür gibt es die Spezialtastaturen im QWERTZ-Format oder aber auch breite Zifferntastaturen wie sie etwa Nokias N95 oder Motorolas RAZR V8 bieten. Doch mit diesen Tastaturspezialisten kann das Luminoso nicht mithalten. Positiv hervorzuheben ist, dass alle Tasten ein angenehmes Feedback geben und sich mit ihrer gleichmäßigen Aufteilung gut unterscheiden lassen. Dass die Tastatur sich trotzdem als fleischgewordener Alptraum jedes SMSers entpuppt, liegt vor allem in der komprimierten Anordnung begründet - schon bei Fingernägeln mit Bruchteilen von Überlänge sind Schwierigkeiten vorprogrammiert. Wer sich ohnehin kurz fasst, wird das verschmerzen können, vor allem aber zum konfigurationsintensiven Auftakt wird Maniküre allerdings alleine aus pragmatischen Gesichtspunkten zur Pflicht. Ansonsten empfiehlt sich eine Bluetooth-Tastatur.
Mangels Federung sitzen die Tasten einfach auf der Druckfläche auf, von wo aus der Tastendruck abgenommen wird. Dazwischen haben sie etwas Spiel. Das fühlt sich etwa so an wie eine Handvoll edler Perlen, die knisternd gegen einander fallen. Eine der charmanteren Eigenarten dieser eigenwilligen Création. Nahezu einzigartig auch die Tatsache, dass der User die Funktion der seitlichen Extratasten selbst herausfinden muss. Nur im Handbuch wird beschrieben, welche der fünf Silberlinge als Kamerataste, für die Lautstärkeregelung, zum Ein-/Ausschalten und für Push to Talk (PTT) zuständig ist. Wer sich das gemerkt hat, wird allerdings Spaß dran haben, die minimalistisch-edle Haptik beim Tastendruck gehört mit Sicherheit zu den größeren Besonderheiten des Brikett-Königs.
Nun aber zur größten und namensgebenden Besonderheit des Mobiado Luminoso: der Tastaturbeleuchtung. Was also schreiben zu einem Handy, das die Tastatur von zwei Seiten anstrahlt und dazu Saphir-Glas nutzt, welches - typisch für den Schmuckstein - bestens für Lichtspielereien geeignet ist?
Die Steinchen strahlen in unaufdringlichem hellblau und machen im Dunklen den eleganten Luminoso-Effekt aus, der viel Aufmerksamkeit garantiert. Wer bewegtes Licht oder Blinkspiele á la T650i erwartet, ist hier zwar an der falschen Adresse, trotzdem bringt die exklusive Kombination aus Schmuckstein und Beleuchtung alle Umstehenden in Verzückung. Auch wenn sich die Metalltasten im Dunkeln verstecken, alles was leuchtet, strahlt schön hellblau und zeichnet ein atmosphärisch gelungenes Muster mit blauen Punkten auf die Netzhaut. top
Wer soll sich bei der Tastatur mit diesen wirren Beschriftungen noch auskennen?