Der Begriff "Cruisen" stammt aus den 50er Jahren und meinte damals so viel wie mit dem Auto am Strand herum zu fahren, um dort mit dem aufgemotzten Straßenkreuzer auf Blickfang zu gehen. Im Laufe der Zeit wandelte sich die Bedeutung bis hin zur Extremvariante: die unverbindliche Partnersuche mit dem berühmten Tag danach. Ob die mit einem schicken Touch-Handy erfolgreicher ist, als ohne, wollen wir an dieser Stelle mal offen lassen. Das bis oben hin mit Technik vollgepackte HTC Touch Cruise aka Xda Orbit 2 könnte sich aber in jedem Fall als Verbindungs-Überflieger bewähren. Ob das neueste Smartphone von HTC nach dem Höhenflug auch wieder auf die Landebahn findet, zeigt unser ausführlicher Test.
Der heilige Gral war ja bekanntlich ein Holzbecher, den sich ein Handwerker in der Pause zurecht geschnitzt hat. Auch wenn die Geschichte in einer säkularisierten Welt wohl eher symbolischen Wert besitzt, so drängt sie sich in Anbetacht der simplen Verpackung des edlen Touch-Handys förmlich auf. Ein einfacher schwarzer Karton mit nur einem kleinen Understatement: das Miniaturlogo des taiwanischen Herstellers HTC. Da ist die mit spärlichen Spezifikationen bestückte Pappbanderole drumherum fast schon eine Ursache für Reizüberflutung.
Aber mitnichten gehört die Ausstattung des Cruisers zu den spartanischen auf dem aktuellen Smartphone-Markt. Alleine das Aufgebot an Papp- und Papiermaterial im Kasten ist umfangreich genug, um einen Roman zu fassen. Nicht nur das ausführliche Handbuch mit 260 Seiten - in unserer getesteten Version in englischer Sprache beigelegt - bietet Platz für mehr als nur die nötigsten Erklärungen unbekannter Variablen. Neben den Garantieunterlagen liegen Lizenzen für Tomtom und Microsoft mit im Karton, für die Navigationssoftware ist allerdings nur Kartenmaterial für eine Stadt (Ost- und Westeuropa oder USA) gratis mit dabei - quasi mit lebenslanger Laufzeit. Wer mehr will, muss zahlen. Da macht der Navigationslieferant auch nicht viel mehr Geschenke als bei Samsungs Navi-Barren SGH i550, wo die Testversion von Navigons Mobile Navigator 6 nach 14 Tagen gänzlich unbrauchbar wurde.
Zusätzlich ist eine CD mit der Software und PC-seitigen Verwaltung des Tomtom-Systems an Bord, alle Treiber und ActiveSync findet man ebenfalls auf der Silberscheibe. Auch Installationsdateien für das Sprite-Backup - eine Software zum Sichern seiner Daten - und den GPRS Monitor (zur Übersicht der verbrauchten Kilobytes beim Surfen) sind hinterlegt. Mit einer kleinen Zusammenstellung an nützlichem Zubehör von Bluetooth-Headsets bis Auto-Ladegerät kann man ein Smartphone erweitern. Dem Touch Cruise liegt als Inspiration zum Kauf von passendem Zubehör ein kleines Faltblatt bei, auf dem auch ein Hinweis nicht fehlt, dem HTC e-club beizutreten. Warum eigentlich nicht?
Doch bevor man den ausprobiert, überprüft man besser, ob alle Basics im Lieferumfang enthalten sind : ein Ladegerät, ein HTC-Headset (mit einem Knopf für die Rufannahme und einem Lautstärkeregler) und ein Datenkabel mit dem praktischen, weil weitverbreiteten Mini-USB-Anschluss. Zur sanften Platzierung der Ohrstöpsel in der Ohrmuschel gibts zwei Schaumstoffpölsterchen hinzu, als elegantes, wie auch sanftes Ruhelager für das Smartphone beim Transport dient eine stabil gefertigte Samttasche, in die das Gerät nahtlos hinein gleitet. Wer sich um die Unversehrtheit der Displayoberfläche sorgt, kann auf den mitgelieferten Displayschutz zählen.
Einzig eine microSD-Karte vermisst man in der Zusammenstellung von HTC's High-End-Gadget. Für welche Zwecke man sich eines laut HTC anschaffen sollte, ist links und rechts neben der Aussparung im Schaumstoff im Gegenlicht zu sehen: Kamera und Musik. Da wollen wir noch hinzufügen, dass das Kartenmaterial für die Navigation sicherlich auch nicht auf den Onboard-Speicher mit seinen 256 Megabyte passt. Der dürfte aber immerhin fürs Messaging und die Kontakte reichen. Mit dem Lieferumfang setzt das Touch Cruise schon mal einen satten Maßstab. Wer sich die gebrandete Version Xda Orbit 2 im o2-Shop kauft, bekommt sogar noch mehr obendrauf: top
Mit 110x58x15,5 Millimetern ist das Cruise nicht nicht wesentlich größer als vergleichbare Smartphones, das üppige Gewicht von 130 Gramm sorgt dafür, dass sich der Touchscreen-Barren nicht durch Windkraft vom Fleck bewegt. Trotzdem liegt er dank einer überlegten Materialwahl und ergonomischen Formensprache überaus griffig in der Hand.
"Solid as a Rock", diesen Titel würde wohl jeder Handybesitzer zur Verdeutlichung seines Qualitäts-Anspruchs gerne aus der Jukebox hören. Mit dem Touch Cruise hätte er auf den ersten Blick gute Chancen, das passende Gerät in Händen zu halten. Beim ersten kurzen Eindruck ist der Befund unauffällig - doch der unbestechliche zweite Blick offenbart dann doch ein paar Mängel.
Die Spaltmaße, vor allem an der Seite, vermitteln nicht den Einduck, mehrere Jahre Intensivnutzung schadfrei zu überstehenleben. Zwischen den Kunstoffleisten im dunklen Chrom-Look und der aus Softtouchmaterial hergestellten Gehäuseverschalung bestehen Differenzen in unregelmäßigen Abständen. Der schon von der instabilen Plastiktastatur des Nokia 6120 classic bekannte Propellereffekt entsteht auch beim Cruise dadurch, dass jene seitliche Extrataste, die der Lautstärkeregelung dient, wortwörtlich aus der Halterung tanzt: der gefederte Schieberegler lässt sich in mehr als nur den zwei vorgesehenen Richtungen bewegen.
Immerhin sind Öse für Lanyards und MiniUSB-Anschluss auf der Unterseite sowie der seitliche microSD-Slot bestens verarbeitet, auch den häufig verwendeten An/Aus-Knopf, der zur De-/Aktivierung des Standby-Modus dient, macht einen langlebigen Eindruck, auch wenn am Anschluss für Datenkabel und Headset keine Plastikbedeckung dran ist.
Einen Deckel hat dagegen der Anschluss für eine externe GPS-Antenne auf der Rückseite spendiert bekommen. Direkt darunter wurde die Kameralinse platziert. Für Selbstportraits veredelt zusätzlich ein spiegelnder Knopf die Rückseite. Drei längliche Öffnungen lassen den Sound aus dem Gerät austreten, außerdem verzieren Herstellerlogo und Gerätename die Rückseite - diese Mischung aus Ampel und Zebrastreifen ist dann alles in allem ein etwas unmotiviertes Design.
Aufgeräumter wirkt hingegen die Vorderseite. Es ist fast pure Verschwendung, wenn man neben all dem Kunststoff die durchgehend aus lupenreinem Metall bestehende Platte mit der Anruf-, der Auflegentaste und den zwei Schnellstarttasten für Internet Explorer und Navigationssoftware betrachtet. Auch die plane, verspiegelte Displayabdeckung wirkt exklusiv. Sie könnte direkt aus dem Spiegel im Flur herausgeschnitten worden sein und sieht nach echtem Glas aus.
Auch hier spielen die Spaltmaße zum Geräterand hin eine leicht untergeordnete Rolle, was den Eindruck von Stabilität noch etwas mehr trübt - allzu viel Staub sammelt sich zum Glück aber nicht in den Ritzen. Die präzise ins Glas gefrästen Aussparung für den Telefonielautsprecher und die vordere Kamera sorgen außerdem für einen Hingucker-Effekt.
Das Scrollrad unter dem Display ist dann aber auch schon wieder aus Kunststoff, wie auch der Bestätigungsknopf in der Mitte. Leichtgängig ist in der Drehung des Rads und genau so leicht sitzt es auch in der Halterung. Beim Schütteln des Gehäuses ist sogar zu hören, dass das Rad jede Menge Spiel hat. Die Vier-Wege-Richtungssteuerung funktioniert aber zuverlässig. Fazit: keine Verarbeitungskatastrophe, aber mit "Klapperkasten" liegt man auch nicht so weit daneben.
Etwas Mut muss man dann schon mitbringen, will man den hakelig konstruierten microSD-Slot öffnen, einen reissfesten Geduldsfaden, um das Ganze wieder zu verschließen. Dagegen ist die Unterbringung und das Herausfischen der microSD dank einer fingerkuppenfreundlichen Vertiefung kein Problem.
Sicher ist, dass der Akkudeckel sich ohne Probleme vom Gerät lösen lässt und auch auf einfache Weise - ohne viel Druck - wieder bombenfest mit dem Cruise verbindet. Vorsicht ist aber geboten, will man die SIM ohne Entfernen des Akkus wechseln.
Auf den ersten Blick scheint das möglich, doch ein unauffälliger kleiner Plastikschieber vereitelt das Unterfangen buchstäblich in letzter Minute, der weicht nämlich erst, wenn der Akku draußen ist. Dieser wiederum flutscht mit Hilfe des Kunststoffbands ziemlich einfach aus seiner Halterung. top
Trotz der Bildschirmdiagonale von 2,8 Zoll - so viel wie Nokias Multimedia-Non-Plus-Ultra N95 in der 8GB-Edition - bietet der Touchscreen nicht mehr als die Standard-Auflösung von 240x320 Pixeln bei etwa 65.000 Farben. Zwar wäre technisch noch mehr machbar, doch das menschliche Auge kann in diesen Sphären ohnehin kaum noch Unterschiede wahrnehmen. Da außerdem die Displays fast aller aktueller Mittelklasse- und Highend-Handys - und damit auch bei HTC - beste Erkennungsraten, Kontrast- und Leuchtstärken bieten, rückt mehr und mehr in den Vordergrund, 'was' auf dem Bildschirm zu sehen ist.
Außerdem: Selbst ein Handy-Banause würde das Cruise nicht unangespitzt im Container versenken - immerhin dient es im ausgeschalteten Zustand noch als schlichter Spiegel mit 0,0 Watt Stromverbrauch. Der Effekt verschwindet aber sofort, nachdem die Lämpchen angehen.
Auch bei direkter Sonneneinstrahlung dürfte sich dieser Umstand zu keinem Problem auswachsen - das Display ist für eine transreflexive Anzeige ausgelegt und kann im Gegensatz zu den meisten anderen Vertretern dieser Gattung sogar mit wenigen Tipps auf diesen Anzeigetyp umgeschaltet werden - mit "HTC Home" besitzt das Cruise dafür die nötige Bedienführung. Was den User auf dem Geniestreich-Home-Screen erwartet, verraten wir in .
Mit dem Touchscreen als einziger Texteingabemöglichkeit, kommt der Eingabemethode eine hohe Bedeutung zu. Das hat HTC schon früh erkannt und in Eigenregie den nervigsten Eigenarten von Windows Mobile abgeholfen. Dessen klitzekleine On Screen-QWERTZ Tastatur wurde ja bekanntlich noch nicht überarbeitet. Nur mit dem Stylus kann man da schnell mal was eintippen. Die HTC-Lösung hat sich dagegen rumgesprochen und mit etwas Glück kann die HTC-Software sogar auch auf Smartphones anderer Hersteller mit demselbem Betriebssystem installiert werden. Die User etwa des Business-Handys LG KS20 dürften sich in diesem Fall über ein mit dem Finger bedienbares Keyboard freuen - das hat LG nämlich vergessen.
einen klassischen Ziffernblock. Für Satzzeichen und Zahlen wird die Taste entsprechend länger gedrückt. Großbuchstaben werden nach dem Tippen der Shift-Taste sichtbar.
Leider fanden wir weit und breit keine Aktivierung einer Bestätigungsvibration. Lediglich akustisches Feedback gibt das System aus. Eine vollständige QWERTZ-Tastatur im fingerfreundlichen HTC-Style, die dank hochformatigen Feldern auch mit ein wenig Übung tatsächlich mit den Fingerkuppen angesteuert werden kann, ist ebenfalls Teil des Systems, aus unerfindlichen Gründen taucht die aber nur zur Eingabe des WLAN-Schlüssels auf.
Zur Worterkennung dient das XT9-System. Eine Zeile zwischen der Tastatur und dem oberen Bildschirmbereich zeigt die Vorschläge an, die mit einem Tipp auf das aktuell bearbeitete Wort übernommen werden. Die Anzahl der Vorschläge kann man in den Optionen einstellen.
Noch schneller gelangt man bekanntlich mit Hilfe seitlicher Extratasten ans Ziel. Dafür prangt hier zum Beispiel ein Kameraknopf an der Stelle, an der Auslöser auch bei Digitalkameras zu finden ist. Eine Diagonale gegenüber auf der anderen Seite versteckt sich ein etwas unscheinbarer Start für die Sprachsteuerung. Daneben zu finden: der etwas eigenwillige Patentschieber, um die Lautstärke zu regeln. Damit erreicht man allerdings des Öfteren keine stufenlose sondern eher grobe schrittweise Angleichung der Lautstärke
Je nach Geschmack macht eine physische Richtungssteuerung auch bei einem Touch-Handy mitunter Sinn. Dafür gibt es das Scrollrad mit 4-Wege-Richtungstasten. Das kann sich vor allem bei breiteren Fingern auszahlen, denn die meisten Bedienelemente in der Redmonder Software sind so klein, dass man nicht zweimal überlegen muss, ob der Stylus hervorgekrustelt werden muss. Nur mit gut geübter Daumennagelakrobatik gelingt die Bedienung, vor allem in den fitzeligen Einstellungsmenüs auch ohne den Metall-Stift mit der Plastikspitze. Seinen Platz hat das Kleinod an der Längsseite des Cruise, wo es zielsicher versenkt werden kann und dann bündig mit der Oberfläche abschließt.
Die kinderleichte Anpassung der Leuchtstärke des Displays über das HTC-Home-Menü heißt zwar, dass kein Helligkeitssensor das automatisieren kann, allerdings bekommt dadurch die Tastaturbeleuchtung immer das passende Lichtgewand. Auch das Scrollrad unter dem Display verströmt hellblaue Helligkeit und stiehlt damit fast den umliegenden Tasten die Show. Wie lange die Tasten beleuchtet sind, kann man in den Einstellungsmenüs nicht selbst bestimmen, wohl aber die Dauer der Hintergrundbeleuchtung - dadurch wird das Smartphone auch schnell mal zur Not-Taschenlampe. top
Hi Frederick,
auf dem Bild mit der geöffneten Rückseite steckte eine eplus Karte in dem Gerät.Das erklärt(zum Teil) die schlechten Ergebnisse bei der Datenrate. Bei eplus, wie ich als leidgeprüfter Kunde weiß, gibt es auch bei UMTS maximal 768 kbps Down- und 128 kbps Upload.
Grüße
Dirk
65k natürlich...
WM 6 unterstützt bis dato sowieso nicht mehr als 56k Farben,
ist ja super - aber was soll das ding kosten ???
@philz95
Sorry, ich muss außer mir gewesen sein...
Mein HTC ist sauber verarbeitet, dass Öffnen/Schließen des SD-Slots ist allerdings wirklich ein Geduldsspiel