Gespannt wartete die Touchscreen-Gadget-Gemeinde schon aufs Qbowl, seinerzeit noch heißdiskutierter iPhone-Konkurrent. Doch während Apple mit Hilfe viralen Marketings nicht nur ein technisches Produkt, sondern auch ein Lebensgefühl in die Verkaufsregale entsandt hatte, war das Qbowl trotz schnellerem Internetanschluss kaum mehr als eine Studie. Vielleicht wären die Display-Panels im 16:9-Format weiterhin zu Qbowls verarbeitet worden, hätte Samsung das Experimentieren auf mittlerem Niveau nicht sein lassen und mit dem Samsung SGH-F490 einen Nachfolger ohne ausziehbare Tastatur entwickelt. Ob das Handy im Kaugummistreifen-Format im Vergleich zum eher durchwachsenen Vorgänger mit verbessertem Handling glänzt, oder ob man sich davon besser keine Zehnerpackung kaufen sollte, klärt unser ausführlicher Test.
Mit dem Nachfolger des F700 erreichte uns auch ein ungewöhnlich hoher Karton, der eher an eine Kaffeedose, als an den Behälter eines Touch-Handys erinnert. Beim Lieferumfang lässt sich Samsung nicht lumpen: neben Datenkabel, zweiteiligem Headset und Ladegerät knallt ein ganzes Feuerwerk an Zubehör aus dem Wunderkarton. Allerdings sind die Beigaben weniger technischer Natur, sondern dienen vielmehr der Anpassung des Geräts an den persönlichen Geschmack des Nutzers. Sollte der einmal Wolfgang Schäuble begegnen, könnte er dessen Fingerabdruck bestens auf der zusätzlichen Hochglanz-Verschalung für die Rückseite des SGH-F490 bannen. Dieser alternative Deckel fürs Akkufach ist aus Kunststoff und sieht aus wie eine Mischung aus Badefenster und Fischhaut. Jegliche Fettansammlungen sieht man hier gestochen scharf im Gegenlicht.
Gut geschützt ist das schlanke Handy im Hochformat in der passenden Stofftasche. Der Stylus hätte Captain Kirk alle Ehre gemacht. Was aussieht wie ein Miniatur-Lippenstift oder ein Bollerkuli entpuppt sich als todschicker Ausziehstift, der auch noch bestens zu bedienen ist. Da macht es auch nichts aus, wenn geschätzte 40 Prozent der Nutzer von alleine wohl nicht auf die Idee kommen werden, dass man bei dem Ding noch einen Teleskopstab ausziehen kann.
An Informationsdatenträgern fällt einem eine CD mit Samsung PC Studio, Treibern und Bedienungs-PDF entgegen, in Papierform gibts für die Akten das Garantieheftchen, den üblichen Samsung Fun Club-Flyer samt einem Angebot, das man sich durchaus zweimal anschaut - eine kostenlose Versicherung für den Fall des Herunterfallens: Stoß-, Sturz-, Fall- und Bruchschäden, auch Bedienungsfehler werden abgedeckt. Das Benutzerhandbuch ist spärlich ausgefallen. Von den 52 Seiten dokumentieren nur 41 Seiten die Handy-Funktionen, die ersten 11 Seiten enthalten nur allgemeine Informtionen. Das Heft ist jeweils einmal in Deutsch und für den australischen Austauschstudenten auch in Englisch vorhanden. Last but not least flutscht aus dem Papier- und CD-Konglomerat noch eine waschechte 1 Gigabyte microSD, die in einem passenden SD-Kartenadapter steckt, mit dessen Hilfe man die Kleinst-Karte bequem in fast jedem Card-Reader unterbekommt. top
Mit 53,5 Millimetern ist das F490 schmaler als die meisten Vertreter der Gattung Touch-Handy, die Höhe von 115 Millimetern dagegen entspricht dem Standard. Daraus resultiert die extrem gestreckte Form, die der Gattung der Barrenhandys, im Gadget-Jargon auch "candybar style" genannt, alle Ehre macht. 102 Gramm liegen dabei längst nicht so schwer in der Tasche wie die Touch-Boliden anderer Hersteller.
Auch wenn es mit seinen Leuchteffekten (siehe unten) direkt von der Tanzfläche zu kommen scheint, macht es im schlichten Massivblock-Outfit auch ohne Licht eine Menge her. Die klare, geschlossene Oberfläche auf der Vorderseite ist nur durch die Ausparung für den Telefonie-Lautsprecher oben und das Logo unten unterbrochen. Abgerundete Ecken gehören bei aktuellen Touchphones ja mittlerweile zum guten Ton.
Alle Spaltmaße auf der Geräteseite, aber auch zwischen Akku und Gerät weichen um kein bisschen vom Maß ab, genauso verhält es sich auch mit Display-Platte und Geräterahmen - da ist kaum Platz für Staub und andere Verunreinigungen. Bis auf die Unterseite des SGH-F490, an der nur das Mikrofon untergebracht ist, erwartet den Nutzer rund ums Gerät jede Menge Abwechslung. Vielerlei Knöpfe und Anschlüsse zieren den Gehäuserand. Da Umwelteinflüsse durch die sorgfältige Verarbeitung und die Abdeckung aller Slots kaum eine Chance haben, ins Gerät einzudringen, kann das F490 nicht nur mit seiner spiegelnden Oberfläche, sondern sogar fast schon mit Outdoor-Qualitäten glänzen, während der DJ-freundliche Kopfhörer-Anschluss für 3,5 Millimeter-Klinke und der Anschluss für Headset, Lade- und Datenkabel durch einen bestens angepassten Plastikverschluss gut bedeckt sind, findet die microSD-Karte im Innern des Akkufachs seinen Platz.
Da bleibt kaum Platz zum Nörgeln, der Block wirkt und ist bis zum Anschlag kompakt zusammen gebaut, die Einzelteile passen haargenau aufeinander. Sauber bleibt auch das schwarz lackierte Lautsprechergräting auf der vorderen Oberseite. Lediglich die Kameralinse zur Videotelefonie erscheint etwas an den Rand gedrängt. Ebenso wird die Monotonie der Rückseite nur durch die obligatorische Kameraeinheit unterbrochen, die genauso wie der Gesamtumriss abgerundete Ecken aufweist und in Ampelordnung Blitz, Selbstportrait-Spiegel und Linse fasst.
Unter der Haube setzt sich die pragmatische Kontruktionsweise konsequent fort, ohne die Usability oder Handlichkeit einzuschränken. Um die SIM einzulegen bedarf es keiner Fingerakrobatik, auch bei eingelegtem Akku ist dies möglich (nur zum entnehmen muss der Akku weichen). Die microSD wird in ein Fach unter der SIM geschoben und lässt sich auch ohne lange Fingernägel rasch herausnehmen. Da sich der Akkudeckel sehr einfach vom Gerät löst und auch satt wieder dranklickt, ist diese Lösung fast schon angenehmer als ein externes SIM-Fach. top
Beim Samsungs Touch-Handy liegt ein wichtiges Augenmerk auf dem Display. In Sachen Kontrast, Helligkeitsverteilung und Farben holt es sich zwar gute Punkte, die sind aber auch bitter nötig, denn nicht nur im prallen Sonnenlicht fällt einem die spiegelnde Eigenschaft der gesamten Vorderseite auf. An hellen Tagen sollte man die Display-Helligkeit in den Einstellungen etwas hochschrauben, denn ein mittelmässiger Betrachtungswinkel, bei dem man das Display noch klar genug auslesen kann, kommt erschwerend hinzu.
Auch in weniger lichtdurchfluteten Situationen kann man die Vorderseite noch als Spiegel benutzen. Immerhin handygewordener Nebennutzen für Geheimagenten oder Kosmetikfans. Am besten ist das ungewöhnliche Schlauch-Format des Display wohl geeignet, um sich die guten alten Klassiker mit John Wayne anzusehen: Warum Samsung dieses extrem schmale 16:9-Format mit 240x432 Pixeln verwendet, bleibt unklar.
Die ersten Gehversuche als F490-Einsteiger zeigen, dass die anfängliche Touchscreen-Kalibrierung die Steuerung genug präzisiert, um das F490 komplett mit dem Finger bedienen zu können. Wenn's mal schwierig wird, kann aber auch der Stylus oder ein handelsüblicher Kuli verwendet werden. Der Stylus, der aus der Verpackung flutscht, ist nicht, wie bei Touch-Handys üblich, in das Gehäuse integriert, sondern als Schlüsselanhänger konzipiert, so dass man ihn etwa an der Öse für Lanyards befestigen kann, über die das F490 verfügt.
Sicher ist, dass in der Queransicht das SMS-Schreiben oder die Texteingabe beim Internet-Surfen auf dem Samsung Qbowl schon trotz ausfahrbarer qwertz-Tastatur aufgrund nur weniger Textzeilen nicht praktikabel war. Hier beginnt das 16:9-Format problematisch zu werden. Bei längerer Nutzung des F490 wird deutlich, dass Samsung hier mangels Platz gleich ganz auf eine halbseitige Bildschirmtastatur verzichtet und anstatt dessen jedes Mal, wenn Text eingegeben werden soll, eine überdimensionale Onscreen-Tastatur starten lässt.
Der Ziffernblock-Modus, der bei jeder Texteingabe gleich den gesamten Bildschirm ausfüllt, ist eigentlich übersichtlich und fingerfreundlich, auch mehrmaliges kurzes Drücken wird auseinandergehalten. Dazu gibt es wie auch schon beim F700 ein Vibrationsfeedback. Die Vollbild-Tastatur mag im Hinblick auf das kleine Platzangebot auch Sinn machen, aus ergonomischer Sicht ist sie ein schlechter Scherz: Die Enge auf dem Bildschirm wird zur gefühlten Enge. Der Nutzer verliert dazu noch bei nur drei Zeilen Textfenster den Überblick. Leider gibt es weit und breit keine Alternative, daher muss man sich wohl oder übel an den Platzmangel gewöhnen.
Im Querformat hat Samsung ganz auf eine QWERTZ-Tastatur verzichtet, beim Surfen im Internet lassen sich somit nicht einmal Textfelder bearbeiten, da muss erst wieder zurück ins Hochformat gestellt werden. Die Bearbeitungsoptionen wie Kopieren oder Einfügen funktionieren nur im jeweiligen Textfenster. Da es für das eigenentwickelte Betriebssystem keine Drittanbietersoftware gibt, kann man sich ein nützliches Textkörbchen auch nicht für Bares draufpacken.
Texteingabe-Komfort sucht man bei dem Touchhandy nicht ganz vergeblich - eine Worterkennung hilft bei der Eingabe, allerdings wird der Wortvorschlag erst dann angezeigt, wenn schon alle Buchstaben eingetippt sind, der Nutzen geht also gen Null. Die fehlende physische Richtungsnavigation im Text wird durch ein Fenster mit Steuertasten ersetzt. Augenfreundlich ist zumindest das verwendete Antialiasing. Die Darstellung selbst ist ausgewogen gestaltet. So gleitet das Auge über den dargestellten Text in den üblichen Samsungfarben, die hohen Kontrast gewährleisten. Die große Schrift scheint ebenfalls Ursache für den Platzmangel zu sein.
Das handliche Format ließ bei der Konstruktion anscheinend Platz für seitliche Steuertasten. Da diese beim F490 auch mit kleineren Händen gut erreichbar sind, profitiert man nicht nur haptisch von der handfreundlichen Form, sondern auch bei der Bedienung und Menünavigation. Die physische Tastatursperre, die gleichzeitig dank Schiebemechanismus auch als An-/Ausschalter dient sowie die Laustärke-Wippe, die Kamerataste und die Menüsteurungstaste funktionieren einwandfrei und sind stabil verarbeitet.
Die schicke Tastenbeleuchtung schaltet sich auf Wunsch über Nacht, nur Abends oder den ganzen Tag an. Start und Ende davon kann man individuell festlegen. Das Display wird nach ebenso personalisierbaren Werten gedimmt und dann abgeschaltet, bis der Nutzer den Schieber Richtung An/Ausschalten zieht, dann springt das Display wieder an. top
Wie ist eigentlich der Klang des Musikplayers?
Entweder ich bin grad total blöd oder ihr habt wirklich vergessen etwas über den Klang zu schreiben^^
Gruß.